home zurück  
 
 

EU-Project-Website

 
 

Ausgewählte Pressehinweise zur Blasenbildung

 

Aktualisierungsstand: 15.06.2010 für Beratung am 16.06.10

 

INHALTE:
1. Zum TOP Überliquidität der Banken
21.10.09, FTD, Heinz Hilgert, bis mai 2009 Vorstandsvorsitzender der WestLB schreibt: (1)
2. Zum TOP Können die Banken noch einmal gerettet werden?
23.10.09, FTD, Martin Wolf, Kolumnist der FTD schreibt: (2)
3. Zum TOP Überkapazitäten des deutschen Bankensystems
27.10.09, FTD, Lucas Zeise, Finanzkolumnist der FTD schreibt: (3)
4. Zum TOP: Wann soll von den Zentralbanken gegengesteuert werden?
29.10.09, FTD, George Soros, „Großspekulant schreibt: (4)
5. Zum Top: Die neue Monsterblase
03.11.09, FTD, Nouriel Roubini (4a)
6. Zum TOP: Wie lange wird die Krise dauern?
11.11.09, FTD, Kenneth Rogoff, Prof. an Harvard Uni und Ex-Chefökonom des IWF schreibt: (5)
7. Zum TOP: „Aktiengewinne dank Geldschwemme“
13.11.09, FTD,  Elisabeth Atzler (Korrespondentin) schreibt: (6)
8. Zum TOP: „Das Spiel mit dem Feuer an der Wall Street“
13.11.09, FAZ, nks – redaktioneller Artikel: (7)
9. Zum TOP: Wie geht’s weiter mit den Staatsanleihen? Zeitbomben in Japan?
13.11.09, FTD: red. Kommentar: Das Kapital – ausgerechnet Japan? (8)
10. Zum Top: Wo könnte der Auslöser für eine ungeplante Zinssteigerung liegen?
16.11.09, FTD, T. Bayer (Ffm), L. Whipp (Tokyo), G. Tett (Lon) schreiben (9):
11. Zum Top: Trotz billigen Geldes: Die Zinsen für die Kreditnehmer steigen!
17.11.09, Tsp, Heike Jahberg (10) schreibt:
12. Zum Top: Der Exit beginnt in Asien
17.11.09, FTD, Barry Eichengreen, Prof. in Berkeley, schreibt: (11)
13. Zum Top: „So schnell entsteht keine neue Blase“
18.11.09, FTD, H. Beyerle und M. Kaelble schreiben über Robert Shiller, Prof an der Yale Univ., der die New-Economy- und die letzte Immobilienblase vorhergesehen, hatte: (12)
14. Zum Top: „Angst vor der Blase, die längst da ist
20.11.09, FTD, redaktionell (13)
15. Zum TOP: „Asiens Firmen drängen aufs Parket“.
2
0.11.09, FTD, REUTERS (14)
16. Zum Top: „Die Billionen Bombe, Warum nach der Jahrhundertkrise schon die nächste droht.“
23.11.09, SPIEGEL, red. Artikel von Ch. Pauly und 5 anderen Autoren (15)
17. Zum Top: „Zeitbombe am Immobilienmarkt“
24.11.09., FTD, Tim Bartz schreibt: (16)
18. Zum Top: „Schwellenländer wollen Kapitalströme kontrollieren
25.11.09, FAZ, che. (17)
19. Zum Top: „Merkel warnt vor neuer Spekulationsblase
25.11.09, Tsp, Carsten Brönstrup (18)
20. Zum Top: Hedge-Fonds nur mit hohen Schulden rentabel
25.11.09, FAZ, gb über Prof. R. Werner (19)
21. Zum Top: „Weltbankchef warnt vor neuen Spekulationsblasen
25.11.09, Spiegel Online (20)
22. Zum Top: Balance bei der Rückkehr zur geldpolitischen Normalität
25.11.09, Wall Street Journal, red. Artikel (zitiert nach Spiegel Online) (21)
23. Zum Top:  Dubai-Krise
30.11.09, FTD, C. Hecking u. J. Petring in “Dubais Geschäftsmodell ist gescheitert.”(22)
24. Zum Top: Notenbanken driften auseinander
02.12.09, FTD, M. Schrörs (23)
25. Zum Top: Einfriedung der Währungsschwankungen/Dollarkurs braucht Grenzen
16.12.09, FTD, Th. Fricke (24) schreibt:
26. Zum TOP: Nicht-börsengehandelte Wertpapiere
22.12.09: Ch. Mai und T. Bayer schreiben in der FTD über das amerik. Datenregister DTCC (Depository Trust & Clearing Corporation).(25)
27. Zu TOP:“ „Notenbanken ohne reale Exit-Chancen
22.12.09, M. Schrörs schreibt in FTD: (26)
28. Zu Top: „Chinas Wirtschaft läuft heiß?“
12.01.10, C. Wanner schreibt in der FTD aus Honkong: (27)
29. Zu Top „Eine Wette auf den Aufschwung“
13.01.10, T. Höfinghoff schreibt in der FAZ: (28)
30. Zum Top: „Preisblasen“
22.01.,FTD: „Nouriel Roubini warnt vor Preisblasen“ (29)
31. Zum Top: Weltbank misstraut Chinas Immobiliendaten
25.01.,FTD. Bloomberg meldet: (30)
32. Zum Top: Parallelwelten
23.01.,SZ, Andreas Zielke in einem vierspaltigen Artikel: „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (31)
33. Zum Top: Vermehrung der Geldmenge (aus dem Artikel „Wie von Sinnen“ aus der FTD vom 18.02.10) (32)
34. Zum Top: Sinkende Geldmenge oder fehlt jetzt die Kraft für das Aufblähen neuer Blasen?
FTD, 24.02.10(?), redaktionelle Glosse (33):
35. Zum Top: „Immobilienblase in China“ FTD nach Bloomberg, 25.02.10 (34)
36. Zum Top: Kreditmaschine der Staaten beginnt heiß zu laufen
Markus Frühauf in der FAZ, 25.02.10: (35)
36a.
Zum Top: „Tightening of Credit Seen as Corporate Come Due … or … Needed: Money. Lots of it, and soon!! Nelson D. Schwartz, NYT vom 16.03.10  (36)
36b. Zum TOP:  Die Schuldenblase   oder   “Es droht ein Schulden-Tsunami”. Dennis Snower, Präs. des Kieler Instituts für Weltwirtschaft am 09.04.10 im Handelsblatt (37)

 

…ab Mai 2010:

 

37. Zum Top: „Bei US-Bonds gibt es die größte Blase aller Zeiten“ C.Vogt, Chefstratege der Qurin Bank, Handelsblatt, 05.05.10
38. Zum Top:  „Bald beginnt die Schlacht um England“, F.Biancheri, Gründer des Netzwerks Europa 2020, Handelsblatt, 05.05.10
39. Zum Top: „Eine globale Katastrophe ist möglich“, G.Celente, Ltr. Des Trends Research Institute, Handelsblatt, 05.05.10
40 Zum Top: „China-Hype – Auf dem Laufband zur Hölle“, D.Kremer, FTD, 04.05.10
41 Zum Top: Krisenhafte Unterkapitalisierung der europäischen Großbanken, Nicolas Ve´ron von Bruegel und Visiting (Brüssel) und vom Peterson Institut Washington
42. Zum Top: 750 Mrd. € als zweites Banken-Rettungs-Paket St. Kaiser, FTD, 18.05.10,
43. Zum Top: Kosten der Bankenstabilisierung in Europa, T. Baatz, M. Scheffer, G. Hädicke, FTD, 28.5.10 (43),
44
. Zum Top: Das Ende der Souveränität,  Michael Spence, Nobelpreisträger für Ökonomie und emerit. Prof der Stanford-UNI, FTD, 20.05.10
45.
Zum Top: Im Interview der FTD mit Jagdish Bhagwati,(45) „dem Vordenker der Globalisierung“ am 10.06.10 wird erläutert und dargestellt:
46. Zum Top  Wechsel bei den Reservewährung(en)  Harold James, Prof. für Geschichte und internationale Politik in Princeton schreibt in der FTD am 09.06.10
47.
Zum Top: Der Verschuldungsgrad einer Volkswirtschaft besteht aus staatlicher und privater Verschuldung
48. Zum Top „Europa auf dünnem Eis“ (48). Peter Ehrlich, Leiter des Brüsseler Büros der FTD schreibt am 10.06.10
49. Zum Top Ende der superniedrigen chinesischen Arbeitslöhne kommt in Sicht
50. Zum Top: Vollgeldtheorie und neue Geldordnung. Mark Joob, Prof. an der ungar. Uni Sopron und Forschungsstipendiat der Mercator Stiftung, Schweiz, FTD, 04.06.10
51. Zum Top: Transaktionssteuern, dreifach wirksam. Einführung einer „Transaktionssteuer“, die offensichtlich z.Zt. mit den USA nicht zu machen ist. (Sony Kapoor, ehem. Investmentbanker und Geschäftsführer der Denkfabrik Re-Define, FTD, 17.06.10)
52. Zum Top: „Europas Banken haben riesigen Finanzbedarf“ (FAZ, 17.06.10)(52)
53. Zum Top: „Lehmann II im Mai 2010, (FTD, 18.06.10, nach REUTERS)
54. Zum Top Zwangsouting nach Stresstests (FTD, 30.06.10, Tim Bartz)
55.
Zum Top „Mogelpackung Aufschwung“ , W.Münchau in FTD, 14.07.10
56.
Zum Top: „Anlass zum Pessimismus“, Lucas Zeise, FTD, 20.07.10
57.
Zum Top: „Größe des EU-Rettungsschirm“, P.Ehrlich, Brüssel, T. Pache, Berlin, A. Kühnlenz, Frankfurt, FTD, 15.07.10
58.
Zum Top: „Das wahre Problem ist, dass die Krise andauert“, Claus Mateki, Vorstandsmitglied des DGB, FTD, 15.07.10
59.
Zum Top: „Zähmen statt sparen“, Joseph Stieglitz,Nobelpreisträger Ökonomie, FTD, 26.07.10
60.
Zum Top: Warten auf den zweiten Einschlag, W. Münchau, FTD, 25.08.10

Auswahl der Zitate

 

Ich habe den Auswahlfilter ganz klein gemacht, so dass nur die in letzter Zeit erschienenen unbedingt zum Thema geschriebenen Artikel berücksichtigt wurden.

(Wenn ich allerdings auch die Problematik der augenblicklichen Solidität der z.B. deutschen Bankenfinanzierung mit betrachtet hätte, dann wäre ein dickes Auswertungsergebnis entstanden, dass kaum noch darstellbar wäre. Grundtenor dieser Berichterstattung ist vielleicht mit der Meldung der FTD vom 19.10.09 am prägnantesten umrissen: (0)“Ein Jahr nach Ausbruch der Weltfinanzkrise schlummern lt. einer Analyse der US-Bank Merill Lynch noch immer enorme Risiken toxischer Papiere in den Bilanzen deutscher Großbanken, Die als „problematisch einzuschätzenden Aktiva“ beliefen sich auf 650 Mrd. €, zitiert der Spiegel am Wochenende aus der Studie. Deutschlands Geldinstitute seien beim Abbau des gefährlichen Wertpapierschrotts kaum vorangekommen. Insgesamt bezifferte Merill Lynch den Wertberichtigungsbedarf auf etwa 60 Mrd. €, dies entspreche rund 75% des Eigenkapitals.“)

 

Zum TOP 1 Überliquidität der Banken

21.10.09, FTD, Heinz Hilgert, bis Mai 2009 Vorstandsvorsitzender der WestLB schreibt: (1)

„Die Ergebnissubventionen der Zentral- für die Geschäftsbanken kommen in so neutralen Begrifflichkeiten wie „Quantitative Easing“ oder „Repogeschäfte“ daher. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der Verkauf von Wertpapieren (die anderweitig keinen Käufer finden) an die Zentralbanken …

(Insbesondere) bei den Repogeschäften lassen sich in der aktuellen Zinsstruktur risikoarm drei Prozent Marge mit dem Ankauf von Staatsanleihen und der Refinanzierung durch die Zentralbank verdienen …

Durch diese bewusst geschaffenen, risikoarmen Ertragschancen wird den Banken geholfen, die kommende massive Belastung durch Kreditabschreibung im Kundengeschäft zu kompensieren…(aber) jedem sollte erstens klar sein, dass ein Wirkungszusammenhang zwischen Zentralbankpolitik und wirtschaftlicher Wiedergeburt der Banken existiert. Zweitens sollten wir uns davor hüten, diese scheinbar wundersame operative Stabilisierung der Banken für bare Münze zu nehmen. Denn die ganze Wahrheit wird ans Licht kommen, wenn die Zentralbanken diese Subventionen beenden, weil sie die Überliquidität des Finanzsektors abschöpfen müssen….

Erst dann wird sich zeigen, welche Bank eine nachhaltige Performance aufweisen kann und welche nur kurzfristige, handelsorientierte Gewinne präsentiert hat.“

 

Zum TOP 2 Können die Banken noch einmal gerettet werden?

23.10.09, FTD, Martin Wolf, Kolumnist der FTD schreibt: (2)

„Wenn die Zentralbanken Geld quasi umsonst vergeben, wenn sich die Preise riskanter Vermögenswerte erholen und Wettbewerber geschwächt oder verschwunden sind, fällt es den starken Überlebenden relativ leicht, Geld zu verdienen. … Dem IWF zufolge haben die Industrienationen 30% des BIP für Kapitalspritzen, Rettungskäufe und Garantien und die Bereitstellung von Liquidität ausgegeben. Unabhängig von ihrem jeweiligen Zustand haben die meisten Finanzinstitutionen von dieser Großzügigkeit profitiert. Wie sagte der britische Notenbankchef Mervyn King in Anlehnung an Winston Churchill: „Noch nie in der Geschichte der Finanzwelt hatten so wenige so viel Geld so vielen zu verdanken – mit so wenig echten Reformen in der Folge, wie man hinzufügen könnte.“ …Die Gefahr ist real, dass infolge der Rettungsaktion noch größere Risiken eingegangen werden und es in nicht allzu ferner Zukunft zu einer noch schlimmeren Krise kommt. Entweder wir bauen ein glaubwürdiges Bankrottszenario auf, oder wir machen die Institute, die wir unterstützen, sicherer. Im Idealfall tun wir beides.

Dagegen ist es keine Option, schwach regulierte Banken abzusichern, die sich auf komplexe Risiken einlassen,    da ihre Risikobereitschaft eingeschränkt ist, weil die Gefahr des Bankrotts vom Steuerzahler übernommen wird. Eine Rückkehr zum Tagesgeschäft können wir nicht wagen. So einfach – und so brutal – ist es nun mal.“

 

Zum TOP 3 Überkapazitäten des deutschen Bankensystems

27.10.09, FTD, Lucas Zeise, Finanzkolumnist der FTD schreibt: (3)

„In der Zwischenzeit steigen die Preise für Aktien und andere risikoreiche Anlagen. Für Banken, die Zugang zu praktisch kostenlosen Zentralbankgeld haben, ist es leicht, mit Anlagen jeglicher Art schnell viel Geld zu verdienen. Das reichlich sprudelnde Zentralbankgeld sollte eigentlich dazudienen, die Realwirtschaft mit Kredit zu versorgen. Das gelingt nur zum geringeren teil. Stattdessen heizt es die Spekulation an, während die Rezession sich noch durch die Wirtschaft frisst….

Viel schlimmer ist es, dass sich weder in den Dokumenten der G 20 noch in den Äußerungen der relevanten Notenbanker, noch nicht einmal in den Wahlkampfreden von Politikern staatstragender Parteien Hinweise darauf finden, dass sie den Finanzsektor verkleinern wollen... Dass dieser Sektor im eigenen Land zu groß ist, darauf hat vorige Woche der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, hingewiesen: „Das Deutsche Bankensystem hat Überkapazitäten.  Es ist denkunmöglich, das jedes Institut ein funktionierendes Geschäftsmodell finden wird. Daraus schließe ich, dass uns in den nächsten Jahren noch die eine oder andere Bank vor die Füße fallen wird.“  Das sind Worte von erfrischender Klarheit. Es ist aber auch ein Hilferuf des obersten Bankaufsehers, die geordnete Abwicklung endlich anzugehen. Andernfalls wird es bald wieder darum gehen, die gekippten Banken mit weiterem Steuergeld zu retten. Rückblickend war es falsch, IKB, HRE, HSH Nordbank und Dresdner Bank überleben zu lassen.“

 

 

Zum TOP 4: Wann soll von den Zentralbanken gegengesteuert werden?

29.10.09, FTD, George Soros, „Großspekulant schreibt: (4)

„Anstatt zum Gleichgewicht zu tendieren, neigen die Finanzmärkte zu Blasen. Diese sind nicht irrational: Der Herde zu folgen macht sich bezahlt – zumindest eine Zeit lang. Die Regulierer weltweit können dementsprechend nicht darauf bauen, dass der Markt seine Exzesse selbst reguliert.

Der crash von 2008 wurde durch das Platzen einer Superblase verursacht, die seit 1980 gewachsen war und aus kleineren Blasen bestand. Bei jeder Finanzkrise hatten die Behörden eingegriffen, sich um die gescheiterten Institute gekümmert und Konjunkturprogramme aufgelegt. Damit haben sie die Superblase noch weiter vergrößert….

Die Finanzbehörden haben allen Instituten, die „to obig to fail“ sind, eine implizite Überlebensgarantie gegeben. Diese Zusage kann nicht glaubwürdig zurückgezogen werden. Daher muss die Regulierung so gestaltet werden, dass diese Garantie gar nicht erst in Anspruch genommen wird. Für diese Institute sollte der Verschuldungsgrad begrenzt werden. Eigenhandel sollte aus dem Eigenkapital der Bank finanziert werden, nicht aus Einlagen.

…Harte Reformen sind nötig, von Verschuldungsgrenzen bis hin zur Zerschlagung von Banken – aber noch nicht jetzt. Die Banken sind noch auf dem Weg der Genesung. Jetzt ihre Rentabilität zu beschneiden wäre kontraproduktiv.“

 

Zum Top 5: Die neue Monsterblase

03.11.09, FTD, Nouriel Roubini (4a)

„Seit März boomen alle möglichen Arten risikobehafteter Anlageklassen – Aktien, Öl, Energie, Rohstoffe. Parallel dazu sind die renditestarken Risikoaufschläge gesunken. Der Dollar hat zudem deutlich an Wert verloren. …

Was steckt dahinter?

Natürlich war die Liquiditätsflut durch die Notenbanken eine Hilfe.  Aber noch wichtiger ist die Schwäche des US-Dollar, die durch die Mutter aller Carry-trades beflügelt wird. D a die Fed die Zinsen eingefroren hat, ist der Dollar zur Hauptwährung bei carry-trades geworden. Dabei verschulden sich Leerverkäufer in einer schwachen Währung und kaufen rendite-stärkere Vermögenswerte in einer stärkeren. Im Fall des Dollar leihen sie sich ihr Geld nicht nur zum Null-Zins, sondern zu negativen Zinsen – auf Jahr gerechnet von teilweise 10 oder 20 %. Der Grund: Der Kursverfall des Dollar führt zu massiven Kapitalgewinnen bei Short-Positionen in Dollar. Investoren leihen sich also zu 20 % Minuszinsen Geld, das sie weltweit in eine Vielzahl von Anlageklassen stecken, die sich aufgrund von überschüssiger Liquidität und einem massiven carry-trade verteuern. Die Renditen seit März liegen bei 50 bis 70%. Jeder Anleger, der dieses riskante Spiel mitmacht, wirkt wie ein Genie, auch wenn er nur auf einer gewaltigen Blase reitet….

Die über alle globalen Vermögensklassen perfekt korrelierte Blase wird also mit jedem Tag größer.

Eines Tages wird diese Blase platzen und zum größten koordinierten Vermögenskollaps der Geschichte führen. Wertet der Dollar plötzlich wieder auf – wie beim Yen-finanzierten carry-trade zu beobachten war -, muss der gehebelte carry-trade plötzlich geschlossen werden, da Anleger ihre Dollar-short-Positionen abdecken. Es wird zu einer Massenpanik kommen, da das Decken riskanter gehebelter Long-Positionen über alle Vermögensklassen hinweg einen koordinierten Zusammenbruch all dieser risikobehafteten Vermögenswerte auslöst.

Warum werden die carry-trades zusammenbrechen?

Erstens kann der Dollar nicht auf Null fallen, er wird sich irgendwo stabilisieren. Dann sind die Kreditkosten in Dollar plötzlich null statt stark negativ. Das Risiko, das der Dollar wieder aufwertet, würde viele dazu veranlassen, ihre Short-Positionen abzudecken.

Zweitens kann die Fed Votalität nicht ewig unterdrücken. Im Februar wird ihr 1800Mrd. $ schwerer Kaufplan beendet sein.

Wenn drittens das US-Wachstum demnächst positiv überrascht, können die Märkte damit rechnen, dass die Fed früher anstatt später zu straffen beginnt.

Viertens könnte Angst vor einer Rückkehr der Rezession oder vor einem geopolitischen Konflikt eine Flucht vor dem Risiko auslösen. …

Je länger und je größer die carry-trades werden, desto stärker wird der darauf folgende Zusammenbruch. Die Fed und andere politische Entscheider scheinen sich nicht bewusst zu sein, welch eine Monsterblase sie erschaffen.“ (Nachträglich am 25.02.10 engefügt, J.H.)

 

Zum TOP 6: Wie lange wird die Krise dauern?

11.11.09, FTD, Kenneth Rogoff, Prof. an Harvard Uni und Ex-Chefökonom des IWF schreibt: (5)

„Die große Rezession wurde durch eine Finanzkrise angeheizt, was sie zu einer sehr viel heimtückischeren Angelegenheit macht, die in der Regel deutlich längere Auswirkungen hat.

Angesichts des enormen und gleichzeitigen Schrumpfens des weltweiten Kreditwesens, Handels und Wachstums lässt sich die große Rezession besser als „Große Kontraktion“ beschreiben….

