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Deutsche, Linke und Antisemitismus/Antizionismus


Tilman Tarach: Der ewige Sündenbock.
Heiliger Krieg, die »Protokolle der Weisen von Zion« und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt
Die als „palästinensische Flüchtlinge“ geltende Gruppe, die im Zuge des Krieges von 1948 ihre Häuser verlassen hat, genießt eine groteske Sonderstellung. Für sie – nur für sie – hat die Uno eine zweite Flüchtlingsorganisation geschaffen, die UNRWA (United Na­tions Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East), wohingegen das UNHCR für alle übrigen Flüchtlinge zuständig ist. Die von der UNRWA versorgten Palästinenser besitzen außerdem eine höchst erstaunliche Eigenschaft: ihr Flüchtlingsstatus ist nach den UN-Richtlinien – anders als bei allen anderen Flüchtlingen und entgegen der Genfer Flücht­lingskonvention – vererbbar. Nun soll es 1948 nach Angaben der Uno insgesamt ca. 720.000 solcher palästinensischer Heimatvertriebener gegeben haben. Die Gruppe Palästina-Solidarität nennt für heute die Zahl von 7,4 Millionen palästinensischen Flüchtlingen.... (Die haben sich also inzwischen um das mehr als zehnfache vermehrt. Der Säzzer).

Linke Israelkritiker tarnen ihren Antisemitismus: Feiger Hass. KOMMENTAR VON STEPHAN KRAMER (taz, 19.6.10). Gregor Gysi verstieg sich medienwirksam dazu, die legitime Selbstverteidigung der israelischen Soldaten gegen die mit Eisenstangen und Messern brutal angreifenden Islamisten als "verbrecherischen Akt, bei dem friedliche Menschen getötet und verletzt wurden", zu verfälschen. Bis heute hat er sich nicht von dieser antiisraelischen Propaganda distanziert. ... Den Initiatoren der Flotte ging es übrigens nicht um das Schicksal der Palästinenser im Gazastreifen - sonst hätten sie Israels oder Ägyptens Angebot angenommen, die Hilfsgüter nach einer Inspektion selbst nach Gaza zu bringen -, sondern um die Aufhebung jeglicher israelischer Kontrolle der nach Gaza gelangenden Fracht. Das jedoch hätte in Zukunft ungehinderten Waffentransport an die Hamas-Bewegung und deren Geistesverwandte bedeutet - und das keine siebzig Kilometer von Tel Aviv und nur achthundert Meter von Sderot entfernt. .... Ein kleiner Hinweis: Heute verfügt die vom Iran mit syrischer Hilfe aufgerüstete libanesische Hisbollah bereits über 40.000 auf Israel gerichtete Raketen. Wäre die Rechnung der Blockadebrecher aufgegangen, könnte auch die Hamas binnen kurzer Zeit tausende von hochgefährlichen militärischen und nicht "nur", wie bisher, "hausgemachten" Raketen vorweisen. Dieselbe Hamas, die unverhüllt Israels Vernichtung anstrebt und israelische Städte unter Beschuss nimmt....

 

Gregor Gysi geißelt linken Antizionismus. Kehrtwende bei den Linken: Fraktionschef Gysi stimmt neue Töne gegenüber Israel an. Statt einseitiger Bekenntnisse zum "Befreiungskampf des palästinensischen Volkes" fordert er jetzt in einer Rede "Solidarität mit Israel" - und warnt vor linkem Antizionismus. Er warnt vor dem "Antizionismus", den viele Linken betrieben. "Der Begriff des Imperialismus trifft auf Israel auf jeden Fall nicht zu." Er "anerkenne die Bewahrung demokratischer Verhältnisse – einschließlich einer demokratischen Öffentlichkeit – während der vergangenen 60 Jahre seit der Gründung Israels als eine wirklich große Leistung, die Bewunderung verdient". (Spiegel, 15.4.08).
Gysis Machtwort irritiert Genossen (taz, 18.4.08). Vollständiger Text bei "Standpunkte" der RLS.

