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1. Konsolidierung der Finanzinstitute
1.1 Globale
Ziele: - Gemeinsame Verabschiedung der Pittsburgh-Festlegungen aus dem Bereich der G-20 und Umsetzung dieser Handlungsvorgaben im Bereich der G-20-Staaten (mindestens jedoch in den Staaten des Westens (USA, Japan, EU, GB, Canada, Australien) - Einführung der Tobin-Steuer (ggfs. verschiedenartige Steuern ja nach Kapitalmarktbeschaffenheit: Wertpapiermärkte mit hoher Umschlagsgeschwindigkeit schöpfen die Steuer „Je Transaktion“ ab; Wertpapiermärkte mit geringen Umschlagsgeschwindigkeiten schöpfen die Steuer bei der Wertpapierausgabe ab) - „Zerschlagt
die Geldhäuser“
Warten auf den zweiten Einschlag
oder Besserung erst nach der nächsten Krise ! Wolfgang
Münchau, FTD- und FT-Kolumnist, schreibt am 25.08.10 über die
notwendigen Regulierungen in der globalen Finanzindustrie:
„Ich habe argumentiert, dass die
globalen Ungleichgewichte die tiefe Ursache dieser Krise waren. Die
Finanzmärkte spielten nur
eine instrumentale Rolle, keine ursächliche. Da die
globalen Ungleichgewichte (noch immer vorhanden sind) und wieder
auftreten werden, ist es völlig legitim, sich mit diesen instrumentalen
Fragen zu befassen. Die Finanzmärkte sind das Bindeglied zwischen
Ungleichgewichten und Krise. Und nach all dem, was wir jetzt wissen,
werden sie diese Rolle wieder wahrnehmen. Wenn man sich
mit Krisen beschäftigt und Empfehlungen ausspricht, sollte man der
Versuchung widerstehen, sich zu konkret mit der vorangegangenen Krise
auseinanderzusetzen. Es bringt nichts, wenn wir jetzt anfangen
Verbriefungsprodukte mit exotischen Namen wie CDO zu reglementieren. Ich
habe mich an dieser Stelle für eine Regulierung der Kreditderivate
ausgesprochen, weil deren Missbrauch dem öffentlichen Interesse
zuwiderläuft. Aber ein Ausweg aus der Krise sind solche Vorhaben nicht.
Eine Stärkung des Eigenkapitals der Banken, wie sie vom Baseler
Ausschuss vorgeschlagen wurde, ist sicherlich ebenfalls wünschenswert,
wird die nächst Krise aber wohl auch nicht verhindern. Ans Licht mit
den Schattenbanken Die Krise des
vergangenen Jahrzehnts wurde im amerikanischen Immobilienmarkt
ausgelöst. Die nächste Krise wird mit großer Wahrscheinlichkeit anderswo
stattfinden. Es ist schwer zu prognostizieren, wo genau das sein wird.
In der vergangenen Woche vermutete ich, dass wir eventuell in den
Rohstoffmärkten Probleme bekommen oder in den Aktienmärkten der
Schwellenländer. Aber wer weiß? Anstatt die letzte Krise zu beenden, ist
es jetzt wichtig, das Risiko insgesamt zu begrenzen. Dabei gibt es
zwei Prioritäten:
Die erste sollte sein, das
Schattenbankensystem so weit wie möglich auszuhebeln und in den
Bankensektor zu integrieren. Das wird nicht passieren. Große Teile des
globalen Finanzsektors werden auch weiterhin außerhalb jeglicher
Aufsicht existieren, wie etwa der gemeinsame Markt für Swap – Zinsswaps,
Devisenswaps, Kreditausfallsweaps und deren exotische Varianten. Die
Hedge-Fonds sind geschwächt, spielten in der Krise aber auch nicht die
prominente Roll, die ihnen einige Kritiker zuweisen wollten. Vermutlich
werden sie in den nächsten Jahren wieder verstärkt in Erscheinung
treten. Der große Unterschied ist, dass die neue Regulierung der EU die
Fonds in andere Länder treibt, wo sie ungehindert arbeiten können, etwa
die Schweiz. Der
Bankensektor war auch vor der Krise stark reguliert. Der
Schattenbankensektor wird auch danach nicht wirklich reguliert werden.