Die Folgen der enormen Schrumpfung auf den Kreditmärkten dürften kaum von heute auf morgen verschwinden. Ja, falls Sie eine Bank sind, können Sie dank weitreichender expliziter und implizierter Garantien ohne weiteres Geld aufbringen. Aber für alle anderen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, bleibt das Kreditumfeld äußerst schwierig. …

Die Parallele zu 1991 verkennt, dass die Bilanzen diesmal deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Häuserpreise werden derzeit durch unzählige Subventionen vorübergehend gestützt, während bei Gewerbeimmobilien ein Tsunami droht. Die Schwächen vieler Banken werden schlicht durch Staatsbürgschaften überdeckt.

Die Regierungen der G20 stehen jetzt vor einer einschüchternden Situation. Sie müssen versuchen die Monster, die sie selbst geschaffen haben, an die Kandare zu nehmen… .Die staatlichen Aufsichtsbehörden – und letztlich wir alle – sind damit gefangen zwischen Scylla und Charybdis.  Eine übertrieben strenge Regulierung könnte das globale Wachstum auf Jahrzehnte ernsthaft beeinträchtigen. Bei einer zu weichen Regulierung andererseits könnte noch innerhalb eines Jahrzehnts die nächste monsterhafte Finanzkrise auf uns zukommen.“

 

Zum TOP 7: „Aktiengewinne dank Geldschwemme“

13.11.09, FTD,  Elisabeth Atzler (Korrespondentin) schreibt: (6)

„Der Chef der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, Klaus Kaldemorgen, rechnet angesichts der Geldflut mit steigenden Börsenkursen. „Ich glaube, dass der Aktienmarkt 2010 von den hohen Liquidität profitieren wird. … Es gibt wenig Alternativen, so dass die Anleger ins Risiko gehen werden.“ … Der Optimismus für die Börsen, so Kaldemorgen, basiere auf der enormen Liquidität im Finanzsystem, nicht aber darauf, dass die Konjunktur in den großen Industriestaaten deutlich anzieht. … Auch Kaldemorgen sieht die Gefahr neuer Übertreibungen: „Man muss in Kauf nehmen, dass wir in eine neue Blase steuern. Ich könnte mir vorstellen, dass die Währungsmärkte anfällig sind.“ Wenn der Zins nahe null liege, würde „eine Menge dummer Dinge“ mit dem Geld passieren. Eine Blase zu verhindern, hält der DWS-Chef für schwierig: Es sei nun einmal so, dass die Liquidität dorthin fließt, wo man eine Rendite erzielen könne. „Es ist immer noch besser, als wenn wir in eine Rezession hineingeraten“. …

Neben Aktien hält der DWS Rohstoffe und Gold sowie auch Immobilien für attraktiv. Rohstoffe seien auch wegen der Nachfrage aus China interessant.“

 

Zum TOP 8: „Das Spiel mit dem Feuer an der Wall Street“

13.11.09, FAZ, nks – redaktioneller Artikel: (7)

„Der unabhängige Aktienfachmann Ed Yardeni berichtet, dass sich viele Fondsmanager und Verwalter von Pensionsfonds derzeit bei ihren Aktienanlagen unwohl fühlten. Er bezeichnete sie als „voll investierte Pessimisten“.  Im Jargon der Wall Sreet sprechen die Händler von einer Marktlage, in der alle Börsianer auf einen „größeren Dummkopf“ hoffen. Anleger spekulieren also darauf, ihre Aktienbestände noch vor einem Rückschlag an einen großen Narren verkaufen zu können. „Es gibt immer noch eine Menge Angst,  dass sich das Ding schnell wenden könnte“, so Yardeni, der die Sorge teilt. Aber große institutionelle Anleger könnten es sich eben nicht leisten, die Hausse zu verpassen.

Ein Grund für die Hausse, die auch die Kurse nichtamerikanischer Börsen sowie die Preise von Rohstoffen und Risikoanleihen treibt, ist das Geld, das Regierungen und Zentralbanken als Gegenmittel zur Finanzkrise in die Wirtschaft gepumpt haben.

Es gibt eine gleichsam schizophrene Haltung der Profianleger, die zwar die Lage der globalen Konjunktur pessimistisch beurteilen, aber dennoch risikoreiche Wetten auf den Aufschwung eingehen. Angesichts dieser Marktlage will kein Börsianer ein Ende der Hausse prognostizieren.“

 

Zum TOP 9: Wie geht’s weiter mit den Staatsanleihen? Zeitbomben in Japan?

13.11.09, FTD: red. Kommentar: Das Kapital – ausgerechnet Japan? (8)

„SocGen hat eine hübsche Idee ins Spiel gebracht: dass der kurz oder lang zu befürchtende Krach am Markt für Staatsanleihen von Japan ausgehen könnte.

Das klingt paradox, droht das Land doch immer tiefer in die Deflation abzurutschen. Nur stellt sich langsam die Frage, wo der Staat die Mittel für sein Budgetdefizit von rund 10,5% hernehmen soll. Denn wie SocGen zu Recht anmerkt, ist die Sparquote der privaten Haushalte, der fleißigsten Käufer von Staatsanleihen, in Japan inzwischen nahe null. Derweil steht zu erwarten,  dass eine zunehmende Schar von Rentnern ihre Ersparnisse auflöst, also Staatsanleihen verkauft.

Wird die Regierung des derzeit mit rund 219% des BIP´s in der Kreide stehenden Landes dann die Kraft aufbringen, die Ausgaben zu kürzen oder die Steuern zu erhöhen? Wenn nicht, wird wohl die Bank von Japan  ranmüssen, ob per direktem Kauf wie in Amerika und GB oder mithilfe der Geschäftsbanken wie im Euroraum, wo die Ausleihungen der Kreditinstitute an die Staaten über die vergangenen beiden Jahre um 27% oder 607 Mrd. € zugenommen haben.

Im Grunde gilt diese Betrachtung also jetzt schon für weite Teile der industrialisierten Welt. Laut IWF werden die Staaten in den entwickelten Ökonomien heuer ein Defizit von 9% des BIP`s fabrizieren, was 3500 MRD. € oder drei Vierteln des BIP`s Chinas entspricht. Hingegen beläuft sich die Ersparnis der Verbraucher in den USA und im €-Raum auf rund 2000 Mrd. $ brutto – also vor Abschreibungen. Zudem sinkt die Kreditwürdigkeit vieler Staaten täglich. So werden die Schulden der G /  lt. IWF 2010 auf 114% des BIP`s steigen.

Werden die Zentralbanken der entwickelten Länder, die mit ihrer Geldpolitik auf die ganze Welt ausstrahlen, da den Mumm haben, die Zinsen spürbar anzuheben, falls es erforderlich wird? Immerhin ist der Geldüberhang jetzt schon riesig, während die Angebotsseite der Wirtschaft zusehends erlahmt. Mit Staatsanleihen kann man angesichts der derzeit so starken deflationären Kräfte zocken, vielleicht sogar noch für ein paar Jahre. Aber ruhig schlafen kann man kaum.“

 

Zum Top 10: Wo könnte der Auslöser für eine ungeplante Zinssteigerung liegen?

16.11.09, FTD, T. Bayer (Ffm), L. Whipp (Tokyo), G. Tett (Lon) schreiben (9):

„Angst vor japanischer Bondblase wächst. Sinkende Sparquote und hohe Staatsschulden nähren Furcht vor Ausverkauf an den Anleihemärkten

David Einhorn hat ein neues Ziel ausgemacht: Der Hedge-Fonds-Manager, der 2008 gegen die Investmentbank Lehman Brothers wettete und recht behielt, richtet seine Angriffskraft jetzt gegen Japan. „Das Land hat den kritischen Punkt überschritten und wird nicht mehr umkehren können“, sagt Einhorn. Seine These: Es droht eine Schuldenkrise und ein Platzen der Bondblase – das heißt wesentlich höhere Renditen.“

 

Zum Top 11: Trotz billigen Geldes: Die Zinsen für die Kreditnehmer steigen!

17.11.09, Tsp, Heike Jahberg (10) schreibt:

„Die Zinsen für Ratenkredite sind in den letzten 6 Monaten gestiegen. Für einen 5jährigen Konsumentenkredit mussten die Verbraucher im Oktober über 7 % Zinsen zahlen, im April waren es noch 6 % gewesen, Tendenz steigend. „Im November haben die Zinsen weiter angezogen“ sagte Finance-Scout-Chef  Errit Schlossberger: „Wir rechnen damit, dass dieser Trend anhält“.

Verbraucherschützer sind empört. „Die Banken bekommen das Geld günstig von der eiropäischen Zentralbank und geben es teuer an die Verbraucher weiter“ kritisiert die Verbraucherzentrale.

Über 500 MRD € hat die EZB den Banken in diesem Jahr zur Verfügung gestellt – zum historisch niedrigen Zinssatz von einem Prozent. …“Für Schuldner sind Überziehungs- und Ratenkredite teurer geworden, für Anlege4r sind die Spar- und Einlagezinsen niedrig geblieben“ ärgert sich die Verbraucherzentrale:“Die Banken haben sich mit diesem Geld günstig refinanziert.“

 

Zum Top 12: Der Exit beginnt in Asien

17.11.09, FTD, Barry Eichengreen, Prof. in Berkeley, schreibt: (11)

Die Anleger werden allmählich nervös. Grund ist der Zeitplan der Zentralbanken für das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik und ihrer außergewöhnlichen Aufkaufprogramme für Vermögenswerte. … Es wird vor Inflation gewarnt – wenngleich bei steigender Arbeitslosigkeit und fallender Verbrauchernachfrage eine Inflation in den USA, Europa oder Japan auf kurze Sicht kaum vorstellbar ist.

Eher schon liegen die Kommentatoren richtig mit der Warnung, dass in Asien und dort vor allem in China gefährliche Vermögensblasen entstehen. … Die Vermögenspreise sind aufgebläht. Vor allem in großen Städten boomen die Preise für Immobilien. All das erinnert erschreckend an die Situation in den USA im Jahr 2006.

(Der carry trade blüht.)

Jeder ist sich im Klaren, dass der Dollar an Wert verlieren muss, damit die USA mehr exportieren können, denn Amerikas Haushalte werden weniger konsumieren. Doch das bedeutet, das die erwarteten Kosten für Dollar-Kredite für Anleger, die auf Nicht-Dollar-Renditen abzielen, effektiv negativ sind. Damit wird die unwiderstehliche Versuchung geschaffen, in alle asiatischen Werte zu investieren, die auch nur im entferntesten positive Renditen versprechen. Der Ökonom Nouriel Roubini bezeichnet diese Strategie als „die Mutter aller carry trades“.

(Der Westen kann wegen seiner schwachen Binnenkonjunktur noch keinen Zins-Exit machen.)

Nichts hindert dagegen die Zentralbanken der asiatischen Schwellenländer daran, schon jetzt zu handeln.  Bei ihnen wächst die Wirtschaft sehr robust. Sie sind diejenigen, die Probleme mit Vermögensblasen haben. Sie können und sollten die Zinsschraube jetzt anziehen.

Zugegeben, der Exit wird zu Problemen führen:  (Aufwertungseffekte und harte Kontrollmaßnahmen gegen neu zuströmendes Geld)

Von den Blasen in asiatischen Finanzmärkten geht eine reale Gefahr für die Stabilität des globalen Finanzsystems ais…. Hier stehen die Zentralbanken der Schwellenmärkte in der Pflicht, nicht die Fed oder die EZB!“

 

Zum Top 13: „So schnell entsteht keine neue Blase“

18.11.09, FTD, H. Beyerle und M. Kaelble schreiben über Robert Shiller, Prof an der Yale Univ., der die New-Economy- und die letzte Immobilienblase vorhergesehen, hatte: (12)

„Der amerikanische Ökonom Robert Shiller hält die Sorgen für überzogen, dass sich eine neue gefährliche Spekulationsblase bildet. Solche Blasen – wie die jüngst am Immobilienmarkt geplatzte – habe es in den vergangenen hundert Jahren zweimal gegeben. …So schnell entstehe keine neue Übertreibung in dieser Größenordnung – zumal der Aufschwung noch nicht besonders stark sei“. Es hat sich zwar wieder eine gewisse Normalität eingestellt, aber das Wachstum ist noch nicht selbsttragend“, sagte Shiller….

Shiller gilt als einer der wichtigsten Kritiker der Theorie effizienter Märkte, die behauptet, Märkte fänden immer von selbst zum vernünftigen Ergebnis. „Diese Theorie ist überholt“. Dennoch könnte die Antwort nicht darin bestehen, den Markt durch den Staat zu ersetzen. Vielmehr schlägt Shiller neue Finanzinstrumente vor, mit denen man sich gegen Risiken absichern könnte. „Hätte es Möglichkeiten gegeben, mithilfe spezieller Wertpapiere gegen 4eine Immobilienpreisexplosion zu wetten, wären die Preise nicht so hoch gestiegen.“

 

Zum Top 14: „Angst vor der Blase, die längst da ist

20.11.09, FTD, redaktionell (13)

„Rund um die Erde sorgen sich Zentralbanker, Ökonomen und Kommentatoren um eine etwaige neue Vermögensblase, deren Platzen verheerende Folgen für die ohnehin schwer angeschlagene Weltwirtschaft zeitigen könnte. Aber wie teuer sind Vermögenswerte dieser Tage? Konzentrieren wir uns auf US-Aktien, da diese aufgrund des Vorliegens langfristiger Daten ganz gut beurteilt werden können und weil sie als grobes Indiz für die Bewertung etlicher anderer Vermögenswerte auf dem ganzen Globus dienen können.

Ein einfacher Ansatz ist das Verhältnis der Marktkapitalisierung zum normalen BIP, da Umsätze und Gewinne langfristig ja im Einklang mit der Wirtschaft wachsen sollen. Gemessen an den Daten der Fed sind die US-Aktien so gesehen um ein Drittel teurer, als sie es seit 1952 im Durchschnitt waren. Begrenzt man die Durchschnittsbetrachtungen auf den Zeitraum zwischen 1952 und 1996, als Alan Greenspan vom irrationalen Überschwang sprach, steigt die so definierte Überbewertung auf 60%. Noch höher ist die Überbewertung, wenn man die Marktkapitalisierung nicht mit dem BIP vergleicht, sondern – etwas präziser – mit der Wertschöpfung der US-Kapitalgesellschaften.

Das auf den durchschnittlichen Gewinnen der vergangenen zehn  Jahre beruhende Shiller-KGV beläuft sich für den S&P 500  auf 19,8 und liegt damit „bloß“  um 21 % über seinem Mittel von 16,3 seit 1881. Indes ist zu bezweifeln, ob die Finanzbranche die Gewinne der vergangenen 10 Jahre so bald wiedererzielen kann. Die aktuelle Devisenrendite des Index von zwei Prozent ist jedenfalls um mehr als die Hälfte niedriger als im Durchschnitt seit 1871. Auf der Basis des geschätzten GAAP-Gewinns von 2009 ergibt sich ein US-KGV von 24,5.

Die Zinsen seien eben so niedrig, dass man als Anleger gar nicht um Aktien herumkomme, weswegen mitnichten von einer Blase gesprochen werden könne, dürften nun viele einwenden. Ganz abgesehen davon, dass die auf dieses Argument vertrauenden Anleger es vermutlich in spätestens zehn Jahren verfluchen werden, stellen wir eine simple Gegenfrage: Wie hoch sollten die Risikoprämien denn sein, wenn die gesamtwirtschaftliche Gemengelage so verfahren ist, dass kein Mensch weiß, ob wir in drei bis fünf Jahren Preisstabilität, In-, Stag- oder Deflation haben werden? So gesehen scheint die derzeitige Blase fast noch ausgeprägter zu sein als jene Anfang 2000.

 

Zum TOP 15: „Asiens Firmen drängen aufs Parket“.

20.11.09, FTD, REUTERS (14)

Die Flut von Börsengängen in Asien reißt nicht ab: In China nahm das siebtgrößte Institut des Landes, China Minsheng Bank, bei seinem Börsengang in Honkong3,9 Mrd. $ (2,6 Mrd. €) ein. … Es ist der fünftgrößte Börsengang weltweit in diesem Jahr.

Auf Rang sechs folgt die ebenfalls am Donnerstag geglückte Emission der Aktien des malaysischen Mobilfunkanbieters Maxis, der 3,3 Mrd $ einsammeln konnte. Am Wochenende wird zudem Las Vegas Sands seinen Ausgabepreis für die Geschäfte in Macau festlegen: Investoren rechnen mit Einnahmen von bis zu 3,4 Mrd. $

Damit dürften sechs der zehn größten Börsengänge weltweit in diesem Jahr von Unternehmen aus dem Asien-Pazifik-Raum kommen. Sie machen zusammen fast die Hälfte der weltweiten Gesamterlöse von 42 Mrd. $ aus.“

 

Zum Top 16: „Die Billionen Bombe, Warum nach der Jahrhundertkrise schon die nächste droht.“

23.11.09, SPIEGEL, red. Artikel von Ch. Pauly und 5 anderen Autoren (15)

„Das Geld, das derzeit die Märkte überflutet, stammt aus den Kassen der Regierungen und den Notenpressen der Zentralbanken. Es sollte die Wirtschaft vor dem Kollaps retten: Die Industrienationen legten Konjunkturprogramme und Rettungsprogramme in Billionenhöhe auf, die Notenbanken senkten die Zinsen auf historische Tiefs und überschwemmten die Märkte mit billigem Geld. Die Rechnung ging auf: Die Wirtschaft hat inzwischen wieder Tritt gefasst.

Doch noch schneller haben sich die Spekulanten erholt, der Staat hat für sie die beste aller Welten geschaffen. Die Regierungen nahmen ihnen einen Teil der wertlosen Papiere mit den faulen Hypothekenkrediten ab, sie drängten den Banken billiges Eigenkapital auf, und sie versorgen die Geldhäuser täglich mit Liquidität zu einem Zinssatz nahe der Nulllinie.

Für die überlebenden Banken seien es  „die profitabelsten Zeiten, die es jemals gegeben hat“, sagt Bill Winters, Chef des Investmentbanking von JPMorgan Chase. Auch Tim Cronin von dwer Investmentbank Jefferies kann sein Glück kaum fassen: „Alles liegt zum Abgreifen bereit“, sagt er.“ (Im weiteren des Artikels wird vor allem darauf hingewiesen, dass sich in den USA eine große „Drehtürpraxis“ zwischen der Finanzwelt – vor allem Goldmann Sachs – und der Wall Street entwickelt hat, die alle ökonomischen Krisen und alle politischen Wechsel überlebt hat. Dazu sagt Christopher Whalen, Geschäftsführender Direktor von Institutional Risk Analytics: „Goldman Sachs ist eine politische Organisation, die sich als Investmentbank tarnt“.)

 

Zum Top 17: „Zeitbombe am Immobilienmarkt“

24.11.09., FTD,  Tim Bartz schreibt: (16)

„Chinas Zentralbank hat ein Ende der staatlichen Unterstützung des Immobilienmarktes gefordert. Die ungezügelte Spekulation gleiche einer Zeitbombe und bedrohe das Wachstum, heißt es in einem Meinungsartikel in der „Financial News“, die die Notenbank herausgibt. Andernfalls „könnten Preise und Markt außer Kontrolle geraten“…. Zugleich sprach sich ein Regierungsberater dafür aus, dass die Verhinderung von Spekulationsblasen im Zentrum einer Strategie der Notenbank zum Ausstieg aus der Krisenpolitik stehen müsse.“

 

Zum Top 18: „Schwellenländer wollen Kapitalströme kontrollieren“

25.11.09, FAZ, che. (17)

„Immer mehr Schwellenländer denken über die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen nach. Taiwan und Brasilien haben in der vergangenen Woche erste Einschränkungen eingeführt. Auch in Indien, Indonesien, Kasachstan, Russland und Thailand kündigten Zentralbankiers und Politiker an, solche Barrieren einzuführen, falls es nötig würde. Die Schwellenländer wollen damit den Zufluss von Spekulationsgeldern einschränken.  Sie fürchten wegen des hohen Mittelzuflusses die Bildung von Blasen an Aktien- und Häusermärkten und klagen über die Aufwertung ihrer Währungen. Diese verteuert den Export. Acht der zehn wichtigsten asiatischen Währungen haben im Jahresverlauf gegenüber dem Dollar zugelegt. …

Weitere hohe Nettokapitalzuflüsse aus dem Ausland in die Schwellenländer Asiens hat nun der Bankenverband  Institute of International Finance (IIF) vorhergesagt. Nach seiner Schätzung werden die nach China, Indien, Indonesien, Malaysia, in die Philippinen, nach Südkorea und nach Thailand fließenden Auslandsgelder sprunghaft zulegen: von 171 Mrd. $ im vergangenen Jahr auf 191 Mrd. $ in diesem Jahr und auf 273 Mrd. $ nächstes Jahr….

Empfehlung von Kapitalverkehrskontrollen …da kurzfristige Gelder per Knopfdruck abgezogen werden können und die Währungen destabilisieren…. Doch nicht nur der drohende plötzliche Abzug von Geldern besorgt die Politiker der Schwellenländer. Sie fürchten auch eine weitere Aufwertung der asiatischen Währungen durch die Jagd der Ausländer nach höheren Zinsen und Kursgewinnen. … Die Herausforderung für die asiatischen Politiker liegt darin, dass die Region weiterhin von der Ausfuhr abhängt. … Die schnelle Aufwertung könnte die exportabhängige Industrie beschädigen. Letztlich richtet sich die >Sorge vieler asiatischen Schwellenländer auch gegen China,  den Exportweltmeister. Das Land koppelt den Außenwert seines Yuans an den Dollar – und profitiert damit vom Aufwertungsdruck auf die Währungen anderer asiatischer Exporteure.“

 

Zum Top 19: „Merkel warnt vor neuer Spekulationsblase“

25.11.09, Tsp, Carsten Brönstrup (18)

„Bundeskanzlerin A. Merkel hat vor neuen, gefährlichen Übertreibungen und Spekulationen auf den Finanzmärkten gewarnt. Die derzeit extrem niedrigen Zinsen könnten „die nächste Blase hervorrufen“…. „Die Gefahr besteht, dass die Lehren aus der Krise nicht im umfangreichen Sinne gezogen werden.“  . „Wir befinden uns auf extrem labilem Grund“.

