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Geschichte 

 

 

  • Mai 68 - Interaktiv bei arte

  • 1968 - Das Jahr in der FR

  • Kommune 1, Rainer Langhans und der Harem
  • 68 in Goslar / Harz
  • Claude Lefort: "Die Bresche. Essays zum Mai 68". Turia + Kant, Wien 2008. 92 Seiten, 10 €: Nach Lefort ist 68 ein Ereignis, das für die Unbestimmbarkeit der modernen Politik steht. Und ein Beweis dafür, dass Revolten nicht immer durch Krisen ausgelöst werden. Nicht durch ökonomische, nicht durch politische. (taz, 05.07.2008).
  • Georg Meier: Alle waren in Woodstock − außer mir und den Beatles. (Roman) Der Held des Romans erzählt vom Leben auf der Straße, von Demos, freier Liebe und vom Abenteuer in den großen Städten Europas, und ebenso eindringlich beschreibt er die Irrwege, die opiatverseuchten Hotelzimmer in Istanbul und Afghanistan, die Suche nach der absoluten Wahrheit in politischen und spirituellen Sekten.

  • 1968 - Forty Years Later: A Look Back: In this ongoing series, Democracy Now! looks back at the year 1968, perhaps the most pivotal year in the late 20th century history of the United States and much of the world. Forty Years Later, we remember the Vietnamese Tet Offensive, the Orangeburg Massacre, the Paris Riots, the assassination of Martin Luther King, the My Lai Massacre, the Tlatelolco Massacre in Mexico, and more.

    Todd Gitlin: Kein Ende in Sicht (Goethe-Institut). Die Ereignisse und Proteste (von 68) hatten für einen starken politischen Gegenwind gesorgt, der nicht nur Nixon an die Macht verhalf, sondern auch eine Konterrevolution einleitete, die mit ihren barbarischen Auswirkungen seit vier Jahrzehnten fast ununterbrochen andauert...Es ist nicht klar, wer auf lange Sicht das letzte Wort haben wird, aber eins ist sicher: Der Kampf um das Erbe dieses unglaublichen und unwiederbringlichen Jahrzehnts geht weiter.

  • Goethe-Institut: Dossier: Wendepunkt 1968

  • Frankreich schwelgt in der Deutung des historischen Ereignisses (TP, 17.05.2008).

  • 'Beijing Coma' By MA JIAN Reviewed by JESS ROW
    A Chinese novel about dissidents whose lives changed forever at Tiananmen.
    http://www.nytimes.com/2008/07/13/books/review/Row-t.html?8bu&emc=bu
  • Es war eines der grausamsten Verbrechen deutscher Kolonialherren: Das Massaker an den Herero 1904 im heutigen Namibia. Ihre Führer fordern Entschädigung - die Erinnerung an den Massenmord prägt das Volk bis heute. (Spiegel, 25.6.08). "Der Moment der Genugtuung ist nah", ruft Riruako, 67, "die Deutschen werden ihre Schuld anerkennen müssen, das ist ein historischer Moment." Der Chief der Hereros hat vor dem "Superior Court of the Destrict of Columbia" in Washington Klage gegen die Bundesrepublik eingereicht. Es geht um zwei Milliarden Dollar Entschädigung wegen versuchten Völkermords durch die Schutztruppen des Kaiserreichs.
  • Tilman Fichter und Albrecht von Lucke wollten gemütlich über 68 plaudern. Doch dann meldete sich Verena Weisbecker zu Wort und warf Fichter vor, ein sehr gespaltenes Verhältnis zur historischen Wahrheit zu haben - und das hat Brisanz. VON ANDREAS FANIZADEH (taz, 10.04.2008). In einem Gespräch mit der taz hatte Tilman Fichter 2005 behauptet, Tommy Weisbecker wäre in den versuchten Anschlag auf das Jüdische Gemeindehaus 1969 in Berlin verwickelt gewesen und hätte dabei den Exkommunarden Dieter Kunzelmann heftig attackiert: "Und der Kunzelmann, der Drecksack, sollte endlich erklären, wie er auf die Idee gekommen ist, die Bombe in den Mantel von Weisbecker einzuwickeln. Tommys Vater war Zahnarzt. Tommy hat den Tresor seines Vaters auf Anweisung der Tupamaros aufgebrochen, um daraus Zahngold zu klauen. Das ist alles ziemlich furchtbar. Denn schließlich hatten die Nazis ihren jüdischen Opfern das Zahngold aus den Kiefern herausgebrochen. Was hat der Kunzelmann für eine Psyche?" Nun sagt Verena Weisbecker, dass dies furchtbarer Blödsinn sei. Ihr Vater sei kein Zahnarzt, sondern Internist gewesen, Weiteres von Fichter frei assoziiert.
    Anmerkung der Redaktion: Internisten haben gewöhnlich kein Zahngold in ihren Safes, da hat Verena Weißbecker sicherlich Recht, aber vielleicht doch Barrengold?
  • MOSHE ZUCKERMANN: Achtundsechzig geht in Pension. Nichts war in der gesamtdeutschen Nachkriegsära perverser, nichts unannehmbarer, als der bruchlose, fast glatte Übergang vom Grauen des Nationalsozialismus in die kleinbürgerliche Wohlanständigkeit der wirtschaftswunderlich gesättigten Adenauer-Ära und die restaurative westdeutsche "Normalität". Unerträglich die spießige Selbstgefälligkeit und die hingebungsvolle Geschichtsvergessenheit der US-amerikanisch entnazifizierten Deutschen. Und dagegen vor allem bäumten sich die linkspolitisierten, universitär sozialisierten Vertreter der deutschen "zweiten Generation" auf. Sie waren es, die ein emphatisches Veto gegen das verlogen-ideologische Selbstbild der Elterngeneration erhoben; sie waren es, die das massive Hinterfragen der sowohl lebensweltlichen wie staatsoffiziellen Klitterung der jüngst vergangenen Geschichte in Gang setzten. Mochten sie den Faschismusbegriff oft undifferenziert verwendet haben, so waren es doch auch sie, die den historischen Faschismus und das in der Realität der alten BRD subkutan fortwesende Faschistoide auf die Tagesordnung des öffentlichen Diskurses setzten. Das Verdienst, diese Grundlage für die Herausbildung einer reflektierten deutschen Öffentlichkeit und der Entfaltung einer wachsamen politischen Kultur in der Bundesrepublik errichtet zu haben, kann nicht in Abrede gestellt werden. Zu fragen bleibt, was davon übriggeblieben ist. Immer weniger, will es scheinen. Schon die Befeierung von Adornos 100. Geburtstag im Jahre 2003 mutete wie eine aufatmende finale Grablegung an. Und wenn heute die Erinnerung an jene Generation sich als Überdruss am jovialen "Du" kodiert, die alten Bestände kritischer Theorie ad acta gelegt werden und man sich nicht entblödet, den NS-Vergleich als Debattengrundlage anzubieten, dann wäre es eigentlich an der Zeit, erprobte 68er Ideologiekritik wieder heranzuziehen. (FR, 07.05.2008).
  • Im Gespräch mit Prof. Bernd Rabehl: Ein ehemaliger 68er sagt, was er denkt: "Das Nachkriegsdeutschland setzte auf Wohlstand und wollte das 19. Jahrhundert restaurieren, samt intakter Familie, Christentum, Disziplin und Ordnung. Und dann war da noch der Greis "Adenauer" als Repräsentant, der diese Werte gegenüber dem Nationalsozialismus, aber auch gegenüber dem Nachkriegsdeutschland vertrat. Doch es war damals schon klar, daß diese ideologische Form nicht bestehen konnte. Deutschland war eine moderne, amerikanisierte Industriegesellschaft mit einem neuen Arbeitertypus, der dem Geld hinterherlief und dem "Heimat" und "Familie" gleichgültig waren." ... "Dieser Dreiklang - Kommune, Republikanischer Klub und SDS - trieb die Ereignisse voran."...."Götz Aly’s Großvater war ein berühmter SA-Schläger im Saargebiet. Rudi Dutschke mit Goebbels zu vergleichen, ist irrsinnig – so irrsinnig, als würde ich Götz Aly mit Horst Wessel vergleichen, nur weil beide Schläger waren. Den Nationalsozialistischen Hochschulbund NSHB mit dem SDS zu vergleichen, ist genauso unsinnig. Der SDS war eine anarchische Organisation, hatte keine Partei im Hintergrund und wollte nie Partei werden. Der SDS bestand aus vielen Fraktionen, war diskussionsfreudig und kannte kein Führerprinzip. Allein Aly’s Analogie von NSHB und SDS beweist, dass er kein echtes Interesse an der damaligen Wirklichkeit hat, sondern dass er denunzieren will. Und so habe ich Götz Aly Anfang der 70er Jahre am Otto-Suhr-Institut auch erlebt. Der hatte nichts im Kopf und war kein Theoretiker, während wir bis spät in die Nacht über Marx, Bloch und Nietzsche saßen. Aly tat das nicht, er kannte fast keinen der Denker. Er war ein Dummkopf. Er wollte nichts außer Randale und Schlägerei, und ein Schläger ist er geblieben. Seine Analogie von 1933 und 1968 grenzt an Irrsinn. In der historischen Zunft wird Götz Aly nicht akzeptiert. Aber es ist doch auffällig, wie Götz Aly’s Buch gepusht wird. In jedem Kaufhaus liegt sein Buch. Das ist der Versuch der ideologischen Zerstörung von 1968. Ich halte dieses Buch für einen glatten Skandal."... "Dutschkes These lautete, dass die Sowjetunion zusammenbricht und Aufstände in Osteuropa folgen, und im Anschluss Revolten in den USA und Westeuropa ausbrechen. Dutschke verstand uns erste 68er-Generation nur als „Übersetzer“, die die Revolution aus dem Osten nach Westeuropa übersetzen sollten." (Blaue Narzisse, 01.05.2008).
  • Ein Interview mit Ulrich Enzensberger, einem Mitbegründer der Kommune 1 (augsburger-allgemeine.de/68er, 18.04.2008): Aber die Stimmung in der Stadt war nicht mehr lustig. Es war für uns oft schwer, aus dem Haus zu gehen. Leute versuchten, uns mitten auf der Straße niederzuschlagen. Wir bekamen Drohbriefe, wurden wie Aussätzige behandelt..
  • Der Schriftsteller Robert Schindel hat die österreichische Studentenrevolte des Jahres 1968 entscheidend geprägt. Im Gespräch mit Paul Jandl spricht er über die Hoffnungen und Irrungen der 68er Linken. (nzz, 25.4.08):  Ich komme aus einem kommunistischen Elternhaus, meine Mutter war in Auschwitz, der Vater ist umgebracht worden. Der Stiefvater war Spanienkämpfer und dann in Dachau.
    ROBERT MISIK: Vierzig Jahre nach 68 ist der letzte Ort der Utopie die Kunst. Vielleicht hat man das in Wien ... früher gespürt. (taz, 5.6.08).
  • Die wechselvolle Resonanz der Massenmedien auf die Proteste von '68 Kathrin Fahlenbrach