Das Problem ist die mangelnde internationale Zusammenarbeit. Die
G-20 kommen in diesen Fragen einfach nicht weiter. Wir haben schon
jetzt, drei Jahre nach Ausbruch der Krise, die Grenzen der
internationalen Zusammenarbeit erreicht. Die
Globalisierung ermöglicht zwar die Ungleichgewichte, stellt aber keine
demokratischen Institutionen bereit, die Ungleichgewichte demokratisch
zu managen. Wir versuchen die Probleme mit den begrenzten Mitteln des
Nationalstaats und der freiwilligen internationalen Zusammenarbeit zu
bewältigen. Es wäre sehr
naiv zu glauben, dass das Schattenbankensystem in Zukunft besser in der
Lage sein wird, die Kapitalströme in einer ökonomisch sinnvollen Weise
zu recvyceln. Man wird wahrscheinlich irgendwelchen neuen Trends
hinterherjagen und neue Blasen kreieren.
Die zweite Priorität ist
die Rekapitalisierung des Bankensektors. Hier geht es nicht nur um eine
Erhöhung der Eigenkapitalquoten. Viel wichtiger noch ist die
Neudefinition von Kapital. Gerade deutsche Banken stecken voller
Hybridkapital, das für Regulierungszwecke zwar offiziell als Kernkapital
zugelassen, unter ökonomischen Gesichtspunkten aber witzlos ist. Es geht
schließlich darum, dass Kapital auftretende Verluste absorbiert. Wer in
Deutschland aber Genussscheine oder stilles Kapital besitzt, sieht
dessen Funktion allerdings etwas anders.
Eigenkapitalstrukturen reformieren Hier bin ich
etwas optimistischer, obwohl der Widerstand gegen die neuen
Basel-III-Vorschläge noch extrem groß ist. Deutschland mauert weiter.
Das deutsche Bankensystem hat schlichtweg nicht genug Kapital, um
externe Schocks zu verkraften. Da künftig mehr solcher Schocks zu
erwarten sind, ist eine Stärkung echten risikoabsorbierenden Kapitals
notwendig. Das wiederum würde eine radikale Umstrukturierung des
deutschen Bankensystems voraussetzen. Hier geht es nicht um die Frage,
ob die Banken privat, genossenschaftlich oder staatlich sind. Da weder auf
eine tiefgreifende Einschränkung des Schattenbankensystems noch auf eine
baldige Reform der Eigenkapitalstrukturen Aussicht besteht, sind die
grundlegenden Parameter der Regulierung des Finanzsektors dieselben wie
vor der Krise. Die Neuregulierung von Bonuszahlungen und Hedge-Fonds in
Europa sowie von Investmentbanken in den USA machen eine exakte
Wiederholung der letzten Finanzkrise unwahrscheinlich. Damit löst man
aber nicht das Problem. Innovative Banker werden neue profitable
Tätigkeiten entdecken und ausnutzen. Die jetzige
Krise war offensichtlich nicht destruktiv genug. Aus der nächsten wird
man ohne Illusionen hervorgehen.“
1.2
Europäische Ziele: Gemeinsame Verabschiedung im Rahmen der 27 EU-Staaten, wenn die Pittsburgh-Festlegungen unzureichend bleiben oder nicht zustande kommen. < Stresstests für die systemrelevanten Banken mit den notwendigen Anpassungsmaßnahmen nach den Ergebnissen der Stresstests < Die europäisch systemrelevanten Finanzinstitute erhalten die Auflage nachzuweisen, wie sie unter bestimmten krisenhaften Bedingungen zum einen sicher weiterexistieren können und wie sie zum anderen ohne Systemgefährdung liquidiert werden könnten. Hier sind Stresstest und ähnliche Verfahren nötig, um ein Gefährdungspotential mit einiger Sicherheit einschätzen zu können. Es wird vor allem notwendig werden, die Eigenkapitalquote von Kernkapital(Tier 1) deutlich zu erhöhen (13 – 15 %) und den Weiterverkauf von Kreditrisiken einzuschränken (Mindestrückbehalt bei der Herausgabe von CDOs).Ggfs. sollte das Instrument der „Solvency-Convertible-Bonds“ nachgedacht werden, da auf diese Weise – zumindest kurzfristig oder sogar mittelfristig