„Der US-Wirtschaftsprofessor M. Burda von der HUBerlin teilt Merkels Befürchtung: Derzeit sei viel Geld unterwegs. „Es fließt aber nicht in realwirtschaftliche  Projekte, sondern dahin, wo schnelle Spekulationsgewinne locken.“ … Man dürfe aber noch nicht die Leitzinsen erhöhen. „Das würde allen schaden, auch den Betrieben und den Bürgern“.

 

Zum Top 20: Hedge-Fonds nur mit hohen Schulden rentabel

25.11.09, FAZ, gb über Prof. R. Werner (19)

„Viele (Hedge)Fonds können durch ihr eigenes Handeln nur eine monatliche Eigenkapitalrendite von 0,1 % erzielen – und dies überwiegend durch Trendfolgemodelle…. Die von den Fonds angestrebten jährlichen Renditen von 15 bis 20 % seien nicht durch eigene Leistungen möglich, sondern nur durch Bankkredite. Man bedürfe eines Hebels, also eines Verhältnisses von Fremdkapital zu Eigenkapital, von 15, um eine Rendite von 0,1 % im Monat auf 15 bis 20 % im Jahr zu bringen, rechnet Werner vor. Die hohe Verschuldung wiederum beschere dem Anleger das Risiko eines Totalschadens und der Gesamtwirtschaft die Gefahr von Blasen an den Vermögenswerten und Bankenkrisen.“

 

Zum Top 21: „Weltbankchef warnt vor neuen Spekulationsblasen“

25.11.09, Spiegel Online (20)

„Mit drastischen Worten warnt Weltbankpräsident Zoellick vor den Gefahren des billigen Geldes: Auf vielen Märkten gebe es wieder Spekulationsblasen. Schnelle Zinserhöhungen lehnt er trotzdem ab. Dabei droht der Wirtschaft neue Gefahr – die Bilanzen der Geldhäuser sind voll von ungedeckten Schecks.

Die Politik des billigen Geldes war unumgänglich, jetzt gilt es den Gefahren zu begegnen. Für Weltbankchef R. Zoellick liegen diese auf der Hand: Inzwischen hätten sich auf vielen Märkten wieder Spekulationsblasen gebildet, die Millionen Menschen in die Armut stoßen könnten, sollten sie platzen.

 

Anzeichen solcher Spekulationsblasen seien bereits in China, Hongkong und Singapur zu beobachten, wo die Preise für Aktien und Immobilien wieder einen starken Anstieg hinter sich hätten. „Solche Blasen könnten sich als Fallstricke für die Weltwirtschaft erweisen und die Lebensgrundlagen von Millionen zerstören“, erklärte Zoellick in einem am Mittwoch in der „Financial Times“ veröffentlichten Artikel.

Gleichzeitig warnte der Weltbankpräsident aber vor den Folgen zu rascher Zinserhöhungen. Zwar gebe es eine neue Lehre, dass man nicht auf das Platzen von Blasen warten dürfe, um dann hinterher aufzuräumen, schreibt Zoellick. Ein zu abruptes Anheben der Zinsen – besonders dort, wo die Erholung schwach ausfalle, etwa in den USA und Europa – könne jedoch einen weiteren Abschwung nach sich ziehen.

Die bereits erfolgte Zinsanhebung der australischen Zentralbank könnte asiatische Länder, die eng mit der Wirtschaft dort (Australien) verflochten seien, unter Zugzwang bringen, schreibt Zoellick weiter. Zinserhöhungen in diesen Ländern, während die Zinsen in den USA weiterhin nahe null blieben, würden jedoch zu einer Aufwertung der asiatischen Währungen führen, warnte der Weltbankchef. Dies wiederum würde die Exporte dieser Länder verteuern und ihre Ausfuhren verringern und damit der exportbasierten Erholung schaden. Zudem drohe durch die Bindung des Renminbi an den fallenden Dollar Konkurrenz aus China.“

 

Zum Top 22: Balance bei der Rückkehr zur geldpolitischen Normalität

25.11.09, Wall Street Journal, red. Artikel (zitiert nach Spiegel Online) (21)

„Doch selbst eine noch so geschickte Balance bei der Rückkehr zur geldpolitischen Normalität reicht womöglich nicht aus, wenn die Bankenbranche erneut in die Krise gerät. Eine Gefahr, die viele Experten für absolut real halten. In der Branche würden Ende 2012 bis zu sieben Billionen Dollar an Krediten fällig, die unter Umständen zu höheren Kosten umgeschuldet werden müssten, schrieb das „Wall Street Journal“ am Mittwoch unter Berufung auf eine Studie von Moody`s Investors Service. Weitere drei Billionen Dollar würden drei Jahre später fällig.

Konkrete Angaben zu möglicherweise betroffenen Banken gab es in dem Bericht nicht. Allerdings hieß es darin, dass große US-Institute wie die Citigroup oder die Bank of America erklärt hätten, dass sie keine Probleme sähen, anstehende Refinanzierungen zu schultern.“

 

Zum Top 23:  Dubai-Krise

30.11.09, FTD, C. Hecking u. J. Petring in “Dubais Geschäftsmodell ist gescheitert.”(22)

Dubais Probleme mit einem Staatsfond, der seine Schulden nicht mehr termingerecht begleichen kann, hat Schockwellen um den Erdball gejagt, weil die Dimension dieser Schulden zwar groß, doch bisher nicht unbeherrschbar erschienen – dennoch aber weder in Dubai noch in den Arabischen Emiraten z.Zt. nicht mehr beherrscht werden. Die Emirate scheinen insgesamt an der Grenze ihrer finanziellen Ressourcen angelangt zu sein. Es wird erwartet, dass Dubai und andere Emirate finanzielle Vermögenswerte in den USA und in Europa auflösen müssen, um nicht insgesamt zahlungsunfähig zu werden.

Dabei ist völlig offen, welche Größenordnung diese Restrukturierung haben wird. Die lfd. Öleinnahmen aus Abu Dhabi sind offenkundig bereits langfristig belegt und bieten keine zusätzlichen kurzfristigen Entlastungsmöglichkeiten mehr. Die Dubai-Krise ist daher eher eine Erscheinungsform der „alten“ Weltfinanzkrise 2007/08 als ein Element der neuen Blasenarchitektur. Dubai wird im Moment nicht mit Spekulationsgeld überflutet, es würde dort vielmehr dringend gebraucht, aber es liefert im Moment keine interessanten Zinssätze z.B. im internationalen „carry-trade“.

Doch ein neues Geschäftsmodell könnte helfen: “Dubai ist ein idealer Offshore-Finanzplatz“, sagt ein hoher westlicher Banker, der seit Jahren in der Golfregion große Vermögen verwaltet. „Es ist einfach zu erreichen, politisch berechenbar – und vor allem hat es noch ein richtiges Bankgeheimnis“. Ein Versteck für heißes Geld ist Dubai schon seit Jahrzehnten. Doch neuerdings ändert sich die Kundschaft. Bislang waren es vor allem reiche Iraner, Pakistanis, Irakis oder Saudis, die ihr Vermögen in das politisch stabile Emirat schafften, aus Angst vor ihren eigenen unberechenbaren Regimen. Jetzt entdecken auch immer mehr westliche Anleger Dubais Vorzüge.  Glaubt man den Vermögensverwaltern vor Ort, so wächst der Geldstrom aus Europa und Amerika stetig an – seit der Steuerflüchtling Klaus Zumwinkel aufgeflogen ist, seit die Regierungen in Deutschland,  Großbritannien und den USA das Bankgeheimnis in europäischen Bastionen wie der Schweiz, Luxemburg, Lichtenstein oder Österreich ins Visier genommen haben.“

 

Zum Top: Notenbanken driften auseinander

02.12.09, FTD, M. Schrörs (23)

„Während Japans Notenbank gestern nach einer Notfallsitzung ihre lockere Geldpolitik noch einmal ausgeweitet hat(77 Mrd. € zu 0,1% für das Finanzsystem), haben Australiens Währungshüter ihren Leitzins zum dritten Mal binnen drei Monaten angehoben(um 0,25% auf jetzt 3,75%). … Die Entscheidungen in Japan und Australien belegen eindrucksvoll, wie die führenden Notenbanken auseinanderdriften…. Eine Reihe Beobachter sehen das sehr skeptisch und drängen die Notenbanken, sich stärker abzustimmen. Sie fürchten vor allem, dass es zu Turbulenzen an den Devisenmärkten kommt – mit negativen Folgen für die Stabilität des globalen Finanzsystems und die Weltwirtschaft insgesamt…. Gegen Hoffnungen auf eine stärkere Koordinierung der Notenbanken stellt sich nun aber auch der Chef der Schweizer Nationalbank, Jean-Pierre Roth. „Mit Leitzinsen nahe null Prozent kann man langfristig nicht Preisstabilität haben. Das wissen alle Zentralbanken“, sagte er zwar vor Journalisten in Frankfurt. Zugleich betonte er aber, nun müsse jede Notenbank für ihre Region schauen, wie sie die Kehrtwende schafft. Der Exit sei schwerer als die Krisenhilfe.“

 

Zum Top 25: Einfriedung der Währungsschwankungen/Dollarkurs braucht Grenzen

16.12.09, FTD, Th. Fricke (24) schreibt:

„Wirtschaftsnobelpreisträger R. Mundell hat die Notenbanken aufgerufen, gegen die Schwankungen der Wechselkurse von Euro und Dollar einzugreifen. Die starken Kursausschläge trügen eine große Mitschuld an der Finanzkrise. … Die Notenbanken der USA und der Euro-Zone sollten sich möglichst rasch darauf einigen, Bandbreiten für den Euro-Dollar-Kurs festzulegen und diese dann durch gegenseitiges Intervenieren zu verteidigen, wenn die Kurse darüber hinaus schießen. Ohne ein solches Eingreifen lasse sich auch die Finanzkrise nicht überwinden.

Als angemessen stuft Mundell eine Spannbreite zwischen 1,20 und 1,60$ für den Euro ein. Diese ließe sich nach einer ersten Zeit dann etwa auf 1,30 bis 1,50 $ einengen, um der Wirtschaft größere Planungssicherheit zu geben. … Die Finanzkrise gibt seiner Einschätzung nach jetzt einen sehr akuten Anlass, ebenfalls festere Währungsverhältnisse auf globaler Ebene anzustreben.

Nach Mundells Diagnose lässt sich die abrupte Zuspitzung der Finanzkrise im September 2008 nicht ohne die Dollar-Turbulenzen erklären, zu denen es kurz zuvor gekommen war. Die US-Notenbank Fed habe sich damals von ihren Falken treiben lassen, (und) aus übertriebener Angst vor Inflation im Juli und August einen schärferen Kurs eingeschlagen.

 Damit habe sie zugelassen, dass der Dollar innerhalb von drei Monaten eine der schärfsten und schnellsten Aufwertungen erlebte, die es je gegeben hat.  Gegenüber dem Euro stieg die US-Währung damals in wenigen Wochen um rund 20 %. Dadurch hätten sich die Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Banken in kurzer Zeit drastisch verschlechtert, was die Schwächsten in der Kette in den Kollaps getrieben habe. … Und das seien damals Lehman Brothers und AIG gewesen.

„Ohne die drastische Dollar-Aufwertung vom Sommer 2008 wäre es weder zur Lehmann-Pleite noch zur anschließenden Schockwelle im Finanzsystem gekommen“.

Nach Mundells Vorschlag sollten die Fed und die EZB in einem ersten Schritt vereinbaren, die Devisenkurse zu stabilisieren. Dabei wären beide Notenbanken jeweils aufgerufen, die andere Währung bei starken Kursverlusten zu stützen. Die EZB müsste immer dann den Dollar stützen, wenn der Euro über 1,60 zu schießen drohe, die Fed würde Euro kaufen, wenn der Kurs unter 1,20 stürze. Gerade weil der Euro eine wachsende Bedeutung gewinne, schwänden die Chancen, ein stabiles Weltwährungssystem zu schaffen. …

Nach Urteil von Nobelpreiskollege Edmund Phelps besteht bei solchen Wechselkursvereinbarungen zwar grundsätzlich das Problem, dass die Notenbanken sich dann nicht mehr allein auf ihr Ziel interner Währungsstabilität konzentrieren könnten. Wenn Wechselkurse zu stark schwankten, enge dies die Zentralbanker allerdings auch ein. …Dann könnten feste Bandbreiten für Wechselkurse (auch) ein Vorteil für die Währungshüter sein.“

 

Zum TOP 26: Nicht-börsengehandelte Wertpapiere

22.12.09: Ch. Mai und T. Bayer schreiben in der FTD über das amerik. Datenregister DTCC (Depository Trust & Clearing Corporation).(25)

„Transaktionen mit einem Marktwert von 1,88 Billiarden Dollar hat DTCC im vergangenen Jahr verzeichnet. „Wir dokumentieren praktisch jedes US-Wertpapier, das gehandelt wird“, sagt Macbeth, der seit dem Sommer das sog. Trade Information Warehouse bei DTCC leitet, die zentrale Datensammelstelle und Infrastruktur für die Nachhandelsverarbeitung von außerbörslich gehandelten Kreditderivaten. Darin stecken stolze 2,3 Millionen Datensätze für Transaktionen.

An großen Zahlen gibt es im Geschäft mit Derivaten keinen Mangel. Der Gesamtmarkt ist 605 000 Mrd. $ schwer, allein Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) machen 26 600 Mrd. $ aus – gigantische Ausmaße, die viele Kritikermittlerweile als Risiko für das gesamte Finanzsystem betrachten, zumal der Handel meist abseits von offiziellen Handelsplätzen stattfindet. …

Politiker in den USA und der EU arbeiten daher an neuen Vorgaben, die den Markt transparenter und sicherer machen sollen. Zu den zentralen Bausteinen gehören sog. zentrale Gegenparteien (Central Counterparties, CCPs), die das Kontrahentenrisiko übernehmen und im Fall eines Zahlungsausfalls einstehen. … Weitere Punkte sind Sicherheiten und schärfere Eigenkapitalanforderungen für außerbörslich gehandelte Derivate….

Das Datenregister als wichtiger Informationsgeber – das wirft Fragen auf. Wer soll Zugriff auf die Informationen haben? …

Macbeth … dringt darauf, (weltweit) … nur eine Sammelstelle zu haben. Sonst bestehe die Gefahr, dass Daten zerstreut würden. „Es wäre nicht hilfreich, wenn die EU eine europäische Lösung für die Daten hätte; …ich persönlich denke,  es ist für die Regulierer schwierig, die Daten selbst zu aggregieren. Zu saldieren und herauszufinden, wer ultimativ das Risiko trägt, ist nicht so einfach.“

 

Zu TOP 27: „Notenbanken ohne reale Exit-Chancen“

22.12.09, M. Schrörs schreibt in FTD: (26)

 „Die rasanten Kursanstiege an den Börsen, die Ralley bei den Rohstoffen, neue Milliardengewinne bei den Banken – für viele Beobachter ist klar, dass sich nach den US-Subprime-Exzessen längst neue Spekulationsblasen im Finanzsystem aufbauen. US-Ökonom Nouriel Roubini sieht gar die „Monsterblase“.  Und klar ist für Roubini und andere Warner wie  Allianz-Chef Michael Diekmann auch, wer dafür in erster Linie verantwortlich ist: die Notenbanken mit ihrer Politik des billigen Geldes. … Zeigen nicht die steigenden Börsen oder der Boom bei Rohstoffen, dass es zuviel Liquidität gibt? Und hat die Finanzkrise nicht gezeigt, dass zu lange niedrige Zinsen zu irrationalen Preissteigerungen viele Vermögenswerte führen?....

Vor allem aber, das zeigen Analysen des IWF, werden Finanzblasen dann richtig gefährlich, wenn sie auf Pump finanziert sind, sich also steigende Vermögenswerte und steigendes Kreditwachstum gegenseitig verstärken. Platzt eine Blase, die nicht von Krediten angeheizt ist, verlieren Investoren Geld, vielleicht werden die Finanzmärkte durchgeschüttelt – aber die realwirtschaftlichen Folgen sind überschaubar. Erst wenn eine kreditgetriebene Blase am Ende ist, kommt es zu einer Abwärtsspirale aus Wertverlusten der Titel, sinkender Nachfrage und weiteren Kurseinbußen – samt Kreditausfällen und der Belastung für Bankbilanzen und Kreditvergabe.

Aktuell ist ein überschwängliches Kreditwachstum in den Industrieländern kein Problem. Im Gegenteil: Die Kreditvergabe nimmt deutlich ab, die Liquidität der Notenbanken kommt gar“ nicht bei Firmen und Haushalten an.

 

Zu Top 28: „Chinas Wirtschaft läuft heiß?“

12.01.10, C. Wanner schreibt in der FTD aus Honkong: (27)

„Nationale Medien berichten von rekordhoher Kreditvergabe in der ersten Woche 2010. …Noch stehen in China alle Zeichen auf Expansion. „2010 setzen wir die aktive Fiskalpolitik fort. Wir können die fiskalische Unterstützung für die Wirtschaftsentwicklung noch nicht reduzieren, ein zu früher Ausstieg würde unsere Erfolge beeinträchtigen“, erklärt Der Finanzminister….Zentraler Aspekt sei 2010 die Stimulierung der Binnennachfrage. Auch Präsident Hu Jintao hatte am Wochenende angekündigt, China werde weiter eine „proaktive“ Fiskal- und eine eher lose Geldpolitik verfolgen.

Die Furcht vor einem strikteren Finanzregime hat die Kreditvergabe bereits in der ersten Woche des Jahres auf Rekordniveau schnellen lassen. Nach Angabe chin. Medien wurden allein vergangene Woche neue Kredite im Volumen von 600 Mrd. Yuan (61 Mrd. €) vergeben, doppelt so viel wie die durchschnittliche monatliche Vergabe im zweiten Halbjahr 2009.“

 

Zu Top 29 „Eine Wette auf den Aufschwung“

13.01.10, T. Höfinghoff schreibt in der FAZ: (28)

„Doch China verdankt seinen Aufstieg in der Krise vor allem den enormen staatlichen Konjunkturhilfen. Dabei steigert die Nachfrage die Überkapazitäten, es gibt wegen des billigen Geldes zudem riskante Spekulationen im Immobilien- und Aktienmarkt. Zweifelhaft bleibt, ob Chinas Aufschwung nachhaltig ist. Mehr noch: An manchen Märkten ist eine Blase entstanden, die zu platzen droht.

 

Viele Rohstoffpreise steigen (international) mit einer Geschwindigkeit, die mit der tatsächlichen Lage der Weltwirtschaft kaum zu vereinbaren ist.  So sind etwa die Erwartungen, die sich mit dem Kupferpreisanstieg verknüpfen, wohl alles andere als realistisch. Zumal die Kupfernachfrage außerhalb Chinas weiterhin recht niedrig bleibt. Hinzu kommt: Die Preise bleiben hoch, obwohl die Vorratslager in China prall gefüllt sind. Eigentlich sind hohe Legerbestände ein Zeichen für ein Überangebot, die Preise müssten

sinken. Das tun sie aber nicht. Ein ähnliches Bild bietet der Ölmarkt: Auch hier sind die Lager voll, die Nachfrage zieht nicht übermäßig an. Trotzdem wird Öl immer teurer.

Offensichtlich sind Rohstoffpreise an den Warenterminmärkten nicht nur von der physischen Nachfrage anhängig, sondern immer stärker auch von Finanzgeschäften der Investoren. Finanzanleger sind heute an den Terminmärkten für Rohstoffe viel aktiver als vor der Finanzkrise. Nicht nur Großanleger investieren in Rohstoffe, auch immer mehr Privatanleger kaufen Ölzertifikate oder wetten auf eine Verteuerung von Aluminium oder Zucker. Derweil bauen einflussreiche Investoren wie Investmentbanken und Pensionsfonds ihr Engagement im Rohstoffgeschäft aus. Der Herdentrieb sorgt für weiter steigende Preise, das lockt noch mehr Investoren an.“

 

Zum Top 30: „Preisblasen“

22.01.,FTD: „Nouriel Roubini warnt vor Preisblasen“ (29)

„Die Rally an den Aktienmärkten der Welt wird nach Ansicht .. von N. Roubini voraussichtlich im zweiten Halbjahr enden. Die größten Volkswirtschaften erholten sich nur  verhalten, da deflationäre Tendenzen die Unternehmensgewinne dämpften. …

Mit Blick auf die lockere Geldpolitik in den USA und der Welt insgesamt warnt Roubini vor Preisblasen in den Schwellenländern, deren Platzen zu einer erheblichen Pr4eiskorrektur bei Vermögenswerten führen könnten.  Dies werde das Wachstum der Weltwirtschaft und der regionalen Wirtschaftsräume schädigen, erklärte Roubini in Honkong. 

Das Börsenbarometer MSCI World Indes hat seit dem Tief vom vergangenen März um 73% zugelegt. Seit dem ist die Kapitalisierung der Weltbörsen wieder um mehr als 27 000 Mrd. $ (rund 19 000 Mrd. €) gestiegen.

