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Deutsche Terroristen – haben sie sich mit den palästinensischen Terrororganisationen verbündet?[1]

Eli Karmon

Politische Studien, Heft 368, 50. Jahrgang, November/Dezember 1999

 

1. Einführung

Das Thema der Zusammenarbeit und von Bündnissen zwischen Terrororganisationen ist bislang nicht ausreichend untersucht worden. Die zahlreichen Fragen, die sich bereits zu Beginn der 70er Jahre stellten, blieben so unbeantwortet. Nun kommen wir nicht umhin, uns damit zu befassen, denn die Instabilität des internationalen Systems zeigt, daß wir in absehbarer Zukunft möglicherweise mit dem internationalen Terrorismus leben müssen.

Nahm die Zusammenarbeit zwischen Terrororganisationen, die in den 70er und 80er Jahren auf internationaler Ebene aktiv waren, wirklich ein solches Ausmaß an, daß Arbeitsbündnisse zwischen Organisationen aus unterschiedlichen Staaten begründet wurden? Ist ein institutionalisiertes Bündnis zwischen Akteuren auf internationaler Ebene, die keine unabhängigen Staaten sind, überhaupt möglich? Welche Faktoren innerhalb von Staaten und weltweit beeinflussen die Schaffung von Bündnissen zwischen Terrororganisationen? Ist der ideologische Faktor entscheidend für die Gründung eines Bündnisses und sein Funktionieren in der Praxis oder haben vielleicht politische und materielle Belange mehr Gewicht als ideologische Betrachtungen?

Wie funktioniert ein solches Bündnis vor dem Hintergrund der sich ständig ändernden weltweiten Situation? Dieser Artikel behandelt die Zusammenarbeit zwischen deutschen Terrororganisationen der extremen Linken und palästinensischen Terrororganisationen aus rein deutscher Perspektive. Er fußt auf einem Kapitel der Dissertation des Autors, mit dem Titel „Coalitions of Terrorist Organisations 1968 – 1990“ („Koalitionen zwischen Terrororganisationen 1968 – 1990“), verteidigt 1996 vor der Fakultät für Politikwissenschaft der Universität Haifa, Israel.

Die Doktorarbeit schuf einen theoretischen Rahmen zur Erklärung der Bedingungen, unter denen Koalitionen zwischen terroristischen Organisationen auf internationaler Ebene geschlossen werden und wie sie im Hinblick auf die Veränderungen des internationalen Systems funktionieren. Diese theoretische Analyse wurde überprüft anhand empirischer Daten bezüglich der Zusammenarbeit zwischen europäischen und palästinensischen Terrororganisationen während der Jahre 1968–1990 sowie bezüglich der Bündnisse zwischen den europäischen Terrororganisationen der extremen Linken, besser bekannt als das Phänomen des „Euro-Terrorismus“ (1984 – 1988).

2. Theoretische Rahmenbedingungen

Die europäischen und die palästinensischen Terrororganisationen gehören per Definition durch Keohane und Nye zur Gruppe der „grenzüberschreitend tätigen Akteure“: „Signifikante Akteure charakterisiert durch Eigenständigkeit, Kontrolle über substantielle Ressourcen im geographischen Gebiet ihrer Aktivitäten und Teilnahme an politischen Beziehungen über Staatsgrenzen hinweg. Diese Akteure werden in dem Sinne als ‘grenzüberschreitend aktiv‘ definiert, daß sie keiner Regierung zuzuordnen sind und ihre Aktivitäten mehr als zwei Staaten betreffen.“[2] Nach einer Anpassung an die speziellen Verhältnisse terroristischer Organisationen diente Stephen Walts Theorie eines „Bedrohungsgleichgewichts“, wie er sie in seinem Buch „The Origins of Alliances“[3]3 (etwa: Der Ursprung von Bündnissen) vertritt, bei dieser Arbeit als ein wichtiges Forschungsinstrument. Walt betrachtet seine Theorie als eine Verfeinerung der Theorie des „Mächtegleichgewichts“ (Balance of Power). Während die These des  „Mächtegleichgewichts“ aussagt, daß Staaten auf ein bloßes Ungleichgewicht der Machtverteilung reagieren werden, vertritt die These des „Gleichgewichts der Bedrohung“ die Ansicht daß Staaten sich verbünden werden, wenn sich ein Ungleichgewicht in der gegenseitigen Bedrohung einstellt, das heißt, wenn ein anderes Land oder ein Bündnis von konkurrierenden Staaten ihnen besonders gefährlich erscheint, werden sie eine Gegenkoalition bilden oder ihre Bemühungen verstärken, ihre Verwundbarkeit gegenüber dieser Bedrohung zu reduzieren.

3. Haupthypothese

Diese Forschungsarbeit geht von der grundlegenden Annahme aus, daß Terrororganisationen daran interessiert sind, ein Bündnis mit anderen Organisationen einzugehen, wenn sie sich durch politische und strategische Bedingungen und Ereignisse bedroht fühlen, seien diese nun durch die Situation im Land, in der Region oder auf internationaler Ebene durch andere Staaten oder die Supermächte bedingt.

Terrororganisationen versuchen die zahlreichen Bedrohungen, vor denen sie stehen, zu kompensieren. Eine Möglichkeit, gegen diese Gefahren anzugehen, ist die Begründung eines Bündnisses mit einer anderen Organisation. Die Entscheidung, ob ein solches Bündnis mit einer anderen Organisation eingegangen wird, ist strategischer Natur und beruht auf Abwägungen und der Untersuchung anderer Alternativen.

Mehrere Faktoren beeinflussen die Einschätzung, die zu der Entscheidung führt, ein Bündnis einzugehen, Faktoren, die mit der von der Organisation vertretenen Ideologie und mit den taktischen und strategischen Überlegungen – wiederum inner- und außerhalb des angestammten Landes – in Zusammenhang stehen.

Auf drei Ebenen der Analyse wurden unabhängige Variablen verwendet: qualitative Aspekte des internationalen Systems, Variablen auf Organisationsebene und Variablen auf der Ebene der Entscheidungsträger innerhalb der Organisation.

Einerseits beziehen sich diese unabhängigen Variablen auf den Einfluß der allgemeinen Aspekte des Systems: Spannungen innerhalb des bipolaren Mächtesystems oder das Auftreten neuer revolutionärer Brennpunkte weltweit. Andererseits beziehen sie sich auf regionale Gesichtspunkte wie beispielsweise kriegerische Auseinandersetzungen oder Spannungen auf regionaler Ebene und internationale militärische/sicherheitspolitische Zusammenarbeit gegen Terrororganisationen. Die Annahme ist, daß all diese Variablen des internationalen Systems die Tendenz terroristischer Gruppierungen verstärken, Bündnisse auf internationaler Ebene einzugehen.

Auf der Organisationsebene wurden der Einfluß der Ideologie und struktureller Merkmale untersucht. Hier wurde von der Annahme ausgegangen, daß bestimmte Ideologien wie beispielsweise Nationalismus oder der „orthodoxe“ Marxismus-Leninismus gegen eine Tendenz terroristischer Organisationen zur staatenübergreifenden Zusammenarbeit sprechen. Dahingegen stärken der Anarchismus der radikalen Linken und Rechten und auch der Anarcho-Kommunismus die Tendenz, internationale Bündnisse einzugehen. Allianzen bestehen allerdings nur, wenn es zwischen den beiden Organisationen eine gemeinsame ideologische Basis gibt. Was die strukturellen Eigenschaften angeht, ging man davon aus, daß die Größe und Stärke von Organisationen keinen Einfluß auf ihre gegenseitige Abhängigkeit hat, während die räumliche Distanz sehr wohl auf die Zusammensetzung und die Größe von Bündnissen einwirkt.

Organisationen, die laut Judy Bertelsens Definition als „nicht-staatliche Nationen“ bezeichnet werden können (Einheiten, die als Nationen auftreten, aber nicht als solche anerkannt sind)[4], werden stärker als andere Organisationen von Überlegungen über ihre internationalen politischen Aspirationen  geleitet.

Was die Ebene der Entscheidungsträger angeht, wurde nur ein Aspekt untersucht: der Einfluß rassistischer antisemitischer Vorurteile seitens der Anführer europäischer Terrororganisationen auf deren Entscheidung, ein Bündnis mit palästinensischen Terrororganisationen einzugehen.

Um einschätzen zu können, ob zwei Organisationen einen Grad der Zusammenarbeit erreicht haben, der als Bündnis definiert werden kann, und um das Ausmaß und den Tiefgang der Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Parteien zu bemessen, wurden abhängige Variablen definiert, die die praktischen Anzeichen eines Bündnisses beschreiben: der Grad ideologischer Zusammenarbeit, der Grad logistischer Zusammenarbeit oder auch gegenseitige Hilfe im Bereich von Ressourcen und der Grad operationeller Zusammenarbeit.

 

 

4. Typologische Definition der deutschen terroristischen Organisationen

● Die Rote Armee Fraktion (RAF): Laut Ann Steiner[5] grenzt die Ideologie der RAF an Anarchismus. Ihr Konzept der Freiheit und die Vorstellung, ihre Ziele auf einen Schlag zu erreichen, ihre hierarchiefeindlichen Strukturen und die Ablehnung des „demokratischen Zentralismus“, der dem Marxismus-Leninismus zugrunde liegt, waren klare Anzeichen für anarchistische Tendenzen. Steiner ist der Meinung, daß die RAF darin eine marxistisch orientierte Organisation war, daß sie die Hauptziele des historischen Materialismus vertrat. Wright[6] und Raufer & Haut[7] betonen den Einfluß der Dritten Welt sowie Wright[8] den revolutionärer Modelle wie die Maos, Che Guevaras und Marighellas, auf die Ideologie der RAF.

● Die Bewegung Zweiter Juni (B2J) war laut Steiner[9] eine durch und durch anarchistische Organisation, die im Gegensatz zur RAF keine marxistischen Ziele verfolgte. Während der ganzen Zeit ihres Bestehens produzierte die Bewegung kein einziges signifikantes ideologisches Dokument. Die meisten ihrer Aktivisten kamen aus Anarchistenkreisen. Später verstärkten sie durch ihren Beitritt zur RAF deren anarchistische Basis.

