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»Wer
waren die Insider?« Von
Bülow: Das Merkwürdige ist, daß die Amerikaner bis zur Tat völlig
ahnungslos waren und hinterher keine 48 Stunden brauchten, um der Weltöffentlichkeit
den Täter zu präsentieren: Bin Laden und sein sagenumwobenes
Terrornetz AI-Qaida. Was die Warnungen etwa des Mossad anging, würde
man schon gerne wissen, was die gewußt und was sie weitergegeben
haben. Das muß nicht immer dasselbe sein, wie zum Beispiel das
Selbstmordattentat islamistischer Täter auf eine US-Kaserne in Beirut
Anfang der achtziger Jahre zeigt: Der Mossad wußte im voraus den
genauen LKW-Typ samt Farbe, den die Täter später benutzten. An die
CIA weitergegeben haben sie aber nur die Warnung im allgemeinen, ohne
diese Details. Warum? Begründet wird diese Zurückhaltung
bei Geheimdiensten mit dem Quellenschutz: Gibt man die Details preis,
sind Rückschlüsse auf den oder die Informanten möglich. Daneben
spielen die Geheimdienste, auch die westlichen, natürlich oft
gegeneinander, ein bisweilen bizarres Machtspiel. Also wußte die CIA vielleicht auch diesmal gar
nicht so viel? Das
will ich damit nicht gesagt haben. Denken Sie etwa zurück an den
ersten Anschlag auf das World Trade Center im Jahre 1993. Damals wurde
ja die ganze islamistische Bande geschnappt, die die Aktion durchgeführt
hatte. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß die Kameraden schon
lange vorher von CIA und
FBI unterwandert waren.
Der Bombenbastler war ein Agent provocateur des FBI, dessen Führungsoffizier
versprochen hatte, die zur Explosion notwendigen Chemikalien
rechtzeitig gegen harmlose auszutauschen, so daß die Täter zwar hätten
in die Falle gelockt werden können, Schaden jedoch vermieden worden wäre.
Doch das Versprechen wurde seitens des FBI nicht eingehalten. 1.000
Verletzte und einige Tote waren die Folge. Noch eine Seltsamkeit: Die
Mitglieder der Terrorgruppe hatten eigentlich Einreiseverbot in die
USA gehabt, standen auf einer Liste des FBI und des State Department.
Doch die CIA sorgte dafür, daß dieses Verbot umgangen wurde. Das
Grauen des 11. September ist ein Gau der amerikanischen Dienste.
Insgesamt gibt es 26 an der Zahl, und sie stehen in Konkurrenz
zueinander. Man kann sich schon vorstellen, daß Nichtzyniker an
diesem Wirrwarr und Chaos verzweifeln. Wer seinem Staat Terroranschläge
vermeiden helfen will, findet sich in einem Sumpf sondergleichen
wieder. Also jeder gegen jeden, und die Terroristen
profitieren davon? Die
entscheidende Frage ist doch: Wer sind die Terroristen? Der frühere
Chef einer strategischen Einheit zur Bekämpfung der obersten Ebene
des internationalen Drogenhandels sagte in einer Kongreß-Anhörung,
er habe in seiner dreißigjährigen Tätigkeit für die Drug
Enforcement Agency keinen größeren Fall erlebt, bei dem ihm nicht
die CIA die Zügel aus der Hand genommen hätte. Aber
am 11. September ging es nicht um ein Drogendelikt Bin Laden ist ein Produkt der
CIA, geschaffen zunächst im Kampf
gegen die Sowjetunion. Es ging dabei nicht nur um die Abwehr der
sowjetischen Intervention in Afghanistan. Es ging um die
Destabilisierung der UdSSR über ihre Teilstaaten mit muslimischer Bevölkerung.