Die Weltbank hob ihre Wachstumsprognose … für die Weltwirtschaft an. Sie warnte allerdings, dass die wirtschaftliche Erholung an Dynamik verlieren könnte, weil die Konjunkturprogramme auslaufen und die „hohe“ Arbeitslosigkeit bestehen bleibe .“Die Realwirtschaft erholt sich allmählich, aber die Preise für Vermögenswerte gehen schon seit März durch die Decke“, sagte Roubini. „Wenn ich richtig liege, dann wird das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte in den USA, in Europa und Japan nachlassen. Das könnte der Beginn einer Marktkorrektur sein, da die Konjunkturnachrichten negativ überraschen werden….Selbst die Unternehmensgewinne werden enttäuschen“, so Roubini. Die schwache Konjunkturerholung und deflationäre Tendenzen würden das Umsatzwachstum begrenzen. Während die Konzerne ihre Kosten stutzten, dürften die amerikanischen und europäischen Finanzdienstleister künftig wieder größere Verluste ausweisen, als es die Märkte eingepreist hätten. Roubini begründete seine Prognose mit dem zu erwartenden niedrigen Wachstum, der hohen Arbeitslosenquote und den noch sinkenden Häuserpreisen.“

 

Zum Top 31: Weltbank misstraut Chinas Immobiliendaten

25.01.,FTD. Bloomberg meldet: (30)

„Die Daten zum chinesischen Immobilienmarkt verbergen das Ausmaß, in dem Spekulationen die Preise in einigen der größeren Städte nach oben treiben. Diese Befürchtung hegt die Weltbank. Die offiziellen Zahlen „dürften die tatsächliche Entwicklung unterrepräsentieren“, sagt Ardo Hansson, Chefvolkswirt für China bei der Weltbank….“Die Leute kaufen Immobilien, weil sie denken, dass die Preise nächste Woche noch höher sind“, so Hansson“.

 

Zum Top 32: Parallelwelten

23.01.,SZ, Andreas Zielke in einem vierspaltigen Artikel: „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (31)

„Eher passt der soziologische Begriff der „Parallelwelten“. Denn einig sind sich inzwischen alle, dass sich zumindest die Finanzelite in eine eigene Welt abgesondert hat, deren Distanz zum „Rest von uns“ seit Jahren wächst und wächst. Spätestens seit der Krise ist es keine Frage mehr nur wechselseitiger Entfremdung sondern offener Animosität….Eine Parallelwelt also, deren Selbstbild in souveräner, ja ungenierter Manier erhaben ist  über das Urteil ihrer Umgebung. Schon dies zeigt, dass mit einer exzessiven Habgier der Finanzmanager wenig erklärt ist. Für eine solche mentale Autonomie bedarf es stärkerer „Qualitäten“. Abgesehen davon: Wenn die Gier auf dem Geldmarkt so viel größer erscheint als in der Realwirtschaft, dann vor allem deshalb, weil der Erfolgsschlüssel so viel günstiger ist.  Mit demselben Einsatz von Eigenmitteln, Intelligenz und Arbeitszeit lassen sich etwa im Investmentbanking ganz andere Gewinne je Aufwand erzielen. Das ist der Hebelwirkung der Finanzinstrumente geschuldet, nicht der Habsucht ihrer Anwender. Könnte man im „realen“ Wirtschaftsleben ähnliche Ertragsquoten erreichen, würde kaum einer verzichten….Ihre Überheblichkeit ist legendär. „Arroganz an der richtigen Stelle hat die Macht, die Realität zu übergehen und sich an immer größere Projekte zu wagen“, sagt der Schriftsteller Niranjan Ramakrishnan….Von Bloomberg stammt der Satz: „Ignoranz und Arroganz bilden eine tödliche Kombination“. …Denn die Finanzwelt kann ihre überirdischen Gewinne nur erzielen, weil sie in hohem Maß Ignoranz einsetzt. Gezieltes Nichtwissen ist ihr herausragender strategischer Vorteil – die Befreiung von der Verantwortung für die Konsequenzen, die ihre Geschäfte auslösen. Indem sie die Lebenswirklichkeit der Außenwelt ausblendet, gewinnt sie die Autonomie der Gestaltungsfähigkeit.“

 

Zum Top 33: Vermehrung der Geldmenge
(aus dem Artikel „Wie von Sinnen“ aus der FTD vom 18.02.10) (32)

„Sie können nichts dafür. Denn wie schon ein flüchtiger Blick auf den Chart zeigt, haben die Zentralbanken, die Haupt-, wenn nicht Alleinschuldigen am Debakel der vergangenen – und kommenden – Jahre, den Anlegern die Sinne vollständig vernebelt. So hat sich die Geldmenge im OECD-Raum seit 198o um den Faktor 16 bis 17 erhöht, während die Industrieproduktion gerade mal um den Faktor 1,6 zugenommen hat. Die Welt schwimmt im Geld, kann man da nur wiederholen, und die Verantwortlichen dafür sitzen in den Zentralbanken, die derart billigen Kredit vergeben haben, dass viele Regionen der Erde nun bis über die Ohren verschuldet und nur noch mit einer neuen Vermögenspreisblase „gerettet“ werden können. Das Dumme ist allerdings dass Blasen per Definition früher oder später platzen müssen – und dass sie mit den sich auftürmenden Schuldenbergen eher früher als später platzen.

Sofern sie sich überhaupt noch ordentlich aufblähen lassen. In realen DM/Euro gerechnet notiert der MSCI-Index Industrieländer auf dem Niveau von 1989 und bloß um zwei Fünftel höher als 1970. Selbst der Schwellenländerindex liegt in realer Betrachtung bloß um eine Spur über dem Niveau von Januar 1994. … Dabei steht der Weltleitindex, der S&P 500, an den Shiller-Daten gemessen immer noch um ein Drittel über seinem realen exponentiellen Trend seit 1871. Auch im Verhältnis zum BIP oder zum Nettovermögen der Firmen ist die Marktkapitalisierung am größten Aktienmarkt der Welt nach wie vor deutlich höher als im historischen Durchschnitt.“

 

Zum Top 34: Sinkende Geldmenge oder fehlt jetzt die Kraft für das Aufblähen neuer Blasen?

FTD, 24.02.10(?), redaktionelle Glosse (33):

„Alles steigt. Das BIP, das private Einkommen, der Konsum, Selbst die Arbeitslosenquote hat sich jüngst etwas verbessert. Und dennoch finden die US-Verbraucher ihre Lage als noch trister als vor einem Jahr. Das könnte alles damit zu tun haben, dass eben doch nicht alles steigt. Der Bankkredit etwa sinkt seit Herbst 2008, obwohl die Institute nun deutlich mehr Staatsanleihen halten. Der Kredit an Gewerbekunden und Verbraucher ist seither um ein ganzes Zehntel gefallen, und angesichts der nach wie vor hohen Verschuldung des US-Privatsektors von 173% des BIPs steht eine weitere Kontraktion zu befürchten. Die Geldmenge MZM, die bisweilen als das stabilste Aggregat erachtet wird, stagniert per Saldo seit März 2009 und war jüngst sogar rückläufig. Jene Ökonomen, die mit einem nunmehr kontinuierlichen Wachstum des realen und nominalen US-BIPs rechnen, müssen also implizit eine Zunahme der Geldmenge und/oder der Umlaufgeschwindigkeit unterstellen. Falls sie wegen des privaten Entschuldungsprozesses weniger auf eine Zunahme der Geldmenge als auf einen Anstieg der Umlaufgeschwindigkeit setzen, sollten sie sich mal fragen, was diesen denn bewirken könnte. Theoretisch kämen etwa steigende Zinsen in Betracht. Doch passt das mit Entschuldung zusammen? Wenn nicht, ist das letzte Wort in Sachen Anleiheaufkauf durch die Fed noch nicht gesprochen.“

 

Zum Top 35: „Immobilienblase in China“

FTD nach Bloomberg, 25.02.10 (34) 35

„Der Ökonom Kenneth Rogoff sieht in China die Gefahr einer Immobilienblase und warnt vor einer Rezession in der Region. Das Wirtschaftswachstum werde auf bis zu zwei Prozent absinken, wenn spätestens in 10 Jahren eine „schuldengetriebene Blase“ geplatzt sei, sagte Rogoff, Prof. an der Harvard University. Seiner Ansicht nach wird China die hohen Wachstumsraten auf Dauer nicht haltern können. „Es wird nicht passieren, dass ein ganzes Jahrzehnt lang im Konjunkturzyklus keine Hindernisse auftreten“, sagte Rogoff, ehemaliger Chefökonom beim IWF. Sollte die Blase platzen, würde dies eine Rezession in der ganzen Umgebung auslösen, einschließlich Japans und Südkoreas. Auch für die Rohstoffexporteure Lateinamerikas werde es „schrecklich“,  sagte Rogoff: Die Reaktion Chinas auf die jüngste Wirtschaftskrise habe „eindeutig das Risiko erhöht, dass dort eine schuldengetriebene Blase“ entstanden sei, sagte Rogoff.“

 

Zum Top 36: Kreditmaschine der Staaten beginnt heiß zu laufen

Markus Frühauf in der FAZ, 25.02.10: (35)

„Die Anleiheemissionen europäischer Staaten haben sich von Jahresanfang bis Ende vergangener Woche auf 227 Mrd. € belaufen. Das ist für diesen Jahreszeitraum ein neuer Rekord. Schon im vergangenen Jahr, als die europäischen Staaten insgesamt 1,3 Billionen € am Kapitalmarkt aufgenommen hatten, kamen Befürchtungen auf, dass der Krake Staat zur Finanzierung der Banke4nrettungs- und Konjunkturpakete alle verfügbaren Mittel aufsaugen würde.

Doch die Verdrängung der privaten durch die staatliche Kreditnachfrage, in der Wirtschaftstheorie „Crowding-out-Effekt“ genannt, fand 2009 nicht statt. Denn Unternehmen platzierten weltweit Anleihen von deutlich mehr als einer Billionen €. Doch in diesem Jahr müssen die Staaten ihre Mittelaufnahme noch einmal steigern. …

Die Analysten der Citigroup prognostizieren für dieses Jahr nach ihren neuesten Schätzungen eine Mittelaufnahme in den 11 großen Euro-Ländern von 912 Mrd. €. Dies entspricht einem Anstieg von85 Mrd. € gegenüber 2009.

Insgesamt erwarten sie im Euro-Raum sowie in GB, Japan und den USA Anleiheemissionen von fast 4 Billionen €. Im vergangenen Jahr waren es 3,6 Billionen €….

Zwar rechnet die Citigroup mit keinem „Crowding-out“ durch die Staaten am Anleihemarkt, aber sie halten eine Verteuerung der Refinanzierungskosten für wahrscheinlich. Als einen Grund nennen sie dabei die neue Einschätzung der Bonität von Staaten, … wo die neuen Anleihen mit höheren Renditen platziert werden mussten. Dass aber auch solide Schuldnerstaaten wie GB und die USA mit ihren Haushaltsdefiziten kritischer beurteilt werden beweisen die jüngsten Emissionen amerikanischer Staatsanleihen. Die Überbietungsquoten sind seit einiger Zeit rückläufig. Die Investoren fragen also weniger Staatstitel nach.“

 

Zum Top 36a: „Tightening of Credit Seen as Corporate Come Due … or … Needed: Money. Lots of it, and soon!!

Nelson D. Schwartz, NYT vom 16.03.10  (36)

“When the Mayans envisioned the world coming to an end in 2012 – at least in the Hollywood telling – they didn´t count junk bonds among the perils that would lead to worldwide disaster.

Maybe they should have, because 2012 also is the beginning of a three-year-period in which more than $700 billion (entspr. in Europa Mrd) in risky, high-yield corporate debt begins to come due, an extraordinary surge that some analysts fear could create a glut in the debt markets….

The United States Government alone will need to borrow nearly $2 trillion (entspr. in Europa Billionen) in 2012, to bridge the projected budget deficit for that year and to refinance existing debt….

Private equity firms and many nonfinancial companies were able to borrow on easy terms until the credit crisis hit in 2007, but not until 2012 does the long-delayed reckoning begin for a series of leveraged buyouts and other deals that preceded the crisis.

That ist because the record number of bonds and loans that were issued to finance those transactions typically come due in five to seven years, said Diane Vazza, head of global fixed-income research at Standard & Poor´s.

In addition, she said, many companies whose debt matured in 2009 and 2010 have been able to extend their loans, but the extra breathing room is only adding to the bill for 2012 an after.

The result is a potential financial doomsday, or what bond analysts call a maturity wall.  From $21 billion due this year, junk bonds are set to mature at a rate of $155 billion in 2012, $212 billion in 2013 and $338 billion in 2014….Optimist Martin Fridson, a veteran high-yield strategist, says “The companies have nearly two years to push out the 2012 maturity wall. Of course, the ability to refinance will depend upon the state of the economy.”

That is still a wild cart, but even if the economy improves, companies with a lot of debt will be competing with a raft of better-rated borrowers that are expected to seek buyers of their debt at around the same time.

Chief among those is the best-rated borrower of all: the United States Government. The Treasury Department estimates that the federal budget deficit in 2012 will total $974 billion, down from this year´s $1,8 trillion, but still huge by historical standards.

Most critics of deficit spending have focused on the budget gap alone, but Washington will actually have to borrow $1,8 trillion in 2012, because $895 billion in old bonds will come due and have to be refinanced in addition to the deficit. By 2013 an 1014, $1,4 trillion will have to be raised annually.”

 

Zum TOP 36b:  Die Schuldenblase   oder   “Es droht ein Schulden-Tsunami”

Dennis Snower, Präs. des Kieler Instituts für Weltwirtschaft am 09.04.10 im Handelsblatt (37):

Die Finanzkrise hat die Staatsverschuldung überall im Westen in schwindelerregende Höhen getrieben.  So steigt in Deutschland die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben von null Prozent des BIP (Nationalprodukts) im Jahr 2008 auf 5,2 % in 2010. Frankreich erwartet einen Anstieg der Neuverschuldung von 3,4 auf 8,3 %, Japan von 5,6 auf 8,5 , und die USA rechnen mit einem Zuwachs von 3,3 % auf 9,0 %.

Die OECD rechnet damit, das das Verhältnis von Schulden zum BIP in diesem Jahr von vielen Industriestaaten die Marke von 100 % übersteigen wird – ein in Friedenszeiten einmaliger Vorgang.  Wenn der Westen der Größe des Problems angemessen handelt, wird ihn ein Schulden-Tsunami überrollen.

Politiker in allen westlichen Industriestaaten hoffen angestrengt darauf, dass der Schuldenanstieg nur temporär ist. Sie hoffen, dass ihre expansive Finanzpolitik die Krise bald beendet und neues Wachstum, mehr privaten Konsum und mehr private Investitionen bringt. Dann, so hoffen sie, steigen die Steuereinnahmen, die Staatsausgaben sinken. Und die hohe Neuverschuldung wäre der richtige Weg gewesen, den Brand zu löschen und die Krise zu meistern.

Doch die Hoffnung trügt diesmal. Denn die Finanzkrise ist leider nur ein Vorbote dessen, was uns erwartet. Den westlichen Volkswirtschaften stehen in den kommenden Jahren drei tektonische Verschiebungen bevor, die uns ökonomisch sehr hart treffen werden: ein langfristig geringeres Wirtschaftswachstum, ein beharrlicher Anstieg der realen Zinsen und der sich beschleunigende Prozess einer zunehmenden Alterung der Bevölkerung in den meisten Industriestaaten.

< Die erste tektonische Verschiebung wird ein dauerhaftes Absinken der Wachstumsraten in den Industrieländern sein. Vor der Krise erlebten die westlichen Länder ihre goldenen Jahre mit hohen Wachstumsraten bei niedrigen Zinsen. Ist die Wachstumsrate höher als die Zinsrate, ist es durchaus sinnvoll, Schulden anzuhäufen. Denn dann werden die Schulden aus dem Wachstum heraus beglichen….

< Als zweite tektonische Verschiebung werden wir den Anstieg der realen Zinsen erleben. Sobald die Zentralbanken ihr Krisenmanagement beenden, ist die Ära der extrem niedrigen Zinsen beendet. Das drückt ebenfalls auf die Wachstumsraten – und führt zu niedrigeren Steuereinnahmen und höheren Transferleistungen. Die so weiter steigenden Staatsschulden ziehen wiederum höhere Zinsen nach sich, die aufgrund der Krise erhöhten Risikoprämien werden diesen Trend noch verstärken.

< Der dritte tektonische Effekt setzt ein, weil die Gesellschaften in den meisten Industrieländern mit rapider Geschwindigkeit altern. Dieser Prozess hat bereits begonnen. Er ist in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr umkehrbar. Das treibt die Pensions- und Gesundheitskosten der Regierungen in die Höhe.

Für diesen Anstieg altersbedingter Staatsausgaben ist bislang keine Vorsorge geschaffen worden. Den ausgereichten Ansprüchen stehen keine entsprechenden Rücklagen gegenüber. ..

 Die Schulden (können) jetzt nicht mehr verschwinden, sondern beginnen (zwingend) zu wachsen. Wenn sich die Politik nicht ändert, werden die Staatsschulden explodieren….Es reicht (jetzt) nicht mehr, dem Problem der zu hohen Staatsschulden mit kleinen finanzpolitischen Korrekturen zu begegnen. Das Problem ist größer als der Einflussbereich des Finanzministers. Wir brauchen daher eine dreistufige Reformstrategie, die verschiedene Politikbereiche miteinander verzahnt.

< 1.

Wir benötigen eine Schuldenkommission. Die Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts haben überzeugend gezeigt, dass Regierungen nicht gut geeignet sind, die Staatsverschuldung unter Kontrolle zu halten. Regierungen wollen wiedergewählt werden, und Wähler sind kurzsichtig. Sie verlangen von ihren gewählten Vertretern nicht nur, in Rezessionszeiten Geld auszugeben, sondern fordern auch in Boomzeiten hohe Staatsausgaben oder niedrige Steuern. Das ist langfristig nicht im öffentlichen Interesse.

Deshalb brauchen wir das finanzpolitische Gegenstück zu einer unabhängigen Zentralbank: eine unabhängige Schuldenkommission. Diese muss der Regierung einen Finanzrahmen vorgeben, so dass Schulden, die in Rezessionszeiten aufgenommen werden, über den restlichen Wirtschaftszyklus zurückgezahlt werden.

Die EU sollte verschuldeten Ländern Kredite und Garantien gewähren – aber nur unter der Voraussetzung, dass dort eine solche Schuldenkommission installiert wird, die das letzte Wort über Defizite und Überschüsse hat….

Die Kommission wäre von der Regierung unabhängig. Ihre Aufgabe wäre, nach statistischen Methoden zu benennen, in welchem Teil des Wirtschaftszyklus sich ein verschuldetes Land gerade befindet, und ihm die Höhe des erlaubten Defizits oder des Mindestüberschusses vorzugeben. Eine exakte Vorhersage dieses Zyklus ist nicht möglich, deshalb wird die Kommission gelegentlich auch Fehler begehen. Aber wenigstens wären diese Fehler unabhängig vom Einfluss der Regierung zustande gekommen. Damit würde es Regierungen eines verschuldeten Landes möglich, die Wirtschaft während der Rezession zu stimulieren, andererseits könnten sich die Finanzmärkte sicher sein, dass die Staatsverschuldung längerfristig unter Kontrolle beleibt….

< 2.

Wir müssen Insolvenzen großer, systemrelevanter Finanzinstitutionen verhindern, ohne die Staatsschulden zu erhöhen. Der Domino-Effekt, der in die jetzige Krise geführt hat, sah so aus: Zunächst gerieten die Banken in Gefahr und verliehen weniger Geld, dann folgten Unternehmen und Haushalte, die entsprechend weniger Geld ausgaben, und schließlich sprang der Staat ein und unterstützte mit Milliardenbeträgen die Banken und die gesamte Wirtschaft.

Um eine Wiederholung der Schuldenanfälligkeit des Staates zu verhindern, ist ein neues Finanzinstrument notwendig, nämlich sog. „Solvency-Convertible-Bonds“. Worum geht es dabei?  Das Prinzip ist denkbar einfach: Schulden bleiben Schulden, solange die Finanzinstitution zahlungsunfähig bleibt. Bekommt das Unternehmen Probleme, etwa indem die >Eigenkapitalquote unter das vorgeschriebene Minimum fällt, werden die Schulden automatisch in Eigenkapital umgewandelt. Das bedeutet, die Schuldner verlieren ihren Rechtsanspruch auf das Leihgeld. Das Unternehmen kann befreit von der Schuldenlast wieder durchatmen. Eine Insolvenz ist dadurch de facto verhindert – und zwar ohne staatliche Hilfe. Fachleute nennen das einen „Debt-for-euity-Swap“. Dieses Prinzip ist übrigens bereits erprobt. Es wird analog beim amerikanischen Konkursverfahren (Chapter 11) angewandt. Auch die britische Lloyds-Bank und die niederländische Rabo-Bank nutzen dieses Instrument bereits.

Alle Institutionen, die systemrelevant sind, sollten künftig nur noch diese Art v on Schulden machen dürfen. Die neuen Gläubiger wären nicht betroffen. Sie würden einfach höhere Risikoprämien verlangen, um sich gegen das Risiko eines solchen „Debt-for equity-Swap“ abzusichern. Das Risiko müssten die Anteilseigner tragen. Schließlich wären es ihre Anteile, die verwässern oder gar wertlos würden, wenn Schulden entsprechend umgewandelt werden.

< 3.

Um mit dem Problem alternder Gesellschaften umzugehen, braucht man neue Wege bei Weiterbildung und Rente. Ich plädiere dafür, die bisher öffentlich finanzierte Weiterbildung und das staatliche Rentensystem durch individuelle Konten zu ersetzen.

Der Übergang vom jetzigen System zu individuellen Konten wäre unkompliziert: Statt wie bisher Steuern und Abgaben für Bildung und Altersversorgung an den Staat zu zahlen, würde das gleiche Geld auf individuelle Qualifizierungs- und Rentenkonten fließen. Statt staatliche Mittel für Weiterbildung oder aus der Rentenkasse zu bekommen, würde man einfach Geld vom jeweiligen Konto abheben. Wer länger arbeiten will als bis zum gesetzlichen Rentenalter, könnte das tun, würde dabei aber keinen gesetzlichen Kündigungsschutz mehr genießen. Wer sich zur Ruhe setzt, bucht in regelmäßigen Abständen Geld von seinem Rentenkonto ab. Wer sich während seines beruflichen Lebens weiterqualifiziert, finanziert das durch sein Qualifizierungskonto.