● Die Revolutionären Zellen (RZ) wurden von Raufer & Haut[10] als ein loser Verbund revolutionärer, aber nicht marxistisch-leninistischer Zellen beschrieben. Hans Joachim Klein, einer ihrer Hauptaktivisten, beschrieb die Organisation als die Antithese der leninistischen Prinzipien der deutschen Studentenbewegung, die nach einem kurzen meteorhaften Aufstieg bald dem Dogmatismus und zahlreichen Spaltungen anheim fiel.[11]

Folglich kann die RAF als eine anarchisch-kommunistische Organisation mit stark anarchistischen Tendenzen eingestuft werden. Die beiden anderen Organisationen, B2J und RZ, lassen sich als anarchistische Organisationen mit radikal linken Neigungen bezeichnen.

4.1 Die Aktivitäten der drei Organisationen wurden jeweils während drei Zeiträumen untersucht 1968–1980: In dieser Phase wurde die RAF gegründet (1968 – 1971), führte ihre erste große Offensive durch (1972) und nach einer kurzen Pause (1973 – 1974) wurde die zweite Offensive gestartet (1975 – 1977), die mit einer schmählichen Niederlage endete. Von 1977 bis zum Ende des angesprochenen Zeitraums war die RAF ständig auf der Flucht vor der Polizei.

Die B2J wurde 1971 gegründet. Einige ihrer Mitglieder hatten vormals der RAF angehört und einige ihrer Aktivitäten wurden auch mit denen der RAF koordiniert. 1974 und 1975 erreichten die Aktivitäten der B2J ihren Höhepunkt. Die Organisation wurde 1980 aufgelöst und ging in die RAF über.

Die 1973 gegründeten RZ machten bis 1976 nicht viel von sich Reden. Danach begannen sie verstärkt, amerikanische Ziele in Deutschland anzugreifen. Die RZ hatten eine internationale Abteilung, die zwischen 1974 und 1976 äußerst aktiv war und eng mit der Volksfront für die Befreiung Palästinas (Popular Front for the Liberation of Palestine – PFLP) zusammenarbeitete.

1981 – 1984: Während dieses Zeitraumes war die dritte Generation von RAF-Aktivisten damit beschäftigt, sich neu zu organisieren. Die meisten ihrer Terroranschläge waren während dieser Zeit erfolglos. Auch die RZ hielten sich in diesen Jahren im Hintergrund.

1985 – 1990: 1985 und 1986 baute die RAF ihre Verbindungen zu anderen terroristischen Kreisen innerhalb Europas aus. Nach einer langen Pause wurden 1989 und 1990 zwei weitere politische Morde verübt, die jedoch effektiv den Endpunkt des radikal linken Terrors in Deutschland markierten. Die RZ waren ebenfalls aktiv: 1985 – 1986 verübten sie Anschläge gegen deutsche und amerikanische Ziele. Von 1987 an nahmen ihre Aktivitäten ab, trotz der Tatsache, daß die meisten ihrer militanten Anhänger den Polizeibehörden entwischt waren.

5. Zusammenarbeit mit palästinensischen Organisationen

5.1 Die Schaffung und Entwicklung von Verbindungen

Darüber, wie die ersten Kontakte zwischen deutschen Terroristen und den palästinensischen Terrororganisationen zustande kamen, ist nur wenig bekannt. Wir wissen jedoch, daß eine Anzahl von Deutschen bereits 1969 – 1970 über Verbindungen im Untergrund den Weg in palästinensische Trainingslager fand. Dieses Phänomen läßt sich auf zweierlei Faktoren zurückführen:

● Die Bundesrepublik hatte zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Großzügigkeit der Regierung bei der Vergabe von Stipendien an arabische Studenten die höchste Konzentration von palästinensischen Studenten in Europa. Der Fatah, der größten palästinensischen Terrororganisation während dieser Jahre, gelang es, die palästinensische Studentenorganisation GUPS[12] zu unterwandern und die Oberhand zu gewinnen. Durch die GUPS konnte die Fatah Verbindungen zu studentischen und radikal linken Organisationen vor Ort aufbauen.

● Die deutschen Terrororganisationen waren in Gebieten mit hoher Konzentration an Gastarbeitern[13] – vor allem Türken – aktiv, die als nützliche Verbindung zu den Organisationen im Nahen Osten fungierten. Die in den palästinensischen Camps ausgebildeten deutschen Terroristen hielten den Kontakt aufrecht, koordinierten die Ausbildung anderer Gruppen und verhalfen polizeilich gesuchten deutschen Terroristen zur Flucht in den Nahen Osten.

Ein für den deutschen Terrorismus einzigartiges, interessantes Phänomen sind die Beziehungen, die sich zwischen Aktivistinnen deutscher Organisationen und palästinensischen Terroristen entwickelten. Einige Terroristinnen ließen sich sogar im Nahen Osten nieder. Hier ist zu bemerken, daß die deutschen Organisationen einen höheren Anteil weiblicher Mitglieder aufwiesen als vergleichbare Organisationen in anderen Ländern.

5.2 Überblick über die Zusammenarbeit 1968 – 1980

Die RAF ist die einzige Organisation, die sich – zumindest 1971 – 1972 – schriftlich zur Solidarität mit den palästinensischen Organisationen bekannte. Sie äußerte sich sogar positiv über den durch die Gruppierung Schwarzer September begangenen Mord an israelischen Athleten bei den Olympischen Spielen in München, einen Akt, der mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde und sogar bei den radikal linken Kreisen Europas und Deutschlands selbst auf harte Kritik stieß. Im Zeitraum von 1973 – 1980 ließen solche Solidaritätsbekundungen langsam nach, was zweifellos auch daran lag, daß die RAF generell weniger ideologische und propagandistische Schriften veröffentlichte.

Die beiden anderen Organisationen produzierten sogar noch weniger ideologisches Textmaterial, aber dennoch fällt auf, daß in diesen Schriften kein einziges Mal Solidarität mit den Palästinensern bekundet wurde. Dies gilt vor allem für die RZ, deren Mitglieder aktiv an einer Reihe großer Operationen der PFLP mitwirkten. In bezug auf gegenseitige logistische Unterstützung zwischen der RAF und den Palästinensern wurde über Einzelfälle berichtet (die Belieferung mit Handfeuerwaffen).

Obwohl es gewiß mehr solcher Fälle gab, ist es unwahrscheinlich, daß diese gegenseitige logistische Unterstützung ein größeres Ausmaß annahm. Die RAF, die RZ und die palästinensischen Organisationen – darunter in erster Linie die PFLP – arbeiteten vor allem bei Operationen zusammen.

Diese Form der Kooperation war bei der RAF von 1970 bis 1972 besonders effektiv und bei der RAF und den RZ zusammen 1975 – 1976. In den Jahren 1973 und 1974 konnte die RAF effektiv nichts unternehmen, auch wenn sie eine Zusammenarbeit mit den palästinensischen Organisationen anvisiert hatte, da ihre letzten verbleibenden Rädelsführer festgenommen wurden und die Organisation dadurch wie gelähmt war. Ende 1974 drängte sich die B2J in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, doch ihre Operationen mit beabsichtigter Öffentlichkeitswirksamkeit bezogen sich hauptsächlich auf Justizbeamte, die mit den Prozessen gegen Mitglieder der RAF und der B2J selbst zu tun hatten.

Auch in den Jahren 1976 und 1977 erging es der RAF nicht sehr viel besser. Im Juni 1976 nahm sich Ulrike Meinhof, eines der ersten Mitglieder der Führung, im Gefängnis das Leben. Dem folgte der Selbstmord von vier weiteren inhaftierten Anführern im November 1977.

Trotz alledem waren die Jahre 1975 – 1977 in puncto Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den palästinensischen Organisationen (insbesondere der PFLP) die fruchtbarsten. Die palästinensischen Organisationen waren eher bereit, Mitglieder der RAF, B2J und der RZ in ihren Trainingslagern im Libanon und vor allem im Südjemen aufzunehmen. Eine größere Anzahl deutscher Terroristen nahm an großen Operationen der PFLP oder Operationen, die durch Carlos (Ilich Ramirez Sanchez, der mittlerweile traurigeSanchez), Berühmtheit erlangt hat, geplant worden waren, im Namen der PFLP teil. (Darunter die Besetzung des OPEC Hauptquartiers in Wien 1975, der versuchte Bombenanschlag auf eine Maschine der EL AL in Paris und die versuchte Entführung eines EL AL Flugzeugs nach Nairobi im Januar 1975 sowie die Entführung eines Flugzeugs der Air France nach Entebbe, Uganda, im Juni 1976.)

Wirklich beendet wurde die operationelle Zusammenarbeit der beiden Organisationen erst durch das Fehlschlagen der Entführung einer Lufthansa-Maschine nach Mogadischu durch Aktivisten der PFLP im Oktober 1977. Üblicherweise unterstützten die Palästinenser die deutschen Terroristen durch das Angebot von Orten, an denen sie untertauchen konnten und die Teilnahme an Trainingscamps. Diese Ausbildung hatte offensichtlich zweierlei Ziele: Die deutschen Terroristen wurden darauf vorbereitet, selbst Operationen durchzuführen (einige, die an dem 1975 erfolgten Angriff auf die deutsche Botschaft in Stockholm teilnahmen, waren im Südjemen ausgebildet worden) und wurden auch dafür ausgebildet, in der PFLP selbst mitzuwirken. Im großen und ganzen bestand zwischen der B2J und den palästinensischen Terrororganisationen keine solche Zusammenarbeit.

In den wenigen Fällen, in denen vereinzelte Mitglieder der Organisation mit den palästinensischen Gruppierungen kooperierten, ist es schwierig, festzustellen, ob sie dies als Einzelpersonen oder als Vertreter ihrer Organisation taten.[14]14

Die Zusammenarbeit während des genannten Zeitraums läßt sich zusammenfassend folgendermaßen charakterisieren:

● Die palästinensischen Organisationen erlaubten deutschen Terroristen aller Organisationen, sich in ihren Trainingscamps in Jordanien (zumindest bis 1970, als die Krise mit den jordanischen Behörden ihren Anfang nahm), im Libanon und vor allem im Südjemen, wo die PFLP frei operieren konnte, ausbilden zu lassen.

