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Krisengesamtreport Kapitel 4

4. Finanzblasen

 4.1 Möglichkeiten der Blasenbildung

 4.1.1 Konkrete Ursachen für die aktuellen Blasenbildungen

 Das Euro-Stabilisierungsprogramm verschleiert Blasenbildungen

Wenn die Kapitalmärkte – wie Herr Ackermann auch – davon ausgehen, dass der griechische Staat vermutlich nicht in der Lage sein wird, seine Schulden selber  zu bedienen, dann gibt es hier bei den staatlichen Schuldpapieren in der Euro-Zone eine gewaltige Blase.

„Das Anfang Mai zusammengeschnürte 750 Mrd. €-Paket ist nur vordergründig eine Hilfe für die Euro-Staaten. Im Kern ist es die zweite gigantische Bankenrettung innerhalb von zwei Jahren.  Wäre es nur um Griechenland gegangen, wäre eine Insolvenz wohl die beste Lösung gewesen. Doch die Folgen für das Finanzsystem waren unabsehbar.  Allein deutsche Banken haben in Griechenland mehr als 30 Mrd. im Feuer. (Frankreich soll über 70 Mrd und die Schweiz über 50 Mrd € halten J.H.) Deshalb mussten Europas Regierungen eingreifen. Damit haben sie aber auch gezeigt, dass sie immer noch erpressbar sind. Und sie machen derzeit nicht den Eindruck, als wollten sie daran etwas ändern. Im Gegenteil.

Die Finanzlobby diktiert die Agenda.

Was in Europa und weltweit bisher in Sachen Bankenregulierung umgesetzt wurde, fällt unter die Kategorie „Peanuts“. Die großen Probleme sind nach wie vor ungelöst und haben sich teilweise sogar noch verschlimmert. So agieren die Banken heute mit einer Rundum-Sorglos-Garantie der Staaten, die nach jeder Rettung selbstverständlicher zu werden scheint. Ob Hypothekenkredite oder Staatsanleihen – es gibt kaum ein Risiko, das die Staaten den Instituten nicht abnehmen würden. Zugleich bleibt es den Banken erlaubt, hochriskante Geschäfte mit großen Renditehebeln einzugehen.  Das Geld dafür bekommen sie billig und massenhaft von den Zentralbanken.  Maximale Gewinnchance bei minimalem Risiko: ein Paradies für Banker. Und ein Albtraum für jeden Steuerzahler.“ (St. Kaiser, FTD, 18.05.10)

 < Die zentralen Fragen wie „generelle Eigenkapitalerhöhung“, „Analyse der einzelnen Finanzinstitute“, „Bildung von Risikoklassen nach Größen-Parametern“, „Beschränkung der Bankengröße“, „Aufspaltung der Banken nach Größe oder Risiko“ und schließlich – überfällig – die Rücknahme der umfassenden Staats-Garantien für alle Banken, das alles ist in Deutschland und Europa kein politisches Thema – weder auf der Straße, am Stammtisch noch in den Parlamenten. Die geplante „Bankenabgabe“ tut nicht weh, löst kein Problem und vernebelt alles. Die Finanzmarkttransaktionssteuer könnte dagegen aber wenigstens Geld hereinbringen – und vielleicht die richtige Diskussion auslösen.

 

4.1.2  Zwischenfrage: Gibt es Blasenbildungen im Währungsbereich?

 (s. auch unter 4.1.1)

 Im Interview der FTD mit Jagdish Bhagwati, „dem Vordenker der Globalisierung“ am 10.06.10 wird erläutert und dargestellt:

„- Im Kern der Krise stecken Finanzinstrumente, die keiner wirklich verstanden hat. Als man Hypotheken in Credit Default Swaps (CDS) umwandelte, ging man davon aus, dass das Risiko streut. Das Gegenteil war der Fall. Der Schaden multiplizierte sich später. Als die Hypotheken kollabierten, hatten die Banken nicht genug Eigenkapital, um den Kollaps aufzufangen….

 - Es gibt Parallelen zur Asienkrise. In beiden Krisen hat man die Finanzmärkte nicht verstanden. Da wurden ebenso falsche Annahmen geteilt, von zu vielen Gleichgesinnten, die in eine Richtung dachten und Risiken ausblenden….