  • Der Soundtrack der 68er-Revolution. Konzeptalben und Drogenmusik. Die Musik zur Revolte speiste sich aus dem Doppeljahr 1967/1968. Wer nur zu "Sympathy For The Devil" den Arsch hochkriegte, war mit Sicherheit ein solcher. VON KLAUS THEWELEIT (taz, 21.4.08). Die top 20 von 68. Der Großteil der Musik, die das Jahr 68 bestimmt oder begleitet, ist im Jahr 1967 entstanden, dem musikalisch fruchtbarsten des Jahrzehnts.
    ARNO WIDMANN: 1968 als Hörbuch. Wie es der Natur der Sache entspricht, gibt es kaum Zeugnisse vom Redner Dutschke. Eines der interessantesten Dokumente der Sammlung ist Dutschkes Rede vom 3. April 1968 in der Karlsuniversität in Prag. Es ist die einzige größere öffentliche Rede, die einer der Sprecher der Studentenrevolte in einem Land des Ostblocks halten konnte. Jeder, der über 1968 nachdenkt, sollte sie hören. Schon die Anrede macht vieles klar: "Kommilitoninnen und Kommilitonen, meine Damen und Herren, autoritäre und antiautoritäre Genossinnen und Genossen...". Großes Gelächter. Die Differenzierung in Autoritäre und Antiautoritäre gefiel vielen der Hörer besonders gut. Damit war klar, worum es ging. Das ironisch-nebensächlich deutlich machen zu können, war eine viel zu oft übersehene Begabung Dutschkes. FR-online.de 14.05.2008

  • Mick Jagger schickte ihm den Song "Street Fighting Man" 1968 und schrieb "Für dich", sagt Ex-Studentenführer Tariq Ali. Heute untersucht er, was von 1968 bleibt. Ein Rückblick VON TARIQ ALI (taz, 19.4.08): Ein Sturm fegte 1968 über die Welt hinweg. Er kam auf in Vietnam, wehte dann nach Asien hinüber und überquerte schließlich das Meer und die Gebirge in Richtung Europa und darüber hinaus.....Wir glaubten - und tun das noch bis heute -, dass Menschen nicht an ihrem materiellen Besitz gemessen werden sollten, sondern ihrer Fähigkeit, das Leben der anderen - der Armen und Benachteiligten - zu verändern; dass die Wirtschaft gemäß den Interessen aller und nicht einiger weniger neu organisiert werden müsse; und das Sozialismus ohne Demokratie niemals funktionieren würde. Vor allem glaubten wir an die Redefreiheit.

  • Der Folksänger Arlo Guthrie wurde mit "Alices Restaurant" zur Anti-Vietnamkrieg-Ikone in den USA. Heute glaubt er an das Kleine und sieht eine neue Protestkultur am Werk (taz, 19.4.08): "Wir kämpfen in den USA noch immer denselben Kampf, vielleicht sogar mehr denn je. Sieben Jahre Bush-Regierung haben einen so großen Hunger, ein solchen Durst ausgelöst nach den Träumen, die wir einmal hatten. Dank Bush konnten wir jeden einzelnen unserer Träume wieder platzen sehen: ob zu Religion, zu Menschenrechten oder zu Bildungsfragen - all unsere Ideen und Träume sind dahin. Als hätten sie nie existiert. Genau wie 1968 fühlen sich die Menschen heute in den USA um ihre Träume betrogen.  ...  Das war ja auch das Geheimnis von 1968: Wir wollten die Welt verändern - aber bitte mit guter Laune. Die Kids von heute tun das wieder sehr konsequent. Sie kämpfen nicht gegen eine alte Welt, sie lassen sie einfach hinter sich. Ich halte das für den besten Weg. Und er ist vielleicht sogar schlauer, als viele der Kämpfe von früher es je waren."

  • Sibylle Plogstedt saß nach dem "Prager Frühling" in Isolationshaft. Sie wollte die Räterepublik, sie wurde Trotzkistin, sie gründete die feministische Zeitschrift Courage. Warum sie über die Alphamädchen von 2008 nur lachen kann.  Heide Oestreich sprach mit Sibylle Plogstedt  (taz, 19.4.08). "Wir (SDS-Berlin, Asta-FU) hatten eine Verurteilung der Intervention (der SU in Prag) verabschiedet. Aber nur knapp. Die Maoisten haben gefunden, dass sich im "Prager Frühling" die Bourgeoisie wieder installieren wollte, und fanden, die stalinistische Intervention sei notwendig. Ich wusste aber, dass das falsch war. Ich kannte die Leute ja, das war ein echter Volkswiderstand..."

     

  • "Wir haben gewonnen". Warum kommt Rainer Langhans immer mit den Themen an die Öffentlichkeit, die nicht besonders spannend sind? Er sagt: Weil man ihn immer danach fragt. VON PETER UNFRIED (taz, 19.4.08): Das Beste an einem Gespräch mit Rainer Langhans ist, dass man danach klarer sieht: dass Dinge auch anders sein können. Dass Ficken überschätzt wird. Dass man der Sonne folgen muss, damit man nicht friert. Dass man jünger und besser werden kann, wenn man nachdenkt. Dass man bei Rot über die Ampel gehen kann, obwohl Kinder dabeistehen. Dass man menschlicher wird, wenn man ökologischer lebt. Vor allem aber: dass die Revolution nicht anfängt, wenn man sie nicht bei sich selbst beginnt.
    Rainer Langhans im Gespräch: «Meine Generation hat viele Fehler gemacht» Ich werde mit einem Altersrassismus überzogen, der mir ganz und gar nicht gefällt. (netzeitung, 6.5.08). «Sexualität findet nicht zwischen den Beinen statt» (netzeitung, 7.5.08). «So was verzeiht eine Frau wie Uschi nicht». (netzeitung, 8.5.08)
    Mitglieder der Kommune 1. Ihre letzte Adresse war die Stephanstraße 60 in Berlin Moabit. zibb vom 8.5.2008.
    Marianne Schmidt in der K1: Wer keinmal mit derselben pennt. Das Protokoll. (faz, 9.4.08).
    Kommentar der Redaktion: Da stimmt Einiges einfach ganz und gar nicht: Marianne Enzensberger, das  war viel später und auch kein Kind. Und vor dem Stuttgarter Platz gab‘s keine gemeinsame Wohnung von allen. Die angeblich so freie Szene mit LSD usw. in Berlin - alles viel später, reine Erfindung von ihr. Und wohl Adenauermief - soll jetzt nachträglich zu einer freien Zeit gemacht werden - nein! usw. usw. Halt ne Fälschung mit richtigen Teilen...R.


    40 Jahre nach 68 ist die Subkultur in der Masse aufgegangen, findet Sybille Pfeffer. Aus einem sozialen Experiment wurde eine Massenbewegung.Doch mitunter haben wir es dieser Generation von Visionären zu verdanken, dass wir heute als einzelne Individuen die Wahl haben, wie wir in dieser kapitalistischen Welt leben wollen. Ob mono- oder polygam, lesbisch, schwul, mit Fetisch oder ohne, meditierend, betend, atheistisch: Die Allgemeinheit ist toleranter geworden, offener, vielleicht sogar menschlicher. Gescheitert oder nicht, eines steht jedenfalls fest: Die Blumenkinder haben den gesellschaftlichen Horizont erweitert. Und dafür haben sie ein dickes fettes Dankeschön verdient!

  • Am Tag des Attentats auf Rudi Dutschke wurde Karl-Heinz Dellwo 16. Sieben Jahre später war er RAF-Mitglied bei der Botschaftsbesetzung 1975 in Stockholm. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Karl-Heinz Dellwo: Zu einem bestimmten Zeitpunkt hatte ich die sichere Einschätzung: Das hier ist ein faschistischer Staat. Diese Wahrnehmung hat sich aus verschiedenen Ereignissen zusammengesetzt. Dazu gehörten der Tod von Benno Ohnesorg, die ungebremste Hetze der Springer-Presse, die Berufsverbote und die brutalisierte Gewalt der Polizei. Permanent eine Lebensstrukturierung von oben und von außen. Der Vietnamkrieg spielte eine zentrale Rolle.  ...  Man darf in der Geschichte vieles machen, nur eines nicht: eine Form wiederholen, die gescheitert ist. Ich bin absolut gegen jede Wiederholung der RAF. (taz, 19.4.08).

     

  • Im März 1968 wurde Adam Michnik von der Uni geworfen - und verhaftet. Danach brach der Studentenprotest in Polen aus. Was war der Unterschied zwischen 68 im Westen und 68 im Osten? INTERVIEW GABRIELE LESSER (taz, 19.4.08). Adam Michnik: Leute wie ich sympathisierten stark mit der Bewegung gegen den Vietnamkrieg. ... Es war vor allem der SDS, die amerikanische Studentenbewegung für Demokratie, die mir imponierte. Mich persönlich hat das Ausprobieren neuer Lebensformen nicht übermäßig interessiert. Ich war jung und links. Ich wollte das System in Polen verändern. So wie viele meiner Kommilitonen in Warschau auch. Das war eine linke Opposition zum herrschenden Regime in Polen. ... Wir haben für die Freiheit gekämpft. Die Studenten im Westen hingegen kämpften gegen den Kapitalismus. Wir waren damals in Polen keineswegs für den Kapitalismus. Unsere Parolen waren ebenfalls links, aber wir kämpften vor allem für die Freiheit. Im Westen hingegen war die Ikone Che Guevara. Dort gab es Maoisten, Trotzkisten. Die westdeutschen Studenten kämpften gegen Reza Pahlewi, aber nicht gegen Walter Ulbricht. ...  Nicht einmal nach der Intervention der Warschauer-Pakt-Staaten in der Tschechoslowakei gab es im Westen eine große antisowjetische Demonstration. Das war für mich unglaublich bitter. Haben Sie darüber auch mit Dutschke gesprochen? Das war sogar ein wichtiges Thema. "Du hast recht", sagte er mir. "Wir wollen das ja auch ändern. Deshalb unterstützen wir jetzt auch die Charta 77."

     

  • Tommie Smith über seine Demonstration bei Olympia 1968 und die moralische Verpflichtung der Sportler (Tgsp, 8.4.08). Tommie Smith gewann bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko Gold über die 200 Meter. "Wenn jemand die Spiele als politische Plattform nutzt, wird er dafür ein Opfer bringen müssen. Da führt kein Weg dran vorbei. Ich habe dieses Opfer gebracht, weil in meinem Land Rassismus und Ungerechtigkeit herrschten. Und dabei stand ich auf einer weltweiten Bühne, im Trainingsanzug der USA. ... Ich habe unzählige Morddrohungen erhalten. Aber das war es alles wert. Denn ich hatte mit der ganzen Welt kommuniziert, ohne ein Wort zu sagen. Weil ich Olympiasieger war und an Menschenrechte glaubte, sah ich es als meine moralische Verpflichtung, diesen Moment zu nutzen und mich an die Welt zu wenden. Obwohl ich die USA repräsentierte, protestierte ich gegen ihre Ungerechtigkeiten. Seit 40 Jahren hat sich meine Einstellung dazu nicht geändert und wird auch in Zukunft so bleiben."