● Die palästinensischen Organisationen fühlten sich ihren deutschen Kameraden so verbunden, daß sie Personen kidnappten und Flugzeuge entführten, um die westdeutschen Behörden unter Druck zu setzen, inhaftierte Terroristen freizulassen.

● Eine relativ große Anzahl deutscher Terroristen hatte keine Gewissensbisse, weil sie für eine palästinensische Terrororganisation, vor allem die PFLP, arbeitete und dabei sogar an gefährlichen und groß angelegten Operationen teilnahm, die viele unschuldige Opfer forderten (oder hätten fordern können), wobei sie gegen die Prinzipien verstieß, die sie hochhielt, wenn sie auf deutschem Boden operierte.

Viele dieser Terroristen gehörten den RZ an, nur wenige der RAF. Es ist jedoch kaum möglich, zu sagen, ob sie als eine geschlossene organisatorische Einheit oder als Einzelpersonen arbeiteten, die von den Palästinensern aus persönlichen oder ideologischen Gründen oder weil ein Bedarf an Söldnern bestand, ausgewählt wurden.

5.3 Die Gründe für die Kooperation zwischen den deutschen und den palästinensischen Organisationen

Die deutschen Terrororganisationen benötigten zumindest am Anfang eine Anleitung und Ausbildung, bevor sie selbst aktiv werden konnten. Laut Baumann[15] wurde die Gruppe Tupamaros West-Berlin (der Vorläufer zur B2J) von einer Gruppe linksgerichteter Anarchisten gegründet, die 1969 in „Palästina“ ausgebildet worden waren und nun nach Deutschland zurückkehrten, begierig darauf, eine bewaffnete Auseinandersetzung zu beginnen.[16]

Die RAF – zu Beginn ihrer Entwicklung noch als die Baader-Meinhof-Bande bekannt – machte eine ähnliche Entwicklung durch. Die Ausbildungslager der Fatah waren für Mitglieder der Bande, die einer Haftstrafe entgehen und aus Deutschland fliehen wollten, eine willkommene Lösung. Die BaaderMeinhof-Bande fand es nur logisch, von den Freiheitsbewegungen der Dritten Welt zu lernen, darunter vor allem von den palästinensischen Terrororganisationen, die bereits in einer Reihe arabischer Staaten Handlungsfreiheit besaßen.

Zweifelsohne waren die im palästinensischen Trainingscamp gemachten Erfahrungen der zündende Funke für den Beginn der terroristischen Karriere der Organisation. Als die jungen deutschen Terroristen im Herbst 1970 nach Deutschland zurückkehrten, gingen sie, solchermaßen im Ausland vorbereitet, in den Untergrund und begingen eine Reihe von Banküberfällen, um den Aufbau ihrer Logistik-Infrastruktur zu finanzieren und dann im Mai 1972 ihre erste große terroristische Offensive zu starten.

Während dieser ersten Offensive der RAF kam nur einmal die Solidarität mit den Palästinensern zum Ausdruck: bei dem Anschlag auf das Springer-Verlagsgebäude, der unter anderem dazu diente, „deren Propaganda gegen palästinensische Freiheitskämpfer und deren Unterstützung Zions und Israels ein Ende zu bereiten“.[17]

Der Erfolg des Schwarzen Septembers darin, die israelischen Sportler auf deutschem Boden in ihre Gewalt zu bringen, inspirierte die RAF-Führung aufs neue und bestärkte sie im Festhalten an der Doktrin, daß die Nationen der Dritten Welt die erfolgreichen Pioniere im Kampf gegen den Imperialismus waren. Nach den Anschlägen vom Mai 1972 hatten die Polizeibehörden durchgegriffen und so saßen die meisten Anführer der RAF ab Juni 1972 in Haft. Die RAF war in Schwierigkeiten, doch nun hob sich die Stimmung etwas. Sie hob sich noch weiter, als die inhaftierten RAF-Mitglieder erfuhren, daß der Schwarze September ihre Freilassung forderte.[18] Eine weitere Forderung nach der Freilassung der RAF-Terroristen wurde durch ein Kommando des Schwarzen Septembers gestellt, das im März 1973 das Haus des saudi-arabischen Botschafters in Kartoum besetzt hielt.

1981 – 1984

Für den Zeitraum zwischen 1981 und 1984 gibt es keine Indizien für eine logistische oder operationelle Zusammenarbeit zwischen RAF/RZ und palästinensischen Organisationen. Wohl aber bestehen Hinweise darauf, daß deutsche Terroristen in den Libanon flohen und sich in Camps der PFLP niederließen. Die meisten dieser Terroristen waren jedoch weiblichen Geschlechts und es ist unklar, ob sie in Vertretung ihrer Organisationen oder aus eigener Motivation handelten.[19]

Die deutschen Organisationen brachten nur wenige ideologische Dokumente heraus. Die nach Anschlägen verteilten Flugblätter waren kurz gefaßt und ihr Inhalt ließ keine Rückschlüsse auf den ideologischen oder strategischen Hintergrund der Operationen zu.

Im Mai 1982 publizierte die RAF nach langer Pause wieder ein erstes strategisches Dokument: „Guerilla, Widerstand und anti-imperialistische Front“.[20] Darin gibt die RAF-Führung an, ihr Ziel sei die Entwicklung einer neuen Stufe revolutionärer Strategie in der Metropole, aufgrund derer der Kampf der revolutionären Front in der Metropole den Kampf der Freiheitskämpfer in Asien, Afrika und Lateinamerika unterstützen sollte.[21] Dieser Kampf sollte an einer gemeinsamen Front geführt werden, wenn auch unter unterschiedlichen Bedingungen. In der Praxis sollten die Entwicklungen

in Westeuropa eine Hauptrolle in der Konfrontation des Imperialismus spielen. In dem genannten Dokument wird der Nahe Osten als eine Region beschrieben, die eine lebenswichtige strategisch-militärische und (aufgrund der Ölversorgung) wirtschaftliche Rolle für die imperialistischen Mächte spielt. Trotzdem ist in dem Schriftstück nie vom Kampf der Palästinenserorganisationen oder der Bedeutung dieses Ringens im Zusammenhang mit dem internationalen Kampf gegen den Imperialismus die Rede. Dies gilt auch für eine Reihe später veröffentlichter Dokumente. Zwei Flugblätter, die nach Anschlägen auf deutsche und amerikanische Ziele im Umlauf waren und eine Reihe von Briefen des inhaftierten RAF-Führers Christian Klar heben lobend die Bemühungen des libanesischen Volks und der arabischen Volksmassen gegen den Imperialismus hervor, erwähnen jedoch nie die Palästinenser oder den durch die palästinensischen Organisationen geführten Kampf.

Was die RZ angeht, so wurden, nachdem ab Januar 1981 die Publikation ihres Sprachrohrs „Revolutionärer Zorn“ eingestellt wurde, nur noch vier weitere ideologische Dokumente herausgegeben. Keines davon bezieht sich auf das Palästina-Problem oder auf das Ringen der palästinensischen Organisationen.

1985 – 1990

Dieser Zeitraum ist gekennzeichnet durch den Euro-Terrorismus und den Niedergang der deutschen Terrororganisationen. Von Dezember 1984 bis Ende des Jahres 1986 konzentrierte sich die RAF auf eine Strategie des Euro-Terrorismus, wobei sie, hauptsächlich in Zusammenarbeit mit der französischen „Action directe“ und den italienischen Roten Brigaden („Brigate Rosse“), versuchte, eine „westeuropäische Guerilla-Front“ zu errichten.

Während des Jahres 1987 verhielt sich die Organisation ruhig. Erst im September 1988, nach einer 23-monatigen „Ruhepause“, schlug die RAF wieder zu – diesmal mit einem Mordversuch am damaligen stellvertretenden deutschen Finanzminister. Damit nahm der EuroTerrorismus effektiv ein Ende. Bis Dezember 1990 führte die Organisation nur zwei größere Terroranschläge aus.[22]

Während dieses ganzen Zeitraums gab es keine logistische oder operationelle Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den palästinensischen Terrororganisationen. Die RAF hatte der Zusammenarbeit mit den europäischen terroristischen Vereinigungen oberste ideologische Priorität eingeräumt, die RZ konzentrierten sich auf Probleme innerhalb Deutschlands und griffen manchmal symbolische Ziele in Verbindung mit der NATO und Südafrika an.

Die RAF brachte dennoch ihre ideologische Unterstützung und Solidarität mit den palästinensischen Organisationen zum Ausdruck: Die deutschen Gruppen, die sich zu fünf während der Jahre 1986, 1988 und 1989 begangenen Terroranschlägen bekannten, waren alle nach palästinensischen Terroristen benannt, die im Kampf gegen Israel umgekommen waren.

5.4 Gründe für den Mangel an Zusammenarbeit von 1981 – 1990

1980 trat eine Wende in der Strategie der RAF ein. Die Betonung verschob sich auf die Bedrohung durch Amerika und die Hauptrolle, die die NATO und Westdeutschland in der Ausweitung internationaler Spannungen einnahmen. Während dieses ganzen Zeit raums des Euro-Terrorismus wurden Themen wie das Ringen der Freiheitsbewegungen in der Dritten Welt, darunter auch die Palästinenserbewegung, an den Rand gedrängt.

In den Jahren 1980 und 1981 ging die internationale Aktivität der größten palästinensischen Organisationen (Fatah und PFLP) stark zurück. Weitere Anschläge im Ausland wurden in erster Linie nur noch durch kleine Splittergruppen wie dem Revolutionären Kommando der Fatah unter der Leitung von Sabri El-Bana (Abu Nidal) und Ablegern der Wadi' Haddad-Splittergruppe, die sich von der PFLP abgespalten hatte, begangen.[23]

Zu Ende der 70er Jahre nahm die militärische Stärke der PLO im Südlibanon unter der Leitung der Fatah zu. Man wandte Guerilla-Taktiken und sogar konventionelle Artillerie gegen die israelische Armee an. Im Juni 1982 marschierten allerdings israelische Truppen im Libanon ein, um den Militärstützpunkt der Palästinenser dort zu zerstören. Sie drangen bis nach Beirut vor, der Hauptstadt des Libanons, umstellten die palästinensischen Kräfte und vertrieben sie aus dem Land.

