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 Harte Bandagen im Kampf um die Einflußbereiche im Nahen Osten

Siegrid Hunke bei Albin Michel
und
Islamisten bei der FES

von Gudrun Eussner


Vom 17. bis 19. Februar 2004 wird in Beirut die Konferenz "The Islamic World and Europe: From Dialogue towards Understanding" (Die islamische Welt und Europa: vom Dialog zum Verständnis) stattfinden. Die SPD-nahe Friedrich Ebert Stiftung (FES), das deutsche Orient-Institut Beirut (OIB), die österreichische Botschaft Beirut, eine britische und eine Institution der libanesischen Terrororganisation Hezbollah laden dazu ein. Die Referenten kommen aus islamischen Staaten, aus Deutschland, Österreich und Großbritannien. Der SPD-Bundestagsabgeordnete, Parteivorstandsmitglied Christoph Zöpel ("Die Schwachen brauchen mehr Hilfe als die Starken"), aktiv in der Sozialistischen Internationale (heißt wirklich so!), und das Politbüromitglied der Hezbollah, der Abgeordnete Muhammad Raad sind Key Speakers. (1)

Nun wollen wir nicht alle Referenten durchgehen, zwei jedoch sind schon einmal sehr interessant, und zwar der Dozent am salafidischen Markfield-Institut der Islamic Foundation Dr. Azzam al-Tamimi (2) und Dr. Tariq Ramadan, Professor für Islamologie in Genf, der allgegenwärtige Enkel des Moslembruders Hassan al-Banna und Sohn des Salafiden und Rabita-Mitbegründers Dr. Said Ramadan.

Dr. Azzam al-Tamimi möchte die Juden gern ins Meer treiben, denn Israel ist für ihn eine "historische Sünde", die so enden werde wie die Kreuzfahrerreiche, die von Sanddünen verschüttet wurden. "In der Tat haben sie nichts vor oder hinter sich als das Meer. Entweder sie segeln auf ihm zurück dahin, woher sie kamen, oder sie werden darin ertrinken. Das ist das Schicksal Israels." (3)

Dr. Tariq Ramadan ist schlicht der Freund eines jeden, der gegen Israel und die USA auftritt, obgleich er auch dabei ein doppeltes Spiel treibt. So viele Schultern kann eigentlich keiner haben, Tariq Ramadan jedoch hat sie. Dieser vom "Time Magazine" im Jahr 2000 zu einem der "spirituellen Führer des Jahres" gekürte Demagoge ist immer im Dienst für die Missionierung im Sinne des salafidischen Islam, gemeinsam mit Yusuf al-Qaradawi als Star-Redner auf der Londoner Konferenz "Islam in Europe", als Prediger vor begeisterten Globalisierungskritikern auf dem Europäischen Sozialforum (ESF), als Prediger vor Kopftuchträgerinnen und Bartträgern unter seinesgleichen in einer halbfertigen Pariser Vorstadtmoschee, bei der US-amerikanischen Universität Dartmouth, mit Palästinenser- und Saddam Hussein-Freund George Galloway und der Konvertitin Yvonne Ridley in London, bei Vorträgen zum Thema der Islamisierung Europas oder als Key Speaker einer von der US-amerikanischen und der britischen Botschaft mit der deutschen Industrie veranstalteten Berliner Konferenz zur Förderung der arabisch-westlichen (außer Frankreich) Zusammenarbeit. (4)

Nun ist er auch Freund der FES, die, wenn man sie fragte, mit Sicherheit gar nicht wüßte, was man gegen diesen Tariq Ramadan einwenden könnte.

Tariq Ramadan ist neben dem zum Glaubenskrieg gegen Israel hetzenden Scheich Mohammad Ramadan al-Bouti und ähnlichen Israelfeinden ebenfalls Star auf der von den Salafiden ausgehaltenen Web Site Oumma.com. Sein im Vorfeld zum ESF veröffentlichter antisemitischer Artikel "Critique des (nouveaux) intellectuels communitaires" (Kritik der -neuen- kommunitaristischen Intellektuellen) wird dort seit Anfang Oktober 2003 in Ehren gehalten.

Auf Oumma.com wird am 10. Februar 2004 ein Buch der Islamwissenschaftlerin Sigrid Hunke, einer in Deutschland altbekannten Rechtsradikalen, angepriesen: "Le soleil d'Allah brille sur l'occident", zu deutsch "Allahs Sonne über dem Abendland". Das Buch wurde in Deutschland im Jahr 1960 veröffentlicht. Die Autorin, Jahrgang 1913, ist 1999 in Hamburg verstorben. Zu Lebzeiten ist diese Frau 1940 bis 1941 Autorin der vom "SS-Ahnenerbe" herausgegebenen Zeitschrift "Germanien". (5) Das Christentum lehnt sie seinerzeit als "orientalisch" und daher "artfremd" ab. Nach dem Krieg ist sie aktiv im Vorstand von als rechtsextrem bekannten Unitariervereinigungen, sie ist Mitarbeiterin des "Thule-Seminars" des Dr. Pierre Krebs, der kürzlich die deutsche Übersetzung des Verschwörungsthrillers von Thierry Meyssan herausgibt. Es gibt auch eine vom NPD-Mitglied und früheren NSDAP-Reichstagsabgeordneten Otto Wetzel gegründete "Sigrid-Hunke-Gesellschaft", deren Kuratoriumsvorsitzende sie bis zu ihrem Tode ist. (6)

Der Nachruf auf diese heutzutage von den Islamisten aus dem Dunstkreis des Tariq Ramadan hochgeschätzte Rechtsradikale erscheint in der Ausgabe 3/99 der Zeitschrift des Revisionisten und Negationisten Wigbert Grabert "Deutschland in Geschichte und Gegenwart". Dort schreiben auch Alfred Dregger und Heinrich Lummer (beide CDU) und das ehemalige FDP-Mitglied Manfred Brunner.