  • Daniel Cohn-Bendit: 1968 ist die Revolte der nach dem Krieg geborenen Generation gegen die Kriegsgeneration. Das stimmt für Polen, die Tschechoslowakei, Frankreich, Deutschland und für die USA...Alys These ist unsinnig. Aly hätte schreiben sollen: ,Memoiren eines Arschlochs’. Und er hätte über sich selbst sagen sollen, er sei damals unmöglich gewesen, schäme sich heute dafür, und arbeite das deswegen auf. Mit der gleichen Radikalität von damals, aber jetzt gegen ihn selbst gerichtet. Dann wäre dieses Buch völlig in Ordnung. (FR, 29.04.2008).

  • Anthony Giddens: California Dreaming. Ein Radikaler in Kalifornien musste radikal in allem sein. (FR, 09.05.2008). 

  • ARNO WIDMANN zu Kurzer Sommer - lange Wirkung: Die Ausstellung selbst ist eine Demonstration der Ahnungslosigkeit. Es wird an keiner Stelle auch nur die Frage aufgeworfen, wie es zu jenem eigentümlichen Zusammengehörigkeitsgefühl kam, das rebellierende Studenten - damals noch fast ausschließlich die Kinder der Besserverdienenden -, militärisch agierende Befreiungsbewegungen, Drogenabhängige, Musikfans, radikale Gesellschaftskritiker miteinander verband. Es war ein Aufstand gegen die Welt-Nachkriegsordnung. Mancherorts und manchmal war es auch nur eine Clownerie. Aber eine ganze Generation hatte damals das Gefühl: "Es ist an der Zeit, unser Leben in die Hand zu nehmen", wie Daniel Cohn-Bendit es in einem Video der Ausstellung formuliert. Die Ausstellung selbst vermittelt dieses Lebensgefühl nicht. Sie stellt es auch nicht dar, geschweige denn, dass sie es analysierte.
    Die Ausstellung ist dumm. Nicht, weil sie keine Antworten hat. Sie ist dumm, weil sie keine Fragen stellt. Weder die nach der Entstehung von '68, noch die nach dem, was daraus wurde. (FR, 01. Mai 2008).
    ANITA STRECKER: Annäherung an '68. Ein vielschichtiges Unterfangen, das die "nachgeborenen" jungen Kuratoren Andreas Schwab, Beate Schappach und Manuel Gogos aus Bern im Historischen Museum wagen. (FR, 30.04.2008).
    DPA: Die alten 68er haben viele Gesichter – und viele Ausstellungen. Auf rund 700 Quadratmetern hat die Schau acht thematische Schwerpunkte gewählt. Es geht dabei um Bildung und Erziehung, neue Geschlechterrollen, alternative Wohnformen, den Umgang mit der Nazizeit, internationale Solidarität, selbstverwaltete Betriebe, neue Aktionsformen, die Frage der Gewalt und den Wandel der Lebensstile. Eine in der Mitte der acht Räume inszenierte «Spießerhölle» soll deutlich machen, gegen welche «Horrorvisionen» sich die 68er mit ihren Entwürfen richteten. (netzeitung, 29.4.08).

  • Andre Glucksmann in seinem neuen Buch "Mai 68 explique a Nicolas Sarkozy" ein positives Bild des Mai 68: Nachdem sie lange gegen ihn tönte und giftete, hat sich die traditionelle Linke den Mai 68 unter den Nagel gerissen. Sie machte seine Buntheit und Fröhlichkeit zum Fetisch, behauptete, hier den Vorschein einer durch die soft power der sozialen Evangelien befriedeten Gesellschaft zu erblicken, sie feierte einen Patentpazifismus, der den ganzen Planeten in Harmonie vereint. (perlentaucher, 23.04.2008).

  • Rudi Dutschke glaubte zu meinen, was er sagte. Tatsächlich verfügte Dutschke über keine konsistente Theorie; bestenfalls könnte man ihn als Eklektiker und Situationisten bezeichnen, der aus seinen Lektüren ein Amalgam an Soziologismen schuf, dessen Zusammensetzung und Bedeutung sich ständig änderte. Ergebnis war oft genug eine „unfreiwillige Travestie der Botschaft seiner Lehrer“ (Jürgen Miermeister). Er heiratete jung, trank keinen Alkohol, war gläubiger Christ und hat nie gegen seine Eltern opponiert. Nicht einmal mit Beat-Musik konnte er etwas anfangen. Er hatte nichts von der rotzigen Überheblichkeit, die etwa Joseph Fischer zur Schau stellte. Er war auch kein trauriger Clown wie Fritz Teufel, und obgleich auch er ein Befürworter der Provokation war(Timo Frasch, faz, 11. April 2008).
    THEO ROOS: Die Zeit der Führer ist vorbei - Bob Dylan, Rudi Dutschke und die Suche nach dem Antiautoritären. Er und sie, Mensch und Geschichte, Dylans und Dutschkes Schnittpunkt. Geschichte wird gemacht und keine Macht für Niemand! "Wenn ich sage, die Menschen haben ihre Geschichte schon immer gemacht, aber noch nicht bewusst gemacht, dann soll das bedeuten, wenn sie sie bewusst machen, dann stellt sich das Problem der verselbständigten Eliten, der verselbständigten Apparate nicht mehr." Die Zeit der Führer ist abgelaufen. "I can change, I swear", singt Dylan auf "Blood on the tracks", "see what you can do / I can make it through / You can make it too." Ich kann mich ändern … und du kannst es auch! Veränderungen im Kleinsten und Alltäglichsten zuerst. (FR, 10.04.2008).

     

  • Bei "Maybrit Illner" diskutierten Meinhof-Tochter Bettina Röhl und Meinhof-Biografin Jutta Ditfurth über 68. Götz Aly war auch da. Moment mal: diskutierten!? VON KLAUS RAAB (taz, 18.4.08). Maybrit Illner vom 17.04.2008

  • Fleischgewordener Protest der Kommune 1 oder Sexsymbol einer ganzen Generation – an Uschi Obermaier scheiden sich die Geister. Doch wer war sie wirklich? Warum wurde sie von den 68ern verehrt? Mit Video. (netzeitung, 01.05.08)
    HILTRUD ZOBEL: Orgien? (SZ, 10. April 2008).
    BEATE SCHAPPACH UND ANDREAS SCHWAB: Im Kampf für sexuelle Befreiung verstieg sich die Neue Linke zum Vergleich "Drittes Reich" und Adenauer-Staat. (FR, 10.04.2008).

  • Selten stellt sich ein Dokumentarfilmer selbst in den Mittelpunkt seines eigenen Werkes. Romain Goupil hat es getan und zeigt seine Jugend in der 68er-Bewegung. "Sterben mit 30" wird so zu einem der wichtigen Zeugnisse über den Pariser Mai 1968. Wesentliche Bestandteile des Films sind die Zeitdokumente der Jahre 1965-68 sowie das von Romain Goupil damals selbst gedrehte Super-8-Material.(arte, 17.4.08).

  • Was war links? Dokumentarfilm in 4 Folgen von Andreas Christoph Schmidt.

  • 1968 - Geburtsstunde der Protestkultur in Deutschland? Von wegen. Schon 1958 heizten auf der Straße Hunderttausende der Adenauer-Regierung ein, weil die die Bundeswehr mit Atomwaffen aufrüsten wollte. Die Massendemos vor 50 Jahren wurden zur Geburtsstunde der westdeutschen Friedensbewegung. Von Axel Schildt (et, 17.4.08).

  • Anti-Springer-Kampagne 1968. Das "Springer-Tribunal": Augstein, Nannen und Bucerius als großzügige Spender: Nicht bloß Stasi und Apo, vor allem einige Hamburger Großverlage wollten 1968 Axel Springers Macht beschneiden.
    Von Willi Winkler . Chronist Kraushaar lag auch hier falsch: Er sah Ulbricht am Werk. Dass hinter der Springer-Kampagne auch ganz schnöde kapitalistische Motive stecken könnten, hätte ihm bei seiner Vorbildung auffallen müssen. Peter Schneider, als Sekretär der Kampagne gehörte es zu seinen Aufgaben, Geld bei Sympathisanten aufzutreiben. Vor allem in Hamburg fand er, wie er in seinem eben erschienenen Buch Rebellion und Wahn berichtet, "offene Ohren": "Augstein, Nannen, Bucerius spendeten großzügig für die Antispringerkampagne - sicher auch aus Eigeninteresse gegenüber dem übermächtigen Konkurrenten Springer, aber auch aus genuiner Neugier und Sympathie für den rätselhaften Virus der Rebellion, der sich verbreitete." Drei Leute, darunter Dutschke, seien bei Bucerius erschienen und hätten von diesem je fünftausend Mark in bar erhalten. Anschließend ließ Bucerius weitere 50 000 Mark für die Antispringerkampagne überweisen. "Rudi Dutschke und seine Freunde", schreibt Schneider, "bedurften nicht der Einflüsterungen der Stasi, um die Hetzpresse des Springerkonzerns als eine Bedrohung zu erkennen." Er nennt noch andere Summen, die "aus dem bürgerlichen Lager" für die Studenten eingegangen seien. So habe Christian Semler vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) zweimal je 25000 Mark von Rudolf Augstein erhalten. (SZ, 7.3.08).
    1968 Mythos und Realität - Dossier von Springers Die Welt 
    Thomas Schmid: Es gab kein "rotes Jahrzehnt" (30.12.07).
    Norbert Frei: Es ging um nichts Geringeres als um eine bessere Welt. Es ging um die Freiheit der Unterdrückten, um die gesellschaftliche Teilhabe aller, um ein Mehr an Demokratie. Es ging, um es in den eindrücklichen Begriffen der Antiautoritären zu sagen, um Emanzipation, um Partizipation und um Transparenz. Die Parallele zu 1848, über die Hannah Arendt bereits im Moment der Revolte reflektierte und die seither gelegentlich wieder bemüht worden ist, sie findet darin ihren Grund, freilich auch ihre Begrenzung. (Welt, 23.2.08).

  • Buchreport:

    Wolfgang Kraushaar
    über die gesellschaftlichen Folgen von 1968:
    »Es gab keine 68er-Revolution«. „68“ steht für eine grundlegende Infragestellung von Staat und Gesellschaft, nicht jedoch dafür, auch die richtigen Antworten gefunden zu haben. Festhalten lässt sich jedoch, dass „68“ durchaus folgenreich war, im Positiven wie im Negativen. Weder die Grünen noch die RAF, weder die K-Gruppen noch die Frauenbewegung hätte es ohne diese Vorgeschichte gegeben, aber auch nicht – wie ich zu belegen versuche – die sozialliberale Koalition. Am gravierendsten dürften allerdings die soziokulturellen Auswirkungen gewesen sein, die Ausweitung individueller Handlungsspielräume, die Erprobung neuer Lebensentwürfe und manches andere mehr.
    Die NZZ zitiert:: I
    n seinem «vulkanischen Kern» sei «1968» eine «Ursprungsrevolte» gewesen, getragen von religiös-existenzialistischen Impulsen, begleitet von überspannten Machtphantasien.
    Lit.: Wolfgang Kraushaar: Achtundsechzig. Eine Bilanz. Propyläen, Berlin 2008. 334 S., Fr. 35.90. Gerd Koenen, Andres Veiel: 1968 – Bildspur eines Jahres. Fackelträger, Köln 2008. 194 S., 200 Duoton-Fotos, Fr. 49.90. Norbert Frei: 1968. Jugendrevolte und globaler Protest. Deutscher Taschenbuchverlag, München 2008. 286 S., Fr. 25.90. Peter Schneider: Rebellion und Wahn. Mein 68. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008. 365 S., Fr. 33.50.