Ironischerweise konnte die geschwächte RAF just in dem Augenblick, als die Palästinenser mehr denn je die Unterstützung durch ihre Freunde und Verbündeten benötigten, nicht eingreifen. Die Führung der RAF gestand diese Schwäche später ein: „1982, als die Israelis im Libanon einmarschierten, um die palästinensische Revolution dort zu unterdrücken, waren wir nicht in der Lage zu helfen, weder hier (in Deutschland) noch dort, in den durch Bomben zerstörten (sic) Camps von Sabra und Shattila (...). Obwohl sie den Rhein-Main-Luftwaffenstützpunkt als Wartungsstützpunkt (für ihre Bomber) benutzten, konnten wir nicht eingreifen, um irgendwie praktische Hilfe zu leisten.“[24]

Nachdem sich die palästinensischen Kräfte aus dem Libanon zurückgezogen und in den Jahren 1983 und 1984 in der ganzen arabischen Welt zerstreut hatten, war die Schlagkraft der palästinensischen Organisationen noch weiter zurückgegangen und so wurde bezüglich internationaler terroristischer Operationen ein Moratorium erklärt. Zwischenzeitlich machte das Aufkommen der schiitischen Terrororganisationen in der internationalen Terrorszene von sich Reden, die die durch die palästinensischen Organisationen hinterlassene Lücke wieder auffüllten.

Die RAF zeigte Interesse an diesen neuen Entwicklungen und behauptete sogar, daß die neue Offensive der Jahre 1984 – 1985 unter anderem darauf ausgelegt war, „den Schweinen [den Imperialisten] zu zeigen, was passieren würde, wenn sie [ihre Militäraktionen] in Beirut und in El Salvador verstärkten“[25]. Nach der Entführung des TWAFlugzeugs durch die Hizballah' (am 14. Juni 1985) räumte die RAF jedoch ein, daß bis auf die Tatsache, daß der Kampf der schiitischen Organisationen gegen den Imperialismus Lücken in dessen Ränge reiße, dadurch seine Pläne, die Weltherrschaft zu übernehmen, vereitle, und obendrein den Beweis dafür liefere, daß der amerikanische Imperialismus nur ein strategischer „Papiertiger“ sei, ihr Wissen über diese Organisationen beschränkt sei. Ob wohl die RAF der Ansicht war, daß die Ziele der fundamentalistischen islamischen Bewegungen mit den ihren nur wenig gemein hatten, überließ sie es der arabischen Revolutionsbewegung, ihre eigenen Schlußfolgerungen zu ziehen.

Nachdem im Dezember 1987 in den israelisch besetzten Gebieten die Intifadah ausgebrochen war, keimte 1988 das Interesse der inhaftierten RAFFührung am Palästina-Problem wieder auf. Sie betrachtete den Aufstand der Palästinenser als einen Meilenstein im Kampf der Freiheitsbewegungen weltweit. Laut den Anführern der RAF lieferte dies auch einen wichtigen Beitrag zum Kampf der radikalen Bewegungen in den Großstädten. Die RAF sah sich jedoch außerstande, den bewaffneten Kampf fortzusetzen. Bis auf zwei einzelne Aktionen 1988 und 1989 fanden praktisch keine weiteren Anschläge mehr statt.[26]

Von 1988 bis 1990 versuchte die PLO, einen politischen Durchbruch herbeizuführen, der sie bei den Verhandlungen mit Israel auf eine Stufe mit den arabischen Staaten stellen würde. Dieser Durchbruch war im Oktober 1991 bei der Madrider Konferenz erreicht. Bis zum Ende der 80er Jahre hatten also die größte palästinensische und die größte deutsche Terrororganisation, die RAF, den internationalen Terrorismus als Weg, um ihre Ziele zu erreichen, aufgegeben.

6. Analyse der Annahmen zu Forschungszwecken

Im Hauptdokument der RAF, „Das Konzept der Großstadtguerilla“(1971)[27], werden die europäischen Guerillabewegungen als schwach und wirkungslos im Angesicht der imperialistischen Bedrohung beschrieben. Die USA werden dabei als Anführer des imperialistischen Lagers bezeichnet und verfolgen angeblich eine Politik der Aggression gegenüber der Dritten Welt, die sie versuchen, unter ihrer Kontrolle zu halten. Westdeutschland ist ein Verbündeter Amerikas und verfolgt eine gleichermaßen aggressive, durch die Vereinigten Staaten vorgegebene, Politik gegenüber der Dritten Welt. Diese imperialistische Aggression würde, so das Dokument, automatisch zu einem blutigen Krieg und globaler Ausbeutung führen, wenn diese Entwicklung nicht durch ein neues Erwachen der Revolution im Westen aufgehalten würde.

Abgesehen von einigen allgemeinen Bezugspunkten zum proletarischen Internationalismus, der Notwendigkeit, den Kampf auf nationaler und auf internationaler Ebene miteinander zu verbinden und eine gemeinsame Strategie für die internationale kommunistische Bewegung mittels der Entwicklung der städtischen Guerilla aufzubauen, wird in diesem Dokument nirgends die Notwendigkeit eines Bündnisses mit anderen Organisationen erwähnt.

Das Dokument mit dem Titel „Die Operation des Schwarzen September in München, die Strategie des anti-imperialistischen Kampfes“ (Herbst 1972) geht zum Thema der imperialistischen Aggression den Nationen der Dritten Welt gegenüber stärker ins Detail und bezieht sich speziell auf das traumatische Erlebnis des Vietnam-Krieges. In diesem Dokument wird behauptet daß es dem Imperialismus nicht nur gelungen sei, seine internen Widersprüche zu lösen, sondern auch die zwischen ihm selbst und den Entwicklungsländern.[28]

Zum erstenmal wird die Solidarität als unabdingbarer Bestandteil der revolutionären Wirklichkeit genannt. Die Situation sei „reif“ für den Beginn des anti-imperialistischen Kampfes in der Metropole, und die Aufgabe der RAF sei es, „eine Brücke zwischen dem Kampf zur Befreiung der Nationen der Dritten Welt und dem Freiheitskampf in der Großstadt“[29] zu schaffen. Die Dritte Welt wird als Vorhut der antiimperialistischen Revolution bezeichnet und der bewaffnete Kampf in der Großstadt als der Beitrag der „internationalen Brigaden“ zu den Freiheitskämpfen (der Vietkong) in Palästina, im Libanon, in Angola, in Moçambique und in der Türkei.[30]

Die B2J lehnte die Ansichten der RAF über die zentrale Stellung der Freiheitsbewegungen in der Dritten Welt mit der Begründung ab, daß dies ein künstlich geschaffenes anti-imperialistisches Konzept sei, das mit der gesellschaftlichen Realität in Deutschland nichts zu tun habe. Die B2J sah sich selbst als Teil einer globalen revolutionären Offensive, die von Guerillaorganisationen in den Großstädten ausgeführt wurde. Die Organisation löste sich jedoch, wie bereits erwähnt, auf und einige ihrer Mitglieder schlossen sich im Juni 1980 der RAF an. Das Dokument, das den Zusammenschluß mit der RAF ankündigte, besagte auch, daß das imperialistische Lager nach den Rückschlägen in der Zeit nach dem Krieg in Vietnam danach trachtete, eine militärische Lösung zu finden und daß so die konkrete Gefahr eines Atomkrieges in Europa, begonnen durch die Mächte des Imperialismus, bestünde. Da die nationalen Freiheitsbewegungen keine Schlagkraft mehr besaßen, sei es nun aufgrund der neuen Sachlage an den Revolutionsbewegungen Westeuropas, den Imperialismus zu bekämpfen.

Zu Beginn der 80er Jahre, nach einer Reihe von Fehlschlägen, betonte die RAF in einem Dokument mit dem Titel „Guerilla, Widerstand und imperialistische Front“[31] wiederum die aggressive Natur des Imperialismus. Die Grundlagen des Imperialismus, behauptete man, seien die Konzentration seiner Macht mittels des staatlichen Instrumentariums, des kombinierten Instrumentariums der US-Satellitenstaaten und des Wiedererstarkens militärischer Macht. Diese imperialistischen Machtinstrumente seien in der ganzen Welt einsatzbereit, um gewaltsam die Kontrolle zu übernehmen. Der Imperialismus würde nicht davor haltmachen, alle ihm zur Verfügung stehenden militärischen und wirtschaftlichen Mittel einzusetzen, darunter auch Atomwaffen. Obwohl es im imperialistischen Lager durchaus Differenzen gebe, sei seine Kriegsmaschinerie geschlossen.

Zur Bekämpfung der geschlossenen imperialistischen Front bestand die Notwendigkeit, eine ebenso geschlossene anti-imperialistische Front zu schaffen, obwohl es seit dem Beginn eines internen Dialogs innerhalb der Revolutionsbewegung im Jahre 1979 klar war, daß innerhalb und zwischen den einzelnen anti-imperialistischen Gruppierungen nach wie vor dieselben Hindernisse bestanden. Nur durch ein koordiniertes Vorgehen mittels eines parallel verlaufenden Kampfes in mehreren Regionen könnte dieses Ziel erreicht werden.

Zusammenfassend betrachtet fühlte sich die RAF stärker als alle anderen deutschen Terrororganisationen durch den amerikanischen Imperialismus, das westdeutsche Regime – das sie oftmals als faschistisch bezeichnete – und überstaatliche Organe wie die NATO und die Europäische Union bedroht. Da sie sich alledem gegenüber verwundbar fühlte, sah sie die Notwendigkeit, sich mit externen Verbündeten aus dem revolutionären Lager zusammenzutun.

