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Krisengesamtreport Kapitel 4
4. Finanzblasen Wenn die Kapitalmärkte – wie Herr Ackermann auch – davon ausgehen, dass der griechische Staat vermutlich nicht in der Lage sein wird, seine Schulden selber zu bedienen, dann gibt es hier bei den staatlichen Schuldpapieren in der Euro-Zone eine gewaltige Blase. „Das Anfang Mai zusammengeschnürte 750 Mrd. €-Paket ist nur vordergründig eine Hilfe für die Euro-Staaten. Im Kern ist es die zweite gigantische Bankenrettung innerhalb von zwei Jahren. Wäre es nur um Griechenland gegangen, wäre eine Insolvenz wohl die beste Lösung gewesen. Doch die Folgen für das Finanzsystem waren unabsehbar. Allein deutsche Banken haben in Griechenland mehr als 30 Mrd. im Feuer. (Frankreich soll über 70 Mrd und die Schweiz über 50 Mrd € halten J.H.) Deshalb mussten Europas Regierungen eingreifen. Damit haben sie aber auch gezeigt, dass sie immer noch erpressbar sind. Und sie machen derzeit nicht den Eindruck, als wollten sie daran etwas ändern. Im Gegenteil. Die Finanzlobby diktiert die Agenda. Was in Europa und weltweit bisher in Sachen Bankenregulierung umgesetzt wurde, fällt unter die Kategorie „Peanuts“. Die großen Probleme sind nach wie vor ungelöst und haben sich teilweise sogar noch verschlimmert. So agieren die Banken heute mit einer Rundum-Sorglos-Garantie der Staaten, die nach jeder Rettung selbstverständlicher zu werden scheint. Ob Hypothekenkredite oder Staatsanleihen – es gibt kaum ein Risiko, das die Staaten den Instituten nicht abnehmen würden. Zugleich bleibt es den Banken erlaubt, hochriskante Geschäfte mit großen Renditehebeln einzugehen. Das Geld dafür bekommen sie billig und massenhaft von den Zentralbanken. Maximale Gewinnchance bei minimalem Risiko: ein Paradies für Banker. Und ein Albtraum für jeden Steuerzahler.“ (St. Kaiser, FTD, 18.05.10) 4.1.2
Zwischenfrage: Gibt es Blasenbildungen im Währungsbereich? „- Im Kern der Krise stecken Finanzinstrumente, die keiner wirklich verstanden hat. Als man Hypotheken in Credit Default Swaps (CDS) umwandelte, ging man davon aus, dass das Risiko streut. Das Gegenteil war der Fall. Der Schaden multiplizierte sich später. Als die Hypotheken kollabierten, hatten die Banken nicht genug Eigenkapital, um den Kollaps aufzufangen…. - Es gibt Parallelen zur Asienkrise. In beiden Krisen hat man die Finanzmärkte nicht verstanden. Da wurden ebenso falsche Annahmen geteilt, von zu vielen Gleichgesinnten, die in eine Richtung dachten und Risiken ausblenden…. - Es gab in den 90er Jahren eine zentrale Fehleinschätzung im wirtschaftspolitischen Denken. Der Aufstieg asiatischer Volkswirtschaften wie Südkoreas oder Singapur basierte auf ihrer radikalen Öffnung, auf einer Liberalisierung des Handels. Davon waren wir alle sehr beeindruckt. Leute wie der heutige Obama-Berater Larry Summers oder der frühere Finanzminister Robert Rubin dachten, diese Erfolgsgeschichte könne man auf die Finanzmärkte übertragen. Sie waren so euphorisch, dass sie die Unterschiede übersahen. Die Globalisierung der Realwirtschaft und der Finanzmärkte sind verschiedene Paar Schuhe…. - Der Unterschied ist in erster Linie, dass es an den Finanzmärkten ein viel dramatischeres Abwärtsrisiko gibt. Sie sind volatiler….Wenn Finanzwerte steigen oder fallen, werden rasch sehr viel größere Summen bewegt, mit entsprechend großen Auswirkungen. Das potenziert auch die Folgen von negativen Ausschlägen…. - Die Finanzmärkte sind wie ein Feuer: es kann dein Haus beheizen, es kann es aber auch abfackeln. Abrupt abfließendes Kapital kann innerhalb kurzer Zeit massiven Schaden in einer Volkswirtschaft anrichten. Das hat man in der Asienkrise gesehen… - Die Volumen, die an Finanzmärkten verschoben werden, sind einfach gigantisch. Der Multiplikator-Effekt ist einfach extrem. Das macht das Ganze sehr schwer kontrollierbar. Wenn gegen deine Währung gewettet wird, kann man versuchen, durch Anpassungen gegenzusteuern. Aber wenn in einer Woche Milliarden abgezogen werden, braucht es eine dramatische Anstrengung im Realsektor, um das abzufangen.“ 4.1.3
Weitere Zwischenfrage: Nehmen die Zentralbanken bzw. die Politik
Einfluss auf die Währungsrelationen? < In den Pressezitaten (Nr. 37 und 38 von
„Krisen-Presse“) werden C.Vogt, der Chefstratege der Qurin Bank und
F.Biancheri, Gründer des Netzwerks Europe 2020 zitiert, die trotzt
Griechenland-Krise auf die beiden wirklich großen Sanierungsfälle der
Weltwirtschaft verweisen: BG und USA. Der Ausbruch einer Pfund- und Haushaltskrise in GB wird für die Zeit nach den Wahlen am 6.5.10 erwartet, der Höhepunkt einer solchen Krise könnte dann im Sommer liegen. Diese Krise könnte den Auslöser für die Krise der US-Bonds geben, wenn die Fed im Herbst/Winter wirklich die Zinsenerhöhen sollte und damit dann alle bisherigen Bondkäufer in die Verluste treiben wird. …dann, so meinen die beiden „Strategen“, könnte sich die US-Bondkrise als unlösbar erweisen. Auf jeden Fall wird - neben den regionalen chinesischen Überhitzungsblasen an den Immobilienmärkten der stark wachsenden Großstädte – die staatliche Verschuldung/Überschuldung als „größte Blase aller Zeiten“ gesehen. In schnellem Tempo werden kritische Stimmen laut, die daran zweifeln, dass sich die Schuldendimensionen in den USA, GB – und auch in der Euro-Zone und in Japan – noch konventionell beherrschen lassen. Die Debatte scheint zu beginnen, ob es ggfs auch unkonventionelle „Lösungen“ geben könnte (oder sogar müsste?). Die jetzige Staatsschuldenblase ist die letzte aller möglichen Blasen. Entweder es gelingt, ih4r langsam die Luft entweichen zu lassen – oder sie platzt. Dann steht die Welt wirklich am Abgrund….“ F. Zulauf: Ich sehe Industrieländer mit desolater Finanzlage und einen totalen Vertrauensverlust in die Politik der EZB. Alle vier großen Währungen, Dollar, Euro, Yen und Pfund sind wegen der Überschuldung krank. Irgendwann brauchen wir in der westlichen Welt ein neues Währungssystem. Noch zum Euro: Er kann durchaus die Parität zum Dollar erreichen.“ Dabei würde es sich zwar um „Blasen“ handeln, doch diese Blase würden immer wieder zur Realisation eigener Kursgewinne aufgestochen. Bei drei oder vier Auf-und Abschwüngen von ca je 10 bis 15 % ergibt sich hier aber schon auf Jahressicht ein außergewöhnliches Spekulationsziel von weit über 50% Wertzuwachs.
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