Nun also ist der Orient nicht mehr "artfremd", sondern die Islamisten bedienen sich dieses Textes, der so wunderbar die Errungenschaften des Islams in allen Disziplinen, Mathematik, Astronomie, Medizin, Architektur, Musik und Poesie vorstellt. Künstler des Westens ziehen an die Höfe der islamischen Herrscher, und als sie zurückkommen, spielen sie eine dominierende Rolle bei der Entwicklung der Kultur des Westens. Die Rede ist vom Mittelalter und der Renaissance: "Der entscheidende Einfluß der arabischen Zivilisation auf Europa" wird beschworen. Das waren Zeiten!

Das Buch der Sigrid Hunke spreche vom Erbe, das diese arabisch-islamische Zivilisation der westlichen Welt hinterlassen habe, und ein begeisterter Leser meint auf Amazon.fr, auf dieses Erbe hinzuweisen, sei wichtig für die heutige Diskussion.

Die vor 500 Jahren verlorene Rolle wollen die politischen Islamisten um Tariq Ramadan zurückerobern. Es geht ihnen weniger darum, ihren arabisch-stämmigen Glaubensgenossen eine neue "islamische Spiritualität" zu vermitteln - die sollen kopftuchbewehrt bzw. bärtig die Quantität demonstrieren -, als darum, ihren Machtbereich auszudehnen, europäische Konvertiten zu gewinnen, das westliche System zu destabilisieren und auszuhebeln und weltweit den salafidischen Islam zu oktroyieren. Osama bin Laden und die al-Qaida versuchen solches auf unmittelbarem Wege. Demjenigen, der das für übertrieben hält, sei die Web Site der Salafiden "Muslim-Forum" zur Information empfohlen. Diese Seite arbeitet völlig unbehelligt, bringt Hetze gegen Israel, die USA und den Westen, ein sogenanntes Da'wa, Gebet des Sheikh Muhammad Al Mohaisany, vom Ramadan 1422 d.H., November/Dezember 2001, wird von Salafin in einem Thread "Ist Das Euer Ameer, O Madakhila?" am 7. Februar zum Abspielen eingestellt, (8) das Muslim-Forum verherrlicht die von Saudi-Arabien in Tschetschenien ausgehaltenen Glaubenskrieger und Momo, ein Forums-Teilnehmer meint am 9. Februar: "... inschaallh wird der Islam siegen. Er hat bis jetzt immer gesiegt ob gegen Perser, Byzantiner, Mongolen oder Kreuzritter".  (7)

Das Buch wird in Wiederauflage, am 29. Mai 1997, von dem bekannten Verlag Albin Michel herausgegeben, demselben Verlag, der auch die drittklassige Goncourt-preisgekrönte Fiktion "La mâitresse de Brecht" und die Lügengeschichte der angeblichen MOSSAD-Agentin Nima Zamar wider alle Expertenwarnungen herausgibt. Es paßt gut zueinander. Alles, was Israel und den USA schaden kann, wird eingesetzt, um die Position Europas gegenüber den USA zu stärken, um Machtbereiche im Nahen Osten zu erobern. Nichts ist schlecht genug, zu diesem Ziel zu gelangen. Wer erinnert sich nicht der Vorwürfe der europäischen Friedensfreunde und ihrer Regierungen gegen die USA?

Sie mögen vor ihrer eigenen Tür kehren!

Anmerkungen

(1) The Islamic World and Europe: From Dialogue towards Understanding.
Siehe dazu: Thomas von der Osten-Sacken und Thomas Uwer: Verständnisvolles Europa
Jüdische.at
, Artikelrubrik Extremismus, 8.2.2004
Hezbollah. Identity and Goals
(2) Dr. Azzam al-Tamimi, BSc, PhD Research interests: Islamic Political Thought, Islamic Movement and Revival, Islam in the West. The Markfield Institute of Higher Education
(3) Philologos - BPR Mailing List Digest, November 7, 2000
(4) Arab Western Summit of Skills, Berlin, 17.-18.1.2004

ATTAC - At-Taqiya
- Attacke.
Der Islamist Tariq Ramadan und die Globalisierungskritiker vereint im Kampf, von Gudrun Eussner
(5)
Nach den Rechten sehen, Ausgabe 7, September 2000. Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten - VVN-BdA -
(6) Peter Kratz: "Die Götter des New Age", Kapitel 3 BIFF e.V.
Sigrid Hunke. IDGR. Lexikon Rechtsextremismus
(7) Muslim-Forum
(8) Salafin: Sheikh Muhammad Al Mohaisany,

7.2.2004