Noch bevor die Kommunisten 1978 in Afghanistan an die Macht kamen,
hatte die CIA Unruhen in Afghanistan unterstützt. Die
Zentralregierung wurde nicht Herr der Lage. Die Kommunisten kamen ans
Ruder, scheiterten ebenfalls und holten die sowjetischen Truppen ins
Land. Damit waren sie in die Falle gelaufen, die der damalige
US‑Sicherheitsberater Brzezinski sich ausgedacht hatte und mit
deren Hilfe er ihnen ein russisches Vietnam bereiten wollte. Nun
wurden in einer Aktion, die die CIA zusammen mit den saudischen und
pakistanischen Geheimdiensten ins Werk setzte und bei der die
Finanzierung durch den Drogenhandel eine große Rolle spielte, rund
hunderttausend Freiheitskämpfer aus den muslimischen Ländern
Nordafrikas und des Nahen Ostens als Söldner zum Kampf gegen die
gottlosen Sowjets angeworben. Freiheitskämpfer - in Anführungszeichen.
In Wirklichkeit handelt es sich um die Taugenichtse und Raufbolde der
gesamten islamischen Welt. Wo immer ein schwarzes Schaf der Familie
oder des, Dorfes nicht gut tat, lockte der Ruf der Mudjaheddin an den
Hindukusch - wo man sich gegen Öl- und Drogengeld nützlich machen
konnte. Die Taliban selbst wurden aus den koranstrengen Waisenhäusern
Pakistans angeheuert. Osama Bin Laden war einer der Organisatoren des
fundamentalistischen Werbefeldzuges, wobei ihm durchaus gestattet war,
seine rund 10.000 Söldner aus militant antiwestlichen,
antiamerikanischen Kreisen anzulocken. Teile dieser Truppe wurden
eigens in CIA-Lagern für spezielle Aufgaben trainiert. Es handelt
sich folglich eher um Desperados als um hochreligiöse Leute. So wie
wenn wir die Radaubrüder unserer Fußballstadien zum heiligen Kampf
gegen den Islam heranziehen würden. Doch für die Gehirnwäsche des
westlichen Publikums mit dem Ziel, den neuen Feind Islamismus im Sinne
des »Clash of Civilizations« einzuhämmern, sind sie bestens
geeignet. Sie
waren
beim
Einmarsch der Sowjets in Afghanistan Mitglied der Bundesregierung. Wie
hat das Kabinett Schmidt über die Sache diskutiert? Kaum.
Ich erinnere mich nur, daß Washington mächtig Druck auf uns ausübte,
wegen Afghanistan die Olympischen Spiele in Moskau zu boykottieren.
Wie stark der Druck war, zeigt auch eine andere Episode: Anfang der
achtziger Jahre drängte der amerikanische Viersterne-General und
Nato-Oberbefehlshaber Haig mit aller Macht darauf, jedes noch so
kleine nationale Manöver als Teil seiner großen Nato-Herbstmanöver
deklarieren zu können. So kam es, daß an einem Wochenende alles in
allem von Norwegen bis zur Türkei rund eine satte Million Nato-Soldaten
von Westen Richtung Osten in Bewegung war. Als Staatssekretär
erlaubte ich mir anzumerken, daß ich dies für problematisch hielte,
zumal westlicherseits alle Warnlampen angingen, sollte
der Warschauer Pakt uns ein ähnliches Szenario in Ost-West-Richtung
bieten. Die kleine Kritik fand ein weltweites Echo, in den USA und.