    Neuerscheinungen zum Thema »1968« (Auswahl)

    zB. » Wolfgang Kraushaar: Achtundsechzig. Eine Bilanz.   geschrieben von: Jörg Auberg am  20. März 2008
    Als „einer der besten Kenner der 68er Bewegung“ (wie ihn der Verlag anpreist) depolitisiert Kraushaar die Geschichte der Neuen Linken und führt sie ins Reich der Pathologie. Kapitalismus und Liberalismus sind für Kraushaar kein Ziel der Kritik. Er ortet lediglich „Schwachstellen der Wohlstandsgesellschaft“, während die Gefahr eines aus dem kapitalistischen System sich entwickelnden Faschismus den „Alpträumen einiger zur Paranoia neigender Intellektueller“ zugeschrieben wird.

  • Where has all the rage gone? In 1968, fury at the Vietnam war sparked protests and uprisings across the world: from Paris and Prague to Mexico. Tariq Ali considers the legacy 40 years on. The Guardian, Saturday March 22, 2008: If the Vietnamese were defeating the world's most powerful state, surely we, too, could defeat our own rulers: that was the dominant mood among the more radical of the 60s generation.

  • Lidia Ravera: Achtundsechziger in Italien. (1976 erschien das erste Buch von Lidia Ravera - "Schweine mit Flügeln". Es wurde weltweit zum Bestseller. Mit einem Freund schrieb Ravera in nur zwei Wochen ein fiktives Tagebuch, in dem ein Mädchen und ein Junge ihre sexuellen Erfahrungen beschreiben. Ravera wollte erreichen, dass Jugendliche endlich ohne Scham über freie Liebe, Masturbation und Homosexualität redeten. Das Buch kam zunächst wegen angeblicher Pornografie auf den Index, wurde später wieder freigegeben. Allein in Italien sind bislang zweieinhalb Millionen Exemplare verkauft worden.) Nach 40 Jahren gibt es kaum noch weibliche Zeitzeugen der Achtundsechziger-Revolte. Nicht etwa, weil sie tot wären. Nein, sie sind abgetaucht, weil sie ihr Alter nicht preisgeben wollen. ... Anders als wir damals haben die Jugendlichen inzwischen nicht mehr die Illusion, die Welt verändern zu können. Sie haben damit sogar Recht. Dennoch tun sie mir leid, denn ich hatte eine faszinierende Jugend, die mich innerlich gestärkt hat. (et)

  • Urs Widmer: «1968» hätte gar nicht viel besser herauskommen können. Es war gut, dass die Revolution, die in manchen Köpfen herumrumorte, dann doch nicht stattfand. Dass jedoch – reformistisch! Das Horrorwort von damals! – ganz viele der neuen Gedanken schier unbemerkt und wie selbstverständlich in unser aller Leben einsickerten. Dank «1968» ist unsere Gesellschaft tatsächlich freier geworden. Heiterer, offener. Dass wir trotzdem vom Paradies auf Erden noch meilenweit entfernt sind, das steht auf einem anderen Blatt. (NZZ; 8.3.08).

  • Ex-General Jörg Schönbohm: 68 - Die Diktatur des Relativismus ist an die Stelle eines festen Wertekanons getreten. Wer sich dazu bekennt, auf sein Vaterland stolz zu sein, wird öffentlich geteert und gefedert. „Warum soll die Polizei den ganzen Spaß alleine haben? Bewaffnet die Bevölkerung!“ war ein häufig gehörter Sponti-Spruch. (tgsp, 9.3.08).

  • Rudolf Stumberger (TP 22.03.2008): Die mediale Flut der 1968er-Rückblicke unter den Bedingungen des Neoliberalismus. Was immer zu "1968" an schillernden Beschreibungen kursiert, das Datum verweist jedenfalls auf zwei sozialstrukturelle Tendenzen der damaligen Zeit. Zum einen den politischen und kulturellen Schulterschluss von Söhnen und Töchtern des Bürgertums, von Intelligenz und von Intellektuellen mit der "Sache der Arbeiterklasse". 1968 war der Ausgangspunkt einer neuen Dynamik der ideologischen Lager, die schließlich zu einer rot-grünen Formation führte. 1968 waren die damaligen Protagonisten "in" der Gesellschaft und wollten "hinaus" - in ihre Projektionen alternativer Existenz, von der "Revolution" über den Bio-Bauernhof und die Kommune bis zur fernöstlichen Erleuchtung. Heute ist die Situation genau umgekehrt - viele stehen "draußen" in prekären Lebensverhältnissen und ungesicherter Zukunft und wollen "hinein", in das Normalarbeitsverhältnis mit Einkommenssicherheit und planbaren Lebensentwürfen. Es gibt kein Leben mehr jenseits der neoliberalen Ordnung...

  • Dossier: http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/varia/index.html
    Florian Keller
    : 1968 machten sich die jungen Wilden daran, Opas Kino zu entsorgen. (tagesanzeiger, 23.2.08).
    Nick Joyce: Die meisten Rockmusiker sind überfordert, wenn sie als Wortführer ihrer Generation auftreten müssen. Das war auch Ende der 60er-Jahre nicht anders. (tagesanzeiger, 23.2.08)
    Jean-Martin Büttner. Rock'n'Roll, Avantgarde und LSD. Noch nie kamen sich Massengeschmack und Avantgarde so nahe wie in der Rockmusik der späten Sechziger. Pop sei das einzige Massenmedium, schreibt der Hamburger Publizist Diedrich Diedrichsen, «in dem man trotz Zensur immer wieder vor einem Massenpublikum radikale Positionen vertreten kann». Diese Radikalisierung setzte Mitte der Sechziger ein, dem Jahrzehnt der Experimente, der Veränderungen, des Protests und der ausgehaltenen Gegensätze. (tagesanzeiger, 23.2.08)
    Peter Müller: «Die Gegenkultur ist inzwischen mehrheitsfähig geworden». Auch die Wissenschaft beugt sich über 68. Jungforscher Joachim Scharloth von der Uni Zürich erzählt, warum die Revoluzzer immer noch interessant sind. (tagesanzeiger, 23.2.08)..Der Zürcher Sommer 1968. Zwischen Krawall, Utopie und Bürgersinn. Hrsg. von Angelika Linke und Joachim Scharloth. Mit einer DVD mit Zeitdokumenten. NZZ Libro, 48 Fr. Erscheint im Mai.
    Barbara Basting: Alles geht, aber die Frauen fehlen noch. «Die Fantasie an die Macht», das wurde 1968 gefordert. Doch gerade in der Kunst war es ein Jahr der Übergänge, nicht der spektakulären Brüche. (tagesanzeiger, 23.2.08)
    Alexandra Kedves: Zwischen Spassguerilla, Stadtguerilla und Staatsgewalt. Gerade in Deutschland brennt der Streit um die richtige Deutung von 68 bis heute. Zum Jubiläum haken viele Autoren nach. (tagesanzeiger, 23.2.08)
    Martin Ebel: Die Poesie ist auf der Strasse.   Als unter dem Pflaster direkt der Strand lag: Slogans prägten die 68er-Bewegung. Die besten kamen dabei aus Frankreich. (tagesanzeiger, 23.2.08)

  • Kulturstiftung des Bundes:

    Internationale Protestkulturen um 1968 und ihre kulturgeschichtlichen Folgen.
    Von Kathrin Fahlenbrach, Martin Klimke und Joachim Scharloth .
    www.protest-research.eu    www.1968ineurope.com

    68 total hybrid. Von Klaus Theweleit. Die Verausgabung, die Selbstverschwendung, das pulsierende Herz von 68, fassen sie damit nicht. Dieser Punkt ist am schwersten nachzuvollziehen für die später Geborenen....«Viele Formen von Unterdrückung und Ungerechtigkeit, die kaum erkannt und noch weniger bekämpft wurden, nimmt man heute nicht mehr hin.» Wenn es genug Leute gibt, die sich beteiligen an diesem Nicht-Hinnehmen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, kann man 68 getrost vergessen; es überführt sich dann in andere Daseinsformen. Das genau war der Sinn.

    Generation Super 68. von Manuel Gogos. Es ist einfach zuviel passiert.

  • Hannah Arendt an die 68er: Lernt, limitiert zu denken! Schriften zu Zeitschriften: "Mittelweg 36" veröffentlicht einen Brief Hannah Arendts von 1967 an einen jungen Studenten. Die "Pax Americana" sei ein "imperialistischer Alptraum, aber eben auch nur ein Traum". Launig, aber beinhart in der Sache ist Arendt jedoch, wenn sie gegen den Welterlösungswahn der Studenten angesichts der Leiden in fernen Ländern argumentiert: "Das, scheint mir, ist eine Art umgekehrter Größenwahnsinn. Man kann nicht die Welt verändern, weil man kein Weltbürger sein kann; und zur Verantwortung für die Welt überhaupt neigen zumeist Leute, die aus verständlichen Gründen die Verantwortung für das, was in ihrer Welt geschieht, scheuen." (taz, 27.2.08).

  • Am 3. April 1968 wollten Baader & Ensslin zwei Frankfurter Kaufhäuser brennen lassen. Begann damit die Geschichte der RAF? VON WOLFGANG GAST (taz, 3.4.08).

  • Tilman Jens über seinen Vater Walter Jens: Da geisterte die Karteikarte mit der Ordnungsnummer 9265911 durch die Medien, die seinen NSDAP-Eintritt im Sommer 1942 dokumentierte. Mein Vater war damals neunzehn Jahre. Warum hat er nie einen Ton gesagt? Hätte er daheim am Mittagstisch nicht wenigstens von der unstrittigen Mitgliedschaft im nationalsozialistischen Studentenbund erzählen können? Siehst du, auch ich. So kann es passieren. (FAZ, 4.3.08).

  • Die Vernichtung der europäischen Juden war das Werk von rund 200.000 ganz normalen Deutschen und ihren Helfern. Die meisten Täter gingen nach dem Krieg straffrei aus. Von Georg Bönisch und Klaus Wiegrefe. Zweifel an der Version von den wenigen pathologischen Tätern hätten allerdings schon die beklemmenden Ergebnisse einer Meinungsumfrage wecken können, die von den Amerikanern im Oktober 1945 in ihrer Besatzungszone durchgeführt wurde. 20 Prozent der Befragten stimmten "mit Hitler in der Behandlung der Juden überein"; weitere 19 Prozent fanden seine Politik gegenüber den Juden zwar übertrieben, aber grundsätzlich richtig. (et).