 - Es gab in den 90er Jahren eine zentrale Fehleinschätzung im wirtschaftspolitischen Denken. Der Aufstieg asiatischer Volkswirtschaften wie Südkoreas oder Singapur basierte auf ihrer radikalen Öffnung, auf einer Liberalisierung des Handels. Davon waren wir alle sehr beeindruckt.  Leute wie der heutige Obama-Berater Larry Summers oder der frühere Finanzminister Robert Rubin dachten, diese Erfolgsgeschichte könne man auf die Finanzmärkte übertragen. Sie waren so euphorisch, dass sie die Unterschiede übersahen. Die Globalisierung der Realwirtschaft und der Finanzmärkte sind verschiedene Paar Schuhe….

 - Der Unterschied ist in erster Linie, dass es an den Finanzmärkten ein viel dramatischeres Abwärtsrisiko gibt. Sie sind volatiler….Wenn Finanzwerte steigen oder fallen, werden rasch sehr viel größere Summen bewegt, mit entsprechend großen Auswirkungen. Das potenziert auch die Folgen von negativen Ausschlägen….

 - Die Finanzmärkte sind wie ein Feuer: es kann dein Haus beheizen, es kann es aber auch abfackeln.  Abrupt abfließendes Kapital kann innerhalb kurzer Zeit massiven Schaden in einer Volkswirtschaft anrichten. Das hat man in der Asienkrise gesehen…

 - Die Volumen, die an Finanzmärkten verschoben werden, sind einfach gigantisch. Der Multiplikator-Effekt ist einfach extrem. Das macht das Ganze sehr schwer kontrollierbar. Wenn gegen deine Währung gewettet wird, kann man versuchen, durch Anpassungen gegenzusteuern. Aber wenn in einer Woche Milliarden abgezogen werden, braucht es eine dramatische Anstrengung im Realsektor, um das abzufangen.“

 

4.1.3 Weitere Zwischenfrage: Nehmen die Zentralbanken bzw. die Politik Einfluss auf die Währungsrelationen?

 Seit immer schon hat die chin. Zentralbank interveniert, um den Kurs des Renminbi so zu positionieren, wie es ihren Zielen entsprach. (Das konnte deswegen so gut glücken, weil der Renminbi/Yuan praktisch eine reine Binnenwährung ist, da es den chin. Bürgern nicht erlaubt ist, fremde Devisen zu besitzen. Seit den 20.06.10 hat die chin. Zentralbank nun angekündigt, dass sie nur in gewissen kleinen Bandbreiten intervenieren werde, um den Währungskurs soweit anzupassen, dass er den aktuellen Notwendigkeiten genügt. Die USA gehen davon aus, dass sich der Wert des Renminbi gegenüber dem Dollar nun verteuern wird Herr T. Geithner geht von einer ca. 40%igen Unterbewertung des aktuellen Reminbi aus. Die chin. Zentralbank wie darauf hin, dass sich der aktuelle Währungskurs gegenüber anderen Währungen aber auch verringern könne. Hier wirde insbesondere auf den Euro verwiesen.

 4.2 Wo lassen sich heute (am 15.06.10) Finanzblasen erkennen?

< In den Pressezitaten (Nr. 37 und 38 von „Krisen-Presse“) werden C.Vogt, der Chefstratege der Qurin Bank und F.Biancheri, Gründer des Netzwerks Europe 2020 zitiert, die trotzt Griechenland-Krise auf die beiden wirklich großen Sanierungsfälle der Weltwirtschaft verweisen: BG und USA.

Der Ausbruch einer Pfund- und Haushaltskrise in GB wird für die Zeit nach den Wahlen am 6.5.10 erwartet, der Höhepunkt einer solchen Krise könnte dann im Sommer liegen.

Diese Krise könnte den Auslöser für die Krise der US-Bonds geben, wenn die Fed im Herbst/Winter wirklich die Zinsenerhöhen sollte und damit dann alle bisherigen Bondkäufer in die Verluste treiben wird. …dann, so meinen die beiden „Strategen“, könnte sich die US-Bondkrise als unlösbar erweisen.