bis nach Hawaii. Als ich kurz darauf dem Weißen Haus einen Besuch
abzustatten hatte, lief mir scheinbar zufällig Brzezinski über den
Weg mit der Frage: »Are you the guy talking about manouvres in
Europe?« Aus heutiger Sicht zündelte der Mann schon damals von der
europäischen wie der asiatischen Seite. Das geopolitische Spiel
findet derzeit seine Fortsetzung in der Nato-Erweiterung bei
gleichzeitigem Aufbau von militärischen
Positionen in den selbständigen asiatischen Nachfolgestaaten der
Sowjetunion. Ich
entsinne mich im übrigen, daß anläßlich der Kontakte zwischen SPD und KPdSU die Sowjets mehrfach deutlich
machten, daß sie lieber heute als morgen aus Afghanistan abziehen würden, jedoch das zu
erwartende Sicherheitschaos der sich bekämpfenden afghanischen und
pakistanischen War- und Drogenlords fürchteten. Sie versuchten, die
USA zu einem gemeinsamen Vorgehen zu gewinnen. Doch Washington blieb
taub auf diesem Ohr. Hatte nicht auch der BND seinen Anteil
an der Afghanistanoperation der CIA? Höchstens
als Sekundant. Die Deutschen entwickeln zuweilen sentimentale
Bindungen zu den leidgeprüften Völkerschaften der Region. Bei Jürgen
Todenhöfer, dem inoffiziellen Afghanistanemissär der
CDU, kann ich mir durchaus vorstellen, daß er gemeinsam mit den
Mudjaheddin am Lagerfeuer saß und Freiheitslieder sang. Die
verdeckten Operateure der CIA verfolgen knallhart die verdeckten,
demokratisch nicht legitimierten Ziele ihres Landes. Als die CIA einst
den 30.000 kurdischen Kämpfern gegen Saddam Nussein nach
jahrzehntelang verdeckter Nutzung im Interesse des Schah-regierten
Iran den Geld- beziehungsweise Drogenhahn zudrehte und Führer und
Mannschaften der Vernichtung durch den Diktator preisgab, meinte Henry
Kissinger, der Vorgänger Brzezinskis, man solle doch bitte verdeckte
Operationen nicht mit Missionsarbeit verwechseln. Zurück zum
11.9. Mir scheint bemerkenswert, daß Präsident Bush am Tattag nicht
nach New York kommen wollte -
aus Angst, auch auf ihn beziehungsweise die Airforce One sei ein
Attentat geplant. William Safire von der »New York Times« hat
recherchiert, daß die Terroristen Informanten in den US-Geheimdiensten
gehabt haben müssen. Das
ist durchaus möglich. Noch interessanter scheint mir die
Interpretation eines britischen Flugingenieurs zu sein, der behauptet,
die Linienmaschinen seien am 11. September nicht gekidnappt, sondern
über eine »Hintertür« in den Bordcomputern unter Ausschaltung der
Piloten vom Boden aus in die Ziele gesteuert worden. Das Gegenteil
ließe sich leicht beweisen, wenn die Ermittlungsbehörden die
Auswertung der Flugschreiber und Voice-Recorder
der Flugzeuge drei und vier
-
die eine ist ins Pentagon gesteuert worden, die andere abgestürzt -
veröffentlichen wurden. Aber das passiert nicht. Es
gibt eine Reihe ungeklärter Abstürze an der amerikanischen Ostküste,
etwa die Swissair-Maschine oder die der Egypt Air. Für die Version
des britischen Flugingenieurs könnte such sprechen, daß die
angeblichen Flugzeugentführer offensichtlich gar nicht in der Lage
waren, eine Maschine zu . steuern. Zeitungen aus Florida berichten, daß
die Flugausbildung dieser Leute Vollkommen gescheitert sei. Über
einen der Verdächtigten sagte die Flugschule, nach 600 Flugstunden hätte
man ihm noch nicht einmal eine Cessna anvertrauen können. Über einen
anderen hieß es, er sei so dumm, daß Zweifel aufgekommen seien, ob
er überhaupt ein Auto zu steuern in der Lage sei. Dabei muß man bedenken, daß zumindest Maschine
Nummer drei ein außerordentlich kompliziertes Flugmanöver durchgeführt
hat. Sie
steuerte zunächst das Weiße Haus in Washington an und änderte dann
mit einem 270-Grad-Looping knapp über die Telegraphenleitungen hinweg
ihren Kurs aufs Pentagon. Das erfordert Können und viel Flugerfahrung.