6.1 Einfluß der Variablen auf der Ebene des internationalen Systems

In der Weltsicht der RAF waren die beiden Pole, aus denen das bipolare internationale System bestand, der Imperialismus einerseits und die Dritte Welt und die Friedensbewegungen der Dritten Welt andererseits. Das Verhältnis zwischen beiden Blöcken war gekennzeichnet durch die anhaltende Aggression des Imperialismus gegenüber der Dritten Welt und deren Freiheitsbewegungen. Daher war es für die revolutionären Kräfte Gebot der Stunde, sich zu vereinen. Als Teil dieses gemeinsamen Kampfes mußten die Revolutionskräfte der Metropolen „hinter den feindlichen Linien“ Hilfe im Kampf gegen den gemeinsamen Feind, den weltweiten Imperialismus, leisten.

Innerhalb dieses bipolaren Szenarios spielten die Sowjetunion und der Warschauer Pakt kaum eine Rolle. Keines der ideologischen/strategischen Dokumente der RAF während der ersten zehn bis zwölf Jahre ihrer aktiven Existenz enthielt irgendwelche Verweise auf diese Parteien. In „Das Konzept der  städtischen Guerilla“ wird vage auf das brüchige Bündnis zwischen Imperialismus und Sowjetunion Bezug genommen, jedoch auch nur im Zusammenhang mit der Behauptung, daß die USA bei ihrer Kampagne gegen die Dritte Welt Handlungsfreiheit benötigten.

Gegen Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre verlor die Dritte Welt aufgrund der starken Abnahme der Aktivitäten ihrer Freiheitsbewegungen für die RAF etwas an Bedeutung. In dem Schriftstück „Guerilla, Widerstand und Imperialistische Front“ ist jedoch ein unterschwelliges Umschwenken in der Haltung gegenüber der Sowjetunion zu bemerken.[32] Die Sowjetunion wird hier als Supermacht auf einer Stufe mit den USA bezeichnet. Dies sei einer der Gründe für die Spannungen zwischen Ost und West und Nord und Süd, die die weltweite Stabilität bedrohten. Der Imperialismus sei sich bewußt, daß jede auch nur noch so leichte Verschiebung dieses empfindlichen Mächtegleichgewichts das Aus bedeuten könne und plane daher einen Angriff auf allen Fronten, darunter auch an der OstWest-Front.

Die Restrukturierung des imperialistischen Systems als Ergebnis internationaler Entwicklungen und Zwänge habe zu einer neuen Fokussierung des Imperialismus auf Westeuropa und die NATO geführt, wobei Westdeutschland eine wichtige Rolle spiele.[33] Westdeutschland sei an die vorderste Front der internationalen Pläne gedrängt worden und sollte als Startrampe für eine neue imperialistische Offensive dienen. Dieser imperialistischen Aggression mußte man durch den Aufbau einer revolutionären Gegenkraft im Zentrum des Imperialismus selbst entgegentreten. Die RAF war von ihrer Sichtweise immer überzeugter und bewegte sich durch die Gründung der „westeuropäischen anti-imperialistischen Guerilla-Front“, vor allem zusammen mit der französischen Action Directe, in Richtung Euro-Terrorismus.

Aufgrund dieser strategischen Rahmensetzung veränderte sich auch die Haltung der Organisation der Sowjetunion gegenüber. Gegen Ende der 80er Jahre veranlaßten weitere Veränderungen des internationalen Systems eine weitere Überprüfung des eingeschlagenen Wegs. Laut der Führung der Organisation, oder vielmehr den verbleibenden inhaftierten Anführern, mangelte es dem Imperialismus an einer Gesamtstrategie.

Daher mußte er neue Möglichkeiten finden, seine Vorherrschaft auf allen Ebenen durchzusetzen – wirtschaftlich, militärisch, in den Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie, durch die Schaffung der Europäischen Union und in jedem Land – um interne Konflikte und revolutionäre Kämpfe im Keim zu ersticken.[34] Daraus ließ sich folgern, daß jeder Kampf, der irgendwo auf der Welt von Revolutionären geführt wurde, ein Kampf gegen das gesamte imperialistische System war. Gleichermaßen mußte, um den Sieg davonzutragen und die durch die befreiten Staaten erreichte materielle Basis zu sichern, das gesamte imperialistische System unterminiert werden.

Die weltweite Instabilität veranlaßte die Imperialisten, mehr denn je, darauf zu achten, keinen Zentimeter von ihrer territorialen oder politischen Vormachtstellung zurückzuweichen. Die einzige Möglichkeit, die imperialistische Maschinerie zum Stillstand zu bringen, war eine strategische Einheit im globalen Kampf der ausgebeuteten Nationen. In den Augen der RAF waren die Revolutionäre in der Metropole dadurch schon genauso stark betroffen wie die in den Entwicklungsländern im Süden.

Die Sowjetunion und der Warschauer Pakt wurden von der RAF als Opfer imperialistischer Aggression angesehen, vor allem während der Phase des EuroTerrorismus. Der Bruch zwischen der Sowjetunion und der Volksrepublik China in den 60er Jahren und Chinas dramatischer Auftritt auf der Weltbühne trugen zweifelsohne zur Ansicht der RAF bei, daß die Dritte Welt der Hauptschauplatz des Kampfes gegen den globalen Imperialismus sei. Aufgrund dessen war es wichtig, den Völkern und den Bewegungen der Dritten Welt in ihrem Kampf gegen den gemeinsamen Feind jede nur erdenkliche Unterstützung zu gewähren. Mao Tse Tungs Theorie des Imperialismus als „Papiertiger“ bestärkte die RAF darin, ihren Kampf trotz ihrer Schwäche und den Fehlschlägen, die sie hatte einstecken müssen, fortzusetzen. Der Einfluß Mao Tse Tungs auf die Organisation spiegelt sich darin wieder, wie häufig die RAF seine Zitate verwendete.

Die B2J und die RZ hingegen sahen die Dritte Welt nicht als den Hauptakteur im Kampf gegen den Imperialismus an, obwohl die Texte der B2J ebenfalls auf maoistische Tendenzen hinweisen. Aus internationaler Perspektive wurde Westdeutschland, der Inbegriff des lokalen Kapitalismus und der Lakai des weltweiten Imperialismus, während des untersuchten Zeitraums als Hauptfeind angesehen.[35] Zu Beginn der 70er Jahre galt Westdeutschland (dadurch, daß es einen Start- und Lande- sowie Wartungsstützpunkt für die US-Luftwaffe bereitstellte) als Verbündeter der Vereinigten Staaten im Krieg gegen Vietnam und die Völker der Dritten Welt. Bis zum Ende der 70er Jahre war Westdeutschland zum wichtigsten Bündnisstaat der NATO geworden, da es zuließ, daß Atomraketen auf seinem Boden stationiert wurden und wurde als Wegbereiter des Aufbaus Westeuropas als imperialistische Macht betrachtet.

Der Nahe Osten war für die RAF aus strategischer Sicht nicht besonders wichtig. Sie betrachtete ihn vielmehr als einen weiteren Schauplatz des Kampfes zwischen den Kräften des Imperialismus und den nationalen Freiheitsbewegungen. Die RAF identifizierte sich nie so stark mit den palästinensischen Freiheitsbewegungen wie mit dem Vietkong oder den Vietnamesen allgemein. Für Hans Joachim Klein war das Vietnam-Problem nicht mehr nur ein internationales Problem, sondern es war zu einer innerdeutschen Angelegenheit geworden.[36] Die deutsche Nation hatte aufgrund ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit die moralische Verpflichtung, den Völkermord an den Vietnamesen zu verhindern. Deutschland hatte sich nicht nur dieser Verpflichtung entzogen, sondern hatte auch noch zugelassen, daß amerikanische Militärstützpunkte auf seinem Staatsgebiet eingerichtet wurden, die absolute Handlungsfreiheit besaßen. Sobald das Thema des Vietnam-Kriegs aus den internationalen Schlagzeilen verschwand, wandte sich die Sympathie der RAF automatisch den Problemen der Palästinenser zu, doch nie in demselben Ausmaß. Der Nahe Osten wird in den Dokumenten der RAF nur ein einziges Mal etwas detaillierter behandelt, in Verbindung mit dem Anschlag des Schwarzen Septembers bei den Olympischen Spielen in München. Sobald jedoch dringendere Angelegenheiten die Aufmerksamkeit der RAF auf sich zogen, rückte der Nahe Osten wieder aus dem Blickpunkt.

Einer der Gründe für das mangelnde Interesse der RAF am Nahen Osten war gewiß die Zurückhaltung, die die westdeutsche Regierung in bezug auf diese Region an den Tag legte. Traditionell und aus Rücksichtnahme auf Israel spielte Deutschland nie eine aktive Rolle in der Politik im Nahen Osten oder versuchte wie Großbritannien und Frankreich im arabisch-israelischen Konflikt zu vermitteln. Daher waren die deutschen Terrororganisationen um so erboster über das, was sie als Westdeutschlands Intervention in der Region ansahen, dadurch daß den amerikanischen Streitkräften Handlungsfreiheit und logistische Unterstützung bei ihrem Eingreifen im Nahen Osten gewährt wurden.

Als das wiedervereinigte Deutschland im Winter 1991 nach dem Ausbruch des Golfkrieges zum erstenmal seit dem Zweiten Weltkrieg als Symbol seiner Teilnahme an der durch die USA angeführte Koalition gegen den Irak ein Luftwaffenkontingent in die Tür kei entsandte, legte die Rest-RAF dies als Zeichen dafür aus, daß Deutschland sich zur Weltmacht entwickelte („Großdeutschland“), die nun Israel und der Türkei bei der Unterdrückung der Palästinenser und der Kurden helfen würde. In einem Flugblatt, in dem sie sich zu dem einzigen während dieses Zeitraumes verübten Attentat bekannte, griff die RAF die Regierung massiv an.[37]

Kriege und Spannungen auf regionaler Ebene hatten also einen großen Einfluß auf die aktiven und passiven Solidaritätsbekundungen. Am stärksten beeinflußt wurden alle drei deutschen Terrororganisationen allerdings durch den Vietnam-Krieg. Ihre Antwort auf diese Ereignisse waren Attentate auf amerikanische Institutionen in Deutschland oder auf deutsche Institutionen, die ihrer Meinung nach mit Amerika in diesen Kriegsanstrengungen kollaborierten.