  • Letter from Berlin: The anti-anti-Zionists By Benjamin Weinthal (haaretz, 07/08/2007).
    Die pro-israelische Linke

  • Tilman Fichter (883): WAS IST ANTISEMITISMUS? (883 Nr. 41 vom 20.11.1969, S.4)

    Dem Webmaster sträuben sich die Haare. Hier eine Kostprobe aus Tilmans Feder: "Im nationalsozialistischen Deutschland wurde ein ganzes Volk abgeschlachtet. Die Schlächter dieses Volkes und ihre Helfershelfer haben sich heute eine philosemitische Ideologie zugelegt und sind zur Hauptstütze des aggressiven Zionismus in Israel geworden." Mit anderen Worten, Nazis und Juden, zumindest die in Israel, sind jetzt miteinander verbündet. Und weiter geht's, nur noch eine Zacken schärfer: "Ein Merkmal des Zionismus ist die Übernahme des kleinbürgerlichen Anti-Semitismus." Wenn sich also die Juden in Israel mit den Nazis verbünden, liegt es ja offenbar auf der Hand, dass sie nunmehr selbst Anti-Semiten geworden sind. In diesem Stil geht es dann noch weiter.

    Tilman hat zurecht seinem Bruder Antisemitismus vorgeworfen, weil der sich von Kunzelmann verleiten ließ, diese Unkraut-Ex-Bombe ins Jüdische Gemeindehaus zu bringen. Nur scheint es mir, dass die beiden gar nicht so fern voneinander waren. Kunzelmann formulierte in einer Erklärung, die nach der Bombe in Umlauf bebracht wurde:
    "
    Unter den schuldbewußten Deckmantel der Bewältigung der faschistischen Greueltaten gegen Juden hilft sie (die BRD) entscheidend mit an den faschistischen Greueltaten Israels gegen die palästinensischen Araber." Was will man von den Zionisten= "Anti-Semiten" (Tilman) auch anderes erwarten? In seinem dubiosen "Brief aus Amman" bezeichnet Kunzelmann den Zionismus als "faschistische Ideologie". In diesem Brief mokiert er sich ferner über die "Politmasken vom Palästinakomitee", die die "Bombe" nicht in seinem Sinne genutzt hätten. Tilman und Kunzelmann haben sich nie gemocht. Es gibt sogar die (nicht ganz unbegründete) Vermutung, Kunzelmann hätte Abi Fichter aufgehetzt, um Tilman eins auszuwischen. Wenn man allerdings diese Texte miteinander vergleicht, unterscheiden sie sich nur in Nuancen und man fragt sich, weshalb sie sich Spinne Feind waren. Tilman hält die Juden in der Diaspora offenbar als beschützenswert, in Israel jedoch nicht. Was aber, wenn die Diasporajuden pro-Zionisten sind? Sind sie dann nicht auch "antisemitisch" im Tilmanschen Sinne? Müssten sie als solche dann nicht auch bekämpft werden? Kunzelmann ist da konsequent. Für ihn sind die Juden in der Diaspora alle als zionistische Hilfstruppen zu sehen und von daher zu bekämpfen.

    Ein Gespräch mit Tilman Fichter, Bruder des Attentäters und damals SDS-Kader (taz, 25.10.05)
    "Dass ich als einer der Ersten gesagt habe, das ist linker Antisemitismus, damit habe ich mir keine Freunde gemacht....Kunzelmann hat nie unterschieden zwischen den Juden in der Diaspora und dem Staat Israel. Damit war er auch bei den Linksradikalen völlig isoliert...Kunzelmann hat sich ausstatten lassen mit defekten Bomben aus den Beständen des Verfassungsschutzes. Außerdem handelte es sich um eine Bombenattrappe..  Der SDS hatte immer sehr gute Kontakte zu linkszionistischen Gruppen, schon lange vor 1969. Der SDS fühlte sich als Unterstützergruppe für die Linkszionisten in Israel, die gegen die israelische Besatzungspolitik seit 1967 waren. Solange der SDS noch funktionierte, hat er verhindert, dass die westdeutsche Linke auf einen klar antiisraelischen Kurs gegangen ist.... Ich würde sagen, es war ein Fehler, dass Rudi 1967 nicht darauf gedrungen hat, die Besatzungspolitik der Israelis und den wachsenden Antisemitismus in Teilen der Studentenschaft auf der Delegiertenkonferenz inhaltlich zu diskutieren. Stattdessen haben wir das Problem mit taktischen Winkelzügen von der Tagesordnung weggedrückt. Wir haben dieses Thema eines heimlichen Antisemitismus in der deutschen Linken überhaupt nicht ernst genommen. Darin liegt ein Versagen."