  • Krisztina Koenen: Der Schriftsteller Arthur Koestler wurde zum Antikommunisten, konnte sich der totalitären Versuchung aber nie ganz entziehen. Vor 25 Jahren beging er Selbstmord. (Welt, 3. März 2008) 

  • Vor 40 Jahren demonstrieren Studenten zum Abschluss des Internationalen Vietnam-Kongresses. Von Oliver Tolmein (DR, 18.2.08)

  • 1968: Deutsche Studenten adeln Vietcong. Den Freiheitskampf nach Deutschland holen. Nirgendwo gab es für diese Revolution bessere Voraussetzungen als in Berlin: Die Niederlage des Vietcong in der Tet-Offensive war auch deren größter Sieg, denn sie löste die Proteste von 1968 aus. Von Willi Winkler (SZ, 30.1.08). "Genossen!", rief Rudi Dutschke den Teilnehmern des Vietnam-Kongresses zu, "Wir haben nicht mehr viel Zeit. In Vietnam werden auch wir tagtäglich zerschlagen."

  • CHRISTOPH ALBRECHT-HEIDER: Während die 68er gegen die USA demonstrierten, importierten sie deren Kultur. (FR, 10.04.2008).

  • 68 in Österreich. Das Jahr, das schon vierzig Jahre dauert. Fünf "echte 68er",darunter Gaston Salvatore, erinnern sich an Rebellion und Rauswürfe, Brando und Beat, Sex und Friseure - an "ihr" Jahr. Und "68 war nicht nur in Wien", es hatte regionale Auswirkungen und "kulturrevolutionäre Folgen für österreichische Verhältnisse. Plötzlich gab es sogar in Bezirkshauptstädten bestimmte Bücher". "1968 ist ein Jahr, das sich über Jahre hinstreckt", meinte Salvatore. Und was ist das Erbe dieses Jahres? Nachzulesen bei Marx. "Vieles, von dem, was sich als geblieben erweisen wird, hat mit marxistischer Analyse zu tun. Das Kommunistische Manifest ist die perfekte Analyse dessen, was wir heute vor Augen haben." Die 68er-Bewegung habe in den USA, dem damals "entwickeltsten Land", begonnen, sei dann nach Japan, dem "zweitentwickeltsten" Land, übergeschwappt, und dann nach Deutschland, Frankreich, England und Italien. Salvatore: "Was sagt das? Es entspricht der Entwicklung der Produktionskräfte: Wer am reichsten ist, kriegt so eine Bewegung als Erstes." Dass es in Deutschland "explodiert" sei, lag an der Mauer und den Amerikanern in der Stadt. "Rudi und ich brauchten nur Plakate kleben, die Deutsche Presseagentur anrufen und die gesamte Welt erfuhr davon." (STANDARD, 04.04.08). 
    Österreich 1968: Auftauen und durchlüften. Österreich bekam von vielen Entwicklungen und Umwälzungen des Jahres 1968 alles mit – als Mai­lüfterl inmitten einer stürmischen Groß­wetter­lage - Kommentar der anderen von Wolfgang Kos. (STANDARD, 04.04.08).
    Gerfried Sperl über 1968 in Berlin, Paris bis Graz.(STANDARD, 05.04.08). 

  • The whole world is watching. Hito Steyerl: "1968" aus postkolonialistischer Perspektive I: Reden wir einmal nicht über 1968. Reden wir stattdessen über 1961. Ein Blick auf die verschiedenen Protestaktivitäten der 1960er macht deutlich, dass ein Großteil der weltweiten Bewegungen postkolonialen Charakter hatte – ob dies nun weltweite Widerstandsbewegungen gegen Kolonialkriege oder ihre neokolonialen Ableger waren, oder jene US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die endlich die Folgen der Ära der Sklaverei überwinden wollte: "Rassen"-Trennung und faktische Apartheid. Dieser postkoloniale Aspekt wird jedoch in der lokalen medialen Wahrnehmung der 68er fast vollständig beiseite gedrängt – im Übrigen ebenso wie die heftigen Proteste und Reformbewegungen, die um 68 in Polen, Jugoslawien und der Tschechoslowakei stattfinden.
    "1968" aus postkolonialistischer Perspektive II: Am 17. Januar 1961 wurde Patrice Lumumba ermordet: Er galt als Hoffnungsträger der antikolonialen Befreiungsbewegungen - von Jens Kastner. (STANDARD, 10.03.08). Die Neue Linke in Europa, schreibt Mark Kurlansky in seinem Buch zum year that rocked the world, "hatte sich um das Thema Antikolonialismus gegründet." Bezugnahmen auf antikoloniale Kämpfe äußerten sich nicht nur in expliziter Solidarisierung wie bei den Tschombé-Protesten oder später in jenen gegen den Schah von Persien. Diese negative Klammer, gegen einen als gemeinsam ausgemachten Feind zu agieren, ist zwar als Bewegungsmotivation nicht zu unterschätzen und fand ihren wohl deutlichsten Ausdruck in der alle damaligen Bewegungen verbindenden Ablehnung des von den USA geführten Vietnam-Krieges. Die antikolonialen Kämpfe zeitigten zudem auch implizite Effekte. Diese bestanden nicht nur in negativer Abgrenzung, sondern beflügelten die Protestbewegungen von Berkeley bis Westberlin von den Motivlagen bis zu ihren Aktions- und Handlungsweisen. Die Neue Linke ist letztlich ohne das utopische, antikoloniale Befreiungsmotiv aus der Peripherie kaum denkbar. Ein zweiter, häufig vernachlässigter Referenzpunkt ist die kubanische Revolution. In einer Rede im Juli 1960 widmet sich Ernesto Che Guevara deren Erfolgen und Aufgaben. Eines der wesentlichen Ergebnisse dabei war, auch und gerade im Hinblick auf andere revolutionäre Bewegungen, die schlichte Erkenntnis: "Der Sieg ist möglich."

     

  • Anderer Blick auf 1968. Wer ist Dorothea Ridder? Verständlich, dass niemand mehr etwas über 68 hören will - denn selbst schrille Faschismusanalogien langweilen inzwischen. Ein guter Moment zum herauszufinden, wer Dorothea Ridder ist. VON GABRIELE GOETTLE (taz, 27.4.08).

  • ARNO WIDMANN: Aschaffenburger Gespräche. Psychogruppe 68 (FR, 07.04.2008 ). Christian Ströbele erklärt, er habe 1968 nicht an Reformen geglaubt, nicht an Willy Brandts Ostpolitik. Er habe dessen Berufsverbote erlebt und die Polizeieinsätze. Er habe die Bundesrepublik revolutionär verändern wollen und nicht gewusst, was nach der Revolution kommen werde. Das habe niemand gewusst, es sei auch nicht ihre Sache gewesen. Die 68er wollten der Gesellschaft nicht vorschreiben, wie sie sein sollte, sie wollten nur klarmachen, dass revolutionäre Veränderungen nicht nur nötig und wünschenswert, sondern auch möglich seien. Dafür sei man damals auf die Straße gegangen.

  • Bernd Schüngel weist nach: Götz Aly fälscht Bernd Rabehl, um die 68er zu diffamieren.
    Dokumentation eines dreisten Betruges.
    MATTHIAS THIEME: Götz Alys ruft mit seinem Buch "Unser Kampf 1968" bei Fachleuten Verwunderung hervor - nicht nur wegen manch steiler Thesen, sondern wegen einer Reihe von gravierenden Sachfehlern, die jetzt entdeckt wurden. So behauptet Götz Aly, der Polizist Karl-Heinz-Kurras, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno erschoss, sei für diese Tat verurteilt worden. "In zweiter Instanz wurde Kurras 1970 zu zwei Jahren Haft verurteilt, saß vier Monate ab und blieb bis zu seiner Pensionierung 1987 im Westberliner Polizeidienst tätig", heißt es auf Seite 27 des Buches. Doch die Gerichtsurteile der verschiedenen Verfahren belegen: Diese Behauptung ist falsch. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass Kurras niemals verurteilt wurde", sagt der Berliner Journalist und Herausgeber Uwe Soukup. Er hat das akribisch recherchierte Buch "Wie starb Benno Ohnesorg?" verfasst. "Kurras hat mir selbst bestätigt, dass er nie in Haft saß", sagt Soukup. Die Studenten hätten sich 1968 nicht mit den großen Prozessen gegen NS-Täter beschäftigt, lautet eine weitere These von Aly. Dabei seien im Jahr 1968 "mehr NS-Prozesse geführt" worden "als in jedem anderen Jahr", behauptet Aly auf Seite 151 seines Buches. "Das stimmt überhaupt nicht", sagt der Archivar des renommierten Fritz-Bauer-Instituts, Werner Renz. Die hauptsächlichen NS-Prozesse hätten in den Jahren von 1963 bis 66 stattgefunden. Über eine Rede des FU-Professors Richard Löwenthal, die sich kritisch mit der Studentenbewegung befasste, schreibt Aly: "Die Rede findet sich in keiner der umfangreichen Dokumentationen zur Geschichte der der Freien Universität oder der Studentenbewegung." Auch dies ein Fehler: Eine der meistzitierten Quellen zur Geschichte der FU in diesem Zeitraum (die Dokumentation "Freie Universität Berlin 1948-1973 - Hochschule im Umbruch") enthält genau diese Rede Löwenthals. (FR, 06.05.2008).

    So gefährlich wie Hitlers Horden? Götz Aly stellt die Achtundsechziger in die Nähe der Nationalsozialisten - weil er provozieren und auffallen will. Es gibt Seriöseres zu lesen. Von Franziska Augstein: "Aly nimmt wirklich jeden Quark her, um seine Thesen zusammenzukitten." (SZ vom 19.2.2008/kur)

    NORBERT FREI: 1968. Jugendrevolte und globaler Protest. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2008. 280 Seiten, 15 Euro.

    GÖTZ ALY: Unser Kampf. 1968 - ein irritierter Blick zurück. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2008. 253 S., 19,90 Euro.
    Die Väter der 68er. Von Götz Aly. (FR, 29.1.08).

    ALBRECHT VON LUCKE: 68 oder neues Biedermeier. Der Kampf um die Deutungsmacht. Wagenbach, Berlin 2008. 96 Seiten, 9,90 Euro.

    REINHARD MOHR: Der diskrete Charme der Rebellion. Ein Leben mit den 68ern. WJS Verlag, Berlin 2008. 238 Seiten, 19,90 Euro.