Die Ereignisse im Nahen Osten – der Kampf der Palästinenser nach dem Durchgreifen Jordaniens im September 1970, der Bürgerkrieg im Libanon und Israels Krieg gegen die Palästinenser im Libanon 1982 – 1984 – hinterließen ebenfalls ihre Spuren. Von den Anfängen des Bürgerkriegs im Libanon (1975 – 1976) abgesehen, steckten die deutschen Terrororganisationen, vor allem die RAF, jedoch genau zu dem Zeitpunkt in einer Krise, als die Palästinenser sie am meisten gebraucht hätten.

Schließlich führten die Spannungen in Westeuropa, nachdem Amerika dort Atomraketen stationiert hatte, zu einer strategischen Kehrtwende der RAF und beeinflußten ihre Entscheidung, sich mit anderen revolutionären Kräften in Westeuropa zu verbünden, die sich mit demselben Feind und denselben Herausforderungen konfrontiert sahen.

Während der 70er Jahre spricht nur ein Dokument explizit die Zusammenarbeit des imperialistischen Lagers gegen die Aufständischen als einen Hauptgrund für die Solidarisierung des revolutionären Lagers an.[38] Der Großteil der anderen Schriften spielt auf diese Zusammenarbeit als Teil der Bemühungen des imperialistischen Lagers an, die Völker der Dritten Welt und die revolutionären Organisationen der Metropolen (mittels seines militärischen/sicherheitspolitischen/polizeilichen Apparats) zu kontrollieren. Dies sollte zu einem Hauptthema während und auch nach der Phase des Euro-Terrorismus werden.[39]

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß alle unabhängigen Variablen auf internationaler Ebene einen Einfluß auf die RAF ausübten, jedoch auf die B2J und die RZ in einem weitaus geringeren Ausmaß. Während des gesamten untersuchten Zeitraums fühlte sich die RAF einmal mehr, einmal minder durch die überlegenen Kräfte des westlichen Imperialismus bedroht. Manchmal war sie der Ansicht, ein Weltkrieg zwischen beiden Lagern stünde kurz bevor. Spannungen innerhalb dieses bipolaren Systems waren der Hauptgrund für dieses Gefühl der Verwundbarkeit. Dabei sollte man allerdings bedenken, daß sich die zwischen 1970 und 1978 wahrgenommene Bipolarität von der zwischen 1979 und 1988 unterschied. Aus der Perspektive der RAF waren die Hauptakteure des bipolaren Systems während des ersten Zeitraumes das westliche imperialistische Lager und die Dritte Welt und das westliche revolutionäre Lager. Die Sowjetunion wurde kaum je erwähnt. Während des zweiten Zeitraums wurden die Hauptakteure aus herkömmlicherer Sicht als das westliche imperialistische Lager und das kommunistische revolutionäre Lager wahrgenommen (mit einem ungeschriebenen Pakt zwischen der revolutionären Bewegung im Westen und dem kommunistischen Block unter Führung der Sowjetunion).

Gegen Ende der 80er Jahre, nach der Einführung der neuen Weltordnung, innerhalb derer die USA die einzige verbleibende Supermacht waren, wurde die Situation auch im Hinblick auf die zunehmende Isolation und den Verfall der revolutionären Kräfte in aller Welt neu überdacht. Die RAF kam zum einzig logischen Schluß – der Aufgabe des bewaffneten Kampfes.

Im Gegensatz zur RAF konzentrierten die B2J und die RZ ihren anti-imperialistischen Kampf auf die Front im eigenen Land und glaubten nicht an die Existenz eines bedeutenden revolutionären Lagers in der Dritten Welt. Die Solidarität, die sie zu diesem Lager empfanden, war, wie bereits zuvor beschrieben, durch die enormen psychologischen Auswirkungen des VietnamKrieges bedingt. Die Mitglieder der B2J, die gegen Ende der 70er Jahre eine neue strategische Perspektive gewannen, versuchten jedoch nicht, die Strategie ihrer Organisation zu ändern, sondern schlossen sich einfach der RAF an.

Die RZ konzentrierten sich bis Ende der 80er Jahre weiterhin auf innerdeutsche Themen. Die Bedenken, die sie in bezug auf die Bemühungen der Friedensbewegung gegen die wachsende Macht der NATO und die Stationierung atomarer Sprengköpfe in Westeuropa (1980–1986) hatten, beraubten sie jeglichen Rückhalts in deutschen radikal-linken Kreisen, den sie noch gehabt haben mochten. So fielen die RZ mehr und mehr in die Bedeutungslosigkeit.

6.2 Einfluß der Variablen auf die Organisationsebene
(Stärkt die Ideologie den Zusammenhalt?)

Aus ideologischer Sicht wurde die RAF in den 70er Jahren am stärksten durch die bedeutende Rolle der Freiheitsbewegungen in der Dritten Welt (im Jargon der Organisation „Tricont“) im Kampf gegen den Imperialismus inspiriert. Daraus folgte, daß die Funktion der Revolutionsbewegungen im Westen darin bestand, diesen Kampf zu unterstützen. Ulrike Meinhof drückte diese Vorstellung in einem Brief aus, den sie an die Labor Party der Volksrepublik Nordkorea schickte: „(wir) sind der Ansicht, daß die Organisation bewaffneter Operationen in den Großstädten der Bundesrepublik Deutschland der richtige Weg ist, um die Freiheitsbewegungen in Afrika, Asien und Lateinamerika zu unterstützten, der richtige Beitrag westdeutscher und westberliner Kommunisten zur Strategie der internationalen sozialistischen Bewegung, dadurch einen Keil zwischen die Mächte des Imperialismus zu treiben, daß wir sie von allen Seiten angreifen.“[40]

Gleichermaßen beruhte die Unterstützung des palästinensischen Kampfes und der Operation des Schwarzen Septembers bei den Olympischen Spielen in München durch die RAF darauf, daß sie diese Aktionen als Teil des globalen Kampfes gegen den Imperialismus, Kolonialismus und Faschismus ansah, an dem auch sie teilnahm.

Die Verschiebung des ideologischen und strategischen Schwerpunkts Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre vom Kampf der Dritten Welt zum Revolutionskampf in den städtischen Ballungsräumen, verlieh Einheit und Solidarität unter den westeuropäischen Organisationen höchste Priorität. Der Kampf in der Dritten Welt hatte viel von seiner Vehemenz eingebüßt. Obwohl er nicht ganz aufgegeben worden war, existierte er nur noch am Rande.

Als wichtiges Thema tauchte er erst wieder nach der Aufgabe der RAF auf, als Folge bestimmter regionaler Entwicklungen (die Intifadah in den israelisch besetzten Gebieten, die Kämpfe in Kurdistan und in Mittelamerika). Soweit die RAF betroffen war, fußte ihre Solidarität mit ihren revolutionären Gegenstücken auf einer gemeinsamen ideologischen Grundlage. Die B2J und die RZ teilten diese bedingungslose Unterstützung der Bewegungen in der Dritten Welt jedoch nicht. Sie beschlossen, ihren anti-imperialistischen Kampf zu Hause zu führen, oder soziale Angelegenheiten, bzw. Angelegenheiten, die jedermann beschäftigten, zu unterstützen (Frauen und Kinder der Arbeiterklasse, das Gastarbeiterproblem, die Wohnungsnot, etc.).

Trotz alledem nahmen die Mitglieder der B2J und vor allem die der RZ aktiv am Kampf der Palästinenser – hierunter in erster Linie der PFLP – teil. Die Begründung dafür liegt am wahrscheinlichsten im anarchistischen Charakter dieser beiden Organisationen, der sich am Mangel an einer festen oder zusammenhängenden Ideologie, ihren fließenden Organisationsstrukturen, dem Mangel an einer starken, zentralen Führung und dem hohen Grad der Mobilität von einer Organisation in die andere, ohne diesen Wechsel begründen zu müssen, festmachen läßt. Dies machte es Gruppierungen in anderen Staaten leicht, Mitglieder dieser Organisationen anzuwerben, auch wenn sie andere Ziele und Methoden hatten. So kam es beispielsweise, daß sich die RZ für die Ermordung eines deutschen Ministers entschuldigten[41], da sie ihn nach ihren Angaben nur verletzen, nicht aber töten wollten, während hochrangige RZ-Mitglieder wie Wilfred Böse an Operationen teilnahmen (wie den Anschlägen auf Flugzeuge der El Al in Paris und Entebbe), die leicht zum Tod von Hunderten unschuldiger Menschen hätten führen können.

Eine weitere Erklärung für diese Zusammenarbeit findet sich darin, daß die Ideologie der deutschen revolutionären Organisationen, vor allem die der RAF, durch anti-zionistische Motive unterwandert war. Diese anti-zionistische Einstellung war in vielen Fällen nur Fassade für einen tief verwurzelten Antisemitismus, da die Anführer der Organisationen selbst Schwierigkeiten hatten, klar zwischen antisemitischer Ideologie und einer antisemitischen Einstellung zu trennen.

Obwohl die RAF-Führung den Holocaust nicht leugnete, warf sie Israel und den Zionisten vor, sich die schlimmsten Wesenszüge des Nationalsozialismus angeeignet zu haben. Damit sollten sie nicht nur als die Lakaien des Imperialismus dargestellt werden, sondern auch als eines der verabscheuungswürdigsten Elemente im Kampf gegen die Völker der Dritten Welt, vor allem die Palästinenser.