Im übrigen mache ich mir die Theorie des britischen Flugingenieurs ja
nicht zu eigen. Ich behaupte nur, daß die Zweifel und Fragen, die er
und andere formulieren, öffentlich debattiert und fachmännisch
untersucht werden müssen. Auch bei den
Insider-Börsengeschäften
werden keine Fragen mehr gestellt. In der Tat. In der Woche vor dem Anschlag stieg der Umsatz mit Aktien, die
später infolge der Ereignisse im Kurs drastisch abstürzen sollten,
um 1.200 Prozent. Die Aktien wurden zum Kurs vor dem Ereignis teuer
verkauft, sollten jedoch einige Zeit danach erst übereignet werden.
Man konnte sich so als Verkäufer nachträglich zum
Crashkurs eindecken und die Differenz als Gewinn einstreichen. Es
handelte sich um Aktien der beiden Fluggesellschaften, aber auch der
im World Trade Center in je 22 Stockwerken beherbergten
Finanzinstitute Morgen Stanley und Merryll-Lynch. Außerdem kauften
diese Insider amerikanische Staatsanleihen im Wert von fünf
Milliarden Dollar in der Erwartung, daß auf Grund der nationalen Katastrophe
ihr Wert steil ansteigen werde. Wer waren die Insider, und über
welche
Kanäle gelangten sie zu ihrer Kenntnis? Und wo sind die
Erkenntnisse der amerikanischen Finanzfahndung, die routinemäßig
auffällige Spekulationen auf künftige Terrorereignisse zur Gewinnung
von Hinweisen auf Attentate erfaßt?
Bush senior arbeitet über die Carlyle Group, eine
internationale Anlagefirma,
für die Familie Bin Laden in
Saudi Arabien. »Die Vorstellung, daß der Vater des Präsidenten,
auch er ein ehemaliger Präsident, Geschäfte mit einer Firma macht,
die vom FBI wegen der Terroranschläge am 11. September untersucht
wird, ist schrecklich« schrieb die US-amerikanische
Antikorruptions NGO »Judicial Watch«. Bush senior ist ein alter CIA-Mann. Er war 1976/77
Direktor der Agency. Bekannt sind seine Verbindungen zum panamesischen
Präsidenten Noriega, der auf seinem Staatsgebiet den Drogenhandel
nach Amerika und die Landung von Flugzeugen voller Drogengeld zum
Zwecke der internationalen Geldwäsche erlaubte. Seine jährlichen
200.000 Extra-Dollars aus CIA-Quellen überstiegen eine Zeitlang. das
Gehalt selbst des US-Präsidenten Es gibt Berichte, daß
der Krieg gegen Afghanistan keine Reaktion der USA auf den
Terror vom 11.9. ist, . sondern vorher geplant war. »Evidence
suggests, that Washington had
planned to move against Bin Laden in the summer«, schrieb der
britische »Guardian«. Eine amerikanische Öl- und Gasgesellschaft will seit
Jahren Öl aus dem Kaspischen Becken über eine milliardenschwere
Pipeline durch Afghanistan zum indischen Ozean transportieren. Die CIA
hoffte, die Taliban zum Schutz der Investition nutzen und zugleich die
Trasse über das Territorium des »Rüpelstaates« Iran verhindern zu
können. Möglicherweise führt ja der Krieg jetzt zu einer neuen