    Ulrike saß am Schreibtisch, als auf Rudi geschossen wurde: Pünktlich zum 68er-Jubiläum beschreibt Jutta Ditfurth die Freundschaft zwischen Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof. VON WOLFGANG GAST (taz, 11.04.2008). Den Anspruch, eine bisher unbekannte Freundschaft zwischen Dutschke und Meinhof aufzudecken, kann die Autorin nicht einlösen. Bahman Nirumand, der 1965 vor dem Schah in Persien floh und 68 ein Freund sowohl von Rudi Dutschke als auch von Ulrike Meinhof war. Er sagt heute, die beiden hätten sich gegenseitig durchaus akzeptiert: "Eine Freundschaft zwischen den beiden bestand aber nicht."

    Mit seinem Buch »Hitlers Volksstaat« hat Götz Aly eine lebhafte Debatte ausgelöst. Er nimmt das Thema sehr persönlich, weil es um seine eigene Vergangenheit geht und die seines Vaters. (DIE ZEIT   21/2005). Von Christoph Amend.

    Götz Aly: Papa und der Teutoterrorismus. Was schreiben 1968er über 1968? Der Ex-Stalinist rezensiert Dithfurts Meinhof-Biografie, Dellwos RAF-Einlassungen und Bommi Baumann/Til Meyer über die US-Vorbilder der radikalen Linken in Deutschland. (Berl. Z., 28.1.08).
    In der FR vom 30.1.08 eifert Götz Aly Horst Mahler in dessen Kanonischer Erklärung in der Argumentation nach, der zwischen 1968 und 1933 kaum einen Unterschied sah. Beide Jahre stünden für eine antiautoritäre Bewegung. Hanns-Martin Schleyer wäre 1968 sicher auch im SDS gewesen, wenn er denn nur eine Generation später geboren wäre.
    Aly übersieht freilich den kleinen Unterschied, dass Hitler einen Führerstaat propagierte und die 68er keine Führer oder Staat wollten. Harald Jähner widerspricht Aly vehement: Gehen wir abschlaffen! Die 68er Debatte frisst ihre Kinder - Gab es Parallelen zwischen 1933 und den Antiautoritären? Es ging nicht um Kampf, nicht um Sieg oder Niederlage, sondern, wie der Philosoph Alain Finkielkraut es formulierte, um ein "existenzielles Nein". Das Leben ist anderswo, lautete eine beliebte Parole des Pariser Mai. Aber wo?(Berl. Zeitung, 6.2.08).
    Auch die FR öffnet am 9.2.08 ihre Seiten einer Erwiderung: "Die Parallelisierung von 1933 und 1968 - Ein Binsenirrtum!" Eine Erwiderung auf Götz Alys Essay "Die Väter der 68er". Von Peter Grottian, Wolf-Dieter Narr und Roland Roth: Welch ein grotesker Mangel an historischer Wahrnehmung! Wie kann man im Jahre 2008 die Ursachen, die Verlaufsmuster und die Wirkungen der NS-Herrschaft derart verniedlichen, dass man sie mit der "68er Bewegung" auf eine Stufe stellt? Wie kann man die Erinnerung an die Naziherrschaft und ihre bis heute bei weitem nicht ausreichend gezogenen Folgerungen so missbrauchen, um damit "die Studentenbewegung" und ihre längst etabliert und altersrunzelig gewordenen Angehörigen zu geißeln? Der Erkenntnisgewinn der Aly-Parallelen besteht ausnahmsweise exklusiv darin, mehrfach zu verblenden und blind zu machen. Er macht blind dafür, was die Knobelbecherbewegung stark machte. Er macht blind für das, was von der Studentenbewegung, wert ist, erinnernd weitergetragen zu werden.
    Leseproben von Götz Alys Buch "Unser Kampf 1968" in Perlentaucher.
    Götz Aly: Mein kritisches und selbstkritisches Verhältnis zu 1968 ist nichts Neues und hat schon Mitte der Siebzigerjahre begonnen.  (standard, 17.2.08). So hielt die deutsche Gesamtbevölkerung damals zu über 50 Prozent den Nationalsozialismus für eine eigentlich gute, nur in der Durchführung schlecht gemachte Sache. Mehr als die Hälfte war dafür, dass eine Einheitspartei regieren sollte, und über 70 Prozent befürworteten die Todesstrafe. Davon unterschieden sich die Studenten enorm, sie waren demokratisch ausgerichtet. In den frühen 1960er-Jahren bis 1966 kümmerten sich Leute wie Reinhard Strecker, der dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund angehörte, um die Bearbeitung der NS-Vergangenheit....Ich habe für mein Buch die nationalsozialistischen Studentenblätter daraufhin gelesen, welcher antiautoritärer Protestformen sich die braune Studentenbewegung vor 1933 bedient hatte. Das Thema ist wissenschaftlich bislang nicht ausreichend behandelt. Bei dieser Lektüre stieß ich auf viele Parallelen: der wilde Aktionismus, das Antibürgerliche, der teutonische Furor, der Kampf gegen das Alte, aber für das Neue und Junge, sowie die utopische Ausrichtung auf eine sozial befriedete Gesellschaft – nur dass sie die 33er als rassisch befriedet dachten, während die 68er vorzugsweise auf die Marx’schen Kategorien zurückgriffen. Insgesamt sind die Ähnlichkeiten erschütternd. Der Nationalsozialismus war eben eine Jugenddiktatur, das muss man sich immer wieder klarmachen. Führende Nazis wie Goebbels oder Globocnik, der Gauleiter von Wien – die waren 1933 in ihren Zwanzigern oder frühen Dreißigern.
    Stefan Reinecke: "Unser Kampf" ist das Buch eines Renegaten, daher der Hang zur Überkompensation. (taz, 18.2.08).
    Alfred Pfabigan
     (Die Presse): Eine eitle Nabelschau des Götz Aly auf „Seinen Kampf“, die weniger Aufmerksamkeit verdient, als der laufende Medien-Hype suggeriert. Sein Großvater war ein Nationalsozialist, der junge Aly hat sich 1971 bei einer kurzlebigen linksradikalen Berliner Kaderorganisation um die Mitgliedschaft beworben, wurde aber nicht aufgenommen: Dass er Kinder hatte, entsprach nicht dem revolutionären Ideal dieses Vereins. So landete er bei der „Roten Hilfe“, einer Vorfeldorganisation der RAF, hat dort wissentlich bei der „Geldwäsche“ von Raubgeld mitgeholfen und wurde 1973 wegen Hausfriedensbruch, Nötigung, Sachbeschädigung und Freiheitsberaubung verurteilt. Das ist eine ein wenig traurige Biografie – dort, wo Aly „seinen Kampf“ absolvierte, ging es gar nicht lustig zu. (23.02.2008).
    JAN FEDDERSEN: Ein hässliches Spiegelbild. (taz, 23.2.08).
    Nackerte Tatsachen
    . Wie die Bilder gezwungen werden zu lügen : Die Zeitschrift "Cicero" illustriert einen Anti-68er-Text Götz Alys mit den Popos der Kommune 1 und anderen, die sie der NS-Freikörperbewegung zuschreibt. VON ANDREAS FANIZADEH (taz, 3.3.08).
    Marcus Hammerschmitt (TP, 20.04.2008): Im Kielwasser Götz Alys fröhlicher Geschichtsklitterungen schwimmen andere mit: Wie zum Beispiel Luise Hirsch, die in der Jungle World unter dem Titel "Hitlers Kinder" auch was zum Thema anbringt. Sie hat es nicht leicht, denn eigentlich stimmt sie mit Aly so sehr überein, dass es da gar nichts weiter zu sagen gäbe - wenn Aly ihrer Ansicht nach nicht untertrieben hätte.
    Götz Aly lügt: Er behauptet, in zweiter Instanz sei Ohnesorg-Mörder Kurras zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, wovon er vier Monate abgesessen habe. Also, denkt man, gab es doch Gerechtigkeit! Nur ist daran kein Wort wahr. Kurras saß keinen Tag im Gefängnis, keine Minute. Ihn hinter Schloss und Riegel zu fantasieren, bedeutet nicht weniger, als die Empörung einer ganzen Generation über die wiederholten Freisprüche für einen Polizisten, der einen Demonstranten erschossen hatte, der Grundlage zu berauben. (UWE SOUKUP, taz, 18.04.2008 ).


    Peter Schneider: "Rebellion und Wahn". Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 368 Seiten; 18,95 Euro.
    Auszug: Rudis Gedächtnis. Dennoch war mit dem Attentat für ihn und für uns etwas Unwiderrufliches geschehen. Selbst bei einer optimistischen Prognose würde es lange dauern, bis er seine Rolle als Führer der Bewegung wieder übernehmen könnte, und ich glaubte nicht eine Sekunde daran, daß er ersetzbar sei. Sein verwüstetes Gedächtnis war für mich ein Bild für den hohlen, hoffnungsleeren Zustand der Bewegung.
    PETER SCHNEIDER: Tunnelblick aufs Totalitäre. Antwort auf Götz Aly. An einer Stelle seines Buches bekennt Aly sich als einer der Anführer der sogenannten "Schweinejagd" im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität. Die Idee der "Schweinejagd" bestand darin, missliebige Professoren (nach einer Institutsbesetzung am 24. Juni 1971) zu den Fenstern des Seminarraums zu tragen und sie symbolisch aus dem Fenster zu stürzen. In einem Flugblatt der Reformsozialisten im Sommer 1971 lese ich: "Anfang dieser Woche wurde im OSI ein Steckbrief gegen Schwan und verschiedene Reformsozialisten verteilt, in dem die GSO (Grundsemester-Organisation) unverhüllt proklamierte: ,Jagt die Schweine raus!'… Sako-Oberaktionist Aly (Sako - Sozialistisches Arbeitskollektiv) forderte … dazu auf, gewaltsam in Schwans Büro einzudringen und sich die dortigen Gegenstände anzueignen."....Bei der Besetzung der staatlichen Kunstschule in Berlin durch die SA-Studentenschaft wurde eine Prüfung "gewaltsam unterbrochen", die Professoren wurden "aus den Prüfungsräumen entfernt", die mit den Professoren sympathisierenden Studenten "gewaltsam zurückgedrängt" und eine vier Meter hohe Hakenkreuzfahne aufgerichtet. Als Aly diese Szene rekonstruierte, muss ihn die Frage heimgesucht haben: Hatte er als einer der Anführer der "Schweinejagd" im OSI nicht das Gleiche getan? Das Gleiche oder dasselbe? Und war auf dem vom "Wiedergänger" Aly mitverfassten Aufruf zur "Schweinejagd" nicht eine Karikatur zu sehen, auf der ein besonders großes Schwein namens Richard Löwenthal zu sehen war - eines jüdischen Professors, der in die USA geflohen und nach Deutschland zurückgekehrt war, um den jungen Deutschen die Demokratie beizubringen?   Wäre Götz Aly in seiner Untersuchung länger bei sich und seiner Scham geblieben, hätte er vielleicht gefunden, dass er ein von Ehrgeiz und Selbstüberschätzung verblendeter junger Mann, aber kein Jungnazi war - und dass nicht alle 68er sich so verrannt hatten wie er selber. (FR, 10.04.2008).
    Peter Schneider: Der Skandal der Rebellion. Was die Anti-68er stört, das sind gerade nicht die totalitären Auswüchse des Aufbruchs von 1968. Es sind die zivilisatorischen Fortschritte, die er erreichte. (FR, 10.04.2008).
    STEPHAN HEBEL: Der Rest ist Staunen. Sich selbst in der Geschichte sehen: Peter Schneiders 68er-Buch "Rebellion und Wahn". (FR, 08.04.2008 ). An einer Stelle fasst Peter Schneider zusammen: "Man kann der Gesellschaft und uns nur dazu gratulieren, dass wir nie eine reale Chance hatten, die Macht zu ergreifen. Zum Glück haben die neuen Lebens- und Kommunikationsformen, die die Bewegung sozusagen nebenbei und hinter dem Rücken ihrer Ideologen hervorbrachte, eine unendlich folgenreichere Ansteckungskraft bewiesen als die bombastischen Programme ihrer Wortführer. Aus dem Zusammenstoß einer importierten, personell mit dem Nazireich tief verstrickten und nur formal existierenden Demokratie mit einer radikalen, am Ende ins Totalitäre überschwappenden Protestbewegung ist die bei weitem lebendigste zivile Gesellschaft in der Geschichte Deutschlands entstanden."