Der deutlichste Ausdruck dieser verzerrten Ideologie und nicht nachvollziehbaren Denkweise wird in Dokumenten über die Operation des Schwarzen Septembers bei den Olympischen Spielen in München offenbar. In diesen Schriften argumentiert Horst Mahler, daß es einerseits dem (deutschen) Proletariat nicht gelungen sei, den Faschismus zu zerstören und den Mord an über sechs Millionen Juden zu verhindern, andererseits nun aber dieselbe faschistische Politik die reaktionäre zionistische Ideologie präge. „So makaber es auch erscheinen mag, ist der Zionismus – dadurch, daß er auf grausame Weise das palästinensische Volk von seinem Grund und Boden vertrieb, auf dem es Tausende von Jahren lebte – zum Erben des deutschen Faschismus geworden.“[42] Daher mußte das deutsche Proletariat seine Verantwortung für das Schicksal des palästinensischen Volks erkennen und sollte nicht aufgrund irgendwelcher Schuldgefühle den Juden gegenüber die Augen vor dem Übel des zionistischen Faschismus verschließen.

Das Dokument „Die Operation des Schwarzen September in München, die Strategie des anti-imperialistischen Kampfes“ beschreibt die von Israel verfolgte Politik als faschistisch ... und das Ziel verfolgend, das palästinensische Volk auszurotten.[43] Die Maßnahmen, die Moshe Dayan, der damalige israelische Verteidigungsminister, ergriff, als (am 8. Mai 1972) das Flugzeug der Sabena nach Tel Aviv entführt wurde, werden als „betrügerisch und kriminell“ gegenüber den Entführern (!) beschrieben.[44] Obwohl in dem Schriftstück eingeräumt wird, daß der Antisemitismus (und der Krieg) den deutschen Faschismus und die deutschen Eliten in Verruf brachte(n), fährt man mit einer befremdlichen Argumentation fort, daß der Terroranschlag, den der Schwarze September in München verübte, ein anti-faschistischer Akt gewesen sei, da „damit bezweckt wurde, die Erinnerung ... an die Olympischen Spiele von 1936 (in Berlin), Auschwitz und an die Reichskristallnacht auszulöschen“. Gleichermaßen sei Israel an der Ermordung der Sportler schuld, genauso wie die Nationalsozialisten für den Tod der Juden verantwortlich seien (!).[45]

Eine ähnliche Stimmung herrschte in der B2J. Diese Bewegung entwickelte sich aus einer kleineren, anarchistischen Gruppierung, der „Tupamaros West-Berlin“ (TW). Im November 1969 unternahm TW einen Versuch, die Hauptsynagoge Westberlins in die Luft zu sprengen, der allerdings fehlschlug. Dieser Anschlag – der erste, den deutsche Terroristen als Zeichen ihrer Solidarität mit den Palästinensern verübten –, fand symbolhafterweise am Jahrestag der Reichskristallnacht statt. TW bekannte sich stolz in einem mit „Friede und Napalm“ betitelten Flugblatt zu dem Anschlag, in dem betont wurde, daß dies kein rechts- sondern ein linksradikaler Akt gewesen sei, „eine Demonstration internationaler Solidarität“.[46] Der gewählte Zeitpunkt wurde von TW mit dem Argument verteidigt, daß die Reichskristallnacht von 1938 durch die Zionisten in den besetzten Gebieten, den Flüchtlingslagern und in den israelischen Gefängnissen täglich neu begangen würde.

Zusammenfassend hatten in bezug auf die ideologische Zusammenarbeit die drei deutschen Organisationen und die Palästinenserorganisationen eine starke gemeinsame Basis. Die Identifikation auf ideologischer Ebene war bei der RAF am stärksten ausgeprägt, die die Dritte Welt und das palästinensische Volk als die Vorreiter im globalen Kampf gegen den Imperialismus ansahen.

Bei der Entscheidung der deutschen Terroristen über die Zusammenarbeit oder sogar den Zusammenschluß mit palästinensischen Terrororganisationen hatten zwei ideologische Charakteristika besonderes Gewicht: ihre anarchistischen, bzw. im Fall der RAF anarcho-kommunistischen Züge und die Infiltration antisemitischer Ideologie in die Doktrin der Organisation.

Im Bündnis zwischen den palästinensischen und den deutschen Organisationen gab es einen starken und einen schwachen Partner. Während ihres Bestehens bewunderte die RAF die meiste Zeit die palästinensischen Organisationen und ihre vorherrschende Rolle im anti-imperialistischen Kampf. Diese Ehrfurcht kam am stärksten in dem Dokument zum Ausdruck, das nach dem Anschlag des Schwarzen Septembers bei den Münchner Olympischen Spielen kursierte.

Die palästinensischen Organisationen, besonders die PFLP, gewährten den deutschen Gruppierungen die stärkste Unterstützung in zwei wichtigen Bereichen: der Ausbildung der deutschen Terroristen in Taktik und Kriegsführung und des Angebots von Zufluchtsorten in Zeiten der Gefahr. Die deutschen Terroristen versuchten, sie durch die aktive Teilnahme an durch die PFLP geplanten internationalen terroristischen Aktionen und die Aufforderung an westdeutsche und westeuropäische linksradikale Kreise, die Sache der Palästinenser zu unterstützen, zu entschädigen.

Bedeutet die Teilnahme deutscher Organisationen an Operationen der PFLP, die ihre ideologischen, strategischen und operationellen Prinzipien konterkarierten, daß sie vollkommen von ihren palästinensischen Mentoren und Sponsoren abhängig waren? Laut Klein war zumindest die „internationale Abteilung“ der RZ vollkommen auf die finanzielle Hilfe durch die PFLP angewiesen.

Auffällig ist, daß kaum Angaben über die Teilnahme deutscher Terrororganisationen auf israelische Ziele innerhalb der Bundesrepublik selbst zur Verfügung stehen. Im Land selbst griffen alle drei deutschen Organisationen andererseits häufig amerikanische Ziele an, wobei die RAF und die RZ auch Anschläge auf türkische, chilenische und südafrikanische Ziele verübten. Davon abgesehen weist die Tatsache, daß weder die RAF noch die RZ Kommuniqués oder Flugblätter herausgaben, um internationale Aktionen der PFLP zu rechtfertigen oder zu erklären, darauf hin, daß sie bei solchen Operationen keine Hilfe leisteten oder an ihnen teilnahmen.

Daher ist es auf Basis der verfügbaren Informationen nicht möglich, zuverlässig zu bestimmen, in welchem Ausmaß die deutschen terroristischen Vereinigungen von ihren palästinensischen Gegenstücken abhängig waren, vor allem für den Zeitraum, in dem die Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien am aktivsten war (1975–1977).

Man kann davon ausgehen, daß die Rekrutierung deutscher Terroristen in die Ränge der PFLP auf einzelnen Entscheidungen beruhte. In einigen Fällen waren die deutschen Rekruten eher Söldner, wenn auch „ideologisch motivierte“. Erleichtert wurde dieses Anheuern durch die traditionell engen Verbindungen zwischen den deutschen und den palästinensischen Organisationen und der Sympathie, die die Deutschen für die Sache der Palästinenser empfanden.

 

6.3 Einfluß der Variablen auf der Ebene der Entscheidungsträger

Neben der Tatsache, daß die traditionell antisemitische Ideologie die antizionistischen Slogans der deutschen linksradikalen Organisationen bedingte, waren auch einige ihrer Anführer antisemitisch eingestellt, was in erster Linie zur genannten Ideologie geführt haben könnte. Jillian Becker beschreibt, wie Ralf Reinders, einer der Anführer der B2J, ein Sprengstoffattentat auf das jüdische Zentrum in Berlin verüben wollte, das bereits die Nationalsozialisten versucht hatten, zu zerstören, um „dieses Ding (?) mit seinen jüdischen Verbänden loszuwerden, das es seit den Nazis gibt“.[47]

Hans-Joachim Klein beschloß am Ende, die RZ zu verlassen, als er erkannte, daß sich seine Kameraden wie die Nazis in Auschwitz verhielten, als sie bei der Entführung des Air-FranceFlugzeuges nach Entebbe die jüdischen von den nicht-jüdischen Passagieren trennten. Klein verurteilte darüber hinaus die Absicht der RZ, den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland zu ermorden, als einen faschistischen Akt und ließ den Plan auffliegen.[48]

Klein ließ keinen Zweifel daran, daß die beiden deutschen Terroristen, die an der Entebbe-Operation teilnahmen und einen Mordanschlag auf den berühmten Nazi-Jäger Simon Wiesenthal planten, noch schlimmere Antisemiten waren als Wadi' Haddad, der Leiter der Offensivabteilung der PFLP. Sogar der verabscheuungswürdige Carlos wandte sich aus dem Grund, daß Wiesenthal gegen den Nationalsozialismus anging, gegen diese Operation.[49]

Daher erklären der anarchistische Charakter der RZ sowie der anarchistische Hintergrund und die tief verwurzelten antisemitischen Ressentiments der Mitglieder aller drei deutschen Organisationen, warum sie so häufig den palästinensischen Organisationen beitraten, ob als Freiwillige oder als Rekruten. Sie rechtfertigten dies vor sich selbst und vor ihren Kameraden als einen Beitrag zum Kampf gegen den Imperialismus, Kolonialismus und Faschismus, an der Seite einer „marxistisch-leninistischen“ Organisation wie der PFLP, die ein Vorreiter im internationalen Kampf gegen die genannten Kräfte der Reaktion war.

7. Schlußfolgerung

Die These, daß der Anarchismus der radikalen Linken und der Anarcho-Kommunismus die Tendenz terroristischer Vereinigungen verstärken, auf internationaler Ebene Bündnisse einzugehen, bestätigte sich durch das Verhalten der deutschen RAF, der B2J und den RZ. Darüber hinaus waren die deutschen Terrororganisationen der 70er und 80er Jahre am aktivsten in der weltweiten Gründung von Koalitionen mit anderen Terrororganisationen. 

Den Beweis dafür liefert das einzige wahre Bündnis zwischen terroristischen Vereinigungen zwischen der RAF und der französischen Action Directe, auch wenn es nur von kurzer Dauer war. Doch mit diesem Thema wird sich ein anderer Artikel befassen.

http://www.hss.de/downloads/politische_studien_368.pdf



[1] Anm. d. Übers.: Die Übersetzungen der Titel von Büchern und Artikeln sind rein als Anhaltspunkt zu verstehen – die deutschen Buchhandelstitel sind mir nicht bekannt, bzw. ob der jeweilige Artikel überhaupt auf Deutsch publiziert wurde.