  • Martin Kloke: "Das zionistische Staatsgebilde als Brückenkopf des Imperialismus".
    Vor vierzig Jahren wurde die neue deutsche Linke antiisraelisch. (Eurozine, Merkur Nr. 698, Juni 2007).
    Der SDS-Bundesvorsitzende Reimut Reiche stellte in einem Brief vom 13. Juni 1967 an den Spiegel fest: "An unserer Position ist soviel richtig, daß wir es nicht nötig haben, philosemitisch aufzutreten, eben darum, weil wir keine rassistischen Probleme haben und weil wir keinen Antisemitismus zu bewältigen haben. Wenn wir unsere jetzige Berlin-'Krakelerei' abgeschlossen haben und anfangen, uns politisch eingehend mit der Nahost-Krise zu befassen, wird unsere Stellungnahme bestimmt um einiges schärfer, auch in der Kritik an der Position der Verbündeten Israels und auch in der Kritik an dem umgekehrten Antisemitismus, der zur Zeit in der BRD produziert wird."...
    Auf institutioneller Ebene entschied sich als erster relevanter linker Verband der SDS auf seiner 22. Delegiertenkonferenz im September 1967 für einen uneingeschränkt antizionistischen Kurs, nachdem er sich während des Sechstagekriegs noch überwiegend neutralistisch geriert hatte. Während einer auf Initiative der Frankfurter und Heidelberger SDS-Gruppen zustande gekommenen Diskussion legte die Konferenz ihrer Organisation ein "Material" vor, das sich bereits zu diesem Zeitpunkt des gesamten terminologischen Arsenals antizionistischer Agitation der späteren Palästina-Solidaritätsbewegung bediente: "Der Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn kann nur auf dem Hintergrund des antiimperialistischen Kampfes der arabischen Völker gegen die Unterdrückung durch den angloamerikanischen Imperialismus analysiert werden [...] Der SDS verurteilt die israelische Aggression gegen die antiimperialistischen Kräfte im Nahen Osten."
    Mochten die SDSler den Staat Israel nur noch als "Brückenkopf des westlichen Imperialismus in Arabien" begreifen, so konnte auch die historische Funktion des Zionismus für die nationale und soziale Emanzipation vieler Juden nicht mehr in ihren Blickwinkel rücken: "Zionistische Kolonisierung Palästinas hieß und heißt bis heute: Vertreibung und Unterdrückung der dort lebenden eingeborenen arabischen Bevölkerung durch eine privilegierte Siedlerschicht." Zwar verurteilten die Delegierten die antisemitisch-rassistischen Tendenzen von Teilen der arabischen Kriegspropaganda, doch sprachen sie dem real existierenden Israel jede historisch-politische Legitimität ab: "Die Anerkennung des Existenzrechts der in Palästina lebenden Juden durch die sozialrevolutionäre Bewegung in den arabischen Ländern darf nicht identisch sein mit der Anerkennung Israels als Brückenkopf des Imperialismus und als zionistisches Staatsgebilde."
    Ein Schulterschluß zwischen SDSlern und in der Bundesrepublik lebenden Arabern bahnte sich an, als im Juni 1969 der israelische Botschafter Asher Ben Nathan den Dialog mit deutschen Studenten suchte. In Frankfurt unterbrachen Mitglieder des örtlichen SDS, der Al Fatah sowie des "Israelischen Revolutionären Aktionskomitees" Ben Nathans Ausführungen durch Sprechchöre wie "Nazi-Kiesinger und Ben Nathan, eine Clique mit Dajan", "Zionisten raus aus Palästina".
    Auf Einladung der Al Fatah bereiste Ende Juli 1969 ein knappes Dutzend führender SDS-Mitglie der mit weiteren internationalen Teilnehmern das Haschemitische Königreich Jordanien. Die Idee einer anschließenden Erkundungsreise nach Israel zwecks kritischer Überprüfung des eigenen Standpunkts hielt die deutsche Besuchergruppe für abwegig.
    Kontakte zum palästinensischen "Widerstand" wurden auch in der Folgezeit gepflegt: An einer PLO-Konferenz im Dezember 1969 nahmen zweihundert ausländische Gäste teil, darunter der SDS-Vorsitzende Udo Knapp sowie Joschka Fischer (beide haben ihren antizionistischen Affekt Jahre später freilich nachhaltig verloren). Auch wenn das Erinnerungsvermögen einiger Teilnehmer getrübt zu sein scheint, gilt als sicher, daß in den Reden von Algier der "Endsieg" über Israel beschworen wurde.
    In einem am 18. Februar 1970 gemeinsam mit anderen Gruppen verfaßten Aufruf zum Teach-in gegen den Besuch des israelischen Außenministers ließ der Frankfurter SDS verlautbaren: "Der Besuch Abba Ebans, der als Vertreter eines rassistischen Staates in die Bundesrepublik reist, muß zu einer Demonstration und zum Protest gegen den zionistischen, ökonomisch und politisch parasitären Staat Israel und seine imperialistische Funktion im Nahen Osten werden... Der palästinensische Kampf ist ein Bestandteil des Kampfes aller unterdrückten Völker der Dritten Welt gegen den Imperialismus [...] Nieder mit dem chauvinistischen und rassistischen Staatsgebilde Israel."