Die Regierung würde eine bestimmte Mindestsumme festlegen, die auf die Konten eingezahlt werden muss, und bestimmte Maximalsummen, die abhängig vom Alter und Einkommen von den Konten entnommen werden dürfen.

Wer kann und will, könnte natürlich auch mehr einzahlen, um später auch mehr entnehmen zu können. Die Einzahlungen der Reichen würden besteuert, die der Armen bezuschusst – so wäre für einen sozialen Ausgleich gesorgt. Fällt der Kontostand auf null, übernimmt die Regierung die weiteren Auszahlungen. Übersteigt der Kontostand einen bestimmten Betrag, könnte Geld zur freien Verfügung abgehoben werden.

er in Rente geht, dürfte den Restwert seines Qualifizierungskontos auf das Rentenkonto übertragen und sich so eine höhere Rente sichern. Je später man in Rente geht, desto höher wäre dann natürlich auch die monatliche Rentenzahlung. Mit steigender Lebenserwartung würden die Menschen so animiert, sich später zur Ruhe zu setzen.

Die Qualifizierungskonten sind besser geeignet als das bisherige Weiterbildungssystem, um Beschäftigung zu sichern. Denn sie können immer dann in Anspruch genommen werden, wenn es lohnenswert ist.  Die Konten würden also Wachstum durch Qualifizierung ermöglichen und so die staatlichen Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung und Frühverrentung verringern. Die Alterskonten würden zu längerer Lebensarbeitszeit animieren. Das wiederum würde dem Rentensystem gut bekommen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese drei Vorschläge ein Paket bilden, um mit dem Problem des Schuldenbergs, der sich in einer Ära niedriger Zinsen angehäuft hat, fertig zu werden. Höchste Priorität hat die akute Lösung des Verschuldungsproblems. Das geht mit einer Schuldenkommission.

Dann müssen wir sicherstellen, dass Liquiditätsprobleme systemrelevanter Finanzinstitutionen nicht wieder in staatlich finanzierte Rettungsschirme münden. Das geht mit „Solvency-Convertible-Bonds“. Schließlich müssen wir die Kosten alternder Gesellschaften deckeln. Und das geht mit Qualifizierungs- und Rentenkonten.

Wem all dies zu revolutionär erscheint, dem sei gesagt: Noch ist es nicht zu spät. Aber wir müssen handeln – bevor uns der Schulden-Tsunami überrollt.

 

… ab Mai 2010:

 

Zum Top 37: „Bei den US-Bonds gibt es die größte Blase aller Zeiten“, C.Vogt, Chefsteratege der Qurin Bank, Handelsblatt, 05.05.10 (37)

 

„Eine der größten Bedrohungen kommt vom US-Immobilienmarkt. Spätestens im Herbst (2010) kommt eine zweite Pleitewelle auf die USA zu und damit auch auf die Bankbilanzen. Die Börsenampeln stehen auf dunklem Gelb, Negativ zu Buche schlagen die Geldpolitik, die Bewertung an den Aktienmärkten und die Stimmungslage. Die Geldmengen in den Industrieländern wachsen nicht mehr, sie schrumpfen teilweise sogar. Der Hausse geht also die Liquidität und damit der Treibstoff aus. Das sit schlecht für Aktien und Rohstoffe, auch für die Realwirtschaft. Das alles passiert in einer Zeit, in der die Konjunkturprogramme noch laufen, aber an Durchschlagskraft verlieren müssten.

In einigen Monaten dürften die Aktien nach unten abdrehen und ihre zweite Baissephase starten. Der Markt kann sich halbieren. Auch Rohstoffe und Unternehmensanleihen sind unter diesen Vorzeichen kein Kauf mehr.

Mit Bundesanleihen kann man vielleicht noch zwei bis drei Jahre überwintern. Aber langfristig haben alle Industrieländer das gleiche Problem: Schulden, Schulden, Schulden. Griechenland ist nicht nur der Vorbote für das, was uns in Europa, den USA und Japan bevor steht. Bei US-Staatsanleihen gibt es die größte Spekulationsblase aller Zeiten. Ihr Platzen wird das nächste große Missgeschick sein, das die Finanzwirtschaft und die Weltwirtschaft durchschüttelt. Die Auswirkung steigender Zinsen sowohl auf die Wirtschaft als auch auf die Staatfinanzen werden verheerend sein. „

 

Zum Top 38 : „Bald beginnt die Schlacht um England“, F.Biancheri, Handelsblatt, 05.05.10 (38)

 

„Die Probleme Griechenlands sind ein Indiz für eine bevorstehende Verschärfung der umfassenden weltweiten Krise. Der exponentielle Finanzierungsbedarf in GB und den USA wird beide Länder sehr bald vor existentielle Probleme stellen.

Welcher Geldgeber könnte oder wollte GB noch Geld leihen, wenn nach den Wahlen vom 6.Mai die politische Pattsituation, die desolate Lage des Landes wegen der Staatsverschuldung, aber auch die desolate Lage der Wirtschaft und des Bankensektors offenbar werden?

Im Sommer beginnt die Schlacht um England, mit der versucht werden soll, einen gleichzeitigen Zusammenbruch des Pfundes und der britischen Staatsanleihen zu vermeiden.

Eins ist sicher: Das Pfund wird die öffentliche Schuldenkrise nicht unbeschadet überstehen, und die Überschuldung wird die Regierung zu einem Sparplan zwingen, wie GB noch keinen erleben musste. Für GB springen evtl.  der IWF und die EU ein.

Den Finanzierungsbedarf der USA kann allerdings keine Institution decken. Deshalb rechnen wir im Winter mit einer Implosion der Spekulationsblase der US-Staatsanleihen. Dann wird nämlich die Notenbank die Zinsen erhöhen müssen, um die öffentlichen Schulden finanzieren zu können. Eine neue Welle an Bankpleiten wird einsetzen. Auch eine Zentralbank kann pleite gehen, wenn ihre Bilanz nur noch fiktive Vermögenswerte enthält. Wir gehen davon aus, dass sich die finanzielle Lage der Fed so verschlechtert, dass sie bis zum Jahresende Kapital aus dem US-Finanzministerium beantragen muss und damit ihre Unabhängigkeit verliert. Die Krise in GB dürfte der Auslöser dafür sein.“

 

Zum Top 39: „Eine globale Katastrophe ist möglich“, G.Celente, Leiter des Trends Research Institute, Handelsblatt, 05.05.10 (39)

 

„Wenn die Stimulierungsprogramme auslaufen, wird der Immobilienmarkt zusammenbrechen und mit ihm die Finanzmärkte. Weltweit sehe ich die Länder in eine große Depression hineinlaufen. Die Europäische Währungsunion wird zerbrechen. Einige Länder werden heraus gedrängt werden, andere das System freiwillig verlassen, um den drakonischen Zwangssparprogrammen im Gegenzug für Hilfen zu entgehen. Der Euro fällt jetzt wegen der Griechenland-Krise. Aber deshalb vom Euro in den Dollar zu tauschen hieße: Von der Titanic auf die Lusitania zu wechseln, und die wurde bekanntlich auch versenkt.

Die USA haben 13 Billionen Dollar an Staatsschulden angehäuft. Darüber hinaus haben wir Verpflichtungen aus dem Sozialsystem, dem Gesundheitssektor und den Pensionen in Höhe von 108 Billionen Dollar.

Es werden insgesamt drei Billionen Dollar gebraucht, um die Südländer der Euro-Zone zu retten. Der kleine Mann wird die Zeche bezahlen müssen. Die Großinvestoren kommen dagegen davon, die Banken werden mit Staatsgeld gerettet. Der Goldpreis wird bis auf 2000 Dollar steigen. …Das Gebot der Stunde ist: Kapital erhalten.

Meine größte Sorge aber ist die Eskalation des Krieges unter der neuen US-Regierung. Ich spreche von Afghanistan und Pakistan. Hier kann es schnell zu einer globalen Katastrophe kommen. Auch in der Israel-Iran-Konfrontation ist eine Eskalation möglich.“

 

Zum Top 40: „China-Hype – Auf dem Laufband zur Hölle“, D.Kremer, FTD, 04.05.10 (409

 

„Die Fondsgesellschaft Schroders teilt die Begeisterung vieler Investoren für den chinesischen Aktienmarkt nicht mehr und warnt vor einem China-Hype. …“ Danach werde sich die Wirtschaft in China in jedem Fall abschwächen. Fallende Aktienkurse und Rohstoffpreise deuten auf eine explosionsartige Korrektur an Chinas Immobilienmärkten…. Der Markt gibt uns derzeit zu verstehen, dass etwas nicht stimmt. In jedem Fall werde es eine Abschwächung geben. Aber ich halte einen Crash in den kommenden neun bis zwölf Monaten für wahrscheinlicher“ so der Herausgeben von Gloom, Boom&Doom Report. „Das Land befindet sich auf einem Laufband zur Hölle… weil China sich auf die stetig steigenden Preise im Immobilienbereich verlasse. Bis zu 60% der Wirtschaftsleistung bestreite die Bauindustrie. Wirtschaftsprof. K.Rogoff hatte bereits im Februar von einer schuldenfinanzierten Blase in China gewarnt, die eine lokal begrenzte Rezession auslösen könne.““

 

Zum Top 41: Krisenhafte Unterkapitalisierung der europäischen Großbanken

Nicolas Ve`ron ist Senior Fellow bei der Brüssler Denkfabrik Bruegel und Visiting Fellow beim Peterson Institut for International Economics in Washington.

Er bestätigt jetzt in der FTD am 21.05.10 unsere Grundvermutung in unserer AG, dass „die europäischen Kreditinstitute extrem krisenanfällig sind, und dass die EU das System dringend reformieren muss.  Die Diskussion um die Überschuldung der Staaten verdeckt diese Problemlage nur.“(41)

„Stresstest für Europas Banken“

„Die derzeitige Existenzkrise der EU ist die Folge von drei Problemen, die gleichzeitig auftreten:.

Das erste und offensichtlichste ist haushaltspolitischer Natur: Mehrere Mitgliedsstaaten haben ihre Finanzen schlecht verwaltet.

Beim zweiten Problem geht es um die Wettbewerbsfähigkeit. Immobilienblasen und ein günstiges internationales Umfeld haben den wahren Zustand der Volkswirtschaften verschleiert, die sich nun schmerzhaften Strukturreformen unterziehen müssen.

Ebenso drängend ist das dritte Problem: die Unsicherheit der Banken in Europa. Diese Unsicherheit in den Griff zu bekommen steht im Mittelpunkt der dramatischen politischen Entwicklungen, die sich seit Anfang Mai abspielen.

Die Angst vor einem Domino-Effekt ist der Hauptgrund, warum die Euro-Zone und der IWF Griechenland gerettet haben, ohne direkt eine Umschuldung vorzunehmen. Dass die Interbankenmärkte Ende der ersten Maiwoche offenbar praktisch zum Erliegen kamen, hat führende Politiker der Euro-Zone und die EZB mehr als alles andere dazu veranlasst, eine Marktpanik im Keim zu ersticken und den enormen, 500 Mrd. € schweren Rettungsschirm aufzuspannen. Der IWF schießt noch einmal die Hälfte dieses Betrags zu.

Spätestens seit … der Lehmann-Pleite befindet sich das europäische Bankensystem in einem Zustand starker Unsicherheit. Die Liquiditätshilfe, die auf den Lehmann-Zusammenbruch folgte, hatte die Folge, dass schwächere Banken ermutigt wurden, sich übermäßig in renditestarken Schuldtiteln wie den griechischen zu engagieren.  (Damit hätte eine Umschuldung Griechenlands alle Probleme der unterfinanzierten europäischen Banken weiter verstärkt und die Krise offen ausbrechen lassen.  J.H.)

Natürlich verfügen einige europäische Banken über gesunde Bilanzen, doch das System ist nur so stark, wie die schwächsten Glieder in der Kette, und wir wissen nicht einmal genau, wer diese sind. Eine eindeutige Lektion aus systemischen Bankenkrisen der Vergangenheit besteht darin, dass diese Krisen nur nach einem Prozess der genauen Einordnung beigelegt werden können, bei dem unterkapitalisierte Banken öffentlich identifiziert und dann vom Staat umstrukturiert oder abgewickelt werden, wenn ihnen der Markt nicht das zusätzlich benötigte Kapital bereitstellen kann.

Vor einem Jahr unterzogen die USA ihre größten ( 19, J.H.) Banken einem „Stresstest. Dies löste eine Welle vom Markt befeuerter Rekapitalisierungen aus, und inzwischen wird die Aktion als großer politischer Erfolg gewertet. Leider hat die EU immer noch nichts Vergleichbares vollbracht, und zwar aus mehreren Gründen. …

-          Führende Politiker u.a. aus Frankreich und Deutschland, befinden sich in den Fängen des Establishments nationaler Banken, das alles zu tun bereit ist,  was seine Fortdauer erhält. Perfide dabei ist, dass sich dieselben führenden Politiker zur gleichen Zeit einer finanz- und marktfeindlichen Rhetorik bedienen, die es noch schwieriger macht, de4n Wählern zu erklären, wie die Stabilität des Bankensystems wiederhergestellt werden kann.

-          - Unterdessen sind die nationalen Bankaufsichten nicht bereit, ihre massiven Versäumnisse des vergangenen Jahrzehnts in vollem Umfang einzugestehen.

-          Zudem lässt ein wirtschaftsnationalistisches Denken in Kombination mit dem rechtlichen Rahmen der EU Regierungsbeamte in den Mitgliedsstaaten fürchten, dass mit Bekanntwerden des erbärmlichen Zustandes einiger „Champions“ unter den Banken diese zu Übernahmezielen für „Ausländer“ aus anderen europäischen Ländern werden könnten….

Leider kann aber nur zentralisiertes Handeln der Exekutive ein Bankensystem neu ordnen. Es ist ein Vorgang, bei dem viele schwierige Entscheidungen zu treffen sind, die zu fällen die EU derzeit nicht imstande ist….

Reformen im Bankwesen sind genauso dringend geworden wie ausgeglichene Haushalte. Sie sind für die Stabilität ebenso wichtig wie das Ziel, Europas Wachstumspotential zu steigern und die fiskalpolitischen Grundlagen der Euro-Zone einzuhalten. Gelingt es nicht,  die Banken der EU umfassend zu reformieren, bevor der neue, auf drei Jahre ausgelegte Stabilisierungsmechanismus der Euro-Länder endet, könnten die Folgen verheerend sein. Die Zeit läuft.“

 

Zum Top 42: 750 Mrd. € als zweites Banken-Rettungs-Paket

St. Kaiser, FTD, 18.05.10, (42))

Das Euro-Stabilisierungsprogramm verschleiert Blasenbildungen

Wenn die Kapitalmärkte – wie Herr Ackermann auch – davon ausgehen, dass der griechische Staat vermutlich nicht in der Lage sein wird, seine Schulden selber  zu bedienen, dann gibt es hier bei den staatlichen Schuldpapieren in der Euro-Zone eine gewaltige Blase.

„Das Anfang Mai zusammengeschnürte 750 Mrd. €-Paket ist nur vordergründig eine Hilfe für die Euro-Staaten. Im Kern ist es die zweite gigantische Bankenrettung innerhalb von zwei Jahren.  Wäre es nur um Griechenland gegangen, wäre eine Insolvenz wohl die beste Lösung gewesen. Doch die Folgen für das Finanzsystem waren unabsehbar.  Allein deutsche Banken haben in Griechenland mehr als 30 Mrd. im Feuer. (Frankreich soll über 70 Mrd und die Schweiz über 50 Mrd € halten J.H.) Deshalb mussten Europas Regierungen eingreifen. Damit haben sie aber auch gezeigt, dass sie immer noch erpressbar sind. Und sie machen derzeit nicht den Eindruck, als wollten sie daran etwas ändern. Im Gegenteil.

Die Finanzlobby diktiert die Agenda.

Was in Europa und weltweit bisher in Sachen Bankenregulierung umgesetzt wurde, fällt unter die Kategorie „Peanuts“. Die großen Probleme sind nach wie vor ungelöst und haben sich teilweise sogar noch verschlimmert. So agieren die Banken heute mit einer Rundum-Sorglos-Garantie der Staaten, die nach jeder Rettung selbstverständlicher zu werden scheint. Ob Hypothekenkredite oder Staatsanleihen – es gibt kaum ein Risiko, das die Staaten den Instituten nicht abnehmen würden. Zugleich bleibt es den Banken erlaubt, hochriskante Geschäfte mit großen Renditehebeln einzugehen.  Das Geld dafür bekommen sie billig und massenhaft von den Zentralbanken.  Maximale Gewinnchance bei minimalem Risiko: ein Paradies für Banker. Und ein Albtraum für jeden Steuerzahler.“ (St. Kaiser, FTD, 18.05.10)

 

< Die zentralen Fragen wie „generelle Eigenkapitalerhöhung“, „Analyse der einzelnen Finanzinstitute“, „Bildung von Risikoklassen nach Größen-Parametern“, „Beschränkung der Bankengröße“, „Aufspaltung der Banken nach Größe oder Risiko“ und schließlich – überfällig – die Rücknahme der umfassenden Staats-Garantien für alle Banken, das alles ist in Deutschland und Europa kein politisches Thema – weder auf der Straße, am Stammtisch noch in den Parlamenten. Die geplante „Bankenabgabe“ tut nicht weh, löst kein Problem und vernebelt alles. Die Finanzmarkttransaktionssteuer könnte dagegen aber wenigstens Geld hereinbringen – und vielleicht die richtige Diskussion auslösen.

 

Zum Top 43: Kosten der Bankenstabilisierung in Europa, T. Baatz, M. Scheffer, G. Hädicke, FTD, 28.5.10 (43)

„Schockierend fiel allenfalls die Gesamtrechnung der staatlichen Wiederbelebungsmaßnahmen aus: Brüssel genehmigte Anleihegarantien und Kapitalspritzen im Umfang von 4131 Mrd. €, davon 1234 Mrd. € zur Rettung andernfalls insolventer Geldhäuser.“

 

Zum Top 44: Das Ende der Souveränität,  Michael Spence, Nobelpreisträger für Ökonomie und emerit. Prof der Stanford-UNI, FTD, 20.05.10 (44)

< „Wenn Europas Staaten die Euro-Zone erhalten wollen, müssen sie einen Teil ihrer Hauhaltskompetenz nach Brüssel abgeben. Nur so lassen sich große Schocks künftig abfedern“

„Der Ökonom Milton Friedman hat einmal gesagt, dass eine gemeinsame Währung nicht ohne eine starke wirtschaftliche und politische Union aufrechterhalten werden könne. Damit meinte er eine offene Wirtschaft mit freiem Verkehr von Waren, Arbeit und Kapital sowie einer disziplinierten zentralen Haushaltsbehörde und einer starken Zentralbank. Die beiden letzteren Institutionen fungieren dabei als Säulen einer starken Währung und arbeiten zusammen. Aber die anderen Faktoren sind nicht weniger wichtig.

Die Euro-Zone verfügt zwar über eine starke und unabhängige Zentralbank, ist aber haushaltspolitisch fragmentiert und nur zum Teil politisch integriert. Der Vertrag von Maastricht war eigentlich dazu gedacht, Haushaltsdefizite und Schuldenstände zu begrenzen und eine Situation wie derzeit in Griechenland zu vermeiden. Das hat aber nicht funktioniert.

In einer stabilen Welt könnte ein regelbasiertes Rahmenwerk wie der Maastricht-Vertrag funktionieren, sofern man sich daran hält. Aber in einer schockanfälligen Welt ist ein solches System zerbrechlich, weil es allenfalls eine mäßig antizyklische Politik zulässt. Es ist also kein Wunder, dass die im Vertrag festgelegten strikten Grenzen schon bald verletzt wurden – von den Staaten der Euro-Peripherie, aber auch von den Kernländern.

Bei einem großen Schock werden diese Grenzen automatisch gerissen, da die Steuereinnahmen schrumpfen und die Sozialausgaben steigen. Diese Art eingebauter Antizyklik  ist an sich nicht schlecht. Wenn damit aber haushaltspolitische Stabilität und ein übermäßiges Staatsschuldenrisiko nach einem großen Schock verbunden sind, war der Ausgangspunkt nicht konservativ genug angesetzt – mit anderen Worten: Die Defizite oder Schuldenniveaus (oder beides)  waren schon vor dem Schock zu hoch. Antizyklik heißt nicht, in guten Zeiten mäßige und bei massiven Abschwüngen riesige Defizite aufzuweisen.

Das unmittelbare Problem der Eurozone besteht in der schwindenden haushaltspolitischen Stabilität einiger Länder, deren Kreditwürdigkeit sinkt, aber deren Kosten der Schuldentilgung steigen. Selbst mit externer Hilfe wird eine Umschuldung Griechenlands nahezu als Gewissheit angesehen, weil die Arithmetik einer Wiederherstellung der haushaltspolitischen Ordnung so ausweglos erscheint.

Die Mitgliedschaft in der Euro-Zone schließt Inflation und Abwertung als Anpassungsmechanismen aus. Eine Alternative ist die Binnendeflation kombiniert mit einer extremen Haushaltsstraffung – aber das ist schmerzvoll und kann aus politischen Gründen nicht angestrebt werden.

 

Die Einschränkungen für die Länder der Euro-Zone ähneln denen für die amerikanischen Bundesstaaten, wenn diese in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Eine Abwertung kommt aufgrund der gemeinsamen Währung nicht infrage. Die Notenbank wird sich nicht bewusst für eine Inflation entscheiden. Überdies gibt es in den USA Regeln und Konventionen (ähnlich den Maastricht-Kriterien), die es den Staaten nicht gestatten oder es ihnen schwer machen, langfristige Haushaltsdefizite aufzuweisen.  Das heißt, dass das haushaltspolitische Verhalten der Bundesstaaten im Falle großer Schocks eher prozyklisch ist.

Warum ist ein bundesstaatliches System dennoch nicht so fragil wie die Euro-Zone?

Weil es zwei Sicherheitsventile gibt. Eines ist die Möglichkeit der Bundesregierung, selbst Defizite zu machen und entschlossen zu handeln. Das andere ist die Mobilität der Arbeitskräfte.