[2] Siehe Robert Keohane und J.S. Nye (Hrsg.), Transnational Relations and World Politics (Grenzüberschreitende Beziehungen und Weltpolitik), Harvard University Press, Cambridge Massachusetts, 1972, S.380.

[3] M. Stephen Walt, The Origins of Alliances (Der Ursprung von Bündnissen), Cornell University Press, Ithaca und London, 1987.

 

[4] Siehe Judy S. Bertelsen, The Palestinian Arabs (Die Araber in Palästina), in Judy S. Bertelsen (Hrsg.), Nonstate Nations in International Politics. Comparative System Analysis (Nationen ohne Staat in der internationalen Politik. Eine komparative Systemanalyse), Praeger Publications, New York, 1977, S.245

[5] Anne Steiner & Loic Debray, La Fraction Armee Rouge. Guerilla urbaine en Europe Occidentale (Die Rote Armee Fraktion. Stadtguerilla in Westeuropa), Meridiens Klincksieck, Paris, 1987, S.110–122.

[6] Siehe Joanne Wright, Terrorist Propaganda. The Red Army Fraction and the Provisional IRA, 1968–1986 (Terroristische Propaganda. Die Rote Armee Fraktion und die Provisional IRA, 1968–1986), Macmillan, London, 1991, S.43.

[7] Xavier Raufer & Francois Haut, RAF, une organisation zéro traces (RAF, eine Organisation ohne Spuren), Notes et Etudes 5, 1988, S.7.

[8] Wright, 1991, S.41.

[9] Steiner & Debray, 1987, S.118.

[10] Raufer & Haut, 1988, S.21.

[11] Siehe Jean Bougereau, An Interview with Hans Joachim Klein, in Jean Bougereau, The German Guerilla: Terror, Reaction and Resistance (Die deutsche Guerilla: Terror, Reaktion und Widerstand), Cienfuegos Press, Orkney, 1981, S.16.

 

[12] Siehe Ehud Ya'ari, Fatah, A. LevineEpstein Ltd., Tel Aviv, 1970, S.21– 47, in hebräischer Sprache.

[13] Siehe Baumanns Aussage in Michael Baumann, Terror or Love? „Bommi“ Baumann‘s Own Story of His Life as a West German Urban Guerilla (Terror und Todesangst oder Liebe? „Bommi“ Baumanns eigene Geschichte seines Lebens als westdeutscher Stadtguerilla-Kämpfer), Grove Press, New York, 1979, S.86–87.

 

[14] Beispielsweise gesellten sich Mitglieder der B2J, die im Februar 1975 aus dem Gefängnis entlassen wurden, wo sie Haftstrafen für die Entführung des deutschen Politikers Peter Lorenz verbüßt hatten, zu ihren RAF-Kameraden in einem Camp der PFLP im Südjemen. Geschah dies aufgrund einer unabhängigen Abmachung zwischen der PFLP und der B2J oder aufgrund einer Übereinkunft zwischen der PFLP und der RAF, die darauf aus war, Mitglieder der B2J in ihre Organisation aufzunehmen? Eine der entlassenen Aktivistinnen der B2J, Gabriele Kröcher-Tiedemann, nahm im Januar 1976 als Mitglied einer Zelle der PFLP unter Führung des berüchtigten Carlos an dem Sturm auf das Hauptquartier der OPEC in Wien teil. War das der „Beitrag“ der B2J zur Operation, oder handelte sie im Namen der RZ, die auf der deutschen Seite der Aktion eine Hauptrolle spielten?

[15] Baumann, 1979, S.59–61.

[16] Die meisten ihrer Angriffe waren gegen die Regierung gerichtet, vor allem die Judikative, um Rache für die gegen gewalttätige Demonstranten oder Personen, denen zur Last gelegt wurde, Brandbomben und selbst hergestellte Bomben geworfen zu haben, angestrengten Gerichtsverfahren zu nehmen.

[17] Siehe Kommuniqué vom 19. Mai 1972, in Texte der RAF, 1977 (Sammlung von Kommuniqués, Dokumenten und Aussagen der RAF von 1970 bis 1977).

[18] Die RAF-Führung mag wirklich geglaubt haben, ihren palästinensischen Kameraden würde ihre Erpressung zur Freilassung durch eine Entführung gelingen: Am 29. Oktober 1972 war ein Lufthansa-Flugzeug von Damaskus nach München entführt worden. Die Täter forderten und erreichten die Freilassung dreier Mitglieder des Schwarzen Septembers, die nach dem Massaker in München noch am Leben waren.

[19] So entkam beispielsweise Suzanne Albrecht, die an mehreren schweren Anschlägen teilgenommen hatte, 1980 in den Libanon. Frederika Krabbe floh 1980 nach Bagdad, wo sie sich mit ihrem Freund, einem Mitglied der Organisation „15. Mai“, niederließ.

[20] Siehe die französische Version „Guérilla, résistance et front anti-impérialiste“, Notes et Etudes, Nr.5, Mai 1988, S.69–80.

[21] Das Konzept der „Metropole“ hat in der Terminologie der europäischen linksradikalen Terrororganisationen besondere Bedeutung. Es beschreibt die imperialistischen Staaten und gleichzeitig die städtischen Ballungsräume, innerhalb derer die Stadtguerilla operierte.

[22] Nach einer Ruhepause von 14 Monaten wurde am 30. November 1989 Alfred Herrhausen, der Chef der Deutschen Bank, ermordet. Am 27. Juli 1990 fand ein Mordversuch an Hans Neusel statt, dem für innere Sicherheit zuständigen Staatssekretär im Innenministerium.

[23] Die Gruppe „15. Mai“ unter Muhammad Hussein Al-‘Umri (Abu Ibrahim) und die Gruppe „PFLP-Sonderkommando“ unter Führung von Salim Abu Salem (Abu Muhammad).

[24] Aus „Zusammen kämpfen“, Nr.5, Januar 1986, in Jillian Becker, Terrorism in West Germany. The Struggle for What? (Terrorismus in Westdeutschland. Der Kampf um was?), Institute for the Study of Terrorism, London, 1988, S.68.

[25] Zitat aus „Zusammen kämpfen“, Nr.4, September 1985, in Becker, 1988, S.63 und 66.

[26] Wie aus dem Kommuniqué der RAF vom 19. April 1992, das ein Moratorium über den bewaffneten Kampf verkündete, hervorgeht, hatte die Führung der Organisation bereits 1989 begonnen, die Situation zu überdenken, als sie erkannte, daß ihre Stellung unhaltbar war und im Hinblick auf die weltweite Lage und die Verschiebungen des Mächtegleichgewichts eine neue Politik vonnöten war. Siehe Dokument in Yonah Alexander & A. Dennis Pluchinsky (Hrsg.), Europe's Red Terrorists: The Fighting Communist Organisations (Europas rote Terroristen: die militanten kommunistischen Organisationen), Frank Cass, London, 1992, S.147–152

[27] Rote Armee Fraktion: Das Konzept Stadtguerilla (rafzeitung 1970/71), in Texte der RAF, S. 337–367.

[28] Siehe Texte der RAF, S.411–447.

[29] Ibid., S. 432.

[30] Ibid., S. 436.

[31] Siehe die Übersetzung ins Französische „Fraction Armee Rouge: guérilla, résistance et front anti-impérialiste“ (Rote Armee Fraktion: Guerilla, Widerstand und anti-imperialistische Front), Notes et Etudes, Nr.5, Mai 1986, S.69–80.

[32] Ibid., S. 73.

[33] Ibid., S. 76 – 78.

[34] Siehe Eva Hanles Erklärung beim Stammheim-Prozeß, September 1987 – Mai 1988, wie berichtet in H. Bollettino, Nr.36, Mai 1989, S.21–25.

[35] Siehe Wright, 1991, S.39, 80–81.

[36] Siehe Bougereau, 1981, S.12–14.

[37] Siehe das Kommuniqué über die Schießerei vor der US-Botschaft in Bonn am 13. Februar 1991, wie zitiert in Alexander & Pluchinsky, 1992, S. 75–78.

[38] Siehe „Konzept a./u. zu einem anderen Prozeß, Ende April 1976“, in Texte der RAF, S. 27–34.

[39] Man betrachte beispielsweise den Mord versuch der RAF am deutschen Innenstaatssekretär Hans Neusel, am 27. Juli 1990, der als Betreiber des Krieges gegen die Freiheitsbewegungen betrachtet wurde und ein hochrangiges Mitglied der „Trevi-Gruppe“, dem Expertenausschuß Westeuropas gegen den Terrorismus, war.

[40] Zitiert in Wright, 1991, S.104.

[41] Heinz-Herbert Karry, der hessische Wirtschaftsminister, wurde am 11. Mai 1981 getötet. Die RZ veröffentlichten einen Brief, in dem behauptet wurde, sie hätten nur bezweckt, ihn zu verletzen. Siehe Jillian Becker, Terrorism in West Germany. The Struggle for What? (Terrorismus in Westdeutschland: Der Kampf um was?), Institute for the Study of Terrorism, London, 1988.

[42] Siehe Zitat aus seiner Rede kurz vor seinem Prozeß, wie festgehalten in CONTROinformazione, Nrn. 1–2, FebruarMärz 1974, S. 26.

[43] Siehe Texte der RAF, S. 422, 455.

[44] Ibid., S. 441.

[45] Ibid., S. 433 – 444.

[46] Siehe das Faltblatt in Jillian Becker, Hitler's Children (Hitlers Kinder), Granada Publishing Ltd., London, 1978.

[47] Siehe Becker, 1978, S. 299 – 300.

[48] Siehe Bougereau, 1981, S.31.

[49] Ibid., S. 43, 47. Der Antisemitismus unter den deutschen Terroristen war so tief verwurzelt, daß sie es nicht ertragen konnten, wenn jemand die Titelmusik zum Film „Exodus“ pfiff. Die Palästinenser waren im Gegensatz dazu viel toleranter.