Auf jeden Fall wird  - neben den regionalen chinesischen Überhitzungsblasen an den Immobilienmärkten der stark wachsenden Großstädte – die staatliche Verschuldung/Überschuldung als „größte Blase aller Zeiten“ gesehen. In schnellem Tempo werden kritische Stimmen laut, die daran zweifeln, dass sich die Schuldendimensionen in den USA, GB – und auch in der Euro-Zone und in Japan – noch konventionell beherrschen lassen.

Die Debatte scheint zu beginnen, ob es ggfs auch unkonventionelle „Lösungen“ geben könnte (oder sogar müsste?).

 < Der Spiegel macht  am 03.05.10 mit dem Titel auf: „Die letzte aller Blasen“ A.Jung und 9 weitere Autoren:“…Die Staatsdefizite der OECD-Länder haben sich seit 2007 fast versiebenfacht, auf knapp 3,4 Billionen Dollar. Ihre gesamte Schuldenlast ist dramatisch gestiegen, auf rekordreife 43 Billionen Dollar. In der Euro-Zone haben sich die Staatsdefizite im selben Zeitraum sogar verzwölffacht, die Euro-Länder haben Schulden in Höhe von 7,7 Billionen Dollar angehäuft.

Die jetzige Staatsschuldenblase ist die letzte aller möglichen Blasen. Entweder es gelingt, ih4r langsam die Luft entweichen zu lassen – oder sie platzt. Dann steht die Welt wirklich am Abgrund….“

 < Frage im Handelsblatt vom 20.05.10: „Herr Zulauf (Felix Zulauf, Gründer von Zulauf Asset Management in Zug),  wie steht es um die Welt der Anleger?

F. Zulauf: Ich sehe Industrieländer mit desolater Finanzlage und einen totalen Vertrauensverlust in die Politik der EZB. Alle vier großen Währungen, Dollar, Euro, Yen und Pfund sind wegen der Überschuldung krank. Irgendwann brauchen wir in der westlichen Welt ein neues Währungssystem. Noch zum Euro: Er kann durchaus die Parität zum Dollar erreichen.“

 < Das erneute weltweite Steigen des Kursniveaus auf den meisten Aktien- und Rohstoffmärkten deutet darauf hin, dass hier – zumindest kurzfristige – Spekulationsblasen bestehen, da sich die tatsächlichen fundamentalen Renditeaussichten nicht (oder kaum) verbessert haben. Es gibt Analysten, die davon überzeugt sind, dass der Waschbrettverlauf der Aktienkurse nur damit erklärt werden kann, dass die großen professionellen Anleger immer wieder in relativ kurzen Abschnitten „Kasse machen“.

Dabei würde es sich zwar um „Blasen“ handeln, doch diese Blase würden immer wieder zur Realisation eigener Kursgewinne aufgestochen. Bei drei oder vier Auf-und Abschwüngen von ca je 10 bis 15 % ergibt sich hier aber schon auf Jahressicht ein außergewöhnliches Spekulationsziel von weit über 50% Wertzuwachs.

 Die verschiedenen Rohstoffpreisralleys, auf die seit Monaten gewettet wird, findet bei den unterschiedlichen nationalen Krisenverhältnissen noch keine massive Basis. Die Preis-Tiefsstände von Ende 2008 und Anfang 2009 sind zwar deutlich überschritten, aber die nicht überwundene Rezessionsfurcht – insbesondere wegen der nicht stabilen Entwicklung in den USA, der Deflation in Japan und der Rezessionsprobleme in GB – verhindert den Fortgang der Preissteigerungen im Rohstoffbereich. Zudem gibt es zwar starke Boommärkte in den Schwellenländern – insbesondere in China - , aber die konjunkturellen Unsicherheiten in den westlichen Kernländern des Kapitalismus sind so stark, dass es bereits wieder zu erheblichen Kursverlusten an den Börsen und vor allem zu dramatisch niedrigen Renditen bei den langfristigen Staatsanleihen der USA, Japans und der BR Deutschland gekommen ist.  „Investoren in Zins-Panik – Langjährige Bundesanleihen auf Rekordtief, Furcht vor Rezession und Deflation, Versicherer unter Druck“, so titelt die FTD am 19.08.10.

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