in der Krise – die Fortexistenz von Finanzinstituten gesichert wäre. Zudem würden alle Gläubiger bereits im Vorfeld wissen, welche Umwandlung ihrer Forderungen in dann kaum noch verzinsliches Eigenkapital möglich wäre. < Intensivierung der BaFin-Aktivitäten zur Einzelfallüberprüfung der Sparkassen und Lösung der denkbaren problematischen Einzelfälle im Rahmen der nationalen Sparkassenverbünde „ … Die Regierungen vernachlässigen bei ihren Änderungen der Finanzmarktregulierung die systemischen Risiken zugunsten einer „Schnellreparatur“ des Bankwesens. Und noch weniger geschieht, um die Finanz- an die Realwirtschaft anzupassen. Es gibt ein Mittel um in allen drei bereichen Fortschritte zu erzielen: die Einführung einer Reihe von Steuern auf Finanzinstrumente. Diese Abgaben wären der Finanztransaktionssteuer ähnlich, gingen aber weiter. Sie könnten auf die Besonderheiten bestimmter Märkte zugeschnitten werden. Liquide Märkte würden für Aktien, Futures und bestimmte Derivate pro Transaktion besteuert, während illiquide Bereiche wie verbriefte Produkte, Hypotheken und im Freiverkehr gehandelte Derivate bei der Ausgabe erfasst würden. Bei diesem System würden für Finanzinstrumente, die ein höheres systemisches Risiko darstellen – etwa für Transaktionen mit Derivaten, die komplexer und undurchsichtiger sind oder im Freiverkehr stattfinden – vergleichsweise höhere Steuersätze gelten. Ein weiterer attraktiver Aspekt solch einer Steuer ist, dass sich die Sätze antizyklisch verändern lassen. So kann verhindert werden, dass sich systemische Risiken aufbauen. Hinzu kommt, dass Steuern auf Finanzinstrumente wertvolle Informationen bringen….. Eine Steuer auf Finanzinstrumente wirkt außerdem den wachsenden Problemen entgegen, die neue Handelsformen wie der automatisierte Hochfrequenzhandel oder der algorithmische Handel mit sich bringen……Steuern auf Finanzinstrumente bringen den Staaten wichtige Einnahmen, mit denen sie Haushaltsdefizite abbauen und die internationale Entwicklung sowie die Bekämpfung des Klimawandels finanzieren können. Nach unserer Schätzung beliefen sich diese Einnahmen weltweit auf 250 bis 350 Mrd. $ jährlich. Hinzu kommt, dass ein gut konzipiertes System für Steuern auf Finanzinstrumente einen stark progressiven Charakter hätte, politisches Kapital birgt und sich aufsichtsrechtlich lohnt. Es ist selten, dass eine flexible Handhabung zur Verfügung steht, die bei drei wichtigen politischen Zielen erhebliche Fortschritte ermöglicht. Es wäre töricht von Politikern und Aufsichtsbehörden, eine solche Chance zu vergeben.“ Deutschland
wird verstärkt seit etwa Juni 2010 als „Buhmann Europas“ (FTD,26.08.10)
gesehen und dargestellt, weil es erkennbar nicht bereit ist, an
verschiedenen wichtigen Veränderungsprozessen kooperativ mitzuwirken. Das
wichtigste Element ist hier, zum Ausgleich der riesigen Handels- und
Zahlungsbilanzungleichgewichte beizutragen. …S. Dullien, VWL-Prof an der
HTW Berlin schreibt dazu in der FTD am 26.08,.10: „Die
Leistungsbilanzunterschiede dürften sich innerhalb des Euro-Raumes
weiter vergrößern. Jüngste Daten bestätigen bereits, dass die
Lohnstückkosten dieses Jahr in Deutschland nominal drastisch sinken
dürften. Das aber wird die Fortschritte weitgehend zunichte machen (?),
die seit 2008 dabei erzielt wurden, die Wettbewerbsunterschiede zwischen
Spanien, Griechenland, Portugal und Irland auf der einen und Deutschland
auf der anderen Seite zu korrigieren.“…Insbesondere die deutsche
Schuldenbremse wird diese Lage noch verfestigen. „Das bedeutet, das die
Ungleichgewichte in der Euro-Zone bestehen bleiben. Dies wiederum hat