    Blogger UnderTakeThisLaw schreibt dazu: 
    So kam auf der 22. Delegiertenkonferenz in dem entscheidenden Referat von Dutschke und Krahl nicht nur das Schlagwort von der „Propaganda der Tat“ auf, sondern es wurde auch eine Resolution zur Abstimmung vorgelegt, in der Israel als der „Brückenkopf des Imperialismus“ gegeißelt wurde. Gleich zu Anfang heißt es:

    “ Der Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn kann nur auf dem Hintergrund des antiimperialistischen Kampfes der arabischen Völker gegen die Unterdrückung durch den angloamerikanischen Imperialismus analysiert werden. [...] Zionistische Kolonisierung Palästinas hieß und heißt bis heute: Vertreibung und Unterdrückung der dort lebenden eingeborenen palästinensischen Bevölkerung durch eine privilegierte Siedlerschicht. [...] Die Anerkennung des Existenzrechts der in Palästina lebenden Juden durch die sozialrevolutionäre Bewegung in den arabischen Ländern darf nicht identsich sein mit der Anerkennung Israels als Brückenkopf des Imperialismus und als zionistisches Staatsgebilde.“ (Zitiert nach Martin Kloke aus seinem Buch "Israel und die deutsche Linke. Zur Geschichte eines schwierigen Verhältnisses").

    Hier findet sich die Munition für die Argumentation der Linken für Jahrzehnte: Israel wird das Existenzrecht aberkannt, ein bipolares Weltbild zwischen „Imperialismus“ und „sozialrevolutionärer Bewegung“ gespannt, das durch die Aufpfropfung ideologischer Großkategorien – Kapitalismus hier, Sozialismus da – gegen den berechtigten Vorwurf der antisemitischen Aufladung des Konfliktes immunisieren sollte.