Der EU fehlt eine robuste zentrale fiskalische Institution mit einem antizyklischen Mandat. Und die Mobilität der Arbeitskräfte – ein Langzeitziel der EU -  wird durch unterschiedliche Sprachen. Gesetze und Regulierungssysteme beschränkt.

Hinzu kommt, dass Staatsanleihen in der Euro-Zone nicht als gleichwertig behandelt werden und die Märkte verschwenderische Staaten bestrafen. Wenn die EU eine Währungsunion möchte, in der Staatsschulden hinsichtlich des Risikos relativ homogen sind, muss die Haushaltsdisziplin ähnlich homogen gestaltet sein. Das heißt auch, dass es eines robusteren Mechanismus für antizyklische Reaktionen auf Schocks bedarf.

Wenn die Führungsspitzen der EU sich demnächst wieder mit den Maastricht-Kriterien beschäftigen, könnten sie die Regeln so ändern, dass sie eine zeitweilig größere Flexibilität auf nationaler Ebene erlauben. Allerdings wäre dieser Ansatz kompliziert. Die Fiskalpolitik müsste systematisch überwacht werden, damit sich die derzeitige Situation nicht wiederholt.

Eine bessere langfristige Lösung wäre eine zentrale fiskalische Instanz, in der die nötigen Ressourcen gebündelt werden, um auf Schocks in unterschiedlichen Phasen des Wachtumszyklus zu reagieren – etwa durch eine Stabilisierungssteuer, die im Falle eines Abschwunges negativ würde.

Allerdings bedarf ein solcher Schritt einer gewissen haushaltspolitischen Zentralisierung. Und möglicherweise müsste die EU dazu auch Staatsschuldtitel ausgeben können. Es ist unklar, ob der politische Wille dazu besteht.

Als die Euro-Zone geschaffen wurde, war klar, dass Haushaltsdisziplin eine entscheidende Grundlage dafür sein würde. Die aktuelle Krise führt uns das lebhaft vor Augen. Die Herausforderung besteht nun darin, eine Kombination aus Disziplin und Flexibilität zu schaffen, die das gemeinsame Interesse schützt. Damit ist zwar ein Verlust der fiskalischen Souveränität verbunden, aber es ist nötig, sich der Realität zu stellen, um die Währungsunion zu erhalten.“

 

Zum Top 45: Im Interview der FTD mit Jagdish Bhagwati,(45) „dem Vordenker der Globalisierung“ am 10.06.10 wird erläutert und dargestellt:

„- Im Kern der Krise stecken Finanzinstrumente, die keiner wirklich verstanden hat. Als man Hypotheken in Credit Default Swaps (CDS) umwandelte, ging man davon aus, dass das Risiko streut. Das Gegenteil war der Fall. Der Schaden multiplizierte sich später. Als die Hypotheken kollabierten, hatten die Banken nicht genug Eigenkapital, um den Kollaps aufzufangen….

 - Es gibt Parallelen zur Asienkrise. In beiden Krisen hat man die Finanzmärkte nicht verstanden. Da wurden ebenso falsche Annahmen geteilt, von zu vielen Gleichgesinnten, die in eine Richtung dachten und Risiken ausblenden….

 - Es gab in den 90er Jahren eine zentrale Fehleinschätzung im wirtschaftspolitischen Denken. Der Aufstieg asiatischer Volkswirtschaften wie Südkoreas oder Singapur basierte auf ihrer radikalen Öffnung, auf einer Liberalisierung des Handels.

 

Davon waren wir alle sehr beeindruckt.  Leute wie der heutige Obama-Berater Larry Summers oder der frühere Finanzminister Robert Rubin dachten, diese Erfolgsgeschichte könne man auf die Finanzmärkte übertragen. Sie waren so euphorisch, dass sie die Unterschiede übersahen. Die Globalisierung der Realwirtschaft und der Finanzmärkte sind verschiedene Paar Schuhe….

 - Der Unterschied ist in erster Linie, dass es an den Finanzmärkten ein viel dramatischeres Abwärtsrisiko gibt. Sie sind volatiler….Wenn Finanzwerte steigen oder fallen, werden rasch sehr viel größere Summen bewegt, mit entsprechend großen Auswirkungen. Das potenziert auch die Folgen von negativen Ausschlägen….

 - Die Finanzmärkte sind wie ein Feuer: es kann dein Haus beheizen, es kann es aber auch abfackeln.  Abrupt abfließendes Kapital kann innerhalb kurzer Zeit massiven Schaden in einer Volkswirtschaft anrichten. Das hat man in der Asienkrise gesehen…

 - Die Volumen, die an Finanzmärkten verschoben werden, sind einfach gigantisch. Der Multiplikator-Effekt ist einfach extrem. Das macht das Ganze sehr schwer kontrollierbar. Wenn gegen deine Währung gewettet wird, kann man versuchen, durch Anpassungen gegenzusteuern. Aber wenn in einer Woche Milliarden abgezogen werden, braucht es eine dramatische Anstrengung im Realsektor, um das abzufangen.“

 

Zum Top 46: Wechsel bei den Reservewährung(en)  (46). Harold James,

Zu den grundsätzlichen Problemen im Übergang von der durch die USA dominierte Weltwirtschaft zu einer Globalisierung mit verschiedenen regionalen und nationalen Großzentren, Mittel- und Kleinzentren spielt die Frage der Ablösung des Dollar als internationale Reservewährung eine zentrale Rolle. Harold James, Prof. für Geschichte und internationale Politik in Princeton schreibt in der FTD am 09.06.10 dazu: „Bis zum Frühjahr 2010 gingen die meisten Beobachter davon aus, dass der Anteil des Dollar an den internationalen Reserven schrumpfen werde. Zudem rechneten sie damit, dass die Welt allmählich den Übergang zu einem System mit mehreren Reservewährungen vollziehen werde.

Durch die Euro-Krise ist plötzlich nicht mehr so klar, dass der Übergang zu einem multilateralen Währungssystem reibungslos verlaufen wird.  In den Zentralbanken in Asien und im Nahen Osten, die über große Euro-Reserven verfügen, macht sich zunehmend Nervosität um das politische Umfeld des Euro breit. Das hohe Haushaltsdefizit der USA und die anhaltende Ungewissheit über die Entwicklung der US-Finanzmärkte bedeuten, dass auch der Dollar potenziell gefährdet ist.“ … Nach einem Überblick über die Entwicklungen der verschiedenen wichtigen Währungen seit den 60er Jahren kommt H. James zu einem aktuellen Schuss: …„Die Lektionen aus den 60er Jahren deuten darauf hin, dass der Renminbi rasch zu einer wichtigen internationalen Reservewährung werden könnte, sobald er vollständig konvertibel ist. Die Attraktivität dieser Währung bestünde nicht nur darin, dass die chin. Zentralbank und chin. Finanzinstitute über enorme ausländische Vermögenswerte verfügen. Sie wäre attraktiv, weil China Waren produziert, die Verbraucher auf der ganzen Welt weiterhin stark nachfragen….Als Lieferant einer Reservewährung müsste China nicht weiterhin selbst internationale Devisen anhäufen – ein Faktor, der in den letzten Jahren erheblich zur weltweiten Instabilität im Finanzwesen beigetragen hat. Der Renminbi als mögliche Reservewährung würde die lahmen Enten von heute aus ihrer Schicksalsgemeinschaft befreien.“

 

Zum Top 47: Der Verschuldungsgrad einer Volkswirtschaft besteht aus staatlicher und privater Verschuldung (47)

Es finden sich zunehmend Analysen und Stellungnahmen von verschiedenen Akteuren und professionellen Beobachtern, dass der alleinige Blick auf die absoluten bzw. relativen Volumina der staatlichen Verschuldungsdimensionen zu kurz greift. Es ist nötig, die staatliche und private Verschuldungssituation zu betrachten. Im FAZ-Interview mit dem italienischen Außenminister Franco Frattini (10.06.10) wird dieses deutlich:

„Frage: Die Bundesregierung will sparen. Sie sagt, wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt?!

Antwort: Das stimmt – für alle westlichen Staaten. Italiener und Deutsche haben allerdings immer darauf geachtet, Geld zu sparen und bescheiden zu leben. Die Privatschulden in Italien oder Deutschland sind viel niedriger als in Großbritannien, den Vereinigten Staaten oder Spanien. Das liegt an unserer Kultur. So habe ich es schon in meiner Familie gelernt. Und die Briten haben auch noch ein etwa doppelt so hohes Haushaltsdefizit wie Italien: nämlich 10 bis 11 % des BIP.

Frage: Aber Italiens Staatsschuld beträgt rund 120 % des BIP. Hätte Italien seine Schulden nicht viel früher energisch abbauen müssen?

Antwort: Unsere hohe Verschuldung ist das Erbe der vergangenen 25 bis 30 Jahre. Wir hätten viel früher hart dagegen vorgehen müssen, ja, aber nicht vor drei Tagen oder drei Jahren, sondern vor 15 Jahren. Jetzt müssen wir die Art und Weise ändern, wie wir die Schuld berechnen Man darf den Blick nicht auf die Verschuldung der öffentlichen Haushalte verengen. Vielmehr müssen wir, wie es die OECD tut, die Bruttoinlandsverschuldung als Kombination der öffentlichen und der privaten Verschuldung berechnen. Dann kommt heraus, dass Deutschland und Italien die Nummer eins sind in der EU. Wenn man sich nur auf die Staatsschulden beschränkt, steht Italien zwar schlecht dar. Aber zu den Ursachen der Krise gehört das Platzen der privaten Verschuldungsblasen, nicht die Explosion der Staatsschulden.

……

Frage: Machen Sie sich Sorgen wegen der Abwertung des Euro und der möglichen politischen Folgen?

Antwort: Der Euro ist immer noch eine der besten, wenn nicht die beste Errungenschaft der EU. Ich kann mir eine Rückkehr zu nationalen Währungen gar nicht vorstellen, auch wenn wir unsere Lira damals sehr mochten. Sorgen bereitet mit der Verfall der politischen Bedeutung des Euro. Damit geht ein Bedeutungsverlust Europas auf der internatiuonalen Bühne einher. Wie gesagt, unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Genauso wie wir Europäer uns auf Iran-Sanktionen oder eine Haltung im Nah-Ost-Konflikt einig4en müssen, ist es auch nötig, dass wir unsere Währung gemeinsam verteidigen…….

Frage: Nach dem Ärger um den Lissabon-Vertrag ist die Scheu vor einer Vertragsrevision enorm.

Antwort: Ehrlich gesagt, möchte ich für eine lange Zeit auf keinen Fall mehr über eine Reform der Institutionen diskutieren………

Frage: Was hat sich seit 2002 verändert?

Antwort: Erstens war die Begeisterung für Europa vor der Ost-Erweiterung der EU viel größer. Alle wollten mehr Integration. Jetzt überwiegen Unmut und Zweifel an der Erweiterung. Die Leute fragen: Warum soll ich für diesen oder jenen neuen Staat bezahlen? Zweitens hat Europa jetzt die Chance, eine Schlüsselrolle in Afrika, im Mittelmeerraum oder im Nahen Osten zu spielen, weil der amerikanische Präsident Obama einen multilateralen Ansatz verfolgt. Auch Präsident Bush war ein Freund Italiens und Europas, aber er verlangte Gefolgschaft. Obama appeliert an uns, Verantwortung zu teilen.

Frage: Die Europäer sind pessimistischer, haben aber mehr Möglichkeiten?

Antwort: Das ist das Paradox!“

 

Zum Top  48: „Europa auf dünnem Eis“ (48)

Peter Ehrlich, Leiter des Brüsseler Büros der FTD schreibt am 10.06.10 über „Europa auf dünnem Eis“: …Die EU hat ein grundsätzlicheres Problem als die Strukturschwächen in einigen Mitgliedsländern: Ihre politische Entscheidungsstruktur ist für gute Zeiten gemacht und nicht für extreme Krisen. Das könnte eine klare politische Führung ausgleichen. Aber die gibt es nicht.“ (Nach Ausführungen über die zentrale politische Achse Paris-Berlin wird das Widersprüchliche in den deutschen und französischen Konzepten und zwischen der Führungsfiguren Oberlehrerin Merkel und Schauspieler Sarkozy dargestellt. Dazu noch ein Ausblick auf die Aktionsfelder von Barroso und Rompuy, die sich eher in einem Konkurrenzkampf zu befinden scheinen.) „Kein Wunder also, dass sich die Grundsatzdiskussionen im Kreise drehen. So ist die Frage, ob eine Wirtschaftsregierung aus 27 oder 16 Mitgliedern besteht, falsch gestellt. Staats- und Regierungschefs, die sich einmal im Monat treffen, sind keine Regierung. Für die Koordination und Überwachung der Wirtschaftspolitik ist die Kommission zuständig. Was macht die EU /jedoch), wenn die internationale Krise weitergeht und eine Entscheidung für den Euro erzwingt? Wer entscheidet, wenn es am Ende darum gehen sollte, die Euro-Zone zu teilen oder zu einer echten wirtschaftlichen und politischen Union zu machen, wie es Wolfgang Clement und Friedrich Merz gerade vorgeschlagen haben? Wer stellt den Bürgern die Frage, ob der Rhein Europa wieder trennen soll?“ (Im Weiteren stellt der Autor einige Argumente für ein „geheimes, inoffizielles Direktorium“ vor, das aus Merkel, Sarkozy, Barroso, Rumpuy, Juncker, Jerzy Buzek oder Donald Tusk, Cameron und je einem Vertreter Nord- und Südeuropas bestehen sollte.)

 

Zum Top 49: Ende der superniedrigen chinesischen Arbeitslöhne kommt in Sicht, (49)

Es gibt eine große Zahl von Meldungen über drastische Lohnerhöhungen in der chinesischen Exportindustrie. Dabei kommen offensichtlich mindestens zusammen, dass zum einen die bisherigen Löhne angesichts der Inflation nicht mehr für eine Reproduktion der Industriearbeiter ausreichten und zum anderen diese Entwicklung – so scheint es im Moment – auf die großen Zentren der chinesischen Exportindustrien beschränkt sind. Es geht dabei um Lohnerhöhungen von bis zu 50 % bzw. bis auf das durchschnittliche Niveau von 300% des gesetzlichen Mindestlohns.

Diese Entwicklung hat einen relativ spontanen Ausgang genommen und wird jetzt von den großen Regionalzeitungen mit Verständnis positiv verstärkt. Die hier verwendete spezife Begründung für die Berechtigung bzw. Notwendigkeit von Lohnerhöhungen hat etwas damit zu tun, dass in einem Großteil der Exportindustrien inzwischen ausgesprochen fachlich qualifizierte Arbeiten notwendig sind, um den Produktionszielen entsprechen zu können. „In großen Artikeln wird das „Ende der billigen Arbeit“ beschworen, während Kommentare Investoren daran erinnern, „dass es nicht länger möglich sein wird, Gewinne mit Hilfe niedriger Arbeitskosten hochzutreiben“ meldet die FAZ am10.06.10. „Bislang konnten sich Chinas Arbeitnehmer wenig auf Unterstützung verlassen. Ausgerechnet der Arbeiter- und Bauern-Staat strich 1982 das Streikrecht aus der Verfassung. Die Gründung von Gewerkschaften ist untersagt. Zugelassen ist nur die ACFTU, die sich als Parteiorganisation versteht. Streiks sind zwar nicht verboten, wurden aber bisher nur in Einzelfällen bekannt und so beigelegt, wie es die Mächtigen außer- und innerhalb der Unternehmen für zweckmäßig hielten. Jetzt sollen die Arbeitskämpfe offenbar dazu dienen, höhere Löhne durchzusetzen. Damit will die Regierung Chinas unterentwickelten Binnenkonsum ankurbeln und die Beschäftigten ruhigstellen. Diese leiden unter zunehmender Arbeitsbelastung und unter den steigenden Preisen, vor allem für Lebensmittel. Den Unternehmen wiederum fällt es immer schwerer, Personal zu rekrutieren, was nicht nur konjunkturell bedingt ist.

 

Als Folge der Ein-Kind-Politik, der höheren Ansprüche und der sinkenden Mobilitätsbereitschaft der Wanderarbeiter nimmt das Mitarbeiterreservoir langsam ab. Steigende Löhne allein können den Mangel nicht beseitigen. Sie treiben ihrerseits die Inflation an und gehen zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit. Nach Ansicht von Zhang Yansheng vom Institut für Außenhandel wird „Chinas Vorteil billiger Arbeit wohl in zehn Jahren verschwinden.

Genau deshalb wollen das Perlflussdelta im Süden und das Jangtsedelta im Osten wegkommen von der einfachen Massenfertigung und sich nach dem Vorbild Hongkongs zu Zentren für Dienstleistungen, Finanzen, Handel und moderne Techniken entwickeln. In beiden Regionen, die als größte Industriezentren der Welt gelten, gibt es seit langem entsprechende Entwicklungspläne. Seit 2007 gilt ein neues Arbeitsrecht, das die 40-Stunden-Woche, Mindestlöhne und Überstundenregelungen festschreibt. Fabriken mit hohen Emissionen, Lärmpegeln oder Gefahrenstoffen werden aus den Städten verdrängt. Die Schließung hunderter einfacher Fertigungsbetriebe in der Exportkrise 2008 kam den Verantwortlichen nicht ungelegen. Gleiches dürfte jetzt für die Protestwelle gelten.“ (FAZ, 10.06.10)

 

Zum Top 50: Vollgeldtheorie und neue Geldordnung

Mark Joob, Prof. an der ungar. Uni Sopron und Forschungsstipendiat der Mercator Stiftung, Schweiz, FTD, 04.06.10 (50)

„Der Rat der EZB hat kürzlich entschieden, zusammen mit den nationalen Zentralbanken auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen aufzukaufen und so einen Beitrag  zu dem durch die EU-Spitzenpolitiker geschnürten Stabilitätspaket zu leisten. Damit umgehen die Zentralbanken das im EU-Vertrag festgeschriebene Verbot, das sich lediglich auf den „unmittelbaren Erwerb“  von staatlichen Schuldtiteln bezieht. Wird der Kauf von Staatsanleihen durch Zentralbanken jedoch zu einer allgemeinen Praxis, spielt es keine Rolle mehr, ob er direkt bei der Emission oder indirekt auf dem Sekundärmarkt erfolgt, weil dann die Regierungen und anderen Marktakteure mit diesem Eingriff im Voraus rechnen können.

Zu Recht wird deswegen das neue Verhalten der EZB als geldpolitischer Dammbruch empfunden. Die Staatshaushalte werden durch die Zentralbanken kofinanziert. Das lässt Zweifel an deren geldpolitischer Unabhängigkeit aufkommen. … Es geht die Angst um, Regierungen könnten versucht sein, ihre Schulden durch Geldvermehrung und Inflation zu senken.

Spätestens seit der jüngsten Finanzkrise dürfte aber bekannt sein, das in der gegenwärtigen Geldordnung weniger die Geldpolitik der Zentralbanken, sondern eher die exzessive Kreditvergabe von Geschäftsbanken schuld an einer schwer kontrollierbaren und äußerst riskanten Geldvermehrung ist. Geschäftsbanken haben bekanntlich eine schier unbegrenzte Möglichkeit, auf dem Wege der Kreditvergabe neues Geld zu schaffen, für das sie von den Schuldnern Zinsen verlangen können: Das wirklich große Geschäft der Banken besteht nämlich nicht darin die bei ihnen deponierten Kundengelder als Kredite zu vergeben und so eine Zinsdifferenz zu kassieren, sondern darin, neu geschaffenes Geld ohne Deckung auszuleihen und den ganzen Zins einzustreichen.

Die Gewinnmaschine der Banken

Geschäftsbanken haben heute ein Recht zur Geldschöpfung und emittieren rund 95 % des neu geschaffenen Geldes, die restlichen 5 %  werden durch die Zentralbanken in Form von Münzen und Banknoten emittiert. Mit einer exzessiven Kreditvergabe können die Geschäftsbanken ihre Profite in die Höhe treiben – zumindest so lange, bis die Schuldner nicht pleitegehen, sonst folgt der Krach.

Tritt dieser Fall, wie im jüngsten Fall, in Form einer systeminduzierten Finanzkrise ein, wird am Finanzsystem ein wenig geflickt: Banken werden gestützt, strengere Spielregeln erlassen. Will man das Problem wirklich an der Wurzel packen, müsste man allerdings nicht marode Banken verstaatlichen, sondern die Geldschöpfung – oder genauer formuliert: das staatliche Monopol der Geldschöpfung (wieder-)herstellen.  Damit würde der kaum kontrollierbaren Geldvermehrungspraxis der Geschäftsbanken ein Ende gesetzt.

…ein staatliches Geldschöpfungsmonopol?

Die Entscheidung der EZB, Staatsanleihen aufzukaufen, kann nun als erster Schritt auf dem Weg zu einer neuen Geldordnung mit staatlichem Geldschöpfungsmonopol verstanden werden. Genauso wie das staatliche Gewaltmonopol im Dienst der Gerechtigkeit steht, würde das staatliche Geldschöpfungsmonopol im Dienst des Gemeinwohls stehen, indem der – bisher größtenteils den Geschäftsbanken vorbehaltene – Gewinn aus der Geldemission zur Finanzierung von Staatsausgaben oder etwa zur Tilgung von Staatsschulden verwendet werden könnte.

Joseph Huber und James Robertson haben in ihrer sog. Vollgeldtheorie die Vorteile einer Geldschöpfung in öffentlicher Hand und die dazu erforderlichen konkreten Reformschritte überzeugend dargelegt. Die Vollgeldtheorie sieht vor, dass neues Geld durch Gutschrift auf dem Konto eines Staates bei der entsprechenden Zentralbank emittiert wird, dass dem Staat

 

Zum Top 51: Transaktionssteuern, dreifach wirksam

Einführung einer „Transaktionssteuer“, die offensichtlich z.Zt. mit den USA nicht zu machen ist. (Sony Kapoor, ehem. Investmentbanker und Geschäftsführer der Denkfabrik Re-Define, FTD, 17.06.10) (51)

„ … Die Regierungen  vernachlässigen bei ihren Änderungen der Finanzmarktregulierung die systemischen Risiken zugunsten einer „Schnellreparatur“  des Bankwesens. Und noch weniger geschieht, um die Finanz- an die Realwirtschaft anzupassen.