zur Folge, dass der Aufschwung in den südlichen Ländern langsamer
vonstatten geht und das Risiko einer erneuten Schuldenkrise in diesen
Ländern steigt….Ausgehend von den Lohnstückkosten ist Deutschlands
realer Wechselkurs im Verhältnis zum Euro-Raum-Durchschnitt vermutlich
um rund 10 % unterbewertet: Anders ausgedrückt: Deutschland könnte sich
fast 10 Jahre lang im Vergleich zum Rest der Euro-Zone einen
Prozentpunkt Lohn- und Preisinflation mehr erlauben. Das nominale
Wachstum würde um den gleichen Betrag steigen. Ein höheres nominales
Wachstum würde Deutschland aber ermöglichen, trotz höherer
Haushaltsdefizite das Verhältnis von Schulden zum BIP zu senken…. Leider
scheint keiner der maßgeblichen deutschen Politiker die Wechselwirkung
von Schulden und Wachstum zu verstehen. Entgegen der in deutschen
Politikerkreisen gängigen Meinung stellt Deutschland die größte
Bedrohung für die langfristige Stabilität der Euro-Zone dar.“ 1.3 Ziele in
Deutschland Im Übrigen ist es vermutlich sinnvoll mindestens zwei Finanztransaktions-Steuerarten neu zu bestimmen: die eine für die Wertpapiere mit sehr hoher Umlaufgeschwindigkeit, die andere für die Papiere mit deutlich geringeren Umlaufgeschwindigkeiten. Zudem sollte überlegt werden, diese Steuern grundsätzlich mit variablen Steuersätzen auszustatten, die dann im Boom deutlich höher liegen könnten als in der Krise.
Bundesregierung stellt einen Entwurf für ein neues Insolvenz-Recht für
den Bankenbereich vor. „Die
Bundesregierung bringt knapp 2 Jahre nach der Pleite von Lehman-Brothers
ein Insolvenzrecht für Großbanken auf den Weg. … Das wichtigste
Finanzgesetz dieses Jahres räumt der Aufsicht weitreichende Befugnisse
ein: Notfalls könnte sie sogar Banken zerschlagen und abwickeln. Übersicht:
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Insolvenz mit zwei Verfahren:
-
A) Sanierungsverfahren
-
B)
Reorganisationsverfahren mit tiefen Eingriffen in grundgesetzlich
geschützte Rechte wie das Eigentumsrecht.
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Kann angewendet werden, wenn durch
eine Pleite dem Finanzsystem Gefahr droht. Die Aufsicht kann dieses
Verfahren jederzeit auch ohne Zustimmung der Geschäftsleitung der Bank
anordnen.
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Dann können: systemrelevante Teile
der Bank ausgegliedert werden und auf einen privaten Erwerber oder eine
staatliche Brückenbank übertragen werden. Der Rest könnte angewickelt
werden.
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Was an einer Bank systemrelevant
ist, entscheidet die Aufsicht. Sie kann von den Banken jederzeit im
Vorfeld einen „letzten Willen“ verlangen, in dem die Bank darlegen muss,
wie sie aufgespalten und abgewickelt werden könnte.
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Es wird eine Bankenabgabe erhoben
– mit differenzierten Beiträgen je nach Risikostreuung.
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Die FMSA
(Finanzmarkt-Stabilisierungs-Anstalt) und die Soffin (auf dem Wege der
Auflösung in die FMSA hinein) verfügen über die Mittel aus der
Bankenabgabe, sie erhelten weitere 20 Mrd. Euro aus dem
Restrukturierungsfonds. Mit diesen Summen können Interventionen
unternommen werden. Ggfs. können die Mittel auch schnell aufgestockt
werden. Die Mittel werden i.d.R. als Kredite vergeben und müssen von den
Bankengemeinschaft später zurückgezahlt werden. Außerdem soll es möglich
sein, dass Teile von Problembanken in Bad Banks ausgegliedert werden
können, wenn das den Verkauf der Reste erleichtert.
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