    Der 9.11.1969 und die Linke. Die westdeutsche militante Linke war bereits mit ihrem ersten Attentat antisemitisch aufgestellt. Die Ereignisse des 9.11.1969 haben ihre Wurzeln im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Es führt kein direkter Weg von hier nach da, jedoch ist eine deutliche Spur zu erkennen. Der SDS läutete auf dem 22. Delegiertenkongress am 4. bis 8. September 1967 eine Wende in dem Israelbild der westdeutschen Linken ein. Die Linke war bis dahin ein Vorreiter, was die Beziehungen zu Israel und den Juden angeht. Doch 1967 änderte sich der Blick der Linken auf Israel schlagartig: Mit dem 6-Tage-Krieg, als die Opfer des Nationalsozialismus’ bewiesen, dass sie kein weiteres Mal sich ihr Schicksal aus den Händen nehmen lassen und einem Angriff der arabischen Staaten zuvor kamen, wandelten sie sich in den Augen der Kinder der Tätergeneration in Deutschland von den ehemaligen Opfern zu den heutigen Tätern.
    Auf der 22. Delegiertenkonferenz des SDS wurde eine Resolution zur Abstimmung vorgelegt,
    wenn auch nicht verabschiedet, in der Israel als der „Brückenkopf des Imperialismus“ gegeißelt wurde. Gleich zu Anfang heißt es:
    “Der Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn kann nur auf dem Hintergrund des antiimperialistischen Kampfes der arabischen Völker gegen die Unterdrückung durch den angloamerikanischen Imperialismus analysiert werden. [...] Zionistische Kolonisierung Palästinas hieß und heißt bis heute: Vertreibung und Unterdrückung der dort lebenden eingeborenen palästinensischen Bevölkerung durch eine privilegierte Siedlerschicht. [...] Die Anerkennung des Existenzrechts der in Palästina lebenden Juden durch die sozialrevolutionäre Bewegung in den arabischen Ländern darf nicht identisch sein mit der Anerkennung Israels als Brückenkopf des Imperialismus und als zionistisches Staatsgebilde.“
    Zum Anschlag auf jüdische Gemeindezentrum am 9.11.1969 heißt es im Bekennerflugblatt:
    "Die neurotisch-historizistische Aufarbeitung der geschichtlichen Nichtberechtigung eines israelischen Staates überwindet nicht diesen hilflosen Antifaschismus. Der wahre Antifaschismus ist die klare und einfache Solidarisierung mit den kämpfenden Feddayin....
    Aus den vom Faschismus vertriebenen Juden sind selbst Faschisten geworden, die in Kollaboration mit dem amerikanischen Kapital das palästinensische Volk ausradieren wollen.“
    Die argumentativen Muster in der Verteufelung Israels und die eindimensionale Wahrnehmung des Nahostkonfliktes spielten bei der Rechtfertigung des
    Attentats auf die israelische Olympiamannschaft am 5.9. 1972 dann ebenso eine Rolle wie bei der Flugzeugentführung von Entebbe, als der Gründer der Revolutionären Zellen, Wilfried Böse, alle Juden vom Rest der Passagiere selektierte. Anschläge auf „zionistische“ Fluggesellschaften und Fabriken wurden mit der selben Rhetorik gerechtfertigt.
    Eine Linke, die an den 9.11.1938 erinnert wie der Rest der BRD es in den Erinnerungskanon aufgenommen hat, gleichzeitig aber den 9.11.1969 vergisst, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, ein wenig selektiv in ihrer Erinnerung an historische Ereignisse heranzugehen. Und das nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die gleichen Argumentationsmuster, die damals den Anschlag auf das Jüdische Gemeindezentrum rechtfertigen sollten, heute noch benutzt werden.
    Kommentar von Eric de Bear. Der Inspirator der Aktion am 9.11.69 kam aus der K1 und versuchte, das Label der Haschrebellen für seine Zwecke zu nutzen. Das konnte ihm zum Teil gelingen, weil die Haschrebellen naturgemäß keine Organisationsstruktur hatten. Das ging gegen ihr Prinzip. Von daher konnten sie sich auch nie gegen blödsinnige Vereinnahmungen wehren. Die Redaktion der 883 und viele andere Gruppen kritisierten sofort dieses Politverbrechen. Ich kannte niemanden, der die Aktion verteidigt hätte, außer Dieter Kunzelmann und sein unmittelbarer Umkreis und selbst der hat sich in seiner Autobiografie später davon distanziert. Es gibt ein Plakat der Haschrebellen, das alle möglichen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt mit ihren Emblemen zeigt, darunter auch die El Fatah. Ich bezweifle aus eigener Erfahrung, dass die Designer des Plakats wußten, wofür die El Fatah wirklich stand. Die wußten nicht mal, dass in der DDR der Marxismus-Leninismus gepredigt wurde. Die Aufnahme der El Fatah in diesen Reigen zeigt jedoch, dass offenbar in der Linken die El Fatah weithin positiv gesehen wurde.... Inwieweit der traditionelle deutsche Antisemitismus (in der damaligen Linken) eine Rolle spielte, kann ich nicht wirklich beurteilen. Ich habe dafür einige Indizien bei einigen meiner GenossInnen gesehen. Ob das aber verallgemeinerbar ist, müsste einer genaueren Untersuchung vorbehalten bleiben.
    Quelle:
    http://undertakethislaw.wordpress.com/
    Mehr dazu in: www.isioma.net/i-subjekt.html

     

    Siehe dazu: Haschrebell gegen Antisemitismus
    Eine zentrale Figur der Haschrebellenbewegung, Bodo Saggel, hatte im Rahmen des SDS, d.h. vermutlich auch mit seinen unmittelbaren Freunden aus dem Kreis der Haschrebellen, das Attentat auf das Jüdische Gemeindehaus diskutiert. Diese Gespräche haben ihn offenbar davon überzeugt, handeln zu müssen und er hat sich, wenn man diesen Quellen glauben darf, an die Justiz gewandt. Eine schärfere Distanzierung kann man sich kaum vorstellen. Ein bekannter Haschrebell verpfeift die vermeintlichen Täter einer antisemitischen Aktion. Bezeichnenderweise verschweigen viele Kritiker der Haschrebellen (so z.B. Martin Kloke, Tjark Kunstreich usw.) Bodos Aktion. Es passt diesen Leuten nicht in den Kram, dass zentrale Figuren der Haschrebellen die Eskapaden der El Fatah-Freunde nicht nur nicht mitmachten, sondern aktiv bekämpften. Der Antisemitismus war eben kein konstitutiver Bestandteil dieser Bewegung.