Es gibt ein Mittel um in allen drei bereichen Fortschritte zu erzielen: die Einführung einer Reihe von Steuern auf Finanzinstrumente. Diese Abgaben wären der Finanztransaktionssteuer ähnlich, gingen aber weiter. Sie könnten auf die Besonderheiten bestimmter Märkte zugeschnitten werden. Liquide Märkte würden für Aktien, Futures und bestimmte Derivate pro Transaktion besteuert, während illiquide Bereiche wie verbriefte Produkte, Hypotheken und im Freiverkehr gehandelte Derivate bei der Ausgabe erfasst würden.

Bei diesem System würden für Finanzinstrumente, die ein höheres systemisches Risiko darstellen – etwa für Transaktionen mit Derivaten, die komplexer und undurchsichtiger sind oder im Freiverkehr stattfinden – vergleichsweise höhere Steuersätze gelten. Ein weiterer attraktiver Aspekt solch einer Steuer ist, dass sich die Sätze antizyklisch verändern lassen. So kann verhindert werden, dass sich systemische Risiken aufbauen.

Hinzu kommt, dass Steuern auf Finanzinstrumente wertvolle Informationen bringen…..

Eine Steuer auf Finanzinstrumente wirkt außerdem den wachsenden Problemen entgegen, die neue Handelsformen wie der automatisierte Hochfrequenzhandel oder der algorithmische Handel mit sich bringen……Steuern auf Finanzinstrumente bringen den Staaten wichtige Einnahmen, mit denen sie Haushaltsdefizite abbauen und die internationale Entwicklung sowie die Bekämpfung des Klimawandels finanzieren können. Nach unserer Schätzung beliefen sich diese Einnahmen weltweit auf 250 bis 350 Mrd. $ jährlich. Hinzu kommt, dass ein gut konzipiertes System für Steuern auf Finanzinstrumente einen stark progressiven Charakter hätte, politisches Kapital birgt und sich aufsichtsrechtlich lohnt.

Es ist selten, dass eine flexible Handhabung zur Verfügung steht, die bei drei wichtigen politischen Zielen erhebliche Fortschritte ermöglicht. Es wäre töricht von Politikern und Aufsichtsbehörden, eine solche Chance zu vergeben.“

 

Zum Top 52: „Europas Banken haben riesigen Finanzbedarf“ (FAZ, 17.06.10)(52)

„EZB: Die 20 größten Banken brauchen bis Ende 2012 rund 800 Mrd. €“

„Die Großbanken des Euroraums (Systemrelevante Banken!) müssen in den kommenden Jahren riesige Summen aufbringen, um fällige langfristige Verbindlichkeiten zu begleichen. Allein die 20 größten Bankengruppen benötigten dafür etwa 800 Mrd. Euro bis Ende 2012, sagte Jose`Manuel Gonza`lez-Pa´ramo, Mitglied des Direktoriums der EZB, in einer Rede über die Wiederbelebung des Verbriefungsmarktes. Fiese Summe entspreche etwa der Hälfte der gesamten ausstehenden Verbindlichkeiten mit Laufzeiten von mehr als einem Jahr. Hinzu komme die Notwendigkeit, mehr mittel- und langfristige Anleihen zu platzieren, um die neuen Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

Der Markt für Kreditverbriefungen könne für die Finanzierung der Banken eine wichtige Rolle spielen, sei derzeit aber in einer schwierigen Verfassung. Seit dem Beginn der Finanzkrise werden Verbriefungen kaum noch an private Investoren verkauft. Die Banken reichen sie überwiegend als Sicherheiten bei der Zentralbank ein und beleihen sie. Verbriefungen hätten 2008 rund 29 % aller bei der EZB als Sicherheit eingereichten Wertpapiere ausgemacht, sagte Gonza`lez-Pa`ramo. Diese Verwendung der Verbriefungen sei ein Indikator für das Verschwinden des privaten Verbriefungsmarktes.

Der Hinweis auf die Geringe Funktionsfähigkeit des Verbriefungsmarktes kommt zu einem Zeitpunkt,  da auch andere Geldquellen für einen Teil der Banken nur noch eingeschränkt zugänglich sind. Die Schuldenprobleme im Euro-Raum haben nach Einschätzung von EZB-Chef-Volkswirt Jürgen Stark abermals zu einer veritablen Geldmarktkrise geführt. „Wir haben erneut eine Situation, in der sich die Banken untereinander nicht vertrauen. Sie deponieren überschüssige Liquidität lieber bei uns, statt sie an andere Banken weiterzugeben“, sagte das deut. Mitglied des EZB-Direktoriums.

Seit einigen Tagen haben die meisten spanischen Banken kaum noch Zugang zum internationalen Kreditmarkt. Uneingeschränkt erhalten sie Geld nur noch von der EZB. Im Mai haben sich die spanischen Banken dort gut 85 Mrd. € verschafft, mehr als je zuvor….Die EZB-Finanzierungen machten zwar bei den spanischen Banken rund 2,5 % der Bilanzsumme aus; bei den deutschen 2,7 %, bei den irischen 5 % und bei den griechischen 13,6 %.

Unterdessen hat die EZB den Wertabschlag für griechische Anleihen, die Banken als Sicherheit für Ausleihungen einreichen wollen, erhöht. Zusätzlich zu den Abschlägen, die für Anleihen aller Emittenten abhängig von der Laufzeit erhoben werden und die bis zu 8,5 % betragen, zieht die EZB bei griechischen Titeln nun weitere 5 % ab. Dieser Schritt wurde durch die Herabstufung durch die Ratingagentur Moody`s ausgelöst. Griechenland hat bei keiner Agentur mehr eine „A“-Note.“

 

Zum Top 53: „Lehmann II im Mai 2010, (FTD, 18.06.10, nach REUTERS) (53)

„Märkte standen lt. EZB im Mai kurz vor „Lehmann II“, Monatsbericht der EZB skizziert Vertrauensverlust am 06 und 07.05.10“

„Die EZB hat ihre höchst umstrittene Entscheidung zum Kauf von Staatsanleihen erneut mit einer schweren Störung der Märkte begründet. Zwar seien ganz andere Faktoren für die sprunghafte und gefährliche Verschlechterung der Lage am 06. und 07. Mai verantwortlich gewesen als nach der Pleite der US-Investitionsbank Lehman 2008, schreibt die Notenbank in ihrem am Donnerstag (17.06.)in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht Mai. Jedoch könne eine Vielzahl von Parallelen gezogen werden. „Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Geschwindigkeit, mit der die Stimmung umschlug, sowie mit >Blick auf die jähe Flucht der Finanzinvestoren in sichere Anlagen“.

So habe der Vertrauensverlust mit rasender Geschwindigkeit vom Anleihe- auf den Interbankenmarkt übergegriffen und in der Folge die Aktien und Devisenmärkte erfasst.

In der Nacht zum Montag, dem 10. Mai, Kippte die Notenbank ein Tabu und kauft seitdem Staatspapiere von Euro-Ländern am Sekundärmarkt. Bislang hat sie Anleihen im Volumen von 47,1 Mrd. Euro erworben und will damit solange weitermachen, bis die Lage wieder unter Kontrolle ist.

Nach Ansicht der Autoren des EZB-Monatsberichts hatte die Notenbank jedoch keine Wahl: Durch die Ketten- und Panikreaktion an den Finanzmärkten sei nämlich nicht nur der Übertragungsm3echanismus der Geldpolitik empfindlich gestört worden. Die Lage war offenbar so brisant, dass ein Kollaps des Kreditflusses und der sich gerade con der Rezession erholenden Konjunktur in der Euro-Zone zu befürchten stand. Am Interbankenmarkt, auf dem sich die Kreditinstitute in  normalen Zeiten untereinander Geld leihen, sei der Handel fast zum Erliegen gekommen.“

Zum Top 54: Zwangsouting nach Stresstests (FTD, 30.06.10, Tim Bartz) (54)

Es geht um die Zwangsstresstests und vor allem um das „Zwangsouting“, dem A. Weber (Chef der Dt. Bundesbank) widerspricht. „Wegen der ausgeprägten Heterogenität der Portfolios und Engagements sind solche Pauschalvergleiche innerhalb des dt. und des europäischen Bankensystems wenig sinnvoll und potenziell irreführend“ (FTD, in Tim Barz, vom 30.06.10). Die Parallelen zu den positiv aufgenommenen amerikanischen Stresstests sind nur oberflächlich tauglich, weil „die USA, aufgeschreckt durch die Folgen der Lehmann-Pleite,  die Stresstests in kurzer Zeit durchziehen (mussten), veröffentlichten die Namen der Institute, die durchgefallen waren, und päppelten sie zwangsweise mit Staatsgeld auf. Das Vorgehen trug quasidiktatorische Züge, beruhigte aber (in dieser besonderen Situation) die Märkte fürs Erste und stärkte den Glauben der Anleger an die Überlebensfähigkeit der US-Banken.

Trotzdem führte Weber seinerzeit gute Gründe dagegen an, auch in Europa die Ergebnisse der  ohnehin regelmäßig durchgeführten Stresstests zu veröffentlichen, was dann auch nicht geschah. Umso seltsamer mutet es an, wenn er und viele Politiker jetzt vehement darauf dringen, auch gegen den Willen der Banken publik zu machen, wer bei den aktuellen Stresstests durchgefallen ist. . …

Der Sinneswandel ist bemerkenswert. Er wird begründet mit dem Wunsch  der Märkte nach Transparenz über die Verfassung der Banken. Das ist einerseits verständlich, andererseits lenkt es ab von den Verursachern der aktuellen Krise: den Regierungen in der Euro-Zone, deren verantwortungslose Schuldenpolitik den Staatsanleihenmarkt ruiniert.“ In den USA war es im Frühjahr 2009 noch (nur) eine Bankenkrise, „jetzt in Europa ist es aber eine Staatenkrise. (Jetzt) soll die Widerstandsfähigkeit der  Banken  für den Fall geprüft werden, dass die Staatsanleihemärkte zusammenbrechen. Natürlich ist es die Pflicht der Aufseher, auf Systemschocks vorbereitet zu sein. … (Aber) es waren die Länder selbst, die den Banken durch laxe Bilanzierung den Kauf von Staatsanleihen schmackhaft gemacht haben. So müssen Europas Geldhäuser die Anleihen bis heute nicht mit teurem Eigenkapital unterlegen, wie es bei fast allen anderen Wertpapierarten der Fall ist. Leichter kann man kaum verführt werden.

Es ist nicht lange her, da appellierte die Bundesregierung an die Banken, nur ja keine Griechen-Anleihen zu verkaufen, um die Euro-Zone zu retten. Schon vergessen?

Was sind die Tests wert?

Das Kalkül: Da der Test (bisher) nur 26 weitgehend gesunde Großbanken umfasst – in Spanien BBVAQ und Santander -, hätte das Finanzsystem des Landes besser dagestanden, als es der Realität entspricht. …..Im neuen erweiterten Stresstest werden, zu Recht, auch die  deutsche Landesbanken, spanische Sparkassen. Dass diese Institute kaum überlebensfähig sind, ist aber hinlänglich bekannt. Nicht umsonst hängen sie am Tropf ihrer jeweiligen Bankenrettungsprogramme, die komplizierten EU-Beihilfefälle laufen seit Monatenn. Was jetzt das Zwangsouting soll, bleibt schleierhaft.

Möglich ist sogar, dass die Tests absichtlich zu gut ausfallen, um kein Chaos an den Märkten heraufzubeschwören – ähnliche Mutmaßungen gab es seinerzeit auch in den USA. Die bloße Vermutung aber, dass Transparenz vorgegaukelt wird, um die Märkte zu beruhigen, könnte die Tests zum Rohrkrepierer werden lassen.

 

Zum Top 55: „Mogelpackung Aufschwung“ , W.Münchau in FTD, 14.07.10 (55)

„Die Risikoaufschläge für südeuropäische Staatsanleihen verringern sich, und die EZB reduziert flugs ihre Interventionen an den Kapitalmärkten. Ihr Aufkaufprogramm für Staatsanleihen ist effektiv am Ende. Händler werden mit der Aussage zitiert, die Ankündigung der Stresstests für die Banken hätte den Durchbruch gebracht. Die Krise nähert sich ihrem Ende. Und die Konjunktur fängt wieder an zu brummen.

Leider alles Quatsch.

Erstens werden die Stresstests nicht wirklich etwas bringen. Deutschlands unterkapitalisierte Banken werden unterkapitalisiert bleiben.

Zweitens ist der Stabilisierungsfonds der EU dermaßen riskant, dass er kaum die gewünschte Stabilisierung an den Bondmärkten erreichen wird.

Und drittens verlangsamt sich die Weltkonjunktur, auch wenn man das in Deutschland noch nicht merkt. Die Krise ist alles andere als zu Ende.

Was  die Stresstests angeht, wird sich für Deutschland nicht oder wenig ändern. Die staatseigene KfW ist effektiv insolvent, steht aber außerhalb des Gesetzes über das Kreditwesen und muss daher ihren Müll nicht mit dem nötigen Kapital unterlegen. Die Landesbanken wähnen sich ausgestattet mit einer adäquaten Kapitalstruktur. Doch es ist nicht echtes Aktienkapital, das das Risiko in ihren Bilanzen absorbiert, sondern stilles Kapital. Das ist eine von vielen hybriden Formen von Kapital, angesiedelt irgendwo zwischen Anleihen und Aktien.  Auch wenn wir Deutschen uns für grundsolide in finanziellen Angelegenheiten halten, sind wir Weltmeister darin, wackelige Finanzkonstrukte auf die Beine zu stellen.

Stilles Kapital erhöht das Risiko

Hybrides Kapital erfüllt formal die Voraussetzungen der Baseler Eigenkapitalkriterien: Noch! Bald soll es Einschränkungen geben. Der Grund, warum wir in der Diskussion um die Stabilität von Banken an einer starken Kapitaldecke interessiert sind, ist nicht die formale Erfüllung irgendwelcher Regeln. Wir – die Öffentlichkeit – möchten, dass die Banken  im Faller einer Insolvenz über genügend Kapital verfügen, das für die Verluste aufkommt. Die Inhaber von stillem Kapital genießen aber selbst in der Krise noch einen Anspruch von Zinszahlungen. Die Idee von Eigenkapital ist, dass es Risiko absorbiert. Stilles Kapital und andere hybride Kapitalformen verstärken das Risiko.

Daher ist es auch problematisch, dass der Rettungsfonds Soffin seine Eigenkapitalinjektionen in Form von stillem Kapital beisteuert. Das reduzieret zwar das Risiko des Bundes, löst aber nicht das Problem eines unterkapitalisierten Bankensektors. Das ist eine Mogelpackung, die die überfällige Umstrukturierung im Bankensektor verhindert. Denn durch die Injektion von stillem Kapital bleibt die kuschelige Eignerstruktur in Deutschlands öffentlichem Bankensektor erhalten.

Die Stresstests stehen auf einem sandigen Untergrund. Vielleicht wird hier und da eine schwächelnde Bank in Irland oder Spanien gezwungen, ihre Bilanz nit etwas hybridem Kapital aufzumotzen. Aber was ändert es? Europas Regierungen haben nicht den politischen Willen, die Problematik eines unterkapitalisierten Bankensektors anzugehen, und ohne kapitalstarken Finanzsektor werden wir kaum einen stabilen Aufschwung erwarten.

Was den europäischen Stabilisierungsfonds angeht, gibt es einige Parallelen. Auch hier bedient man sich des Zaubertricks des modernen Finanzwesens. … Der europäische Rettungsfonds ist technisch genau so ein Produkt: aufgebaut wie ein CDO, ein strukturiertes Produkt aus der Giftküche der Kreditmärkte. Dafür werden schlechte Schulden aufgekauft, gestückelt und dann in ein Produkt mit höchstem Rating verwandelt. Die Technik, die man benutzt, ist die der Überabsicherung. Man steckt etwas mehr Kapital rein, als rein rechnerisch nötig wäre, um das höhere Risiko abzusichern. Im Falle des Rettungsfonds beträgt die Überkapitalisierung 20 %, was wahrscheinlich nicht ausreichen wird. Die Rechnung basiert auf der Annahme, dass Spanien und Italien beide nicht in wirkliche Not geraten. Da die EZB die Käufer der Staatsanleihen fast auf null zurück geschraubt hat, ist der Rettungsfonds das einzige echte Stabilisierungsinstrument, das uns zur Verfügung steht.

Und zu guter Letzt ist auch der Konjunkturausblick nicht mehr ganz so rosig. Die deutsche Konjunktur hat im 2. Quartal ordentlich zugelegt, und die Stimmung ist mittlerweile sehr gut. Nur läuft die deutsche Wirtschaft nicht immer synchron  mit der Weltkonjunktur. Die globale Abschwächung, die wir momentan erleben, wird auch auf Deutschland ihre Auswirkungen haben, zumal jetzt auch wieder Marktzinsen und Wechselkurse steigen. Ab dem nächsten Jahr wird die Haushaltspolitik ständig konsolidieren, so dass wir bei weiterhin stagnierender Inlandsnachfrage mehr denn je auf den Export für das Wachstum angewiesen sind. Ich glaube zwar nicht an eine erneute Rezession, aber ich halte einen langjährigen stabilen Aufschwung der Weltwirtschaft für sehr unwahrscheinlich. Die Unterkapitalisierung der Banken und die Überschuldung des Privatsektors in vielen Ländern bremsen den Aufschwung.  Wenn der öffentliche und private Sektor gleichzeitig sparen, dann heißt das logischerweise, dass weniger investiert wird.

Die unzureichende Rekapitalisierung der Banken, die brüchige Strategie der Stabilisierung in Europa und eine eher schwache Entwicklung der Weltkonjunktur werden dafür sorgen, dass uns die Krise auch weiterhin erhalten bleiben wird. Es ist eine Strukturkrise, keine Konjunkturkrise. Sie  endet nicht durch gute Stimmung. Wer das glaubt, hat die tieferen Ursachen dieser Krise immer noch nicht verstanden. Um diese Krise zu meistern, reicht die übliche politische Flickschusterei nicht aus. Es handelt sich um eine Krise, die wir tatsächlich lösen müssen.“

  

Zum Top 56.: „Anlass zum Pessimismus“, Lucas Zeise, FTD, 20.07.10 (56)

„Frau R. Köcher, Leiterin des Allensbach-Instituts fragt sich, woher kommt der Missmut des Volkes? …

Ich biete Frau Köcher zwei Erklärungen an:

Erstens: Die ökonomische Lage ist nicht gut. Die Arbeitslosenzahlen sind systematisch untertrieben. Viele derjeniegen, die einen Job haben, müssen Lohneinbußen hinnehmen.  Die Gewinne einger exportstarker Unternehmen erleben zwar in der Tat ein kräftigen Aufschwung. Aber alles, was einen Absatz im Inland hat, kümmert dahin. Das gilt auch für die Bauindustrie, die eigentlich von den staatlichen Konjunkturprogrammen und der Flucht in die Sachwerte hätte profitieren ollen. Für einen wirklichen Aufschwung wäre ein deutliches Plus bei den Investitionen notwendig, doch davon ist keine Rede.

Zweitens: Die Aussichten sind noch schlechter als die Lage. Woher ich und die Bevölkerung das wissen? Wir erfahren es von den Politikern. Selbst wer glaubt, was die Regierung sagt, muss sich darauf einstellen, dass es in naher und ferner Zukunft keine Steuersenkung, sondern, massiv steigende Abgaben gibt. Ist das der Grund für Frohsinn?

Dass Regierung und Parlament Not- und Hilfsprogrammen im Umfang von Hunderten Milliarden von Euro beschlossen haben  oder beschließen mussten, weckt Zukunftsangst, weil es von der Politik keine plausible Erklärung für diese Handlungsweise gibt.

 Die Regierungsparteien bieten ein Bild der Ratlosigkeit. …Ihr Weltbild, das vermutlich auch Frau Köchers ist wankt.

Das Untersuchungsobjekt Volk muss also gar nicht besonders helle sein, um in Pessimismus zu verfallen. Das Land und der Weltkapitalismus befinden sich Jahren in einer schweren Krise. Die politische Führung, nach allgemeinem Demokratieverständnis dafür zuständig, die Krise zu lösen, hat augenscheinlich keinen Schimmer, wie der Ausweg zu finden wäre. …

Wären im Herbst 2008 von den Regierungen nicht Rettungsmilliarden in Form von Garantien und Eigenkapital ins Bankensystem geworfen worden, so wäre vermutlich das Finanzsystem weitgehend kollabiert. Nur hat leider diese Rettungsaktion den ganzen schönen, teuren Finanzapparat und seine hässliche Kehrseite, die Verschuldung, ebenfalls gerettet. Der Finanzsektor ist groß und stark wie zuvor. Ein großer Teil der exzessiven Verschuldung der Finanzinstitutionen wurde auf die Staaten verlagert. Hätten die Regierungen nicht im Winterhalbjahr 2008/09 beachtliche Konjunkturprogramme aufgelegt, so wäre der tiefe Einbruch on Konjunktur und Welthandel in eine Abwärtsspirale übergegangen.

Auch die geschönten Arbeitslosenzahlen sähen dann heute nicht mehr niedrig aus. Stattdessen wäre die Lage ähnlich wie 1932 während der letzten Weltwirtschaftskrise. Im Winterhalbjahr 2008/09 sah e4s so aus, als hätten die Regierungen eine Art Plan, nämlich den, mit Hilfe eines keynsianischen Schuldenanschubs aus der Krise herauszuwachsen.  Der Schub kommt (jetzt) langsam an sein Ende, Es zeigt sich nun, dass seine Kraft nicht ausreicht, um die Weltkonjunktur wieder in Schwung zu bringen. Zum einen, weil der Ausfall der Nachfrage des sich stets verschuldenden US-Bürgers ein dauerhafter Ausfall ist, der durch einmalige Konjunkturanschübe nicht adäquat ersetzt werden kann. Notwendiger wäre ein kräftiger und eben dauerhafter Zuwachs der niedrigen Einkommen, den es bisher aber nicht gibt.