    Michael Sontheimer: Die trügt wie gedruckt. Zwei 68er-Ikonen, ein super Thema: Das muss sich Jutta Ditfurth gedacht haben, als sie ein Buch über die Freundschaft von Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof schrieb. Einziges Problem: Die beiden Politstars kannten sich kaum.
    Jutta Ditfurth: "Rudi und Ulrike. Geschichte einer Freundschaft". Droemer Verlag,"240 Seiten; 16,95 Euro

    Besprochen von Matthias Matussek: Dutschke, Goebbels und Co. (Spiegel, 18.2.08).

    Peter Mühlbauer: Der Guido Knopp des Feuilletons (TP, 15.2.08). Was an seinen Thesen in "Unser Kampf" Bestand hat, ist trivial. Es beschränkt sich vor allem darauf, dass sowohl die 1968er als auch die Nationalsozialisten irgendwie mit Revolutions- und Umbruchsvorstellungen zu tun hatten. Das Buch ist deshalb extrem berechenbar und langweilt entsprechend schnell.

    Felix Wemheuer: Maoismus und 68. Die Revolte von Rotgardisten, Rebellen und jungen Arbeitern gegen den Parteiapparat in China 1966/67 wurde zu einem zentralen Bezugspunkt für Spontis, RAF und K-Gruppen. Gezielt wurde Mao als Bürgerschreck in den Auseinandersetzungen mit den bürgerlichen Medien eingesetzt. (Jungle World, 14.2.08).

    Sein Kampf VON HARRY NUTT: Wie kaum ein anderer der selbsterklärten Kampfgenossen hat Christian Semler sich später den undelikaten Seiten seiner Biografie gestellt und so wichtige Beiträge zur Selbstaufklärung der linken Geschichte der Bundesrepublik geleistet. (FR, 16.2.08).

    Jacques Schuster (Welt, 15.2.08) lobhudelt Aly. Nicht die Studentenbewegung leitete die Wende zur Reformpolitik ein, sondern die 1969 gebildete sozial-liberale Regierung unter Brandt/Scheel.

  • Dreifache Aggression der Westberliner. Die Studentenbewegung um Rudi Dutschke wollte das Volk mitreißen, doch das reagierte mit Hass. Und der war nirgends stärker als in Westberlin. VON CHRISTIAN SEMLER (taz, 11.4.08).

  • André Glucksmann: 68 - Ein Sonnenstrahl, ein kurzes Aufatmen. Nach Auschwitz, den Kriegen, der massenhaften Vernichtung. Plötzlich schien es, als sei diese Utopie des Friedens in Europa realisierbar. Das dauerte nur kurz. Der gewöhnliche Kapitalismus wurde nicht erschüttert. (SZ, 17.2.08). Am 14. Februar erschien in Frankreich sein neues Buch: "Wie ich Nicolas Sarkozy den Mai ’68 erkläre", das er mit seinem Sohn Raphael verfasst hat.

  • Der ZDF-Programmschwerpunkt "68 - Pop und Politik" erinnert an die Zeit, als alle zusammenkamen - aber auch an den Zerfall der Bewegung. VON HELMUT HÖGE.
    Das, was man "68" nennt, war eine Art Virus, eine ansteckende Gesundheit oder Krankheit - je nachdem. Sie wurde ab Anfang der Sechzigerjahre, vielleicht von Berkeley/Kalifornien aus, virulent - und erfasste über das neue Medium Fernsehen nahezu die gesamte Weltjugend. Das ZDF zeigt mit dem 1980 entstandenen Film "Der subjektive Faktor" von Helke Sander nicht das Überholte der 68er-Ideen, sondern im Gegenteil: dass sie immer aktueller werden. Stellenweise bekommt man sogar den Eindruck, die Regisseurin hätte extra für das Jubiläum einige (Dialog-)Szenen neu gedreht.

  • 68 - Feindbild oder Vorbild (UniSpiegel 1/08).
    Detlev
    Albers wurde zum Protest-Promi, weil er den wohl berühmtesten öffentlichen Spruch der 68er mitgeprägt hatte: "Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren". Am 9. November 1967 setzte sich der damalige Jurastudent gemeinsam mit seinem Freund Gert Hinnerk Behlmer an die Spitze der universitären Würdenträger, die zur feierlichen Übergabe des Rektorats ins Audimax der Universität Hamburg einzogen. Die beiden Revoluzzer waren gekleidet wie Konfirmanden, mit Schlips und Kragen; als Albers aus der Innentasche seines Jacketts heraus das schwarze Transparent entrollte, zitterten ihm die Knie. Mit dem Vers habe man thematisieren wollen, so Albers, dass sich die Hochschulen "bislang vor der Aufarbeitung ihrer Rolle im Dritten Reich gedrückt hatten". Der Ausruf eines erbosten Professors bestätigte umgehend die Anschuldigung der beiden Studenten: "Ihr gehört ins KZ!" (UniSpiegel 1/08)

  • Günter Zint, 1968 Gründer der St. Pauli Nachrichten, spricht über Revolution, den Sekt der Macht und die perfekte Zeitung. Interview: Uli Kreikebaum (SZ, 10.4.08)

     

  • Berthold Beitz im Interview: Alle Beteiligten verhielten sich, als sei es ganz normal, am hellichten Tag in einer kleinen Stadt eine Jüdin zu erschießen, während ihr Kind neben ihr stand. (SZ, 1.2.08)

  • Hans Michael Kloth: Er folterte und mordete vier Jahre lang für die wahnwitzige Vison der Roten Khmer: Kaing Guek Eav, aka Duch, gilt als "Heinrich Himmler Kambodschas". Demnächst kommt er vor Gericht - kurz vor Prozessbeginn hat er nun zum ersten Mal in einem Interview Einblick in die Abgründe der Jahre unter Diktator Pol Pot gewährt. (et).
    Exclusive Interview by Valerio Pellizzari, Phnom Penh. Independent, Monday, 11 February 2008

  • Reinhard Mohr: Der diskrete Charme der Rebellion (Spiegel, 1.2.08).
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    "Heute gibt's Dresche". Berlin brodelt. Tausende Studenten wollen dem Schah von Persien im Juni 1967 einen heißen Empfang bereiten. Aber der Staat ist entschlossen, Stärke zu zeigen. Reinhard Mohr rekonstruiert den Tag, der mit der Ermordung Benno Ohnesorgs endet. (Spiegel, 2.2.08).

  • Post von Rainer Langhans. "Wir waren schön, so schön!" (Stern, 30.1.08)

  • "68" ist eine Chiffre, folkloristisch aufgeladen bis zum Geht-nicht-mehr, und zwar insbesondere von den Gegnern des damals angestoßenen gesellschaftlichen Veränderungsprozesses. Gerade die CDU-Leute (und die Renegaten, natürlich) kriegen notorisch einen roten Kopf, wenn auch nur die Rede auf die lustigen Kommunarden kommt. Die Körperkulturrevolte hat andererseits längst ihr eigenes, das konservative Milieu erreicht. (Ina Hartwig, FR, 29.1.08).

  • Die 68er. Scham und Schweigen. VON BEATE SCHAPPACH UND ANDREAS SCHWAB (FR, 12.2.08).
    Z.B. das "Busenattentat" auf Adorno: Am 22. April 1969 wurde der Philosoph Theodor W. Adorno im Hörsaal von drei barbusigen Studentinnen bei Beginn seiner Vorlesung so bedrängt, dass er die Veranstaltung abbrach und fluchtartig den Raum verließ. Günter Amendt, der sich als einer der wenigen an den Vorfall erinnert, betont, er habe die Aktion bereits damals als beschämend empfunden. Adorno starb drei Monate später. Aus dem nur metaphorisch gemeinten Vatermord war eine Schuld geworden.
     
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  • Richard Herzinger: 1968 – wie eine Revolte zum Mythos wurde. (Welt, 7.1.08).

  • "Politik, Pop und Afri-Cola": Was die Generation der 68er prägte, zeigt das Museum Folkwang mit bizarren Plakaten eines wilden Jahres. Plakativer als gegenwärtig in Essen hätten die landesweiten Feierlichkeiten zum vierzigjährigen Jubiläum des so langen Jahres 1968 gar nicht aufmachen können: Im soeben wiedereröffneten Altbau des Museums Folkwang führt der Weg zu der Schau "Politik, Pop & Afri-Cola. 68er Plakate". (SZ, 14.1.08).
    Politik, Pop & Afri-Cola. 68er Plakate. Eine Ausstellung des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang Essen. Kahrstraße 16. Info: 0201 /88 45 301. Bis zum 16. März. Der Katalog kostet 19,80 Euro.
    Plakatkunst zwischen Agitprop und Pop-Art: Eine große Plakat-Schau in Essen spürt dem Geist von 68 in der Welt der Grafik nach - einestages zeigt die wildestens, wichtigsten, wegweisenden Motive aus einem Jahr, das Geschichte schrieb. (et).

  • Er war ein radikaler Achtundsechziger, Begründer des Frankfurter Heidi-Loves-You-Shop, auch literarisch Avantgarde: Paul-Gerhard Hübsch. War bei der Tortenschlacht im Café Laumer dabei, bei der Kommune 1 und sehr oft auf Drogen. Doch dann konvertiert er zum Islam, nennt sich seitdem Hadayatullah und lebt als Imam in Frankfurt am Main. VON ANDREAS FANIZADEH (taz, 20.1.08).

     

  • Anne Huffschmid: Die Studentenbewegung als Kulturgut – in Mexiko-Stadt ist das erste 68er-«Mahnmal» der Welt eingeweiht worden. Der 2. Oktober 1968 markiert in Mexiko ein blutiges Drama. Damals gingen in der Hauptstadt Truppen und Panzer gegen rund 250 000 Studenten vor, die monatelang gegen die soziale Misere, gegen schlechte Unterrichtsbedingungen und demokratische Defizite der Regierung der Einheitspartei PRI demonstriert hatten. Kurz vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele agierten die Herrschenden nervös und mit brutaler Gewalt. «Schlimmer als jedes Bombardement, das ich in Vietnam gesehen habe», schrieb die Kriegsberichterstatterin Oriana Fallaci, die selber angeschossen wurde, später. «Dort hat es wenigstens immer irgendeinen Unterschlupf gegeben.»(NZZ, 8.12.07).