    Bodo Saggel, der Antijurist und Haschrebell ist tot
    Die Beerdigung findet statt am 3. Februar 2004 auf dem Alten Luisenstädtischen Friedhof um 9.15 Uhr am Südstern 10-12, Berlin-Kreuzberg.
    Nachtrag: Ein Jahr nach Bodos Tod kam es zu einer öffentlichen Kontroverse über seine von ihm geheim gehaltene Aussage zur Bombe im Jüdischen Gemeindehaus.
    Am 15.10.2005 veröffentlichen Markus Mohr und Hartmut Rübner in der Jungen Welt eine Kritik am "Bombenbuch" des Wolfgang Kraushaar, Mitarbeiter im Reemtsma-Institut. In dieser Kritik bedienten sie sich ebenfalls wie Kraushaar des Archivs im Reemtsma-Institut und stießen auf folgende Merkwürdigkeit:

    "Als Beleg für diese Vermutung wird eine Äußerung angeführt, die der Kommunarde Bodo Saggel in SDS-Kreisen angegeben haben soll. Das läßt sich mit Blick auf eine in dem Archiv des Hamburger Instituts für Sozialforschung unter der Signatur SAK 300,46 aufbewahrte Akte erheblich präziser beschreiben: Darin findet sich ein auf den 5. Dezember 1969 datiertes Aussageprotokoll des Betreffenden, in dem dieser nicht vor »SDS-Kreisen«, sondern direkt mit Amtsgerichtsrat Lehmann, Staatsanwalt Tscheppan und dem Justizangestellten Leonhardt spricht. Saggel gibt hier vom Hörensagen die Namen von Albert Fichter, Georg von Rauch und Kunzelmann als Täter für den Sprengstoffanschlag auf das jüdische Gemeindehaus an. Weil er »etwas für die Juden übrig habe«, sei er am 17. November 1969 zur Polizei gegangen, um seinen Verdacht zu äußern. Es überzeugt uns einfach nicht, daß es dann noch – glaubt man Kraushaar – weitere fünf Monate gedauert haben soll, bis auch die »Kriminalpolizei« Kenntnis von den Saggelschen Einlassungen bekommen haben soll."
     

    (Mehr dazu in: Haschrebell gegen Antisemitismus und
    Dieter Kunzelmann: Avantgardist, Protestler, Radikaler... Von Aribert Reimann, S. 246 ff.)

    Post scriptum zum Nachruf auf Bodo Saggel: Haschrebell gegen Antisemitismus.  Bodo Saggel intervenierte bei der Polizei gegen die Bombenleger vom Jüdischen Gemeindehaus in der Berliner Fasanenstraße.
    Linker Antisemitismus: Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus.
    Rezension von Karl Pfeifer (hagalil, 10.10.05).
    Für den linken Republikanischen Club kam nur ein Geistesgestörter oder ein Faschist als Täter in Frage, jedenfalls kein Linker. Beate Klarsfeld, die ein Jahr zuvor den ehemaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger auf dem CDU-Parteitag wegen dessen NS-Vergangenheit geohrfeigt hatte, schrieb an die Jüdische Gemeinde: "Das auf die Jüdische Gemeinde Berlin geplante Attentat ist so widerwärtig, daß es die Täter auf die gleiche Stufe stellt wie die SA und SS. Ich und meine Freunde der APO, die wir überzeugt sind, daß es eine gerechte Lösung im Nahen Osten nur geben kann, wenn die Araber die Existenz des Staates Israel anerkennen, erklären uns mit ihnen solidarisch." Offenbar wusste sie nicht, dass die mit der SA und SS auf eine Stufe gestellten unter den Reihen ihrer Freunde von der APO zu finden waren und zwar unter den von Kunzelmann angeführten "Haschrebellen", die sich später zu den Tupamaros von West-Berlin mauserten.
    Kommentar der Redaktion: Karl Pfeifers Rezension ist in der Grundtendenz völlig richtig, aber leider falsch im Detail. So behauptet er schlicht, die Haschrebellen wären von Dieter Kunzelmann angeführt worden, obwohl er keinerlei Einfluss auf die Initiation dieses Haufens hatte. Zur Verwirrung im Hinblick auf die Rolle Kunzelmanns trug leider auch Ralf Reinders (Mitglied der Bewegung 2. Juni) bei, der in seinem Buch ähnliches wie Pfeifer unterstellt. Ralf Reinders breitet seine Vermutung aus, der Name „Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen“ stamme eben von Dieter Kunzelmann. Richtig ist vielmehr, dass Kunzelmann bei der Namensgebung weder dabei war, noch irgend einen Einfluss darauf hatte.
    (Zur Geschichte der Haschrebellen siehe den Bericht von
    Günter Langer
    ,
    Der Berliner »Blues« Tupamaros und umherschweifende Haschrebellen zwischen Wahnsinn und Verstand).