 Zum anderen reicht die Kraft nicht aus, weil der Finanzsektor dank des liebevollen Einsatzes der Regierungen (und Notenbanken)  fast so groß, aufgeblasen und fett ist, wie vor der Krise: Das Finanzvermögen absorbiert nach wie vor einen zu hohen Anteil am Sozialprodukt.

Und drittens schränkt die drastisch erhöhte Verschuldung der Staaten deren Handlungsfähigkeit ein. Sie drohen selbst zu Konkursfällen zu werden. Die von ihren Schulden lebenden Banken und Versicherungen geraten abermals in Gefahr zu kollabieren.

Wieder wurden riesige Rettungspakete geschnürt, die, wie die Schnürenden selbst einräumen, keine dauerhafte Lösung sind. Das Gegenteil einer Lösung ist zudem der Kurswechsel von expansiven zu kontraktiven Staatshaushalten. Er verschärft die Probleme. …

Die Lage ist jetzt für die Regierenden noch schwieriger geworden als im September/Oktober 2008. Nicht einmal der deutschen Regierung, die noch ein wenig Verschuldungsspielraum hat, kann man raten, ein weiteres großes Konjunkturprogramm aufzulegen. Wenn solche Maßnahmen nicht mit einer rigorosen Verkleinerung des Finanzsystems und einer Umverteilung von oben nach unten einhergehen, werden sie im besten Fall die Lage etwas mildern. Einen Ausweg aus der Krise bieten sie allein nicht

 Das sind meine Gründe für Pessimismus. Je länger die Krise dauert, desto kräftiger muss umgesteuert werden, um sie zu überwinden. Dass das aktuelle Personal dazu weder willens ein weiteres großes Konjunkturprogramm aufzulegen.noch in der Lage ist, haben die Menschen bereits begriffen“.

Zum Top 57: „Eklat um Größe des EU-Rettungsschirms“, P. Ehrlich Brüssel, T. Pache, Berlin, A. Kühnlenz, Frankfurt schreiben dazu in der FTD vom 15.07.10 (57)

„Der Euro-Zonen-Rettungsfonds wird statt wie ursprünglich erwartet 440 Mrd. Euro lediglich 366 Mrd. Euro an Krediten an notleidende Staaten der Euro-Zone ausreichen. Die niedrigere Summer ergibt sich, weil die Staaten mit jeweils 120% des auf sie entfallenen Anteils für Anleihen garantieren, die der Euro-Zonen-Rettungsfonds zur Gegenfinanzierung der Kredite aufnehmen darf. Die Summe von 440 Mrd. Euro entspricht 120% der 366 Mrd. Euro. Mit der hohen Garantie soll dem Fonds „Der Euro-Zonen-Rettungsfonds wird das Toprating „AAA“ bei Ratingagenturen gesichert werden….

Bundestagsabgeordnete reagierten dagegen erstaunt auf ein Schreiben des deutschen Finanzstaatssekretärs Steffen Kampeter, in dem die „Der Euro-Zonen-Rettungsfonds wird maximale Darlehenssumme „Der Euro-Zonen-Rettungsfonds wird mit „ca. 366 Mrd. Euro“ angegeben wurde. Bis (dahin) hatten die Finanzminister und die Eu-Kommission immer nur die Zahl von 440 Mrd. Euro genannt….

Der SPD-Abgeordnete Ewald Schurer schätzt indes, „dass 99% der Abgeordneten nicht wussten, dass die von der EU im Zuge des Hilfspakets selbst beizusteuernden 60 Mrd. Euro nicht aus Eigenmitteln der Kommission stammen, sondern ebenfalls als Kredite aufgenommen werden müssen. Und das Gleiche gilt für den 440 Mrd.- Euro – Fonds der Euro-Staaten und dessen Besicherung“, sagte Schurer der FTD. Erst „Der Euro-Zonen-Rettungsfonds wird jetzt entdecke man „echte Hämmer“ in dem Rettungspaket.

Der Europäische Stabilisierungsfonds wird bei Hilfskrediten an bedürftige Euro-Staaten, die gleichen Risiken  „Der Euro-Zonen-Rettungsfonds wird bei Hilfskrediten an bedürftige Staaten die gleichen Risiken eingehen wie alle anderen Anleihenbesitzer. Der Anfang Juli installierte Leiter des Euro-Zonen-Rettungsfonds, Klaus Regling, sagte dem Wall Street Journal:“ Anders als der IWF wird der Euro-Zonen-Rettungsfonds kein „Der Euro-Zonen-Rettungsfonds wird kein bevorzugter Kreditgeber sein. Er wird den gleichen Stand wie jede andere staatliche Forderung gegen ein Land haben, pari passu“, sagte Regeling. Im Falle einer Umschuldung oder Insolvenz kommt der Stabilisierungsfonds also nicht in den Vorzug, zuerst bedient oder gar aus einer Schuldenumstrukturierung herausgenommen zu werden.“

  

Zum Top 58: „Das wahre Problem ist, dass die Krise andauert“, Claus Mateki, Vorstandsmitglied des DGB, FTD, 15.07.10 (58)

 

„Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch nicht vorbei, auch wenn Frau Merkel sie für beendet erklärt, auch wenn Bundesregierung, neoliberale Ökonomenzunft und konservative Blätter lieber von der Schuldenkrise reden.

Doch der Schein trügt. Weltweit sind die Ökonomen besorgt darüber, dass sich die Wiederbelebung der Weltwirtschaft als instabil erweisen könnte.“ … Mateki führt im Folgenden die „richtig“ agierenden arabischen Ölstaaten und ostasiatische Länder mit China an, die „längst begriffen haben, dass man aus der Krise herauswachsen muss“ und fragt dann. „Und was wird aus unserer Zukunft? Wie beenden wir die untragbaren Zustände in Bildung, Infrastruktur, öffentlicher Daseinsvorsorge und die immer sichtbarere soziale Schieflage? Wie beenden wir im echten Leben und nicht in Fernsehansprachen die Zockerei der Finanzjongleure?

Diese Fragen beschäftigen die Regierung nicht. Die dringend erforderliche Regulierung der Finanzmärkte und eine Kostenanlastung nach dem Verursacherprinzip, die Umkehrung der Umverteilung v on unten nach oben  und der Abbau der Ungleichgewichte – innerhalb der EU und global – werden zugunsten des Sparens auf die lange Bank geschoben. …Man tut das, was man am besten zu können glaubt: Politik nach Kassenlage, Sozialkürzungen statt Zukunfsinvestitionen.

Aber: Ohne Investitionen wird es kein Wachstum, keine Jobs und kein Einkommen geben. Alles Sparen hilft nichts, wenn die Menschen immer weniger verdienen. Dann fehlt ihr Konsum, um für Wachstum, neue Arbeitsplätze und kräftige Steuereinnahmen zu sorgen. Umso mehr, wenn sich der Staat ebenfalls einer Zwangsdiät bis hin zur fiskalischen Magersucht verschreibt. …

Damit nicht genug: Das Sparpaket der Bundesregierung startet faktisch einen Raubzug bei den Ärmsten der Armen, um Wohltaten für die Wohlhabenden, Reichen und Finanzjongleure in diesem Land zu finanzieren.  Sie will ausgerechnet bei denen das Geld für die Rettung der Zocker holen, die Opfer der Krise geworden sind. Ausgerechnet bei denen, die am wenigsten am Reichtum dieses Landes teilhaben. Dafür werden Privilegien für Hoteliers, Bankmanager, Vermögende und reiche Erben gewährt. … Dafür instrumentalisiert die Bundesregierung nicht nur die wegen der Krise aufgenommenen Schulden. Schlimmer noch: Der An stieg der Staatsverschuldung wird nicht als Folge, sondern als Ursache der Krise in Deutschland und in Europa uminterpretiert: “Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“ folgt dem „Die Griechen haben in Saus und Braus gelebt“.

Damit wird der Anstieg der Staatsverschuldung unabhängig von der Krise als ein strukturelles Problem dargestellt, dass man ein für allemal und mit der deutschen Gründlichkeit einer (verfassungsmäßigen9 Schuldenbremse bekämpft. Am besten übernimmt die Weltgemeinschaft unsere Schuldenbremse….

Nicht nur Griechen und Spanier sollen sparen, sondern allen Euro-Staaten wird empfohlen,  bis 2016 die Haushaltsdefizite gegen null zu fahren…. Nach den Beschlüssen des G-20-Gipfels in Toronto scheint auch die Welt die deutsche Logik des Sparens verstanden zu haben. …“

  

Zum Top 59: „Zähmen statt sparen“, Joseph Stieglitz, Nobelpreisträger Ökonomie, FTD, 26.07.10 (59)

„Es ist nicht lange her, da konnten wir sagen: „Wir sind jetzt alle Keynsianer.“ Der Finanzsektor und die Ideologie des freien marktes hatten die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht. Die Deregulierung hatte sich als schlimmer Fehler erwiesen.

Die „Innovationen“ der modernen Finanzwirtschaft haben nicht zu einer höheren langfristigen Effizienz , zu schnellerem Wachstum oder größerem Wohlstand für alle geführt. Stattdessen waren sie darauf ausgerichtet, Bilanzierungsrichtlinien zu umgehen und Steuern zu vermeiden, die eigentlich dringend zur Finanzierung öffentlicher Investitionen in Infrastruktur und Technologie gebraucht wurden. Statt reales Wachstum hat der Finanzsektor nur ein Phantomwachstum gefördert.

Die Protagonisten dieses Sektors ließen sich nicht nur hochtrabend darüber aus, wie eine dynamische Wirtschaft zu erschaffen sei, sondern auch darüber, wie man sich im Falle einer Rezession verhalten sollte (die laut Ideologie der Finanzwirtschaft nur durch Staatsversagen verursacht werden kann.)

Immer wenn die Wirtschaft in eine Rezessionsphase eintritt, fallen die Einnahmen und steigen die Ausgaben, etwa für das Arbeitslosengeld. Also wachsen die Defizite.

Die „Defizitfalken“ aus dem Finanzsektor meinen nun, der Staat solle sich darauf konzentrieren, diese Defizite abzubauen, am besten durch Ausgabensenkung. Nur so werde das Vertrauen wiederhergestellt, wodurch die Investitionstätigkeit – und somit das Wachstum – zurück käme. Doch so schlüssig diese Argumentation auch klingt, die historischen Fakten widerlegen sie.“…

-          Beispiel Hoover 1929

-          Beispiel IWF und Ostasienkrise 1997

„Die Argumentation (der Defizitfalken) beruht auf einer fehlerhaften Analogie. Ein privater Haushalt, der mehr Schulden hat, als er bequem zurückzahlen kann, muss seine Ausgaben verringern. Doch wenn eine Regierung dies tut, sinken Produktion und Einnahmen, die Arbeitslosigkeit steigt, und die Fähigkeit, die Schulden ab zu bezahlen, nimmt möglicherweise sogar ab. Was für eine Familie gilt, gilt nicht für ein Land.

In Europa, besonders in Deutschland, und in einigen Gegenden der USA nehmen die staatlichen Defizite und Schulden zu, und die Forderungen nach härteren Sparmaßnahmen werden lauter. Wenn sie Beachtung finden, wie es in vielen Ländern der Fall zu sein scheint, wird dies katastrophale Folgen haben, vor allem angesichts der Instabilität der Erholung. Das Wachstum wird sich verlangsamen, Europa und/oder Amerika werden womöglich ogar zurück in die Rezession rutschen.

Nicht die Ausgaben zur Ankurbelung der Wirtschaft haben den Großteil der hohen Defizite und Schulden verursacht, sondern die „automatischen Stabilisatoren“ – sinkende Steuereinnahmen und Ausgabenerhöhungen, die den Abschwung automatisch begleiten. Die Keynsianische Wirtschaftslehre hat funktioniert: Ohne Konjunkturmaßnahmen und automatische Stabilisatoren wäre die Rezession wesentlich intensiver und länger ausgefallen und die Arbeitslosigkeit höher gestiegen. Das bedeutet nicht, dass wir den Schuldenstand ignorieren sollten. Doch wirklich wichtig sind (allein)die langfristigen Schulden.

Es gibt ein einfaches keynsianisches Rezept: Erstens sollte weniger für unproduktive Zwecke ausgegeben werden (z.B. Kriege und bedingungslose Bankenrettungspakete) …Zweitens sollten die Ausgaben erhöht werden, die Gerechtigkeit und Effizienz fördern, z.B. indem Steuern für Unternehmen, die Gewinne nicht reinvestieren, heraufgesetzt und für diejenigen, die reinvestieren, heruntergesetzt werden. Oder indem die Steuern auf Spekulationsgewinne und für CO2-intensive, umweltbelastende Energien erhöht werden, während die Steuern für Niedrigverdiener gesenkt werden.

Es gibt weitere Maßnahmen, die hilfreich sein könnten. Beispielweise sollte der Staat Banken helfen, Kredite an kleine und mittlere Unternehmen zu vergeben, die das Gros der Arbeitsplätze schaffen – oder er sollte neue Finanzinstitute gründen, die dies übernehmen, anstatt große Banken zu unterstützen, die ihr Geld mit Derivaten verdienen.

Die Finanzmärkte haben ein System geschaffen, das ihre Ansichten durchsetzt: Über freie und offene Kapitalmärkte kann ein kleines land kurzfristig mit Kapital überschwemmt werden, nur um kurz darauf hohe zinsen zahlen zu müssen – oder völlig von jeglicher Finanzierung abgeschnitten zu werden. Unter diesen Umständen haben kleine Länder scheinbar keine Wahl: Sie beugen sich dem Spardiktat der Finanzmärkte oder sie werden durch Finanzierungsentzug bestraft.

Doch die Finanzmärkte sind ein launischer Zuchtmeister. Am Tag, nachdem Spanien sein Sparpaket angekündigt hatte, wurden seine Staatsanleihen herabgestuft. Das Problem war nicht ein Mangel an Vertrauen, dass die spanische Regierung ihre Versprechen erfüllen würde, sondern die Angst, dass sie genau das tun und so das Wachstum verringern würde. …

Die Finanzwirtschaft ist ein Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck an sich. Sie sol (eigentlich) den Interessen der übrigen Gesellschaft dienen, nicht andersherum.

 Die Finanzmärkte zu zähmen wird nicht einfach werden, aber es kann und muss getan werden, und zwar mit einer Mischung aus Steuern und Regulierung – ggfs. Sollte der Staat in die Bresche springen. In den USA un d Europa hat der Prozess des Mäßigens und Zähmens bereits begonnen. Doch es bleibt noch viel zu tun.“

(Kommentar: Trotz der Achtung der großen Leistungen von J:Stieglitz ist dieser Artikel nicht konsequent in der Benennung der unterschiedlichen Interessen von Finanzindustrie und den vielen Gruppierungen der übrigen Gesellschaft. Zudem überschätzt er ganz offensichtlich die Dimension der bisherigen Maßnahmen des „Mäßigens und Zähmens“, die in den Ländern der G-20 oder G-7 bisher ergriffen worden sind.)

 

Zum Top 60: Warten auf den zweiten Einschlag, W. Münchau, FTD, 25.08.10 (60)

Wolfgang Münchau, FTD- und FT-Kolumnist, schribt am 25.08.10: „Ich habe argumentiert, dass die globalen Ungleichgewichte die tiefe Ursache dieser Krise waren. Die Finanzmärkte  spielten nur eine instrumentale Rolle, keine ursächliche.

Da die globalen Ungleichgewichte (noch immer vorhanden sind) und wieder auftreten werden, ist es völlig legitim, sich mit diesen instrumentalen Fragen zu befassen. Die Finanzmärkte sind das Bindeglied zwischen Ungleichgewichten und Krise. Und nach all dem, was wir jetzt wissen, werden sie diese Rolle wieder wahrnehmen.

Wenn man sich mit Krisen beschäftigt und Empfehlungen ausspricht, sollte man der Versuchung widerstehen, sich zu konkret mit der vorangegangenen Krise auseinanderzusetzen. Es bringt nichts, wenn wir jetzt anfangen Verbriefungsprodukte mit exotischen Namen wie CDO zu reglementieren. Ich habe mich an dieser Stelle für eine Regulierung der Kreditderivate ausgesprochen, weil deren Missbrauch dem öffentlichen Interesse zuwiderläuft. Aber ein Ausweg aus der Krise sind solche Vorhaben nicht. Eine Stärkung des Eigenkapitals der Banken, wie sie vom Baseler Ausschuss vorgeschlagen wurde, ist sicherlich ebenfalls wünschenswert, wird die nächst Krise aber wohl auch nicht verhindern.

Ans Licht mit den Schattenbanken

Die Krise des vergangenen Jahrzehnts wurde im amerikanischen Immobilienmarkt ausgelöst. Die nächste Krise wird mit großer Wahrscheinlichkeit anderswo stattfinden. Es ist schwer zu prognostizieren, wo genau das sein wird. In der vergangenen Woche vermutete ich, dass wir eventuell in den Rohstoffmärkten Probleme bekommen oder in den Aktienmärkten der Schwellenländer. Aber wer weiß? Anstatt die letzte Krise zu beenden, ist es jetzt wichtig, das Risiko insgesamt zu begrenzen. Dabei gibt es zwei Prioritäten:

Die erste sollte sein, das Schattenbankensystem so weit wie möglich auszuhebeln und in den Bankensektor zu integrieren. Das wird nicht passieren. Große Teile des globalen Finanzsektors werden auch weiterhin außerhalb jeglicher Aufsicht existieren, wie etwa der gemeinsame Markt für Swap – Zinsswaps, Devisenswaps, Kreditausfallsweaps und deren exotische Varianten. Die Hedge-Fonds sind geschwächt, spielten in der Krise aber auch nicht die prominente Roll, die ihnen einige Kritiker zuweisen wollten. Vermutlich werden sie in den nächsten Jahren wieder verstärkt in Erscheinung treten. Der große Unterschied ist, dass die neue Regulierung der EU die Fonds in andere Länder treibt, wo sie ungehindert arbeiten können, etwa die Schweiz.

Der Bankensektor war auch vor der Krise stark reguliert. Der Schattenbankensektor wird auch danach nicht wirklich reguliert werden.  Das Problem ist die mangelnde internationale Zusammenarbeit. Die G-20 kommen in diesen Fragen einfach nicht weiter. Wir haben schon jetzt, drei Jahre nach Ausbruch der Krise, die Grenzen der internationalen Zusammenarbeit erreicht.

Die Globalisierung ermöglicht zwar die Ungleichgewichte, stellt aber keine demokratischen Institutionen bereit, die Ungleichgewichte demokratisch zu managen. Wir versuchen die Probleme mit den begrenzten Mitteln des Nationalstaats und der freiwilligen internationalen Zusammenarbeit zu bewältigen. Und aus diesem Grunde werden wir das Problem des globalen Schattenbankensystems, das die enormen weltweiten Finanzströme absorbiert und kanalisiert, nicht lösen (können).

Eas wäre sehr naiv zu glauben, dass das Schattenbankensystem in Zukunft besser in der Lage sein wird, die Kapitalströme in einer ökonomisch sinnvollen Weise zu recvyceln. Man wird wahrscheinlich irgendwelchen neuen Trends hinterherjagen und neue Blasen kreieren.

Die zweite Priorität ist die Rekapitalisierung des Bankensektors. Hier geht es nicht nur um eine Erhöhung der Eigenkapitalquoten. Viel wichtiger noch ist die Neudefinition von Kapital. Gerade deutsche Banken stecken voller Hybridkapital, das für Regulierungszwecke zwar offiziell als Kernkapital zugelassen, unter ökonomischen Gesichtspunkten aber witzlos ist. Es geht schließlich darum, dass Kapital auftretende Verluste absorbiert. Wer in Deutschland aber Genussscheine oder stilles Kapital besitzt, sieht dessen Funktion allerdings etwas anders.

Eigenkapitalstrukturen reformieren

Hier bin ich etwas optimistischer, obwohl der Widerstand gegen die neuen Basel-III-Vorschläge noch extrem groß ist. Deutschland mauert weiter. Das deutsche Bankensystem hat schlichtweg nicht genug Kapital, um externe Schocks zu verkraften. Da künftig mehr solcher Schocks zu erwarten sind, ist eine Stärkung echten risikoabsorbierenden Kapitals notwendig. Das wiederum würde eine radikale Umstrukturierung des deutschen Bankensystems voraussetzen. Hier geht es nicht um die Frage, ob die Banken privat, genossenschaftlich oder staatlich sind.

Da weder auf eine tiefgreifende Einschränkung des Schattenbankensystems noch auf eine baldige Reform der Eigenkapitalstrukturen Aussicht besteht, sind die grundlegenden Parameter der Regulierung des Finanzsektors dieselben wie vor der Krise. Die Neuregulierung von Bonuszahlungen und Hedge-Fonds in Europa sowie von Investmentbanken in den USA machen eine exakte Wiederholung der letzten Finanzkrise unwahrscheinlich. Damit löst man aber nicht das Problem. Innovative Banker werden neue profitable Tätigkeiten entdecken und ausnutzen.

 Die Schlussfolgerung dieser Serie ist, dass es erst nach der nächsten Krise zu einer grundlegenden Umorientierung kommen wird. Das heißt aber auch, dass diese neue Krise zunächst kommen wird. Was sie so gefährlich macht, ist unser schwächlicher Allgemeinzustand. Genauso wie es in Europa erst nach dem 2.Weltkrieg zu einer grundlegenden politischen Neuordnung kam, ist es auch mit den Finanzkrisen.

Die jetzige Krise war offensichtlich nicht destruktiv genug. Aus der nächsten wird man ohne Illusionen hervorgehen.“

 

Top