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SDS-Website |
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Liebe Gisela, vielen Dank für den
Rundschrieb vom 22.01., der - samt Erklärung "Nationalisten waren wir
nie!!" - bei mir gelandet ist. Ich habe kein Problem, wenn Ihr die Unterschriften
um die meinige ergänzt, obgleich ich (und jetzt folgen eine Reihe von
Anmerkungen zum Text): ·
H.
Mahler und B. Rabehl nicht als "unsere ehemaligen Mitstreiter"
bezeichnen würde (das mag aus Berliner Sicht so gesehen werde; aus
Frankfurter und später Konstanzer Sicht waren "unsere Mitstreiter"
die Genossinnen und Genossen vor Ort); ·
keiner
von denen bin, die "sich regeläßig treffen" (Gruß an die
Genossinnen und Genossen dort selbst!); ·
nicht
der Meinung bin, daß gruselige Quatschköpfe mit ihrem nationalistischen
Gefasele in der Lage sind, meine/"unsere politischen Geschichte" zu
verfälschen (Kann man eine "Verfälschung" ablehnen? Man muß sie
zurückweisen! Das Wort "ablehnen" trifft den falschen Ton.); ·
mich
die Beschreibung unserer grundsätzlichen Einstellung als "militante
Gegnerschaft zum deutschen Nationalismus" irritiert; wir waren
grundsätzlich und radikal gegen jegliche Form von Nationalismus und
Faschismus als Lehre aus dem Nationalsozialismus und Militarismus; ·
den
Satz komisch finde, daß die Nazi-Verbrechen "von Deutschen im Namen der
deutschen Nation begangen wurden"; 1. sind Verbrechen Verbrechen, egal
von wem und in wessen Namen begangen; 2. wiederholt man national-idelogischen
Unsinn, wenn man sagt, daß diese Verbrechen "im Namen der deutschen
Nation" begangen worden seien; 3. die Rede von den verbrecherischen
"Deutschen" betont den Aspekt der Staatsangehörigkeit ·
was
zwar nicht grundfalsch ist -, verdunkelt aber den ganzen rassistischen und
herrenmenschtümlerischen Heldenblödsinn (ich finde, das müßte besser und
bissiger fomuliert werden); ·
der
Meinung bin, daß wir nicht lediglich "den Kapitalismus abschaffen"
wollten, sondern wir hatten ja durchaus eine (mehrere) Vorstellung(en) von
Revolution, von gesellschaftlicher, ökonomischer und persönlicher
Veränderung; ·
mir
nicht sicher bin, daß wir 1968 den Begriff der "globalen"
Ausbeutung (Globalisierung) benutzt haben; ·
mich
nicht erinnern kann, das andere Amerika "bewundert" zu haben,
sondern wir solidarisierten uns mit den Unterdrückten und Käpfenden in den
USA; ·
die
Passage "Eine nationale Frage stellte sich für uns nicht, sei es, daß
..." für ein wenig unglücklich formuliert finde; ·
ich
den vorletzten Absatz ("Mahler und Rabehl versuchen ...") weglassen
würde; wieso diesen Unsinn mit eigenen Worten wiedergeben und sich von etwas
distanzieren, was seinerseits eine Distanzierung von 68 und dem SDS ist? Beim Lesen des Textes
vernehme ich eine gewisse Hochachtung vor den "ehemaligen
Mitstreitern". Bitte, das sind doch Schwachbirnen und Kalkriesler! Man
muß doch bitteschön dumm nennen und zeihen, was dumm ist, basta! Kein
"ehemaliger Mitstreiter" ist davor gefeit, dummes Zeug zu
quatschen. Durch "Distanzierung" wird solcher Unsinn jedoch nur
aufgewertet. Liebe Gisela, wenn Du/Ihr
diese Anmerkungen bei Eurer Diskussion berücksichtigen wolltet, wär's mir
recht. Im übrigen wäre es mir persönlich weitaus lieber, wenn sich die
"ehemaligen 68er SDS-Mitglieder" zur heutigen Politik äußern
würden, statt sich von sog. "Mitstreitern", die zu Dösköppen
mutiert sind, zu distanzieren. Von Leuten, die auf Distanz gegangen sind,
sich abzuwenden, erscheint mir irgendwie nicht die richtige Reaktion zu sein. Wenn Ihr das bedenken
möget ... Wie Ihr mit meinen
Anmerkungen einerseits und meiner Bereitschaft zur Unterzeichnung
andererseits umgeht, muß ich Euch überlassen. Ich hoffe aber, daß meine
Bereitschaft zum Unterschreiben Euch bewegt, die Anmerkungen irgendwie zu
berücksichtigen und den Text vielleicht nochmals zu überarbeiten. Herzliche Grüsse, Rudolph PS. Die Überschrift
"Nationalisten waren wir nie!!" klingt etwas merkwürdig und
defensiv. Denn daß wir "Nationalisten" gewesen seinen, hat doch
eigentlich nie irgend jemand - außer diesen arteriosklerotischen Altmeistern
- von uns oder von einem der unsrigen behauptet. Wenn die das heute so sehen,
dann irritiert mich das in meiner eigenen politischen Einstellung nicht das
geringste. Man kann es eigentlich nur bedauern, wenn diese Leute das Opfer
von eigener oder fremder Gehirnwäsche
geworden sind ... Sie haben die Seiten gewechselt. Man muß sie bekämpfen,
statt sich von ihnen zu distanzieren. Warum schreibt Ihr nicht im Titel:
"Wir bekämpfen die Nationalisten!" oder: "Wir lassen uns nicht
als Nationalisten etikettieren!!" oder: "Nationalismus - eine
Alterserscheinung?" oder "Wider die nationalistische Demenz!" Prof. Dr. Rudolph Bauer |
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