  • Ulrike Marie Meinhof, 1967: Drei Freunde Israels. In: Deutscher, Isaac: Der israelisch-arabische Konflikt. Voltaire Flugschrift 21, Frankfurt/Main: "Es gibt für die europäische Linke keinen Grund, ihre Solidarität mit den Verfolgten aufzugeben, sie reicht in die Gegenwart und schließt den Staat Israel ein (...) Wer den Bestand dieses Staates glaubt zur Disposition stellen zu sollen, muss wissen, dass nicht die Täter, sondern wiederum die Opfer von damals getroffen würden."1
    Der von Ulrike Meinhof für die RAF verfasste Text "Schwarzer September in München- Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes"[9], lobt sie diesen Anschlag auf die neun Israelischen Sportler, denn er sei "gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch". Weiter heißt es dort "Israel verliert Krokodilstränen. Es hat seine Sportler verheizt wie die Nazis die Juden- Brennmaterial für die imperialistische Außenpolitik."([9] nach "Rote Armee Fraktion- Texte und Materialen zur Geschichte der RAF" erschienen im ID- Verlag).
    Und im Prozess erklärt sie: "Das deutsche Proletariat hat den Faschismus nicht niederhalten, den rassistischen Frevel an Millionen jüdischer Mitbürger, die Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden nicht verhindern können. Die reaktionäre zionistische Ideologie konnte nur unter dem Eindruck der faschistischen Ausrottungspolitik zu einer politischen Kraft werden. Mit der mitleidlosen und grausamen Vertreibung des palästinensischen Volkes aus seinem seit zweitausend Jahren angestammten Lebensraum hat der Zionismus auf makabre Weise das Erbe des deutschen Faschismus angetreten." (Rote Hilfe 1973, 127, in Klaus Kindler, Ticket To Ride, trend, 7/8-01)

’Exklusive Solidarität. Linker Antisemitismus in Deutschland’.  Vom "Judas" zum "Judenkapital". Antisemitische Denkformen in der KPD der Weimarer Republik, 1919-1933. Von Norman Geißler und Olaf Kistenmacher. Herausgegeben von: Matthias Brosch / Michael Elm / Norman Geißler / Brigitta Elisa Simbürger / Oliver von Wrochem. Berlin 2007. Inklusion, Solidarität und Gleichheit gehören traditionell zu den konstitutiven Begriffen und Motiven linker Weltanschauung und linken Handelns. Dennoch kam und kommt in der Argumentation und Politik der deutschen Linken beim Thema Israel und Judentum nicht selten eine Kerndoktrin rechter politischer Ideologie zum Tragen: die Exklusion. Die Studien des Sammelbandes diskutieren die Bedeutung antisemitischer Topoi in der deutschen Linken in Geschichte und Gegenwart. Sie belegen, dass Antisemitismus keine Randerscheinung, sondern in vielen Fällen ein struktureller Bestandteil linker Ideologien und Bewegungen ist.

Wohlstand, Bildung, Demokratie - viel hat der Staat Israel erreicht. Die größte Herausforderung steht dem Land aber noch bevor: Frieden mit den Nachbarn. Ohne ihn ist das Ziel der Staatsgründer nicht zu erreichen, schreibt Avi Primor, Israels ehemaliger Botschafter in Deutschland. (Spiegel, 9.5.08).

Henryk M. Broder: 60 JAHRE ISRAEL. Die vergifteten Glückwünsche deutscher Schlauberger. Vor kurzem hat eine Gruppe deutscher Geistesarbeiter, unter ihnen der Pen-Präsident Johano Strasser, die grüne Abgeordnete Claudia Roth und der Schriftsteller Gert Heidenreich, einen Aufruf zum 60. Geburtstag Israels veröffentlicht: "Glückwünsche und Sorgen". Israel, so die Lageanalyse der Absender, gefährde "seine eigene Existenz", halte "die Welt zum Narren" und merke nicht, "dass es sich damit selbst betrügt". Dem Aufruf "Glückwünsche und Sorgen" war ein anderes Positionspapier vorausgegangen: "Freundschaft und Kritik", auf den Weg gebracht von 25 Politologen, die Israel den Vorwurf machten, den Holocaust für politische Zwecke zu instrumentalisieren und dazu aufriefen, die "besonderen Beziehungen" zwischen Deutschland und Israel zu überdenken, um auch den "binnendeutschen Diskurs" zwischen "nicht-jüdischen, jüdischen und muslimischen Deutschen" breiter und unbefangener führen zu können.
"Entweder überleben sie oder wir". Amos Neeman erlebt die Geschichte seiner Heimat als Serie von Kriegen. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE am 11. Mai 2008 sagt er: "Wir hatten nur eine Alternative: in diesem Land zu leben oder zu sterben."