Regierung in Kabul, die dem Vorhaben aufgeschlossen gegenübersteht Alles in allem kann man davon ausgehen, daß die
strategischen Köpfe der CIA in aller Regel den geopolitischen Vorstellungen
folgen, die der bereits erwähnte Brzezinski in Die einzige Weltmacht niedergeschrieben
hat. Dieses Buch ist zusammen mit Huntingtons Clash of Civilizations die
Blaupause für die verdeckte, letztlich maßgebende US-Außenpolitik
der nächsten Jahre und Jahrzehnte: Brzezinski überprüft die
wichtigsten Staaten der Reihe nach darauf hin, wer sich zum Gegner der
US-Dominanz aufwerfe könnte. Es werden Ansätze gesucht, wie diese
potentiellen Gegner geschwächt werden können - er sieht das Ganze
als Schachspiel, in dem die Hauptfiguren als Staaten gegeneinander
gesetzt werden und innerhalb der Staaten oft ethnische Minderheiten
als Bauern Verwendung finden. Man fördert die Scharfmacher unter den
Führern von Minderheiten, desavouiert die Friedfertigen schürt die
Leidenschaften, vermittelt Waffen, finanziert über Drogen. Sollte die
jeweilige Zentralregierung sich dann gezwungen sehen, zur Erhaltung
des Landfriedens etwas robuster vorzugehen, folgt die öffentliche
Anklage wegen Verletzung der Menschenrechte. Brzezinski ist wie
besessen von der Frage nach der Beherrschung des eurasischen Raums
zwischen Atlantik und Pazifik, für ihn der Schlüssel zur globalen
Dominanz. Und da der Mensch, fehlbar wie er nun einmal ist, hassen
will und muß, bietet der Harvard-Professor Huntington den Islam als
neuen Gegner des Westens, dem er das orthodoxe Christentum Osteuropas
gleichordnet. Welche Kontakte zwischen Bin
Laden und der CIA gibt es aus der jüngeren Vergangenheit? »Le Figaro« meint, Bin Laden habe sich noch im Juli
dieses Jahres mit dem CIA-Chef
in Dubai getroffen. Der CIA-Mann habe sich in seinem Bekanntenkreis
dieses Treffens gerühmt. Wenn Sie auf die Rolle der CIA und anderer westlicher
Dienste in. bezug auf den 11. September hinweisen, werden Sie
sicherlich mit dem Vorwurf konfrontiert, Verschwörungstheorien anzuhängen. Nicht
ich bin derjenige, der eine Verschwörungstheorie vertritt. Vielmehr müssen
diejenigen sich den Vorwurf gefallen lassen, die ohne stichhaltige
Beweise - jedenfalls wurden bisher keine vorgelegt - eine Bin-Laden-Verschwörung
am Werke sehen. Dabei werden wieder die Medien zur Desinformation :genutzt.
Zum Beispiel las man in der »New York Times«, Bin Laden
habe in einer Erklärung die Attentate begrüßt, die Täter als »Helden«
gelobt. Die Äußerung wurde von einem in Afghanistan lebenden Palästinenser
übermittelt, der weitergab, was ein Freund aus der Umgebung Bin
Ladens über dessen Reaktion gehört haben wollte. Zur gleichen Zeit
übersetzte der »Bonner Generalanzeiger« die von BBC übermittelte
Erklärung Bin Ladens, in der er den Tod Unschuldiger am 11.9.