  • Das Frühjahrsbuchprogramm 2008. "Mythos 68". Das Börsenblatt interviewt den Ex-Maoisten Götz Aly: "Radikalismus des Alles oder Nichts" (17.1.08). Er bekennt, er habe 1968 nichts gewusst, nichts von den Nazis, nichts von Stalin, Mao usw., obwohl die Büchertische vor den Mensen der Unis voll von Literatur darüber waren. Er hätte nur zugreifen brauchen. Weshalb er es nicht tat, erklärt er seinen Lesern leider nicht. Stattdessen behauptet er, nichts von 68 sei heute noch lesenswert...

  • 68: Und das Wetter war früher auch besser. Kai Diekmanns verkehrte Welt, „Der große Selbst-Betrug“. Besprochen von Stefan Niggemeier. (FAZ, 14.1.08).

  • Erinnert sich noch jemand an Rossana Rossanda und Il Manifesto? Ihre Erinnerungen liegen jetzt vor. (taz, 14.1.08): Wo sie nicht an der Macht war, meint Rosanna, bewirkte die kommunistische Bewegung einen mächtigen Ansporn zur Demokratisierung.

  • Mythos 1968: Es wäre Zeit, ihn zu beerdigen. Stattdessen wird er immer größer. Das Jahr 1968, das Kai Diekmann, Johano Strasser, Eva Herman - und viele andere - meinen, ist ein phantastischer Leuchtturm. Von Thomas Steinfeld (SZ, 28.10.07).

  • Freiheit und soziale Gerechtigkeit - so lautet das Erbe von 1968. Marktradikale und Konservative greifen es an. Grund genug, die positiven Wirkungen einer 40 Jahre alten Rebellion zu verteidigen. Von Stephan Hebel (FR, 2.1.08).

  • Michael "Bommi" Baumann /Till Meyer: Radikales Amerika. Wie die amerikanische Protestbewegung Deutschland veränderte, Rotbuch Verlag, 17,90 Euro. Michael Sontheimer interviewt Bommi Baumann dazu. (Spiegel, 22.11.07). Er war Haschrebell und Bombenleger, dann schwor er der Gewalt ab. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Michael "Bommi" Baumann, warum er den Vorwurf, die 68er seien antiamerikanisch, für "diffamierenden Schwachsinn" hält.
    Baumann:
    Die historische Wahrheit sieht so aus: Es gab vor den 68er keine Generation in Deutschland, die so viele Einflüsse aus Amerika aufgenommen hat und so stark durch die amerikanische Kultur geprägt wurde.
    SPIEGEL ONLINE:
    Deshalb muss man doch nicht gleich "God bless America" sagen.
    Baumann:
    Wenn man sich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahr 1776 ansieht, ist darin unter den unveräußerlichen Rechten das Recht auf life, freedom and pursuit of happiness festgeschrieben; das Recht, nach Glück zu streben. Das ist doch sehr progressiv und vernünftig. Dieser amerikanische Individualismus, der hat uns im konformistischen Westdeutschland in den sechziger Jahren angezogen.


  • Blick nach unten voller Scham: Die US-Athleten Tommie Smith und John Carlos blicken bei der Medaillenverleihung bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko zu Boden und erheben ihre schwarzbehandschuhten Fäuste, um gegen die Rassendiskriminierung in den USA zu protestieren und ihre Solidarität mit der Black-Power-Bewegung zu zeigen.

  • Verzerrte Wahrnehmung Von Tanja Dückers. Wer immer sich heute über „die“ 68er echauffiert oder lustig macht, vergisst, wie die gesellschaftlichen Zustände damals waren. (Zeit, 10.1.08).

  • Joschka Fischer: Politisch war für mich das Jahr 68 ein sehr wichtiges, aber eigentlich war für mich der Wendepunkt der 2. Juni 67. Der Schock über die Schüsse auf Benno Ohnesorg ging tief. Das war der entscheidende Wendepunkt, so kamen wir zum Stuttgarter SDS. Damals dachten wir: Jetzt kommt das alte Deutschland wieder. Es war die Zeit des großen Auschwitz-Prozesses, des Bewusstwerdens über die eigene deutsche Geschichte. Im Rückblick würde ich sagen, es war die entscheidende Phase, in der die historische Identität der westdeutschen Nachkriegsdemokratie eine sehr positive Entwicklung genommen hat. (tagsp, 30.12.07). Kürzlich erschien sein Buch „Die rot-grünen Jahre“ (Kiwi)

  • TAZ-Dossier zu 1968: (taz, 28.12.07)
    1. Ganz ohne Gewalt ist eine Revolte nicht zu haben. Das zeigt das Jahr 1968, als die Jugend Reformen gegen den steinharten deutschen Konservatismus durchboxte. VON J.FEDDERSEN & W.GAST .
    2. Stefan Reinecke: Wider das Revolten-Bashing. Gnade für die 68er
    3. Christian Semler:
    Unser geliebter Sozialismus. Die Geschichte einer heißen, aber vergeblichen Liebe. Die radikale Linke propagiert die sozialistische Revolution - und kommt über die Revolte nicht hinaus....Die Vorstellung von der "Aktualität des Kommunismus", so der Titel einer bekannten Arbeit Rossana Rossandas, verdrängte die unbequeme, aber nicht wegzuleugnende Tatsache, dass überkommene Institutionen nicht einfach Instrumente der herrschenden Klasse, sondern, wie die Idee des Rechtsstaats, das Produkt eines langwierigen Zivilisationsprozesses sind. Die radikale Linke war antiinstitutionell, wie auch ihr sozialistisches "Projekt" von der Selbstorganisation "der Massen" und deren Bedürfnissen getragen war. Dem hatte die Organisationsarbeit sich anzupassen. Dieser Antiinstitutionalismus machte in den Jahren 1966 bis 1969 das Anziehende der linken Idee von Sozialismus aus, verbürgte aber auch ihr Scheitern.
    4. Barbara Dribbusch: Mehr Sex, Selbst & Drogen. Anspruch einer umstürzlerischen Zeit und ihre Nachwirkungen bis heute: Was sich an Lebensstilen mit dem Jahr 1968 änderte.
    5. Was war 1968? Da liefen die Kinder deutscher Massenmörder Mao hinterher, meint Historiker Götz Aly. Publizistin Katharina Rutschky widerspricht - sie findet die Praxis, etwa in Kinderläden, viel wichtiger.
    6. Glossar 68
    7.Der "bekennende Haschrebell" Mathias Bröckers: Nicht Politkader, die Hippies waren die eigentlichen Revolutionäre wider die Spießer - zumindest für Jugendliche in der Provinz.
    8. Christian Schneider: Als Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 durch die Kugel eines Berliner Polizisten getötet wurde, brach die Angst der Nachgeborenen schlagartig auf. War der Mord in Uniform nicht der Beweis für das Wiederaufleben des Gewalterbes? ... Die Analysen von 68 hielten sich nicht lange mit historischen Details auf, sie favorisierten die Totalperspektive. Ein Vorbild fanden sie in der Kritischen Theorie, die den Nationalsozialismus aus der Sicht eines epochalen Niedergangs des Kapitalismus interpretierte. Horkheimers "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen" fasste das Analyseschema zusammen: Der Nationalsozialismus galt als eine besondere Ausdrucksform des Faschismus und als Spielart des Kapitalismus.
    9. Die Autorin Silvia Bovenschen wollte 1968 die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen befreien:
    "Die Tomate, die Sigrid Rüger Hans-Jürgen Krahl an den Kopf warf, hat er zu Recht abbekommen".
    10.
    Mein Achtundsechzig! Genossinnen und Genossen der taz erinnern sich an das Jahr 1968 - ein Stück Geschichte aus indivividueller Sicht.
    11. Tobias Goltz:
    Wielandkommune. Von seiner Hinterhauswohnung im vierten Stock hat Ralf Stephan den perfekten Überblick. Durchs Küchenfenster schaut der 65-Jährige auf die Wohnungen im Vorderhaus. Seit 30 Jahren wohnt er hier, Wielandstraße 13, in Kudamm-Nähe. "Dort drüben in der ersten Etage, das ist die Wohnung", sagt der Mann mit den grauen, nach hinten gekämmten Haaren. Dort drüben befand sich die "Wielandkommune". Rund 20 Personen lebten 1968 hier, auch Georg von Rauch und Michael "Bommi" Baumann. In Anlehnung an die Tupamaros aus Uruguay nannten sie sich "Stadtguerilleros". Rauch wurde 1971 bei einem Feuergefecht von einem Polizisten erschossen. Wie die Kommune I am Stuttgarter Platz praktizierte die Wielandkommune einen antibürgerlichen Lebensstil. Mit Drogen und sexuellen Experimenten. Hauptmieter war der Rechtsanwalt Otto Schily. Laut Stephan gehört ihm die Wohnung heute noch. Für ihn ist Schily ein "Drecksack", ein "elendiger Karrierist. Gut, dass der jetzt nicht mehr in der Politik ist." Schilys spätere Frau habe mal bei ihm zur Untermiete gewohnt. Zur Bewegung hatte Stephan selbst keinen Bezug. "Immer die Frauen zu wechseln war nicht mein Ding." In den Räumen der damaligen Kommune arbeitet heute eine Gestaltpsychologin. (29.12.07).
    12. Orte des Geschehens: Zur Dicken Wirtin, SDS-Zentrum, Tegeler Weg

  • Das bittere Ende. Ende der Stern-Serie. Ursel Seppel, Joscha Schmierer, Reinhard Wetter und andere. (01/2008).

    Genossinnen singen im Dez. 1968 ein Solidaritätslied für SDS-lerin Ursula Seppel

  • Als Idee war sie grandios: die Wohngemeinschaft. von Philipp Kohlhöfer (et).

  • Der Sommer, in dem unser 68 begann. Von Mathias Greffrath. Die deutsche Studentenbewegung formierte sich bereits 1967. Eine Beschwörung der entscheidenden Wochen in West-Berlin. (Zeit, 17.5.07).

    Dossier in "Die Zeit": 1968 - wie alles anfing

  • Gabriele Gillen erzählt die wahre Geschichte der deutschen Sittlichkeit. Gruppensitzung mit Bettgenossen (Auszug aus "1968 - Die Revolte", Herausgegeben von Daniel Cohn-Bendit und Rüdiger Dammann, 2007, S.Fischer-Verlag.; in einestages). Ein Hinweis darauf, dass das Private das eigentlich Politische ist.

  • Gruß zum Heiligen Abend von 68er Filmregisseur Klaus Lemke: Das Schlimmste an unserer Generation sind die 68er. Das Allerschlimmste, was je angerichtet wurde. (taz, 24.12.07).