Alaska statt Israel? Ein fiktiver Roman über einen Judenstaat in Alaska sät Zweifel an der objektiven Geschichtsschreibung - dazu ist er ein witziges, virtuoses und sehr unterhaltsames Produkt amerikanischer Erzählliteratur. Von Christoph Bartmann (SZ, 11.5.08). Michael Chabons Interesse an einer Umschrift der Geschichte der jüdischen Verfolgung ist kein Einzelfall. Eben hat Nicholson Baker das voluminöse Geschichtswerk "Human Smoke" (Simon&Schuster) vorgelegt, in dem er aus dokumentarischen Fragmenten und Anekdoten ein alternatives Bild des Zweiten Weltkriegs entwirft. Antisemitismus war weit verbreitet unter den Alliierten, bevor sie zu Alliierten wurden. Roosevelt, der sich schon als junger Mann über die auffällige Präsenz von Juden in Harvard mokiert hatte, blockierte als Präsident nach Kräften die Hilfe für europäische Juden, so etwa noch 1939 die "Wagner-Rogers Bill", die jüdischen Kinder die Einreise in die USA ermöglicht hätte. Nicht besser kommt bei Baker Winston Churchill weg, der zeitweilige Hitler- und Mussolini-Verehrer, der im Faschismus ein "notwendiges Gegengift gegen den russischen Virus" erblickte. Gründlich und grimmig demontiert Baker die alliierten Geschichtsmythen (Pearl Harbor eingeschlossen), und am schwersten wiegt sein Vorwurf, die USA und England hätten den Holocaust verhindern können, wenn sie es nur gewollt hätten.
Israel and Palestinian refugees (Two differing views).

 

Angela Merkel: Germany will stand by Israel. By KARIN LAUB, Associated Press Writer (18.3.08). German Chancellor Angela Merkel earned a standing ovation from Israel's parliament Tuesday after pledging to stand by Israel's side against any threat, particularly from Iran, and paying tribute to the victims of the Holocaust. "The Shoah fills us Germans with shame," she said, using the Hebrew word for the Holocaust. "I bow before the victims. I bow before the survivors and before all those who helped them survive...For me, as a German chancellor, Israel's security is non-negotiable," she added. Merkel said Germany would always stand by Israel, and promised to be vigilant about Iran's nuclear program. "If Iran were to obtain nuclear weapons, it would have disastrous consequences," she said. "We have to prevent this." Germany has become Israel's second-largest trading partner, and has paid $40 billion in reparations to Holocaust survivors in Israel. On Monday, the two nations deepened their ties by agreeing to annual consultations of their two Cabinets. It's a first for Israel, though Germany has a similar arrangement with five other countries.

SHELLEY EMLING: Jewish community thrives in Germany despite frictions (PBP, 9.3.08).
The Holocaust has different meanings for the country's established Jewish community and for those who came from the former Soviet Union after the Berlin Wall fell. (StarTribune)
Germany Confronts Holocaust Legacy Anew (NYT, NICHOLAS KULISH, January 29, 2008). Most countries celebrate the best in their pasts. Germany unrelentingly promotes its worst. “Only the Germans had the bravery and the humility.” This month Germany’s federal prosecutor overturned the guilty verdict of Marinus van der Lubbe, the Communist Dutchman executed on charges of setting the Reichstag fire; that event’s 75th anniversary is Feb. 27.

„,Jud Süß’ – Propagandafilm im NS-Staat“;bis 3. August im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart
Dorothea Schmitt-Hollstein ist Autorin des Standardwerks „Antisemitische Filmpropaganda. Die Darstellung des Juden im nationalsozialistischen Spielfilm“:  Er war einer der übelsten, miesesten Propagandafilme der NS-Zeit. 1940 dreht der Regisseur Veit Harlan das offen antisemitische Hetz-Werk "Jud Süß". Seit 1945 ist der Film verboten. Jetzt widmet sich eine Ausstellung in Stuttgart dem Werk. Und fast alle Besucher wollen den Film im Kino sehen. (Welt, 31.3.08).

Siehe auch: Die Konterrevolution gegen Israel