bedauerte. Wieso wählt die »New York Times« die mit hoher
Wahrscheinlichkeit verfälschte Nachricht? Ich behaupte jedenfalls nicht, daß ich Antworten hätte
auf Fragen, die in den Medien nicht gestellt werden - mit der Folge,
daß die Verantwortlichen
sich zu überzeugenden Antworten nicht veranlaßt
sehen. Statt dessen werden Bilder vermittelt, die den im Sandsturm
reitenden Bin Laden zeigen, den apokalyptischen Reiter, den
unberechenbaren, hinterhältigen, grausamen neuen Feind! Warum reagieren die Medien, auch in Deutschland,
wie gleichgeschaltet? Lediglich Frankreich scheint
einigermaßen der Hysterie und der uneingeschränkten Gefolgschaft zu
trotzen. In der Politik wie in den Medien. Die Wellen der
Gleichschaltung habe ich nun schon mehrfach erlebt Bei der
Neutronenwaffe Tratte
es noch nicht geklappt. Doch anläßlich
der Nachrüstung von 100 Mittelstreckenraketen Anfang der achtziger
Jahre wurde die Gleichschaltung bereits handgreiflich. Dann bei der
Unterdrückung jeder Wortmeldung über den angeblich schnellen Weg zu
den blühenden Landschaften. Mit am schlimmsten habe ich die
Manipulation aus Anlaß des Golfkrieges empfunden, wo Saddam Hassein
nach massiver Aufrüstung durch den Westen unter anderem in die Falle
der amerikanischen Botschafterin lief, die ihm zugesichert hatte, daß
Grenzstreitigkeiten mit Kuwait die USA nicht kümmerten. Beim Krieg da
Sterne unter Reagan und jetzt wieder Bush zeichnet sich dieselbe
Tendenz auch in unserer Presselandschaft ab. Sie
haben das Phänomen zutreffend beschriebt aber noch nicht erklärt. Von
einem Informanten in den USA weiß ich, daß in den größeren
Redaktionen und Nachrichtenagenturen eine Person des Vertrauens der
CIA sitzt, die in der Lage ist, irische Angelegenheiten im Zweifel"
vom Transportband der Nachrichten zu nehmen oder das Totschweigen zu
veranlassen Ob der BND ähnliche Macht hat weiß ich nicht. Die maßgeblichen
Medienzaren der USA sitzen in Beratungsgremien der Geheimdienste. Die
CIA hilft ausländischen Journalisten und Nachrichtenagenturen mit
Geld auf die Sprünge. Im übrigen stehen Journalisten oft im
Klientelverhältnis zu den Diensten. Die heiße Story wird von dort
herausgereicht zur angemessenen Verbreitung. Verläßt der Journalist den Mainstream bleiben die
Lieferungen aus. Bleibt er jedoch auf Kurs; wird er zu
Hintergrundgesprächen und Konferenzen eingeladen, oft an den schönsten
Orten der Welt, in den besten Hotels, mit prominenten Partnern. Wer
als »Défense
intellectuel« gilt, hat ein schönes Leben
und exklusive Informationen - von Korruption will da keiner sprechen.
Aber der Unterschied zu einem Journalisten, der etwa in Frankfurt-Bockenheim
an seinem Schreibtisch sitzt und täglich auf sich gestellt seine
Informationen zusammensuchen muß, ist beträchtlich. Und Weiteres kommt hinzu: Die wichtigste Aufgabe der
Geheimdienste ist die Täuschung der Öffentlichkeit: Der eigentlichen
Kausalkette soll niemand auf die Schliche kommen. Einen Bergstamm in
Burma mit 30.000 Mann zum Kampf gegen den Vietcong zu gewinnen, ist
nicht schwer, dazu reicht es, Geld und Waffen bereitzustellen. Viel
schwieriger ist es, das Ganze so zu drehen, daß der Dienst nicht selbst
als Verursacher und Auftraggeber in Erscheinung tritt. Also dirigiert
und finanziert die CIA über raffinierte Umwege. Die
mittelamerikanischen Contras bekamen Waffen und Geld über Drogenhändler,
die im Gegenzug geschützt vor Strafverfolgung ihre Ware in den USA
oder Europa absetzen konnten Die Wäsche des eingenommenen
Drogengeldes wird gedeckt, damit der geheime Kreislauf funktioniert.
Alles wird so verwickelt arrangiert, daß jeder für verrückt erklärt
werden kann, der die wirklichen Zusammenhänge erahnt oder darstellt.
Um so kommoder ist die Welt eingerichtet für Journalisten, die auf
dem Schoß der Geheimdienstleute sitzen und auf die Desinformation zum
Füllen ihrer Spalten warten. Sie waren Staatssekretär und
Minister. Wie reagieren die Sozialdemokraten ihrer Generation - Leute
wie Bahr und Schmidt -
auf Ihre Recherchen? Da gibt es keine Reaktion. Wer sie für falsch hält, müsste
argumentieren können. Konkret Nr. 12/2001 |